Die Schlacht um Buna-Gona-Sanananda war ein Konflikt im Pazifikkrieg während des Zweiten Weltkriegs zwischen japanischen und alliierten Truppen und fand vom 16. November 1942 bis zum 22. Januar 1943 im damaligen australisch verwalteten britischen Territorium Papua im Gebiet der Küstenorte Buna, Gona und Sanananda statt.
Vorgeschichte
Das japanische Ziel hatte darin bestanden, Port Moresby durch einen Überlandvorstoß von der Nordostküste aus zu erobern. Dazu sollte der Kokoda-Pfad, der über die Berge des Owen-Stanley-Gebirges führt, genutzt werden. Die Einnahme von Port Moresby war Teil der japanischen Strategie zur Isolierung Australiens von den Vereinigten Staaten.
Nachdem der Versuch, Port Moresby über den Landweg aus zu erreichen, fehlgeschlagen war, wurden die japanischen Streitkräfte bis Ende November 1942 in dem schmalen Küstenstreifen von Gona nach Buna im Nordosten Neuguineas eingekesselt und standen mit dem Meer im Rücken den alliierten Streitkräften im Westen und Süden gegenüber. Allerdings hatten sie zur Verteidigung sehr stark befestigte Stellungen erbaut.
Die Situation an der Front
alternativtext=|mini|202x202px|Generalleutnant Hyakutake Haruyochi alternativtext=|mini|212x212px|Yasuda Yositatsu
Japan Schon seit Anfang September kam es immer wieder zu alliierten Luftangriffen auf das Küstengebiet bei Buna und Gona und obwohl es der japanischen Flugabwehr gelang einige Maschinen abzuschießen, war die Versorgung der Truppen von See aus stark gefährdet.
Am 13. September wurde per Telegramm von Rabaul eine alliierte Landung bei Busabua, unweit von Gona gemeldet, die sich zwei Tage später als Falschmeldung erwies. Infolgedessen rückte jedoch die aus Yokosuka stammende 5. Spezial Marinelandungseinheit (海軍特別陸戦隊 ''Kaigun Tokubetsu Rikusentai'') nach Buna vor und ihr Kommandant, Captain Yoshitatsu Yasuda, übernahm das Kommando über alle Marineeinheiten in der Region.
Über den ganzen September bis Mitte November befanden sich die Truppen der japanischen Südseeabteilung in stetigem Rückzug auf dem Kokoda-Trail. Am 19. November begannen die Einheiten über den Kumusi überzusetzen, wobei ihr Kommandant Horii Tomitarō in den Fluten ertrank.
Mehr als 1.800 erfahrene japanische Soldaten und Marinesoldaten, die größtenteils nicht am Kokoda-Track-Kampf teilgenommen hatten, befanden sich in einer hervorragenden Verteidigungsposition bei Buna und warteten auf den alliierten Angriff. Die Westflanke der japanischen Linie wurde vom Meer und den undurchdringlichen Sümpfen der Hauptmündung des Girua geschützt. Die Ostflanke grenzte an die Seeküste südlich von Kap Endaiadere. Die Mitte der Frontlinie wurde von dem weiten Sumpf zwischen den Bächen Entrance und Simemi gebildet.
Das 3. Bataillon des 229. Infanterieregiments, das schon in Canton und Hongkong gekämpft hatte (→ Schlacht um Hongkong), verlegte am 18. November von Gona und besetzte die Ostflanke zusammen mit einer Ersatzeinheit, die Yamamoto Butai genannt wurde, nach ihrem kommandierenden Offizier Major Tsuneichi Yamamoto. Diese Einheiten wurden unter das Oberkommando von Generalmajor Kensaku Oda, dem Nachfolger von General Horii, gestellt. Die Infanterie zählte 1.165 Soldaten, hinzu kamen 200 Flugabwehr- und Gebirgsartilleristen. Vom 144. Infanterieregiment, das bei der Expedition nach Port Moresby dezimiert worden war, waren noch etwa 100 Mann übrig sowie weitere rund 300 Angehörige verschiedener Waffengattungen, darunter Pioniere, Sanitäter, Nachrichten- und Versorgungspersonal. Dazu noch ca. 400 japanische, taiwanische und koreanische Arbeiter der 14. und 15. Baueinheit. Die japanische Streitmacht in Buna belief sich damit auf etwa 2.200 Mann, von denen rund 1.800 Kampftruppen waren.
