Paul Albert Jacob (* 27. März 1887 in Irrgang bei Falkenstein/Vogtl.; † 17. Juli 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Goerden) war ein von Margret Bechler denunzierter und vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilter Bergwerksheizer aus Zwickau. Er ist beim Zwickauer Schwanenteich beigesetzt.
Leben Biografie bis 1943 Paul Albert Jacob Biografischen Angaben entnommen aus: Lebenslauf Albert Jacob nach den Angaben seines Sohnes Gerhard, Bundesarchiv DY 55/V 278/6/782, zitiert nach: Sven Hüber, Albert Jacob - Zwickauer, Ermordeter, Vergessener. Ein deutsches Schicksal, Material zur staatspolitischen und erinnerungspolitischen Bildungsarbeit, Broschüre, Hrsg. Gewerkschaft der Polizei, Bezirk Bundespolizei, Hilden 2020, mit Archivnachweisen. Abgerufen am 4. Oktober 2020 wurde am 27. März 1887 in Irrgang bei Falkenstein/Vogtl. als Sohn des Maurers Heinrich Wilhelm Jacob und seiner Frau Henriette Emilie Jacob, geb. Rudolph, geboren. Die Familie hatte fünf Kinder. Die Mutter verstarb bereits im Jahr 1900. Albert Jacob lernte nach Beendigung der Volksschule bei seinem Vater das Maurerhandwerk. 1903 ging er wegen der schlechten heimatlichen Lebensverhältnisse nach Hamburg, arbeitete zunächst in verschiedenen Fabriken und in der Landwirtschaft, um nach einiger Zeit bei der deutschen Handelsmarine als Heizer auf einem Frachtschiff anzuheuern, mit dem er rund um den Globus unterwegs war.
Vom 12. September 1907 bis zum 20. September 1910 leistete Jacob als Heizer auf einem Kriegsschiff Wehrdienst bei der Kaiserlichen Marine. Anschließend fuhr er wieder bei der deutschen Handelsmarine zur See, um dann in Oberlauterbach (Falkenstein/Vogtl.) als Stricker zu arbeiten. Am 8. Juni 1913 heiratete er die Strickerin Hedwig Helene Jacob, geborene Preiss. Aus der Ehe ging der 1920 geborene gemeinsame Sohn Gerhard hervor.
Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges musste Jacob erneut als Heizer auf einem Kriegsschiff Militärdienst leisten und war vom 2. August 1914 bis zum 28. Oktober 1919 Angehöriger der Kaiserlichen Marine. Nach seiner Entlassung aus der Marine begann er im Bergbau tätig zu werden. 1921 zog Jacob nach Zwickau-Pölbitz, wo er anfing, als Heizer zu arbeiten. Bis zu seiner Verhaftung am 13. September 1943 arbeitete Jacob auf dem „Bürgerschacht II“ im Erzgebirgischen Steinkohlen-Aktien-Verein (ESTAV) in Zwickau.
Politisches Engagement Im Jahr 1919 trat Jacob dem Zentralverband der Maschinisten und Heizer, einer dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) zugehörigen Gewerkschaft, bei, wo er einige Zeit als Unterkassierer gewerkschaftlich aktiv und bis zur Gleichschaltung der Gewerkschaften 1933 Mitglied war.
Im Jahr 1921 wurde Jacob Mitglied im Roten Frontkämpferbund (RFB) und trat auch in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) in der Ortsgruppe Zwickau-Pölbitz ein, der er bis zu deren Verbot 1933 angehörte. Auch die Rote Hilfe Deutschlands wurde von Jacob unterstützt. Im November 1932 kandidierte Jacob bei den Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung von Zwickau für die KPD, ohne gewählt zu werden.
