mini|Alte Form einer bouzouki mit rundem Schallloch und drei Doppelsaiten, die ungefähr einer buzuq entspricht. Im Unterschied zu einer buzuq mit mikrotonal angeordneten beweglichen Bünden sind die Bünde der bouzouki chromatischen Tonstufen entsprechend angeordnet und fest montiert. Buzuq (, auch bozuq, buzuk, bouzouq, bouzouk, bousoq) ist eine Langhalslaute mit einem birnenförmigen Korpus, die vermutlich in spätosmanischer Zeit entwickelt wurde und in der Unterhaltungsmusik der arabischen Länder in der Levante weit verbreitet und in allen Genres beliebt ist. Ursprünglich ein Volksmusikinstrument ethnischer Minderheiten – wie der Kurden in Nordsyrien, Wandermusikergruppen im Libanon und in Palästina – gehörte die buzuq anfangs nicht zum traditionellen Instrumentarium der klassischen türkischen und der klassischen arabischen Musik. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird die buzuq hauptsächlich in den Städten Syriens, des Irak und des Libanon solistisch, zur Begleitung arabischer Lieder und in klassischen Orchestern gespielt. Die buzuq ist eng mit der türkischen saz-Familie und der griechischen bouzouki verwandt.

Herkunft und Verbreitung mini|Musiker mit Langhalslaute auf einem hethitischen Relief aus Alaca Höyük, um 1300 v. Chr. Langhalslauten, deren Hals um ein Mehrfaches länger ist als der Korpus, sind in weiten Gebieten Asiens von Indien über Zentralasien, den Nahen Osten nach Westen bis zum Balkan verbreitet (von der in Unteritalien im 16./17. Jahrhundert vorkommenden Colascione abgesehen). Ihren Ursprung vermutet Norbert Beyer (1996) in Zentralasien.Norbert Beyer: Lauten. D. Außereuropäische Lauten. 3. Halslauten. a. Schalenhalslauten. In: MGG Online, 2016 (Die Musik in Geschichte und Gegenwart, 1996) Die Ansicht von Wilhelm Stauder (1970), dass die Langhalslaute wohl aus dem Kaukasus in den altsyrisch-mesopotamischen Raum gelangt sei, wo sie ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. mehrfach belegt ist,Wilhelm Stauder: Die Musik der Sumer, Babylonier und Assyrer. In: Bertold Spuler (Hrsg.): Handbuch der Orientalistik. 1. Abt. Der Nahe und der Mittlere Osten. Ergänzungsband IV. Orientalische Musik. E.J. Brill, Leiden/Köln 1970, S. 196f konnte Subhi Anwar Rashid (erstmals 1970) widerlegen, denn ein Musiker, der eine Langhalslaute in der heute üblichen Spielposition schräg nach der Seite vor dem Körper hält, ist bereits auf einem Rollsiegel der Akkadzeit (um 2350–2170 v. Chr. nach der mittleren Chronologie)Vgl. Johannes Boese: Zur absoluten Chronologie der Akkad-Zeit. In: Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes, Band 74, 1982, S. 33–55 abgebildet. Auch ein weiteres Rollsiegel, das in die Regierungszeit von Naram-Sin (reg. 2273–2219 v. Chr.) datiert wird, belegt Langhalslauten in der Akkadzeit in Mesopotamien.Subhi Anwar Rashid: Musikgeschichte in Bildern. Mesopotamien. (Band II: Musik des Altertums, Lieferung 2) Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1984, S. 62

Nachfolgend erscheint die stets mit einem kleinen Korpus dargestellte Langhalslaute (Schalenspießlaute) in der III. Dynastie von Ur (2111–2003) und ab der Hyksos-Zeit (um 1650–1550 v. Chr.) in Ägypten, wo die Laute verbessert wurde und die Decke erstmals Schalllöcher erhielt. Mehrere kleine Schalllöcher sind auch an der Laute auf einem hethitischen Steinrelief aus Alaca Höyük in Anatolien zu erkennen. Die Lautenabbildung gehört zu einer lebendigen Unterhaltungsszene mit Gauklern, Tänzern und Musikern an der Orthostatenmauer neben dem Sphinxtor.Ahmet Ünal: The Textual Illustration of the “Jester Scene” on the Sculptures of Alaca Höyük. In: Anatolian Studies, Band 44, 1994, S. 207–218, hier S. 211 Das Relief entstand um 1300 v. Chr., in einer Zeit, als die Hethiter und Ägypter friedliche Handelsbeziehungen unterhielten.Harvey Turnbull: The Origin of the Long-Necked Lute. In: The Galpin Society Journal, Band 25, 1972, S. 58–66, hier S. 64 In anderer Gestaltung sind solche Bankettszenen auch für sumerische Rollsiegel typisch.

