mini|Eingang zur Oberstufe mini|Durchgang vom Osttor zum Hauptschulhof mini|Mauer im Eingangsbereich Die Ernst-Reuter-Schulen I und II (oftmals Abgekürzt als ERS I und ERS II) entstanden zu Beginn der 1960er-Jahre in der Nordweststadt im Frankfurter Stadtteil Niederursel als eine der ersten integrierten Gesamtschulen in Hessen. Als Modellschule spielten sie insbesondere in den 1970er- und 1980er-Jahren eine wichtige Rolle als Vorreiter für diese Schulform und standen deshalb meist im Kreuzfeuer der hessischen Bildungspolitik.

Geschichte Von den Anfängen als Nordweststadtschule Kurz nach dem Bau des Nordwestzentrums wurde im Hammarskjöldring mit dem Bau eines Schulkomplexes in unmittelbarer Nachbarschaft begonnen, der das Bildungsangebot für die Kinder der neu entstehenden Nordweststadt sichern sollte. Zunächst entstand das Projekt unter dem Namen Nordweststadtschule und sollte alle Jahrgangsstufen von Klasse 1 bis 13 umfassen. 1963 entstand im Praunheimer Weg die zugehörige Grundschule, die nach ihrer Ablösung von der Nordweststadtschule 1969 den Namen Grundschule II, später Erich-Kästner-Schule trug. Bis zur Fertigstellung der Schulgebäude im Jahre 1965 (inklusive vier Sporthallen, einem Schwimmbad und einem Sportplatz) wurden die Schüler in Holzpavillons unterrichtet. Die Zahl der Schüler wuchs in dieser Zeit rapide von 98 Schülern (1963) über 800 Schüler (1965) auf mehr als 2000 Schüler (1968) an.

Ab 1969 werden in der Nordweststadt aufgrund der hohen Schülerzahlen zwei weitere Grundschulen eröffnet: Die Grundschule I (heute Heinrich-Kromer-Schule) in der Niederurseler Landstraße, die Grundschule III (später Albert-Griesinger-Schule, heute Mosaikschule) im Gerhart-Hauptmann-Ring und die Römerstadtschule in der Straße In der Römerstadt 120E.

Die Nordweststadtschule wird bald ein Sammelbecken für progressive Lehrer, die neue pädagogische Wege beschreiten wollen und dabei insbesondere die Integration von verschiedenen Schulformen anstreben. Bereits ab 1966 findet schulformübergreifender Unterricht in den Fächern Sport, Zeichnen, Werken und Musik für Haupt-, Real- und Gymnasialschüler statt.

Ab 1967 werden auch die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathematik nicht mehr nach Schulformen getrennt unterrichtet, sondern es wird je Fach nach Schülerleistungen differenziert. Zusätzlich werden die klassischen Fächer Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde zum neuen Fach Gesellschaftslehre verschmolzen und schulformübergreifend in gemeinsamen Klassen unterrichtet. Schon früh findet dort projektorientierter Unterricht statt, zu damals hoch innovativen Themen, wie „Kommunalpolitik“, „Auto“, „Energiequellen“ und „Probleme der Dritten Welt“.

Die Nordweststadtschule erhält den Namen Ernst-Reuter-Schule mini|Modell der Ernst-Reuter-Schule aus dem Jahre 1963 Am 30. September 1968 erhält die Schule den heutigen Namen Ernst-Reuter-Schule. Sie wird ausdrücklich als Modell- und Experimentalschule angesehen, die den neuen gesellschaftspolitischen Bedingungen dadurch gerecht werden soll, dass sie kritische Bürger einer neuen Gesellschaft erzieht. Als Modell- und Experimentalschule sollte sie zum Ausstrahlungspunkt für weitere Schulen im gesamten Bundesgebiet werden. Die Schülerzahlen waren zu diesem Zeitpunkt mit über 2600 Schülern weiter rapide angestiegen, so dass trotz des großen Gebäudekomplexes noch immer Platzmangel herrschte. Klassengrößen um 30 Schüler und mehr, waren daher seinerzeit Standard.

Mit dem Grundsatzbeschluss des Lehrerkollegiums führt die Schule ab 1. September eine integrierte Sekundarstufe (Klassen 7–10) ein, womit faktisch der Weg zur integrierten Gesamtschule vorgezeichnet ist. Wenig später kommt es zur Einrichtung von Förderstufen in den Klassen 5 und 6.

Die Entstehung der Ernst-Reuter-Schule II mini|Eingang zum D-Bau Bis 1972 ist die Zahl der Schüler an der Ernst-Reuter-Schule auf fast 3000, die Zahl der Lehrer auf fast 150 angewachsen. So entsteht die Idee, auf der neben der Schule befindlichen Bautrasse für die Ortsumgehungsstraße des Stadtteils Praunheim eine Behelfsschule in Fertigbauweise zu errichten, die eine Anzahl Schüler der so genannten geburtenstarken Jahrgänge mittelfristig beherbergen sollte. Die neue Schule wurde im September 1972 unter dem Namen Ernst-Reuter-Schule II eröffnet.