Nach der Gleichschaltung der Gewerkschaften wurde Jacob 1933 in die Deutsche Arbeitsfront (DAF) übernommen. Im Jahr 1934 trat er dem Kyffhäuserbund bei, den er 1941 wieder verließ. Seit 1936 war Jacob Mitglied der der NS-Volkswohlfahrt (NSV). In der LiteraturEhrendes Gedenken - Zwickauer Arbeiterfunktionäre und Widerstandskämpfer, Beiträge zur Geschichte der Zwickauer Arbeiterbewegung, Heft III, SED-Kreisleitung Zwickau-Stadt, 1966, S. 4 wird Jacobs anfängliche politische illegale Arbeit nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am Rande erwähnt. Der Widerstandskämpfer und spätere Bürgermeister von Königswalde, Karl Lauer, Leiter der KPD-Ortsgruppe Zwickau-Pölbitz von 1924 bis 1935, bezeugte nach Kriegsende, dass Jacob illegales Material, darunter die Die Rote Fahne im Kleinformat, für die örtliche Widerstandsgruppe verwahrt und „sein Geheimniss gewahrt und keinen Genossen verraten“ habein: OdF-/VVN-Akte Hedwig Jacob, Sächsisches Staatsarchiv Chemnitz Bestand 30413 Abt. 9 Nr.51042, zitiert nach: Sven Hüber, Albert Jacob - Zwickauer, Ermordeter, Vergessener. Ein deutsches Schicksal, Material zur staatspolitischen und erinnerungspolitischen Bildungsarbeit, S. 8f. Der Widerstandskämpfer Bruno Badstübner berichtete 1950, dass er 1941 bis 1943 mit Jacob „zusammen illegal gearbeitet“ habe, indem er „die sowjetischen Nachrichten abgehört und weiter verbreitet“ und „die Botschaften von Kriegsgefangenen in der Sowjet-Union [...] den Angehörigen [haben] schriftlich zukommen lassen“.in: OdF-/VVN-Akte Hedwig Jacob, Sächsisches Staatsarchiv Chemnitz Bestand 30413 Abt. 9 Nr.51042, zitiert nach: Sven Hüber, Albert Jacob - Zwickauer, Ermordeter, Vergessener. Ein deutsches Schicksal, Material zur staatspolitischen und erinnerungspolitischen Bildungsarbeit, S. 13
Biografie ab 1943, Denunziation durch Margret Bechler Seit dem 1. September 1939 war das Hören sogenannter Feindsender im Deutschen Reich nach der sogenannten Rundfunkverordnung verboten und unter Strafe gestellt.
Albert Jacob hörte trotzdem seit Ende August 1943 auch den Sender „Freies Deutschland“ des Nationalkomitee Freies Deutschland (NKFD), vor allem die Sendung „Heimatdienst“ mit in der Sowjetunion kriegsgefangenen deutschen Wehrmachtssoldaten, welche unter Angabe der Anschrift der Familie in Deutschland und der Bitte an die Hörer um Weiterleitung Grüßen und Überlebenszeichen an die Familien sprachen. Am 3. September 1943 hörte Jacob so im Sender „Freies Deutschland“ die Heimatgrüße von Feldwebel Max Kießling aus Selb und Major Bernhard Bechler aus Altenburg: „Hier ist Major Bechler. Ich bitte die Hörer, viele Grüße an meine Frau auszurichten. Ich bin in sowjetischer Kriegsgefangenschaft und es geht mir gegenwärtig sehr gut.“ Jacob schrieb daraufhin zunächst an die Mutter von Kießling und traf sich mit ihr am 11. und 12. September 1943 in Zwickau. Am 13. September 1943 fuhr Jacob nach Altenburg in Thüringen, um Margret Bechler das im Radio gehörte Lebenszeichen ihres Mannes Bernhard zu überbringen. Jacob hatte auch einen anonym verfassten Brief dabei, falls er Margret Bechler nicht antreffen konnte.
Bechler fertigte Jacob an der Tür ab, rief die Kriminalpolizei an, verfolgte den flüchtenden Jacob zusammen mit zwei weiteren Hausbewohnerinnen und veranlasste seine Festnahme.Margret Bechler/Mine Stalmann: Warten auf Antwort – Ein deutsches Schicksal, München 1978, S. 23 Bechler, die bereits am 5. September 1943 einen anderen, bei ihr drei Tage zuvor aufgetauchten Überbringer von im Radio gehörten Familiengrüßen ihres Mannes bei der Kriminalpolizei angezeigt hatteMargret Bechler/Mine Stalmann, Warten auf Antwort – Ein Deutsches Schicksal, München 1978, S. 18, sagte noch am 13. September 1943 umfangreich gegen Jacob ausAussage von Margret Bechler gegen Albert Jacob am 13. September 1943, Bundesarchiv Signatur R 3018/1006, Faksimileabdruck in: Sven Hüber, Albert Jacob - Zwickauer, Ermordeter, Vergessener. Ein deutsches Schicksal, Material zur staatspolitischen und erinnerungspolitischen Bildungsarbeit, S. 19 ff. Abgerufen am 4. Oktober 2020. Bechler war dabei bewusst, dass „auf das Abhören feindlicher Sender die Todesstrafe stand“.Margret Bechler/Mine Stalmann, Warten auf Antwort – Ein Deutsches Schicksal, München 1978, S. 18 Später begründete sie in Vernehmungen ihre Anzeige gegen Jacob damit, dass sie „mit den illegalen Tätigkeiten nicht einverstanden war“ und „mit dem Hingehen zur Gestapo die Haltung unserer Familie zum Ausdruck bringen“ wollte Sven Hüber, Albert Jacob - Zwickauer, Ermordeter, Vergessener. Ein deutsches Schicksal, Material zur staatspolitischen und erinnerungspolitischen Bildungsarbeit, S. 13, zudem sei sie „mit jener Vaterlandsliebe großgeworden, die ohne Schwarzweißdenken und Feindbildvorstellungen“ nicht auskam, es hätte „innere und äußere Feinde, Volksfeinde, Staatsfeinde, Judentum und Bolschewismus als große Weltfeinde“ gegeben, es schien „mir selbstverständlich“, „den inneren Feind bekämpfen zu helfen, sofern ich konnte“Margret Bechler/Mine Stalmann, Warten auf Antwort – Ein Deutsches Schicksal, München 1978, S. 19. Bechler gab an, dass sie den Verrat an Jacob „nicht aus parteipolitischen Gründen getan habe, sondern in der Meinung, dass dies für Deutschland überhaupt nur zum Guten sein könne“.zitiert nach: Eisert, Wolfgang: Die Waldheimer Prozesse. Der stalinistische Terror 1950 – Ein dunkles Kapitel der DDR-Justiz, München 1993, S. 218
Haft und Verurteilung Jacob wurde von der Gestapo Gera in Gewahrsam genommen und im Landgerichtsgefängnis „Amthordurchgang“ in Gera inhaftiert. Am 15. Dezember 1943 erließ Amtsgerichtsrat Striehn in Gera einen HaftbefehlBundesarchiv R 3018/1006, Faksimileabdruck in Sven Hüber, Albert Jacob - Zwickauer, Ermordeter, Vergessener. Ein deutsches Schicksal, Material zur staatspolitischen und erinnerungspolitischen Bildungsarbeit, S. 31 gegen Albert Jacob, weil er ausländische Radiosender abgehört „und das Gehörte Arbeitskameraden weitererzählt haben soll“, der Tatvorwurf lautete „Vorbereitung zum Hochverrat“. Am 22. Dezember 1943 wurde die Sache vom Sondergericht Weimar an den Volksgerichtshof nach Berlin übersandt. Reichsanwalt Albert Weyersberg erhob gegen den immer noch ohne Verteidiger inhaftierten Albert Jacob am 7. Februar 1944 wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung beim Volksgerichtshof in Berlin die Anklage, Jacob musste sich innerhalb von drei Tagen zur Anklage äußern. Am 27. März 1944, Albert Jacobs 57. Geburtstag, wurde er frühmorgens um vier Uhr von Gera in das Gefängnis Berlin-Plötzensee gebracht und dabei schwer misshandelt.
Für die spätere Behauptung von Margret Bechler, Jacob habe „im Laufe seiner Haft“ zwei weitere Männer, davon einen Mann namens „Noski“, „in sein Unheil mit hinein gerissen, auch sie waren hingerichtet worden“Margret Bechler/Mine Stalmann, Warten auf Antwort – Ein Deutsches Schicksal, München 1978, S. 47, gibt es keinerlei Anhaltspunkte.
Am 31. März 1944 um 11.30 Uhr eröffnete der 3. Senat des Volksgerichtshofs die Verhandlung gegen Jacob. Den Vorsitz führte Bruno Makart, als Beisitzer agierten SS-Gruppenführer Leo Petri, Generalarbeitsführer von Mangold und Gebietsführer Moka, Kammergerichtsdirektor Georg Schulze-Weckert war der Berichterstatter des Senats. Anklagevertreter Bruno Dölz beantragte für den Oberreichsanwalt die Todesstrafe gegen Albert Jacob, den dauernden Ehrverlust und die Einziehung des Radios, der vom Volksgerichtshof bestellte Pflichtverteidiger Hans Martin Eckert aus Berlin bat um eine Bestrafung nur wegen Rundfunkverbrechens. Um 13.20 Uhr war die Verhandlung bereits beendet. Der Volksgerichtshof vertagte die Sache, um durch die Gestapo nochmals „Ermittlungen über das Verhalten des Angeklagten im Betriebe“ und „ein politisches Führungszeugnis der Partei“ einholen zu lassen.