The 355 ist ein US-amerikanisch-chinesischer Agentenfilm des Regisseurs Simon Kinberg, der am 6. Januar 2022 in den deutschen und am darauffolgenden Tag in den US-amerikanischen Kinos anlief. In den Hauptrollen sind Jessica Chastain, Lupita Nyong’o, Penélope Cruz, Diane Kruger und Fan Bingbing zu sehen.
Handlung In Kolumbien möchte der international operierende Kriminelle Elijah Clarke dem Kartellboss Santiago eine Disk abkaufen, auf der sich eine Software zur Entschlüsselung sämtlicher Sicherheitssysteme weltweit befindet. Die Übergabe wird jedoch vom kolumbianischen Geheimdienst gestört. Clarke muss ohne Disk die Flucht antreten, und der Agent Luis Rojas kommt in den Besitz der Cyberwaffe. Er bietet die Disk der CIA zum Kauf an, woraufhin die Agenten Mace Browne und Nick Fowler zur Übergabe nach Paris geschickt werden. Das Tauschgeschäft wird allerdings von der deutschen BND-Agentin Marie Schmidt gestört. Im anschließenden Getümmel wird Nick scheinbar von Clarke erschossen.
Mace muss sich vor ihrem Vorgesetzten Larry Marks für den Tod ihres Partners verantworten, darf allerdings weiterhin inoffiziell nach der Disk suchen. In London holt sie sich Unterstützung von der Computerexpertin und mittlerweile im Innendienst tätigen ehemaligen MI6-Außenagentin Khadijah Adiyeme. Inzwischen zieht Rojas in Paris seine kolumbianische Geliebte, die Psychologin Graciela Riviera, ins Vertrauen. Trotz des Eingreifens von Mace, Marie und Khadijah wird Rojas kurz darauf getötet und die Disk von internationalen Söldnern entwendet. Die drei Frauen schließen sich mit Graciela zusammen, der Rojas kurz vor seinem Tod eine Nachverfolgungsmöglichkeit der Disk gezeigt hatte. So kann die Gruppe die Söldner samt Disk bis nach Marrakesch verfolgen.
Die vier können die Disk mit der Cyberwaffe wiederbeschaffen und an Marks übergeben. Der wird kurz darauf von einer Unbekannten erschossen und die Disk entwendet. Kurz darauf werden mehrere Flugzeuge offenbar durch die Software zum Absturz gebracht. Khadijah ortet die Disk in Shanghai, wo sie auf einer Auktion an den Höchstbietenden verkauft werden soll. Auf der Versteigerung trifft Mace überraschend auf Nick, der seinen Tod nur vorgetäuscht hat, sich als Verbündeter von Clarke zu erkennen gibt und die Disk in dessen Auftrag für eine halbe Milliarde US-Dollar ersteht.
Die Auktionatorin Lin Mi Sheng gibt sich den Frauen als Agentin des chinesischen Geheimdienstes zu erkennen. Sie hatte Marks aufgrund seiner Beteiligung an der Verschwörung getötet. Die Auktion diente den Chinesen nur dazu, sich einen Überblick über die internationale Verbrecherszene zu verschaffen, während die echte Disk sich weiterhin in ihrem Besitz befindet. Als Clarke diese Täuschung bemerkt, schickt er Nick zurück, um die Herausgabe der Disk zu erpressen. Um die Frauen unter Druck zu setzen, lässt Nick durch Killerkommandos zuerst Lins Vater, danach Maries Vorgesetzten Jonas Müller und schließlich Khadijahs Freund Abdel erschießen. Als er mit der Ermordung von Gracielas Familie droht, gibt Lin die Disk widerwillig heraus. Zur Entschlüsselung des Programms entführt Nick daraufhin Lin, die jedoch ihren Aufenthaltsort unbemerkt an die anderen Frauen übermitteln kann.
In einem Hochhaus in Shanghai kommt es zu einem heftigen Feuergefecht, bei dem die fünf Frauen Clarkes Gefolgsmänner außer Gefecht setzen, Nick verwunden und die Disk zerstören. Als die Polizei erscheint, werden die Frauen verhaftet und abgeführt, jedoch später nach einem Telefonat von Lin wieder freigelassen.