Da der Grundwasserspiegel im zu verteidigenden Gebiet nicht sehr tief war, konnten keine tief liegenden Schutzstellungen gegraben werden. Daher legten die Japaner Hunderte von Kokosnussholzbunkern an, die sich gegenseitig unterstützend in einer Tiefenstaffelung angeordnet waren. Einige große Bunker wurden sogar mit Stahlträgern verstärkt, während einige Stahlbeton-Unterstände in der Nähe der jetzt verlassenen Landebahn etwa 600 m von Buna Mission entfernt standen. Zudem wurden Blockhäuser aus Lehm gebaut, die 20 oder 30 Mann aufnehmen konnten, wo es das Gelände und der taktische Vorteil erlaubten. Im gesamten Umkreis wurden zahlreiche kleinere Feldbefestigungen in dichtem Gelände mit Bäumen oder Dschungelvegetation platziert.
Alliierte Zur Einnahme von Buna-Gona hatte General MacArthur eine Gesamtstärke von zehn Brigaden in der Region. Alliierte Flugzeuge sollten von Port Moresby aus anfliegen und japanische Nachschubtransporte in Rabaul mit Hilfe genauer Informationen von geheim platzierten Küstenwächtern angreifen. Für den Angriff waren vier Achsen vorgesehen: die Australier auf dem Kokoda Track und dem Kapa Kapa-Jaure Track im Südosten, die dritte Achse ausgehend von der Milne-Bay sowie als Viertes ein direkter Flugweg von Südosten nach Buna auf dem Truppen von Wanigela südlich vom Kap Nelson aus eingeflogen wurden. Die dortige Landebahn erwies sich als ausreichend geeignet für die Landung von Transportflugzeugen. So wurden umgehend Befehle zur Einnahme des Flugfeldes erteilt, was am 5. Oktober ohne Wissen oder Widerstand der Japaner durchgeführt wurde. Sofort wurden australische und amerikanische Truppen eingeflogen, die anschließend nach Pongani, 37 km von Buna entfernt, verlegten. Patrouillen erkundeten einen Weg durch die Hydrographers Range, und in Pongani wurde eine Landebahn für Transportflugzeuge errichtet.
Bis zum 2. November hatte das 128. Infanterieregiment mit Ausnahme eines halben Bataillons in Port Moresby seine Verlegung in das Gebiet von Pongani abgeschlossen. Die australische 2/6th Commando Squadron, die den Vormarsch deckte, erkundete die Routen nach Buna. Das 2. Bataillon des 126. Infanterieregiments, das von Rigo über Land marschiert war, wurde im Gebiet um Jaure eingesetzt. Der Rest der beiden US-Regimenter konzentrierte sich nördlich des Owen-Stanley-Gebirges und war bereit, die Japaner zusammen mit der australischen 7. Division anzugreifen.
Fälschlicherweise meldete die alliierte Aufklärung dem Führungsstab an der Front, dass ihr nicht mehr als 1.500 bis 2.000 Feinde gegenüber stünden und eine Kapitulation der Japaner um den 1. Dezember zu erwarten sei. Tatsächlich hielten rund 6.500 Japaner den Brückenkopf.
Die Kampfhandlungen
Landung bei Buna alternativtext=|mini|226x226px|Generalmajor Edwin Harding Am 16. November erhielt das japanische Marinehauptquartier in Rabaul einen Geheimdienstbericht von enormer Bedeutung. Alliierte Schiffe wurden während der Landung von Luftpatrouillen in der Oro Bucht, etwa 15 Kilometer südlich von Buna, gesichtet.
Die Stärke der Landungseinheiten lag bei ungefähr tausend Mann. Es handelte sich um die 32. US-Division unter dem Kommando von Generalmajor Edwin Harding und die australische 7. Division unter Generalmajor George Vasey. Gegen 17 Uhr griffen 30 Jäger und Bomber die Landungstruppen an, versenkten drei Transporter und verursachten Brände auf zwei weiteren, die später sanken. Aufklärungsflugzeuge der japanischen Armee entdeckten einen Flugplatz etwa 10 Kilometer südöstlich von Buna und zwei Flugplätze in Mendaropu, etwa 25 Kilometer südöstlich von Buna.
Die alliierten Truppen rückten am 16. November vor, die 32. Division gegen Buna und die 7. Division gegen Gona und Sanananda. Einheiten auf beiden Seiten der Grenze zwischen den Divisionen sollten besonders darauf achten, ihre innere Flanke nicht freizulegen. Die 32. Division sollte zusätzlich zu ihrer Kampfrolle eine Landebahn in Dobodura errichten, die Überquerung des Flusses Girua in der Nähe von Soputa sichern und halten und für die Sicherheit der rechten Flanke vor feindlichen Angriffen auf See sorgen. alternativtext=|mini|180x180px|Generalmajor George Vasey (links) spricht mit drei Soldaten seiner Division Am frühen Morgen des 16. November, als die Amerikaner den Angriff eröffneten, beendeten die Australier die Überquerung des Kumusi. Eine Pionierabteilung der 25. Brigade begann eine Landebahn am Ostufer des Flusses zu errichten, der Rest marschierte auf Gona und die 16. Brigade auf Sanananda. Das vorgeschobene Hauptquartier der 7. Division überquerte den Fluss direkt hinter der 16. Brigade.
