mini|Bilder von Gehren und Musik von Bach: ein ganz kurzes Videoporträt

Gehren ist ein Ortsteil der Stadt Ilmenau im Ilm-Kreis in Thüringen. Er liegt etwa acht Kilometer östlich von Ilmenau im Tal der Wohlrose zwischen dem Thüringer Wald im Südwesten und dem das Thüringer Schiefergebirge einleitenden Langen Berg im Südosten. Heute ist Gehren der Sitz der Landeswaldarbeiterschule Thüringens, an der Förster ausgebildet werden.

Gehren war bereits seit dem Mittelalter Amtssitz. Von dort aus wurde der südöstliche Teil des heutigen Ilm-Kreises um die Orte Langewiesen, Gehren und Großbreitenbach verwaltet, der einst zur Schwarzburg-Sondershäuser Oberherrschaft gehörte. Verwaltungssitz war das 1997 abgerissene Amtshaus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts setzte in Gehren die Industrialisierung ein und einige größere Fabriken, wie z. B. das Sägewerk am Bahnhof entstanden und der Ort entwickelte sich zur Stadt.

Geografie Gehren liegt am Nordostrand des Thüringer Waldes etwa acht Kilometer östlich von Ilmenau. Südöstlich der Stadt beginnt bereits das Thüringer Schiefergebirge, während sich nördlich die Hügel des Paulinzellaer Buntsandsteinlandes erstrecken. Gehren liegt an der Mündung der Schobse in die Wohlrose, einem Nebenfluss der Ilm. Zudem verläuft als westliche Grenze zu Langewiesen die Lohme. Nördlich Gehrens zwischen der Ilm und der Wohlrose erstreckt sich eine ebene Heidefläche, in der das Gehrener Feuchtgebiet, eines der größten natürlichen Feuchtgebiete im Bereich des Thüringer Waldes liegt. Nahe an Gehren liegen hierbei der Heideteich und die Löschwasserteiche, etwas weiter nördlich der Seerosenteich und nordöstlich der Stadt die Zweizapfenteiche und die Sorger Teiche. Das Feuchtgebiet liegt in etwa 450 Metern Höhe und steht unter Naturschutz.

Während nördlich Gehrens kaum Erhebungen in der Gemarkung liegen, ist der Süden der Fläche durch Mittelgebirge geprägt. Westlich Gehrens liegt der Große Tragberg (588 m), südlich auf der anderen Seite der Lohme der Hexenstein (659 m), noch weiter südlich nach dem Tal der Schobse der Brandkopf (727 m) und weiter Richtung Thüringer Wald der Steinberg (758 m) als höchster Punkt der Stadtgemarkung. Nach dem Tal der Wohlrose folgt südlich des Ortes bereits in der Möhrenbacher Gemarkung der Silberberg (771 m), der namensgebend für den Tunnel Silberberg ist. Von Gehren nach Süden erstreckt sich ein weites Tal nach Möhrenbach. Südöstlich Gehrens liegt das Massiv des Langer Berges, der den Übergang zum Thüringer Schiefergebirge markiert und 808 Meter hoch ist. Er ist auch der Namensgeber der Gehrener Verwaltungsgemeinschaft. Östlich von Gehren liegt ein leicht zu durchquerender Übergang nach Königsee vom Einzugsgebiet der Ilm zum Einzugsgebiet der Saale, über den schon seit früher Zeit Handelswege verliefen. Heute nimmt die Bundesstraße 88 diese Route.

Der Norden, der Südwesten und der Südosten der Gemarkung sind bewaldet, dazwischen befinden sich entlang der Täler Feuchtwiesen und Weideflächen mit offener Landschaft.

Geologisch liegt Gehren am Schnittpunkt dreier Regionen und in einer Störungszone, sodass sich ein vielfältiges geologisches Profil ergibt. Nach Südwesten liegt der Thüringer Wald (Porphyr), nach Norden das Paulinzellaer Buntsandstein-Hügelland und nach Südosten das Thüringer Schiefergebirge (Schiefer).

Während der ursprüngliche Ortskern recht bescheidene Ausmaße hatte, dehnte sich Gehren ab dem 19. Jahrhundert vor allem nach Nordosten aus, da hier die Bahnlinie verlief und genügend ebene Flächen zur Ansiedlung von größeren Fabriken bereitstanden. Später entstanden auch im Westen und im Südosten Wohnviertel. Auch entlang der Täler der Schobse und Wohlrose nach Südwesten und Süden dehnte sich die Stadt aus.