Zwei Monate später ist Nick innerhalb der CIA befördert und mit der Suche der intern als Verräterin geltenden Mace beauftragt worden. Er erscheint bei seinem ehemaligen Auftraggeber Clarke und erschießt ihn, da dieser ihm ein Killerkommando auf den Hals gehetzt hatte. Zurück in seiner Wohnung wird er bereits von den fünf Frauen erwartet. Sie betäuben ihn mittels eines Tricks und teilen ihm noch mit, dass eine Spezialeinheit ihn abholen und für immer wegsperren wird. Schließlich trennen sich die Wege der fünf Frauen wieder.
Produktion mini|Regisseur Simon Kinberg Nach The Help aus dem Jahr 2011 wollte Jessica Chastain unbedingt einen weiteren weiblichen Ensemblefilm drehen. Während ihrer Arbeit an X-Men: Dark Phoenix kam ihr schließlich die Idee zu einem Spionagefilm und Actionthriller mit internationalen Agentinnen, die im Genre bis auf in 3 Engel für Charlie noch nicht wirklich vertreten waren. Bereits wenig später konnte sie Regisseur Simon Kinberg und die Schauspielerinnen Lupita Nyong’o, Penélope Cruz, Marion Cotillard und Fan Bingbing für das Projekt gewinnen. Der Film sollte von der Tonalität her an die Filme der Bourne-Reihe angelehnt sein und auch Parallelen zu Mission: Impossible und James Bond aufweisen. Im Gegensatz zu anderen Genrevertretern sollte die Realität des heutigen Spionagehandwerkes allerdings authentisch abgebildet werden und das Team im Vordergrund stehen. Das Drehbuch wurde von Theresa Rebeck geschrieben, während neben Kinberg auch Chastain und Kelly Carmichael von der eigens gegründeten Produktionsfirma Freckle Films als Produzenten fungierten. In einem Interview äußerte sich Chastain, sie sei zu einer Zeit aufgewachsen, in der sich Spionagefilme sehr nationalistisch und „wirklich insular“ angefühlt hätten. Sie wollte hingegen einen Film fern vom Nationalismus kreieren, bei dem Diversität ein Vorteil und die Einzigartigkeit jeder Figur ihre Stärke sei.
Im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2018 traten die fünf Hauptdarstellerinnen erstmals gemeinsam auf, während Kinberg und Rebeck im Hotel Barrière Le Majestic Cannes den Film potenziellen Käufern vorstellten. Der weltweite Vertrieb wird von FilmNation Entertainment und die Vermarktung in Nordamerika und China von CAA Media Finance gesteuert. Schließlich sicherten sich die Universal Studios die Vertriebsrechte in Nordamerika für rund 20 Millionen US-Dollar; weitere 75 Millionen fielen für das Budget an. Auf den Titel The 355 stieß Chastain während ihrer Recherchen zum Film Zero Dark Thirty. Unter dem Codenamen „Agent 355“ wird in der Populärwissenschaft eine der nicht näher identifizierbaren Spioninnen der Vereinigten Staaten während der Amerikanischen Revolution kolportiert, die eine der ersten US-amerikanischen Spioninnen gewesen sein soll. Laut Chastain sei noch heutzutage für viele Frauen in der CIA und ähnlichen Behörden der „Code 355“ die Bezeichnung für einen weiblichen Spion, eine unsichtbare Frau ohne Namen. Im Mai 2019 schlossen sich Sebastian Stan und Édgar Ramírez der Besetzung an, während Cotillard die Produktion aus persönlichen Gründen verließ. Sie wurde wenig später durch Diane Kruger ersetzt. Die Filmmusik wurde von Junkie XL komponiert.
Die Dreharbeiten begannen im Juli 2019 in Paris mit Kameramann Tim Maurice-Jones. In Vorbereitung auf die Filmaufnahmen absolvierten alle Hauptdarstellerinnen ein Kampftraining, wobei sie unter anderem das Kämpfen auf Absätzen und in Kleidern trainierten. Zu den weiteren Drehorten zählten Marokko und London, wo man unter anderem im Senate House der Universität London filmte. Im Juli 2020 erfolgten in London Nachdrehs, wobei Cast und Crew aufgrund der COVID-19-Pandemie regelmäßig auf SARS-CoV-2 getestet wurden.
