Moritz Frankfurter (geboren 11. Mai 1875 in Szobotist, Österreich-Ungarn; gestorben April 1941 in Vinkovci, Jugoslawien) war ein ungarisch-jugoslawischer Rabbiner.

Leben Moritz Frankfurter war ein Sohn des Rabbiners David Frankfurter und der Katharina Flesch.Frankfurter, Salomon, in: Michael Brocke, Julius Carlebach (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Rabbiner, Teil 2: Die Rabbiner im Deutschen Reich, 1871 - 1945. Bearbeitet von Katrin Nele Jansen, Band 1, München 2009, ISBN 978-3-598-24874-0, S. 195f. Sein Vater wurde Rabbiner und Dajan am Bet ha-Midrasch in Holešov. Sein jüngerer Bruder Salomon Frankfurter (1876–1938) wurde später Rabbiner in Berlin.Frankfurter, Salomon, in: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft, 2002, S. 352: DNB

Frankfurter besuchte die Jeschiwa in Preßburg und die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, er studierte an den Universitäten in Wien, Berlin und Bern und wurde 1903 in Bern promoviert. 1904 wurde er Rabbiner in Banja Luka und 1907 Bezirksrabbiner in Daruvar. Er wurde 1909 zum Feldrabbiner des 13. Preßburger Honvedregiments ernannt. Nach dem Zerfall der Doppelmonarchie 1918 wurde Frankfurter Bürger des Königreichs Jugoslawien. In den 1920er Jahren wurde er Rabbiner in der kroatischen Kreisstadt Vinkovci.Der Eintrag bei Wininger ist aus dem Jahr 1927, darin ist der Umzug aus Daruvar nach Vinkovci nicht vermerkt

Frankfurter überarbeitete den Traktat Kethuboth aus der Übersetzung des Maimonides aus dem Arabischen ins Hebräische. Er hielt u. a. einen Vortrag zur Religionsdisputation von Tortosa, veröffentlichte eine Schrift über den Zionismus in Kroatien, schrieb Rezensionen für die Zeitschrift Židovska smotraŽidovska smotra, erschien 1909 bis 1916, ISSN 1332-5868, :hr:Židovska smotra und veröffentlichte Beiträge unter anderem in der Prager Wochenzeitung Selbstwehr und in der von Joseph Samuel Bloch herausgegebenen Oesterreichischen Wochenschrift.

Frankfurter war verheiratet mit der aus Polen stammenden Rebekka Figel, sie hatten drei Kinder. Der Sohn David Frankfurter studierte Medizin in Deutschland und ging nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 an die Universität Bern. Er erschoss 1936 in Davos den Schweizer NSDAP/AO-Funktionär Wilhelm Gustloff.

Sein Vater Moritz Frankfurter wurde 1942 in das Konzentrationslager Jasenovac deportiert, wo er vermutlich noch im selben Jahr ermordet wurde.Sabina Bossert: Entstehungsgeschichte. In: David Frankfurter: Ich tötete einen Nazi. Erzählt und bearbeitet von Schalom Ben-Chorin. Herausgegeben von Sabina Bossert und Janis Lutz. Marix Verlag, Wiesbaden 2022, ISBN 978-3-7374-1202-5, S. 35–36.

Literatur Frankfurter, Moritz, in: Salomon Wininger: Große jüdische National-Biographie. Band 2. Czernowitz, 1927, S. 295f. Frankfurter, Moritz, in: Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft, 2002, S. 351f. Sabina Bossert: David Frankfurter (1909–1982). Das Selbstbild des Gustloff-Attentäters. Wien: Böhlau, 2019, ISBN 978-3-412-51260-6. Dissertation Basel 2017

Weblinks Rabin Mavro Frankfurter (in der kroatischsprachigen Wikipedia), Porträtfoto aus Tomo Šalić: Židovi u Vinkovcima i okolici. Osijek – Zagreb: Židovska općina Osijek – Kratis, 2002

Einzelnachweise

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