Geschichte Von der Ersterwähnung bis zur Frühen Neuzeit Die Wasserburg Gehren wurde bereits 1118 als stabiler Verteidigungskomplex erwähnt. Im 14. Jahrhundert war sie im Besitz der Herren von Berlstedt und gelangte 1464 an die Grafen von Schwarzburg-Sondershausen.

mini|hochkant|links|Stadtrechts-Urkunde von 1855 mini|Haus mit klassischer Schieferverkleidung, typisch für Gehren mini|Rathaus (vor der Sanierung) mini|Rathaus (nach der Sanierung) mini|Forstliches Bildungszentrum mini|Holzwerk (altes Fabrikgebäude) mini|Denkmal zu Ehren von Johann Michael Bach

Die erste urkundliche Erwähnung Gehrens stammt aus dem Jahr 1299.Lexikon der Städte und Wappen der DDR, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1984 Verschiedene Quellen sprechen auch von einer Ersterwähnung im Jahr 1105, auf deren Basis auch die im Jahr 1955 durchgeführte 850-Jahr-Feier beruhte. Der Name leitet sich von Gern für dreieckiges Flurstück ab. Damit könnte das von Schobse und Wohlrose eingeschlossene Flurstück gemeint sein. Der Ort entwickelte sich rings um den Wartturm, der zur Bewachung einer Handelsstraße diente. Mit der Sicherung dieser Handelsstraße wurde die Familie von Bernstedt aus Jesuborn belehnt. Sie durfte Tribut kassieren und diesen behalten. Lehnsherren waren die Grafen von Gleichen. Später wurde aus dem Wartturm über mehrere Zwischenschritte das Gehrener Schloss, welches am 11. September 1933 abbrannte und nicht wieder aufgebaut wurde. Seine Ruinen sind heute noch im Schlosspark zu sehen. Diese Ruinen lassen immer noch die alte Bebauung der Wasserburg erkennen.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. Wartberg Verlag, 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 125. 1399 erhielt Graf Günther XXVIII. von Schwarzburg das Amt Gehren als Lehen vom deutschen König Wenzel. Schließlich kauften die Schwarzburger das Amt Gehren im Jahr 1464 für 300 Rheinische Gulden von der Familie von Bernstedt. Bis zum Jahr 1599 folgten mehrere Verkäufe der Stadt. Seitdem war sie jedoch immer im Besitz der Schwarzburger. Im 15. Jahrhundert wurde die erste Eisenhütte Gehrens auf dem Günthersfeld errichtet, in der das in der Nähe geförderte Eisenerz verarbeitet wurde. Sie wurde im Laufe ihres Bestehens mehrfach vergrößert (u. a. kam im 18. Jh. der Hohe Ofen hinzu) und diente zuletzt als Porzellanfabrik. Zu einem Aufstand der Gehrener Bauern kam es am 23. April 1525 im Rahmen des Bauernkrieges. Dabei waren sie u. a. auch an der Plünderung des Klosters Paulinzella und an der Belagerung Stadtilms beteiligt. Die Reformation wurde in Schwarzburg und damit auch in Gehren 1533 eingeführt. 1549 wird Gehren zum ersten Mal als Stadtflecken bezeichnet.

In den Jahren 1625 und 1635 wütete die Pest in Gehren und forderte insgesamt 318 Todesopfer. Zu Plünderungen kam es während des Dreißigjährigen Krieges im Mai 1640. Dabei wurden 34 Häuser niedergebrannt. Die Dorfbewohner flohen und lebten daraufhin für acht Wochen im Wald nahe der Stadt. Plünderungen – allerdings in geringerem Umfang – fanden auch 1756 während des Siebenjährigen Krieges statt.

Am 7. September 1749 wurden bei einem schweren Ortsbrand 90 Wohngebäude zerstört. Eine Seuchenepidemie kostete 1772 113 Bürger das Leben. Das Gehrener Schloss brannte 1796, jedoch hielten sich die Schäden im reparablen Bereich. Die klassizistische Kirche Gehrens wurde 1834 eingeweiht. Ihre Baukosten beliefen sich auf 18.000 Taler, ihr Turm ist 27 Meter hoch. Im selben Jahr wurde auch eine erste Zeitung für das Amt Gehren gegründet, das Gehrener Bezirksblatt.

Von der Moderne bis zur Gegenwart Im frühen 19. Jahrhundert herrschte in Gehren wirtschaftliche Not, was dazu führte, dass allein 1852 über 130 Menschen in die USA auswanderten. Der Ort bekam 1855 die Stadtrechte verliehen. Nachdem die Stadt 1881 einen Bahnanschluss nach Ilmenau erhalten hatte, setzte rasch ein starkes Wachstum der Industrie ein. Im Jahr 1883 kaufte der Eisenacher Theodor Degenring das unrentabel gewordene Hüttenwerk auf dem Günthersfeld auf und baute es zu einer Porzellanfabrik um, in welcher zeitweise über 400 Mitarbeiter beschäftigt waren. 1885 wurde das Sägewerk gegründet. Dem bisher letzte Großbrand in der Geschichte der Stadt im Jahr 1899 fielen 22 Häuser zum Opfer. Gehren gehörte bis 1920 zur Oberherrschaft im Fürstentum bzw. Freistaat Schwarzburg-Sondershausen, in dem es Amtssitz war. Zum Amt Gehren gehörten außer der Stadt noch die Orte Angstedt, Wümbach, Langewiesen, Oehrenstock, Jesuborn, Pennewitz, Willmersdorf, Gillersdorf, Großbreitenbach, Masserberg, Oelze, Altenfeld, Möhrenbach sowie die nördlich des Rennsteigs gelegenen Teile von Neustadt. 1922 wurde der Landkreis Arnstadt gegründet, zu dem das gesamte Amtsgebiet mit Ausnahme Katzhüttes gehörte.

