mini|hochkant=1.2|Kupferschmied (Dinandier) bei der Arbeit im letzten Messinggeschirr in Dinant (Belgien)

Ein Kupferschmied, in frühneuhochdeutscher Sprache auch Kesselmacher genannt, ist ein Handwerker. Im ursprünglichen Sinne fertigt er durch Treiben verschiedene Gebrauchs- und Ziergegenstände aus unlegiertem Kupfer und Kupferblech: Gefäße für den Küchengebrauch, Käsekessel,Die Kunst, kupferne Käsekessel zu schmieden. Erklärungen und Fotos auf Story Macher. abgerufen am 20. Dezember 2022. Sektkühler,Glanzvolles Gesellenstück. Aus der Lehrwerkstatt Carl Canzler. Im Inventar des Stadtmuseums Düren; stadtmuseumdueren.de abgerufen am 5. Juni 2022. sakrale Kunstobjekte, Schmuck, Reliefs, Statuen und Dachabdeckungen.Seno von Sennewitz: Der Kupferschmied. Fotos von aus Kupfer gefertigten Gegenständen, der-kupferschmied.com abgerufen am 20. Dezember 2022.Treibarbeit, Vorführung. Youtube, 2018; abgerufen am 5. Juni 2022. Bis eine aus Kupferblech getriebene Gugelhupfform als fertiges Werkstück die Kupferschmiede verlässt, braucht es 40.000 Hammerschläge.Rotes Gold in weiß-blauem Land. kupfermuseumfischen.de; abgerufen am 20. Dezember 2022.

Carl Alexander Heideloff beschreibt in seinem 1834 veröffentlichten Werk Das goldene Ehrenbuch der Gewerke und Zünfte im Kapitel Der Kupferschmidt die von ihm ausgeführten Arbeiten wie folgt:

Im Gegensatz zum Eisen verarbeitenden Schmied bearbeitet der Kupferschmied seinen Werkstoff kalt. Lediglich zum Weichglühen wird Hitze angewendet, traditionell mit Hilfe einer Esse. Typische Werkzeuge sind: Amboss, Schraubstock, Beiß- und Schneidzange, Kugelhammer, Schlichthammer, Schweiffhammer, Sickenhammer, Stemphammer, Spannhammer, Treibhammer, Polierhammer, Feilen, Schabeisen, Grabstichel, Meißel und Lötkolben.Abbildungen der wichtigsten Werkzeuge eines Kupferschmieds. In: Heimatlexikon. online Austria Forums8 5. Juni 2022.Johann Heinrich Moritz von Poppe: Technologisches Lexikon oder: genaue Beschreibung aller mechanischen Künste, Handwerke, Manufakturen und Fabriken der dazu erforderlichen Handgriffe, Mittel, Werkzeuge und Maschinen. Cotta Verlag Stuttgart, 1819, S. 9–10, 12, 35, 229, 312, 315, 335-336, 342-346, 359, 589, 727, 731; .

Im Zuge der industriellen Veränderung und der damit einhergehenden Nachfrage nach verfahrenstechnischen Apparaten begann der Kupferschmied, auch Druckbehälter, Kolonnen, Wärmetauscher, Rührkessel, Autoklaven und Reaktoren zu bauen. Dabei wird das Kupfer auch mit Zuhilfenahme einer Acetylen-Sauerstoff-Flamme warm umgeformt, um den teils hohen Umformgrad zu erreichen, beispielsweise beim Schmieden von Bundkragen, Aushalsungen an Böden oder Zargen und bei der Ausfertigung schmiedeeiserner Stutzen.Albrecht Turek, Gustav Ulbricht: Die Vorkalkulation Im Kessel- und Apparatebau. Verlag Julius Springer, Berlin 1931, S. 42; books.google Zudem wurden die Kupferbauteile erst durch Gasschmelzschweißen und später mit dem Verfahren WIG-Schweißen mittels Hitze stoffschlüssig gefügt. Durch diesen technischen Fortschritt wandelte sich der Kupferschmied zum Kupferschweißer, der durch die rasante Ausweitung des Werkstoffgebiets, insbesondere in den für die chemische Industrie arbeitenden Betrieben, mehr und mehr die Rolle des klassischen Schmieds ablegte und die eines Schweißers annahm.Canzler Chronik zum 50. Firmenjubiläum, Kapitel Die Ausweitung des Werkstoffgebiets, S. 45–71. Im Archiv des Geschichts- und Heimatvereins Herrschaft Merode e. V.1890–1940 Von der Kupferschmiede zum Großapparatebau, Chronik zum 50. Firmenjubiläum Carl Canzler, Kapitel Die Kunst des Kupferschweißens, S. 20 und S. 25–29. Im Archiv des Geschichts- und Heimatvereins der Herrschaft Merode e. V.Beispiele von mit Kupfer ausgekleideten Rohrleitungen und Reaktoren sowie Wärmetauscher aus Kupfer und Kupferlegierungen, Buss-SMS-Canzler Spezialapparatebau. abgerufen am 9. März 2023.

