mini|500px|Kastellkette der Gask Ridge und Verlauf der Militärstraße(85 n. Chr.) Die Kleinkastelle und Wachtürme an der Gask Ridge zählten zu einer Befestigungskette, die im 1. Jahrhundert n. Chr. von den Römern im heutigen Zentralschottland errichtet wurde. Einige von ihnen dienten anfangs wohl zur Sicherung des Nachschubes für den Feldzug des Agricola, Statthalter von Britannien um 80 n. Chr. Nach ihrem Sieg in der Schlacht am Mons Graupius im Jahr 83 n. Chr. legten die Römer weitere Kastelle und Wachtürme an, um das Hochlandmassiv, wahrscheinlich das Rückzugsgebiet aufständischer Caledonii, von der Fife-Halbinsel zu trennen. Die Grenzanlagen blieben aber nur weniger als ein Jahrzehnt in Gebrauch, bevor sich die römische Armee – 87 oder 88 n. Chr. – wieder bis zur Linie Solway Firth – Tyne (Stanegate) zurückzog.

Sie bestand im Wesentlichen aus einer 37 km langen Reihe von Kohortenkastellen, Kleinkastellen und Wachtürmen entlang einer Militärstraße und ähnelte den Wetterau-Limes im Taunus, zwischen den Flüssen Lahn und Main, etwa 48 km östlich des Rheins. Die jüngsten Befunde lassen vermuten, dass es sich bei der Gask-Ridge-Linie um den frühesten bekannten römischen Limes handelt, der schon 40 Jahre vor dem Hadrianswall und 60 Jahre vor dem Antoninuswall eingerichtet wurde. Die Besatzungen der Türme und Kleinkastelle sollten für eine flächendeckende Überwachung sorgen, Nachrichten weitergeben und Überraschungsangriffe aus den zahlreichen tief eingeschnittenen Glens der Highlands verhindern.

Die bislang archäologisch gesicherte Befestungskette beginnt in Glenbank nördlich von Dunblane und endet in Bertha am Fluss Tay. Größtenteils verlief sie entlang eines markanten, rund 70 m hohen Höhenzugs, der namensgebenden Gask Ridge, nördlich von Strathearn in der Grafschaft Perthshire. Vermutlich erstreckte sich der Limes aber noch viel weiter nach Norden, bis zum Kastell von Stracatho und im Süden bis nach Doune oder sogar bis Camelon und Falkirk am Clyde-Forth Isthmus.

Südwestlich standen die sogenannten Glen-Blocker-Kastelle. Diese Bezeichnung bezieht sich auf ihre Position am östlichen Ausgang der Hochlandtäler (gälisch Glen oder Strath) zwischen Barocan am Clyde und Stracathro. Sie entstanden vermutlich schon während der flavischen Herrschaftsperiode und sollten das landwirtschaftlich ertragreiche Küstenland zwischen Strathallan und Strathearn gegen Einfälle von Westen her schützen.

Kleinkastelle mini|Abbildungen von Wachtürmen an der Trajanssäule (2. Jahrhundert n. Chr.) mini|Rekonstruktionsversuch eines Holz-Erde-Kleinkastells der Gask Ridge,(1. Jahrhundert n. Chr.)

Gegenwärtig sind fünf Kleinkastelle an der Gask Ridge Linie bzw. in Zentralschottland archäologisch gesichert:

Glenbank, Kaims und Midgate, ein viertes, bei Raith, konnte bis dato nicht lokalisiert werden, ein fünftes, Cargill Mains, befand sich nahe dem Legionslager Inchtuthil, das sechste – bei Inverquharity – zählte zu den Glen Blocker Befestigungen.