Während des Zweiten Weltkrieges mussten 200 Frauen und Männer vorwiegend aus der Sowjetunion Zwangsarbeit verrichten: im Sägewerk Th. Kirsch & Söhne, in der Porzellanfabrik Günthersfeld, in der Firma Vorbrüggen & Co., in der Lack- und Farbenfabrik Wiesel und im Glashüttenwerk Wiegand & Schmidt.Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933–1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933–1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 141, ISBN 3-88864-343-0

1952 wurde aus dem südlichen Teil des Kreises Arnstadt, zu dem Gehren dann gehörte, der Kreis Ilmenau gebildet. 1953 war Gehren der erste Ort des Kreises Ilmenau, in dem eine LPG gegründet wurde. 1994 ging der Kreis Ilmenau im Ilm-Kreis auf. Im selben Jahr wurde die Verwaltungsgemeinschaft Langer Berg gegründet, die ihren Sitz in Gehren hatte.

Seit dem 1. Juli 1950 gehörte das ein Kilometer östlich gelegene Dorf Jesuborn zur Stadt Gehren.

Am 31. Dezember 2013 wurde die Nachbargemeinde Möhrenbach eingemeindet und somit die Landgemeinde Gehren gebildet.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2013

Die Landesregierung sprach sich erst für eine Fusion mit der Verwaltungsgemeinschaft Großbreitenbach aus, was der Stadtrat aber ablehnte.Regierung folgt Ruf aus Gehren Am 6. Juli 2018 wurden die Verwaltungsgemeinschaft Langer Berg und die Landgemeinde Gehren aufgelöst und mit weiteren Gemeinden in die Stadt Ilmenau eingemeindet.Thüringer Gesetz- und Verordnungsblatt Nr.7 2018 vom 5. Juli 2018, aufgerufen am 6. Juli 2018

Einwohnerentwicklung Werte ab 1994: Daten jeweils zum 31. Dezember des Jahres; Quelle: Thüringer Landesamt für StatistikBevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen. (html), abgerufen am 11. August 2019. Jahr Einwohner 1730 1024 1758 1090 1790 1104 1810 1205 1816 1355 1841 1725 1845 1820 1850 1813 1870 2140 1895 2384 1900 2300 1910 2917 1912 2950 1920 3040 1925 3146 Jahr Einwohner 1930 3380 1935 3506 1940 3637 1945 4519 1950 4700 1955 5260 1970 4928 1977 4756 1987 4500 1989 4235 1994 4049 1995 4127 1996 4173 1997 4091 1998 4070 Jahr Einwohner 1999 3962 2000 3858 2001 3892 2002 3837 2003 3770 2004 3727 2005 3641 2006 3523 2007 3482 2008 3465 2009 3453 2010 3466 2011 3309 2012 3285 2013 3897 Jahr Einwohner 2014 3859 2015 3827 2016 3782 2017 3781 2019 2973 2020 2955 2025 2924

Politik Ortsteilrat Der Ortsteilrat für Gehren wurde erstmals zu den Kommunalwahlen in Thüringen am 26. Mai 2019 gewählt. Zuvor hatten seit der Eingemeindung nach Ilmenau die ehemaligen Mitglieder des Stadtrates von Gehren als Ortsteilräte fungiert.

Dem Ortsteilrat gehören 10 Mitglieder sowie der Ortsteilbürgermeister an.

Bürgermeister / Ortsteilbürgermeister Der Ortsteilbürgermeister von Gehren ist Michael Gohritz (Wählervereinigung Pro Bockwurst). Er setzte sich bei den Kommunalwahlen in Thüringen 2024 in der Stichwahl am 9. Juni 2024 durch. In der ersten Wahlrunde hatte es drei Bewerber gegeben.

Zuvor war von 1994 bis 2005 Hartmut Breternitz (CDU) Bürgermeister von Gehren, ehe von 2005 bis 2019 Ronny Bössel (FBG Gehren) folgte, zuletzt als Ortsteilbürgermeister. Bis zum Jahr 2011 war das Amt des Bürgermeisters hauptamtlich, seitdem wurde es ehrenamtlich ausgeführt.