Unterdessen entflammten die Kämpfe auf beiden Seiten des Girua. Links stieß die 7. Infanteriedivision in den ersten beiden Tagen auf keine feindliche Gegenwehr, hatte aber mit anderen Problemen zu kämpfen. Die Australier überdehnten schnell ihre Versorgungslinie und mussten ihre Rationen kürzen. Die große Hitze führte zu Erschöpfungen, und die unzähligen Fieberkrankheiten in Neuguinea reduzierten die Truppenstärke stetig. Als die ersten Schüsse am 18. November fielen, stellten die Truppen fest, dass jede Annäherung an die Sümpfe und Bäche sie in feindliches Maschinengewehrkreuzfeuer führte. Trotz der heftigen japanischen Verteidigung und ohne Artillerieunterstützung drängten die Australier voran. Aber auch nach drei Tagen schwerer Kämpfe konnten sie immer noch nicht Gona einnehmen. Rechts von der Division blieb ein Vorstoß auf Sanananda aus, obwohl es den Truppen gelang eine Straßensperre hinter dem Feind zu errichten.
Im amerikanischen Angriffssektor kam es zu noch größeren Problemen. In der Hoffnung die Küstengewässer zu ihrer rechten Seite zur besseren Versorgung der Truppe zu nutzen, lud die 32. Division Munition, Rationen, Funkgeräte und schwere Waffen auf kleine Fischerboote. Nach fragwürdiger Planung machten sich die schwer beladenen Boote ohne Luftunterstützung auf den Weg. Japanische Zeros entdeckten kurz darauf die Boote und versenkten mit Tiefflugangriffen alle bis auf eines. Ohne Aussicht auf Nachschub kämpften die Amerikaner weiter und erhielten am 19. November japanisches Abwehrfeuer aus unsichtbaren Verteidigungsstellungen. Zwei Tage später bombardierten Flugzeuge der Fifth Air Force zweimal die 128. Infanterietruppen (→ Friendly Fire), töteten zehn und verwundeten vierzehn Mann. Trotz dieser Rückschläge führte die 32. Division mehrere lokale und drei große Angriffe gegen japanische Stellungen durch, aber es gelang nicht die Japaner zu vertreiben.
Der Angriff war eröffnet, aber der Zustand vieler angreifender Truppen ließ zu wünschen übrig. Die 16. und 25. Brigade, die den Feind fast bis über die Owen Stanleys gejagt hatten, waren seit fast zwei Monaten unter schwierigsten Bedingungen im Dauereinsatz. Sie hatten viele Männer verloren, und die verbliebenen waren erschöpft. Die 21. Brigade, General Vaseys Reserve, war zwar ausgeruht und neu gruppiert, aber weit unter der Sollstärke. Nur die unerprobten Amerikaner, die zu dieser Zeit knapp 7.000 Mann zählten, konnten als frische Truppen betrachtet werden.
Der Zustand der 32. Division mini|114x114px Die Division, deren Abzeichen ein roter Pfeil mit einem Querstrich auf dem Schaft ist, war eine ehemalige Einheit der Nationalgarde von Michigan und Wisconsin. Sie war eine hochdekorierte Einheit im Ersten Weltkrieg, nachdem sie an Schlachten bei der Aisne-Marne, der Oise-Aisne und der Maas-Argonne teilgenommen hatte. Eigentlich war die Division für den Kampfeinsatz in Europa vorgesehen, wurde jedoch im letzten Moment in den Pazifik befohlen. Die Division übernahm in San Francisco mehr als 3.000 Ersatzkräfte und erreichte am 14. Mai Adelaide in Australien. Die Ausbildung hatte kaum begonnen, als die Division erneut Befehl zur Verlegung erhielt – diesmal nach Brisbane. Die Verlegung wurde Mitte August abgeschlossen. Die Ausbildung im Camp Cable, dem Lager der Division in der Nähe von Brisbane, hatte gerade wieder begonnen, als die ersten Einheiten nach Neuguinea abzogen. Diese Verlegungen führten dazu, dass die Truppen für die anstehende Aufgabe nicht nur unzureichend ausgebildet, ausgerüstet und unterstützt waren, sondern auch viele der Schwierigkeiten, denen sie in Buna begegnen sollten, weder vorher geübt hatten noch damit rechneten.