Aus der 18. Dynastie (um 1550 – um 1300 v. Chr.) ist eine zweisaitige Spießlaute mit einem Schildkrötenpanzer als Korpus erhalten und aus dem Alten Ägypten des 16. oder 15. Jahrhunderts v. Chr. stammt eine dreisaitige Laute mit einem langovalen Holzkorpus.Abbildung der beiden Lauten, die sich im Ägyptischen Museum Kairo befinden, in: Ricardo Eichmann: Frühgeschichte der Saiteninstrumente: Vorläufer der modernen Gitarre. In: Archäologie in Deutschland. (Sonderheft: Musikarchäologie Klänge der Vergangenheit) Theiss, 2015, S. 62–70, hier S. 66 Ein den offenbar stets von Frauen gespielten ägyptischen Schalenspießlauten nachgebildetes Instrument in den Händen einer Musikerin ist auf einer 1500–1200 v. Chr. datierten Vasenmalerei aus Kreta zu sehen.Sibyl Marcuse: A Survey of Musical Instruments. Harper & Row, New York 1975, S. 407 Der Typus dieser Spießlauten überlebt in Westafrika etwa als ngoni.Curt Sachs: The History of Musical Instruments. W.W. Norton & Company, New York 1940, S. 102 Die historischen Langhalslauten von Mesopotamien und Ägypten besaßen einen schlanken Korpus und meist zwei Saiten, die mit der linken Hand über Bünden verkürzt und mit einem Plektrum in der rechten Hand angerissen wurden.

Im antiken Griechenland sind Langhalslauten erst seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. und nur von wenigen Abbildungen (auf griechischer Keramik und römischen Sarkophagen) bekannt. Die älteste griechische Lautenabbildung ist die um 320 v. Chr. datierte „Musenbasis von Mantineia“. Eine der sechs auf dem Marmorrelief gezeigten Musen spielt eine Laute mit einem langgestreckten Korpus und einem gerundeten Hals.Max Wegner: Musikgeschichte in Bildern. Griechenland. (Band II: Musik des Altertums, Lieferung 4) Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1963, S. 106 Wegen seiner drei Saiten wurde dieses Instrument trichordon („Dreisaiter“) genannt. Im 2. Jahrhundert n. Chr. setzte Iulius Pollux trichordon mit dem Namen der griechisch-römischen Laute pandura gleich und fügte hinzu, diese sei von den Assyrern erfunden worden.Henry Julius Wetenhall Tillyard: Instrumental Music in the Roman Age. In: The Journal of Hellenic Studies, Band 27, 1907, S. 160–169, hier S. 163 Der Name pandura, der in Griechenland erstmals im 3. Jahrhundert v. Chr. erwähnt wird,Jeffrey B. Charest, 2019, S. 236 verweist jedenfalls nach Osten. Er leitet sich von der sumerischen Bezeichnung pandur für Langhalslauten ab, die außerdem für die historische europäische Pandora und für heutige Lauten im Kaukasus (panduri und pondur) verwendet wird und mit dem im Orient weit verbreiteten Wortumfeld von Persisch tanbur verwandt ist. Arabisch tunbur bezeichnete in der mittelalterlichen arabischen Musik (Quellen hierzu ab Ende des 9. Jahrhunderts) eine dreisaitige Langhalslaute mit Bünden.Henry George Farmer: Musikgeschichte in Bildern. Islam. (Band III: Musik des Mittelalters und der Renaissance, Lieferung 2) Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1966, S. 24, 114

In der byzantinischen Musik gab es ein höfisches Orchester, das überwiegend mit Zupf- und Streichinstrumenten besetzt war. Zu den Zupfinstrumenten gehörten die Lauten pandoura, laouta, vier unterschiedlich große tamboura, deren Form ungefähr der heutigen bouzouki entsprach, und eine dreisaitige phandouros, die auch thamboura genannt wurde. Die wenigen byzantinischen Quellen für die ausschließlich in der weltlichen Musik verwendeten Instrumente stammen im Wesentlichen aus dem 10. und 14. Jahrhundert.Diane Touliatos: Byzantine secular music. In: Grove Music Online, 2001