Kupferschmied: Unterschiedliche Berufsbezeichnungen im Laufe der Jahrhunderte Kessler oder Kesselmacher: In frühneuhochdeutscher Sprache bis Mitte des 15. Jahrhunderts.Kesselmacher. In: Frühneuhochdeutsches Wörterbuch.; fwb-online.de abgerufen am 5. Juni 2022. Kupferschläger: Bis zum 19. Jahrhundert, vornehmlich in Niedersachsen.Berufsbezeichnung bis zum 19. Jahrhundert war Kupferschläger, dann Kupferschmied genealogy.net abgerufen am 10. Dezember 2022. Als eine Art von Kupferschmieden bezeichnete das Krünitzlexikon in der Zeit von 1773 bis 1858 die Kesselflicker.

Durch die berufliche Neuordnung in Industrie und Handwerk (siehe auch Kapitel Der Ausbildungsberuf Kupferschmied): Anlagenmechaniker mit den Fachrichtungen Apparatetechnik sowie Versorgungstechnik (1987) Behälter- und Apparatebauer (1998)

Weitere Bezeichnungen: Kupferkesselschmied, Kupferkessler, Koopersläger, Kupfer-Hammerschmied. Veraltete Bezeichnungen/Schreibweisen: Kupfferschmidt, Kupferschmid.Der Kupferschmied. berufe-dieser-welt.de, Abschnitt Berufsbezeichnungen; abgerufen am 10. Dezember 2022. Wilhelm Polzer, Polizeikommissar in Wien, beschreibt in seinem im Jahre 1922 publizierten Gaunerwörterbuch für den Kriminalpraktiker die in der Ganovensprache für einen Kupferschmied verwendeten Ausdrücke: Gordelmelochner = Kupferschmied, Kesselflicker; Harta/Hartas = Schmied, Kupferschmied.Wilhelm Polzer: Gaunerwörterbuch für den Kriminalpraktiker. J. Schweitzer Verlag, München / Berlin / Leipzig 1922, S. 32 u. 35; . Kalderasch, Kalderaš leitet sich vom rumänischen Wort căldărar „Kesselschmied, Kupferschmied“ ab (von căldare „Kessel“). Es ist die Bezeichnung einer (Berufs-)Gruppe der Roma.Kalderasch – Kupferschmiede und Kesselflicker. abgerufen am 12. Dezember 2022. „’s Kopferschmeds“ wurden die Nachkommen des Kupferschmieds Anton Schierscher-Tschetter (1813–1900) genannt, die ebenfalls das Kupferschmiedehandwerk erlernt und ausgeübt haben (mindestens drei Generationen), allesamt Mitglieder eines Familienzweiges des alteingesessenen Schaaner-Geschlechts, einer bedeutenden Familie in der Liechtensteiner Grafschaft Vaduz.Schierscher von Schaan. leu-gen.li; abgerufen am 14. Dezember 2022.

Der Kupferschmied im Wandel der Zeit Der Ursprung des Kupferschmiedens Die Geschichte des Kupferschmiedens beginnt mit der Verfügbarkeit des Werkstoffes Kupfer.Kupfer: Metall der Menschheit. Die Geschichte des Kupfers. Deutsches Kupferinstitut; abgerufen am 5. Juni 2022. Als in der Natur elementar vorkommender Reinstoff zählt Kupfer, neben Gold, zu den ersten von Menschen gezielt bearbeiteten Metallen. Die ältesten bekannten Beispiele, aus gediegenem Kupfer hergestellte Schmuckplättchen, wurden im anatolischen Çayönü ausgegraben und auf das 8. Jahrtausend v. Chr. datiert.Robin Hermann: Sächsisches Hüttenwesen - Schauplätze, Verfahren, Geschichte, Verlag Robin Hermann, Chemnitz, 2015 ; abgerufen am 5. Juni 2022. biologie-seite.de; abgerufen am 5. Juni 2022. Ungefähr 7.500 Jahre alte Kupferwerkzeuge, wie Äxte und Meißel, wurden an den serbischen Fundplätzen Pločnik und Krvije ausgegraben.7500 Jahre alte Werkzeuge. n-tv.de, 22. September 2009; abgerufen am 5. Juni 2022.Archäologen rätseln über 7000 Jahre alte Kupferfunde. Spiegel Online Wissenschaft, 27. Dezember 2010; abgerufen am 5. Juni 2022.

Der Übergang von der Steinzeit zu den Metallzeiten begann von ca. 7000 v. Chr. an in Vorderasien. Während der Kupfersteinzeit (5500 bis 2200 v. Chr.), in Vorderasien „Chalkolithikum“ genannt, entwickelte sich der Kupferbergbau und grundlegende Techniken der Kupfer-Metallurgie insbesondere in Südosteuropa und dem Nahen Osten, wodurch sich wiederum die Kupferverarbeitungstechnologien, der handwerkliche und kreative Umgang mit dem Ausgangsmaterial und schließlich das Kupferschmiedegewerbe entfaltete.