Ein Poster zum Film wurde am 5. Oktober 2020 veröffentlicht, ein Trailer folgte am Tag darauf. Ursprünglich sollte der US-amerikanische Kinostart bereits am 15. Januar 2021 erfolgen, im Zuge der COVID-19-Pandemie wurde dieser Termin allerdings auf den 7. Januar 2022 verschoben. In den deutschen Kinos lief der Film einen Tag zuvor an. Aufgrund schlechter Besucherzahlen erfolgte die digitale Heimkinoausstrahlung bereits Ende Februar 2022, die Veröffentlichung auf DVD und Blu-ray folgte am 8. April 2022. Die deutsche Free-TV-Premiere erfolgte am 2. Oktober 2023 im ZDF unter dem Titel The 355 – Absolute Geheimsache.Spielfilm-Highlights: The 355 – Absolute Geheimsache, auf zdf.de, abgerufen am 23. September 2023.
Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Martin Halm bei Neue Tonfilm München.
Rolle Darsteller Synchronsprecher Mason „Mace“ Browne Jessica Chastain Manja Doering Marie Schmidt Diane Kruger Stephanie Kellner Khadijah Adiyeme Lupita Nyong’o Rubina Nath Graciela Rivera Penélope Cruz Claudia Lössl Lin Mi Sheng Fan Bingbing Anke Kortemeier Nick Fowler Sebastian Stan Björn Schalla Luis Rojas Édgar Ramírez Alexander Doering Elijah Clarke Jason Flemyng Charles Rettinghaus Larry Marks John Douglas Thompson Christoph Jablonka Grady Leo Staar Tobias Nath Yassine Waleed Elgadi Benedikt Gutjan Pyotr Khasanov Oleg Kricunova Arthur Galiandin Abdel Raphael Acloque Patrick Roche Santiago Pablo Scola Gudo Hoegel Jeronimo Marcello Cruz Daniel Schlauch
Rezeption Altersfreigabe In den Vereinigten Staaten erhielt The 355 von der MPA aufgrund einiger Szenen mit starker Gewalt, der Sprache und sexuellen Anspielungen eine PG-13-Freigabe.The 355 In: the-numbers.com, abgerufen am 3. Januar 2021. In Deutschland bekam der Film von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren. In der Freigabebegründung heißt es, der Film enthalte eine Vielzahl an Actionszenen und Tötungen, verzichte dabei aber auf drastische Verletzungsdarstellungen. Zwar gehe die Gewalt mitunter auch von den Heldinnen aus, jedoch könnten Jugendliche ab 16 Jahren dies in den Kontext der deutlich überzeichneten Agentengeschichte einordnen und eine entsprechende Distanz wahren. Eine verrohende oder desorientierende Wirkung sei daher nicht zu befürchten.Freigabebegründung der FSK, abgerufen am 3. März 2022.
Kritiken Auf Rotten Tomatoes fielen lediglich 24 % der 228 gelisteten Kritiken positiv aus, während The 355 bei den Nutzerbewertungen deutlich besser abschnitt. Als zusammenfassendes Fazit zieht die Seite, der Film sei zwar konzeptionell fortschrittlich und herausragend besetzt, verschwende sein Potenzial allerdings an eine unauffällige Geschichte zum Vergessen. Auf Metacritic erhielt The 355 basierend auf 40 Kritiken einen Metascore von 40 von 100 möglichen Punkten.
Leah Greenblatt von Entertainment Weekly bezeichnet The 355 in ihrer Kritik als „eleganten Popcorn-Spionagestreifen“, der weitaus klüger und spaßiger als manch andere Veröffentlichung im zumeist für Kinofilme anspruchslosen Januar sei. Das Drehbuch von Regisseur Simon Kinberg und Autorin Theresa Rebeck sei zwar lächerlich, funktioniere aber, da in der knackigen Geschichte auf das funktionierende Altbekannte gesetzt werde. So gebe es höhnische Schurken, glitzernde internationale Schauplätze und viele Explosionen. Durch die stets gutaussehenden Darstellerinnen würden nicht nur selbst die unsinnigsten Momente funktionieren, sondern auch scharfe, kleine Charakternotizen in die Handlung kommen. So sei The 355 ein alberner Eskapismus mit pop-feministischem Flair, durch den der Zuschauer einem düsteren Winter entkommen könne.