mini|Osmanische Musik in Aleppo, Mitte 18. Jahrhundert. Von links nach rechts: Rahmentrommel daf, Langhalslaute tanbur mit schmalem Holzkorpus, Längsflöte nay, Spießgeige kamangi, Kesseltrommelpaar nakara. Im 11. Jahrhundert war die Langhalslaute kopuz das beliebteste Begleitinstrument der türkischen Epensänger (ozan) in Zentralasien. Deren Nachfahren in der Türkei (aşık) begleiten sich auf der verwandten bağlama, einer Variante der saz-Lautenfamilie.R. Conway Morris: Bağlama. In: Grove Music Online, 2001 Zur Wortgruppe saz (von persisch sāz, allgemein „Musikinstrument“) gehören eine Reihe von Langhalslauten unterschiedlicher Größen und Stimmungen. Das Verbreitungsgebiet dieses Langhalslautentyps erstreckt sich über die Türkei (mit unter anderem cura, bağlama und divan sazı) hinaus bis in den Kaukasus (Georgien tschonguri), nach Aserbaidschan (chogur), Nordiran, Nordsyrien und auf den Balkan: Bosnien und Herzegowina (saz, polusaz, šargija) und Albanien (çiftelia, saze).

Die persische Langhalslaute tanbur ist mit unterschiedlichen Langhalslauten von Indien (tanpura, tandura, dambura) bis in die Türkei (tambur, kurdisch tembûr) und auf dem Balkan (tambura) sprachverwandt. Zu einer von persisch tar („Saite“) namentlich abgeleiteten Gruppe von Langhalslauten gehören setar, sitar und dotar (türkisch dutar). Der saz-Familie weitgehend ähnliche Langhalslauten heißen regional je nach sprachlicher Bevorzugung tanbur oder setar, von denen wiederum unterschiedliche Größen existieren.Ein knapper Versuch zu einer sprachlich-regionalen Abgrenzung von setar und tanbur in Jeffrey B. Charest, 2019, S. 36f Hierzu gehören auch die bouzouki in Griechenland, die bozuq in Nordmazedonien und die buzuq, die heute hauptsächlich in der städtischen Musik in Syrien, im Irak und im Libanon gespielt wird. Die in den 1920er Jahren in Griechenland mit der Subkultur der aus Kleinasien vertriebenen Griechen eingeführte bouzouki wurde anfangs mit der anrüchigen Rembetiko-Musikszene assoziiert und erlebte – mit einer gewissen Parallele zur buzuq – im Verlauf des 20. Jahrhunderts eine Aufwertung zum beliebtesten Musikinstrument in der städtischen Popularmusik.Norbert Beyer: Lauten. D. Außereuropäische Lauten. 3. Halslauten a. Schalenlanghalslauten. In: MGG Online, November 2016 Die griechische baglamas ist eine kleinere Version der bouzouki mit drei doppelchörigen Metallsaiten und die in Südalbanien vorkommende bakllama besitzt drei Einfachsaiten. Es ist nur begrenzt möglich, die große Gruppe der orientalischen Langhalslauten nach ihren Bezeichnungen und zugleich morphologischen Eigenschaften in einzelne Familien einzuteilen.

Das Wort tanbur kommt erstmals in einem mittelpersischen Text aus der Sassanidenzeit (224–651 n. Chr.) vor. Von dort gelangten Name und Instrumententyp in die arabische, byzantinische,Erstmals als thampouri(n) in einem mittelgriechischen Manuskript des byzantinischen Heldenepos Digenis Akritas (älteste überlieferte Handschrift um 1300), vgl. Jeffrey B. Charest, 2019, S. 245 osmanische Musik und im 14./15. Jahrhundert auf den Balkan. Im 17. Jahrhundert war die tanbur nur unter diesem Namen die einzige Langhalslaute in der höfischen osmanischen Musik und blieb dies bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. In Form, Stimmung und Spielweise hatte sich die osmanische tanbur von den gleichnamigen und sonstigen persischen Lauten abgesetzt.Jeffrey B. Charest, 2019, S. 223f, 227, 229 Seitdem ist saz in seiner engeren Bedeutung im Türkischen der Oberbegriff für Langhalslauten, die in der Volksmusik gespielt werden, während tambur eher für die Kunstmusik reserviert ist.

mini|Die kurdische tembûr verkörpert den alten Langhalslautentyp mit einem aus einem Holzblock geschnitzten schlanken Korpus. Bei der Sekte Ahl-e Haqq im Norden Irans gilt die tembûr als heiliges Instrument.Jeffrey B. Charest, 2019, S. 416