In Iran sind Artefakte aus kalt gehämmertem Kupfer seit dem präkeramischen Neolithikum (frühe Jungsteinzeit) bekannt.C. S. Smith: Appendix 2: Analysis of the copper bead from Ali Kosh. In: F. Hole, K. V. Flannery, J. A. Neely (Hrsg.): Prehistory and human ecology of the Deh Luran Plain: An early village sequence from Khuzistan, Iran, Memoirs of the Museum of Anthropology, University of Michigan 1 (Ann Arbor 1969) 427–428. Berühmt ist die Werkstatt eines Kupferschmieds aus Tappe Ghabrestan, datiert in die erste Hälfte des 4. Jahrtausends vor Christus. Es wird vermutet, dass es sich bei den frühbronzezeitlichen Kuppelöfen aus Shahdad um Anlagen zur Verhüttung von Kupfer handelt. Wahrscheinlich war das Kupferschmiedehandwerk in Arisman, wo seit 2000 regelmäßige Feldforschungen des in Teheran ansässigen Deutschen Archäologischen Instituts stattfindenden, eine saisonal begrenzte, möglicherweise von Gruppen durchgeführte Tätigkeit, insbesondere der Spezialwissen erfordernde Verhüttungsvorgang. In der ehemaligen, in der heutigen iranischen Provinz Fars gelegenen Stadt Tal-e Malyan, einem der zentralen Fundorte der protoelamischen Zeit, lassen sich annähernd vierzig handwerkliche Tätigkeiten nachweisen, die in kleinen Werkstätten innerhalb einzelner Wohnhäuser ausgeführt wurden. Nichts deutet auf die Existenz von in Vollzeit arbeitenden Spezialisten hin. In dem ebenfalls zeitgleichen, jedoch kulturell anders orientierten Tappe Hesar hatte man sich auf die Verarbeitung und den Handel mit Lapislazuli spezialisiert, wobei auch Keramik und Kupfergeräte hergestellt wurden.Barbara Helwing: Kupferschmiede zu Beginn der Bronzezeit auf dem iranischen Plateau: Erste Ergebnisse der deutsch-iranischen Forschungen in Arisman, 2000-2004 (Seite 1–2 und 6) academia.edu (PDF); abgerufen am 30. Januar 2023.

Das Kupferschmiedehandwerk ist somit eines der ältesten metallverarbeitenden Handwerke der Menschheitsgeschichte.Die ältesten Handwerke. Planet Wissen; abgerufen am 6. Juni 2022.Kupferschmied – Geschichte online abgerufen am 11. Dezember 2022. Der wohl bekannteste Mensch der Kupferzeit ist der als Kältemumie erhaltene Ötzi, der um 3300 v. Chr. lebte und bei seinem Tode ein fast vollständig erhaltenes Kupferbeil mit sich trug.

Ab dem 3. Jahrtausend v. Chr. Die Kupferschmiedekunst wurde seit dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr. von den Assyrern, später in größerer Vollendung von den Griechen betrieben. Bereits im Alten Ägypten hatte der Beruf des Kupferschmieds ein staatlich anerkanntes und entsprechend gewürdigtes Ansehen, wie der Papyrus Wilbour deutlich macht: Der britische Ägyptologe John Romer erzählt in seiner vor etwas über 3000 Jahren, zur Zeit der Ramessiden, spielenden, wissenschaftlichen Publikation, Sie schufen die Königsgräber, die Geschichte der altägyptischen Arbeitersiedlung Set Maat, dem heutigen Deir el-Medine, in der Nähe der ehemaligen Hauptstadt Ägyptens Theben gelegen. Seine Erzählung erwähnt an mehreren Stellen einen Kupferschmied namens Pecha-ru.John Romer: Sie schufen die Königsgräber – Die Geschichte einer altägyptischen Arbeitersiedlung. Aus dem Englischen von Joachim Rehork, Verlag Max Hueber, Ismaning bei München 1986, ISBN 3-19-005500-9, S. 242 u. S. 303; . Im 11. Jahrhundert v. Chr. soll sich im ägyptischen Theben ein Pharaonengrabraub-Komplott zugetragen haben, wo bei der Plünderung der Grabstätte unter anderem auch Kupferschmiede beteiligt gewesen sein sollen. Gerichtsprotokolle, bekannt als Papyrus Abbott, sollen ein Beweis dafür sein.Karin Schlott: Die vergessenen Gräber. Abschnitt Das Grabraub-Komplott – ein Krimi aus Ägypten. wissenschaft.de 21. Juli 2015; abgerufen am 13. März 2023.Grabräuber im Alten Ägypten – Ein Skandalprozeß am Ende der Ramessidenzeit judithmathes.de abgerufen am 13. März 2023.