Glenbank stand sechs römische Meilen von Kaims (und vom Kastell Doune im Süden) entfernt, Kaims 12 römische Meilen von Midgate. Ein typisches Holz-Erde-Kleinkastell des 1. Jahrhunderts n. Chr. war im Grundriss spielkartenförmig, etwa 0,1–0,3 ha groß und diente meist zur Überwachung einer Straße oder eines Grenzübergangs. Als Annäherungshindernis wurde ein Doppelgraben angelegt. Die V-förmig ausgeschachteten Gräben waren im Schnitt 3 m tief. Es verfügte (generell) nur über ein Tor, das von einem Holzturm geschützt wurde. In Glenbank war der Wall zudem beidseitig nach innen gekrümmt und schuf so einen trichterförmigen Zugang zum Tor. Die Innenfläche maß im Durchschnitt 30 × 50 m. Eine mindestens 1,5 m hohe Brustwehr aus Palisaden oder Weidengeflecht krönte den Wall und deckte den Wehrgang. Die Innenbebauung der Kleinfestungen am Hadrianswall bestand gewöhnlich aus zwei halbseitig platzierten Holz- oder Fachwerkbaracken, in denen eine Centuria, etwa 80 Mann, untergebracht werden konnte. Das Innere der Gask-Ridge-Exemplare zeigte jedoch keinerlei Reste von Gebäuden – außer vereinzelten Pfostenlöchern – obwohl durch Pflugscharen gestörte Kieslagen des originalen Bodens erhalten geblieben waren. Ähnliches wurde bei Ausgrabungen im späten 19. Jahrhundert in den anderen Gask-Ridge-Kleinfestungen von Midgate und Kaims beobachtet, aber bisher war immer davon ausgegangen worden, dass man bei den Untersuchungen evtl. Gebäudereste übersehen hatte. Dies erscheint heute aber eher unwahrscheinlich, es könnte sein, dass diese Befestigungen entweder keine Innengebäude hatten oder diese aus leicht vergänglichen Materialien aufgebaut waren, die keine archäologisch verwertbaren Spuren hinterlassen haben. Vielleicht waren dort auch nur Zelte aufgestellt. Es wäre auch möglich, dass solche Kleinkastelle erst während der neuerlichen Besetzung Zentralschottlands unter Kaiser Antoninus Pius (138–161) – Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. – errichtet wurden. Ihre Positionierung relativ nahe der Kohortenkastelle weist aber auf eine frühere Gründung hin. Es erscheint in diesem Zusammenhang auch bemerkenswert, dass der Wachturm von Midgate nur wenige Meter vom gleichnamigen Kleinkastell entfernt aufgestellt wurde. Man geht davon aus, dass ihre Funktion den Meilenkastellen des Hadrianswalls entsprach – nämlich Grenzübergänge zu sichern und bei Bedarf die benachbarten Turmbesatzungen zu unterstützen.Maxwell/Wilson 1987, Vetters/Kandler 1990, S. 354, Fields/Spedaliere 2005, S. 20 und 25.

Wach- und Signaltürme

Die turres oder speculae der Gask Ridge Serie wurden ausnahmslos in Holzbauweise errichtet und weisen keine einheitliche Größe und Form auf. Der Grundriss von Westerton ist eher oval, einige andere sind quadratisch, aber solche Variationen sind typisch für diese Art von römischen Militärbauten und spiegeln deren oftmalige Ad-hoc-Bauweise wider. Ihre tragende Konstruktion bestand aus vier massiven Eckpfosten (Fundamenttiefe ca. 1 m, Pfostenquerschnitte 0,5 m) um die der Turm, möglicherweise bis auf eine Höhe von 10 m, aufgebaut wurde. Die Grundflächen waren jedoch unterschiedlich, Greenloaning ist mit rund 23 m² Innenfläche der größte, Gask House mit 7,44 m² der kleinste. Die Türme standen zu beiden Seiten und in unterschiedlichen Distanzen von der Militärstraße entfernt. Der südliche Abschnitt der Turmkette weist einen regelmäßigen Abstand von 887 m zueinander auf, im Vergleich zu den eher zufällig gewählten Abständen der Wachtürme weiter nördlich. Der Unterschied in der Bauart und im Abstand der Wachtürme zwischen den beiden Abschnitten lässt vermuten, dass die Befestigungskette von mehreren Bauvexillationen – zeitgleich – errichtet wurde. Die Gask-Türme befinden sich im Allgemeinen nicht auf den höchsten Geländepunkten, von denen aus die Umgebung am besten eingesehen werden konnte. Eine Ausnahme ist der Turm von Westmuir, er stand nur etwa 300 m vom höchsten Punkt der Gask Ridge entfernt. Ihre Besatzung umfasste nicht mehr als acht Mann (Contubernium), die den Auxiliartruppen angehörten. Diese speculatores gaben bei feindlichen Angriffen Horn-, Licht- oder Rauchsignale von Turm zu Turm weiter, um damit die nächstgelegenen Garnisonen zu alarmieren.Hanson/Friell, 1995, S. 513; Woolliscroft/Hoffmann, 2006

Über das Aufgehende dieser sicher nur mit dem notwendigsten ausgestatteten Türme kann nur wenig gesagt werden. Man fand Anzeichen von Schwellbalkengräben, die ursprünglich wohl die Stützpfosten miteinander verbanden, um auf ihnen Flechtwerk o. ä. aufzusetzen (Moss Side). Auf die Rahmenkonstruktion genagelte Bretter scheint jedoch die übliche Methode zur Verschalung der Außenwände gewesen zu sein, in Shielhill North konnte allerdings Flechtwerk nachgewiesen werden und Reste von Flechtholz wurden in Raith geborgen. Man vermutet weiters, dass die Gask-Ridge-Türme im Obergeschoss über eine Wachstube und eine umlaufende Aussichtsplattform verfügten. Vermutlich waren sie auch – witterungsbedingt – mit pyramidenförmigen Stroh- oder Holzschindeldächern abgedeckt. Diese Annahmen basieren unter anderem auf den Reliefs der Trajanssäule (113 n. Chr.). Ein solches Design würde jedoch aufgrund seines Gewichtes die bisher angenommene Turmhöhe um mindestens 1,5 m reduzieren, diese Bauweise trifft wohl eher auf Steintürme zu. Als Befestigung warf man um den Turm herum einen im Grundriss spielkartenförmigen Wall aus Rasensoden (Murus caespiticius) auf, der vermutlich eine Höhe von durchschnittlich zwei Metern erreichte, der Wehrgang auf der Wallkrone war mit einem aus Haselholzgeflecht gefertigten Zinnenkranz gedeckt. Der Eingang war immer auf die Militärstraße ausgerichtet.

Über die Materialien, die zum Bau der Gask-Ridge-Türme verwendet wurden, weiß man nur wenig. Viel hängt davon ab, wie lange Stützpfosten (bis zu 40 cm Durchmesser) voraussichtlich halten werden, bevor sie ausgetauscht werden müssen und aus welcher Holzart sie bestehen. Die Römer verwendeten in Britannien anfangs oft ungeeignetes Holz für ihre Verschanzungen, darunter vor allem Erlenholz, das nach dem Fällen rasch verrottet. Pollenanalysen an einigen Gask-Standorten haben ergeben, dass in der Antike dort praktisch nur feuchte Böden liebende Baumarten wie Erle und Weide – insbesondere in den Flusstälern – wuchsen. Anfang des 20. Jahrhunderts kam das einzige Fragment eines Balkens, das bislang gefunden wurde, bei der Ausgrabung von 1901 am Turm von Raith zum Vorschein und konnte als Eichenholz identifiziert werden. 1999 analysierte Susan Ramsay im Auftrag des Gask-Ridge-Projekt zwei verkohlte Holzfragmente von der Turmstelle Roundlaw. Das Material wurde bei der Ausgrabung von 1972 in einem der nördlichen Pfostenlöcher gefunden und stammte von Hasel und Eiche. Obwohl dies natürlich kein absolut sicherer Beweis sein kann, nimmt man an, dass für die Stützbalken bevorzugt Eichenholz und für die Wände Flechtwerk aus Haselstauden verwendet wurde.Wooliscroft 2000, S. 504.

Um das Kernwerk hob man zusätzlich einen kreisförmigen V-Graben aus, mit seinem Auswurfsmaterial schüttete man an der Außenseite einen niedrigen Damm (Agger) auf. Über einen Erddamm gelangte man zum Eingang des Kernwerkes. Ausgrabungen und Luftaufnahmen zeigten, dass die Anzahl dieser Annäherungshindernisse variiert. An den vier Türmen zwischen Kaims und Glenbank im südlichen Teil des Gask-Ridge-Systems wurden Doppelgräben beobachtet, alle nördlich von Kaims verfügten hingegen nur über einen Graben. Die Einteilung der Turmkette in eine Doppelgraben-Süd- und Eingraben-Nordgruppe ist jedoch problematisch, da vielleicht von der Armeeführung nur grobe Vorgaben ausgegeben wurden und ihre Durchführung den dafür eingeteilten Bauvexillationen überlassen wurde, die dann leicht unterschiedliche Variationen dieser Turmanlagen errichteten. Es ist auch durchaus denkbar, dass die Doppelgrabenexemplare früher in Betrieb genommen wurden oder zumindest länger in Gebrauch waren. In Westerton hatten die beiden Gräben leicht unterschiedliche Verläufe, möglicherweise wurden sie nicht gleichzeitig ausgehoben, sondern der innere erst etwas später. Der äußere Graben hat fast den gleichen Durchmesser wie die nördlichen Türme, was darauf hindeuten könnte, dass bei den Doppelgrabenanlagen der innere erst etwas später hinzugefügt wurde. Ein ursprünglich nur mit einem Graben versehener Turm hätte auch genügend Platz für einen Erdwall geboten. Möglicherweise wurden diese Wälle später bei den südlichen Türmen wieder entfernt.