Ebenfalls im Jahre 1972 wurde den Ernst-Reuter-Schulen vom hessischen Kultusministerium das Recht gewährt, eine eigene Schulverfassung zu beschließen, die vorsah, dass das Direktorium künftig auf Zeit vom Lehrerkollegium gewählt wurde, anstelle des bisherigen Modells von Schulleitern auf Lebenszeit. Während dieses Modell der Kollegialen Schulleitung (KoSchu) an der Ernst-Reuter-Schule I in den 1980er-Jahren aufgrund innerer und äußerer Konflikte scheiterte und für öffentlichen Unmut sorgte, bestand die Kollegiale Schulleitung an der Ernst-Reuter-Schule II bis in die jüngste Vergangenheit.

Konflikte um die Zukunft der Ernst-Reuter-Schulen Aufgrund eines zunehmenden politischen Drucks, der ein Ende vieler von konservativer Seite als kritisch betrachteter Experimente an den Ernst-Reuter-Schulen forderte, und wegen des zunehmenden Rufs der Lehrer und Schüler der Ernst-Reuter-Schulen nach pädagogischem Freiraum kam es mehrmals zu heftigen Konflikten über deren Weiterbestehen.

Zunächst wurde die gescheiterte Kollegiale Schulleitung der Ernst-Reuter-Schule I ab 1982 durch eine vom Kultusministerium eingesetzte Schulleitung ersetzt. An die Schule abgeordnet wurde ein dreiköpfiges Leitungsteam bestehend aus Otfried Galm (Direktor), H. Siegle (stellv. Direktor) und Dr. Jürgen Pyschik (päd. Leiter).

Obwohl mit Galm und Pyschik zwei ausgewiesene Sozialdemokraten an die Schule abgeordnet wurden, die noch nicht einmal dem rechten Spektrum der Partei angehörten, wurde die neue Schulleitung über Jahre hinweg von Schülern und Lehrern als autoritärer Fremdkörper empfunden, der entsendet wurde, um die Schule gewaltsam zurechtzubiegen zu etwas, was von rechten Kräften als „normal“ empfunden wurde. Die SPD befürchtete aufgrund immer neuer Skandalmeldungen über die Ernst-Reuter-Schule (die nicht selten kampagnestrategisch motiviert, stark übertrieben oder sogar frei erfunden waren) Zustimmung im eigenen Lager zu verlieren. Insbesondere Galm wurde daher während seiner Amtszeit stets als Rechts-Konservativ betitelt und behandelt, da es politisch rechts von ihm nichts an der Schule gab. Er verstarb 1996 noch im Amt früh im Alter von 55 Jahren und hinterließ den Schülern der Ernst-Reuter-Schule I eine Stiftung, die Eigeninitiative und Gemeinsinn fördert.

Mitte der 80er-Jahre wurde beschlossen, aufgrund sinkender Schülerzahlen keine weiteren Schüler mehr an die Ernst-Reuter-Schule I aufzunehmen und diese stattdessen an die Ernst-Reuter-Schule II zu verweisen. Die Ernst-Reuter-Schule I sollte mit diesem Beschluss bis auf die zum Weiterverbleib bestimmte Oberstufe sukzessive auslaufen. Diese Diskussion fiel in die Zeit einer heftigen schulpolitischen Debatte in Hessen, aufgrund derer von Seiten der CDU mit massiven Tönen die „Abschaffung der Zwangsförderstufe“ und des „sozialistischen Gesellschaftslehreunterrichts“ gefordert wurde.

Einen vorläufigen Höhepunkt erreichten die Diskussionen, nachdem von der Stadt Frankfurt beschlossen wurde, den Raummangel Frankfurter beruflicher Schulen durch Einlagerung in aufgrund sinkender Schülerzahlen freiwerdende Räume der Ernst-Reuter-Schule I zu lösen. Die attraktive Immobilie auf dem Gelände der ERS I bot hierfür hervorragende Voraussetzungen. Da gleichzeitig nicht entschieden wurde, die Ernst-Reuter-Schule II aus ihrem nur als Provisorium gedachten und inzwischen baufällig gewordenen Fertigbau umziehen zu lassen, wurde die Befürchtung laut, dass das „Experiment Ernst-Reuter-Schule“ hiermit insgesamt beendet werden sollte.

Nach heftigen Protesten von Schülern, Eltern und Lehrern der Nordweststadt im Jahre 1986 kam es ab 1987 doch zum allmählichen Wiedereinzug von Teilen der Ernst-Reuter-Schule II in die Räume der Ernst-Reuter-Schule I und zum Stopp des weiteren Einzugs beruflicher Schulen.

Pädagogischer Neuanfang der Ernst-Reuter-Schule II Mit dem beginnenden Umzug wurde außerdem beschlossen, die Neuaufnahmekapazität der Ernst-Reuter-Schule II auf sechs Parallelklassen zu beschränken, um so eine sinnvolle pädagogische Arbeit zu ermöglichen. Durch die veränderte Raumsituation konnte nun auch die Ernst-Reuter-Schule II das nie gekannte „Prinzip der Überschaubarkeit“ gestalten. Schüler wurden nach Altersgruppen getrennt in verschiedenen Gebäudeteilen unterrichtet, die für sie zum persönlichen Bezugspunkt werden. Die Zahl der Fachlehrer pro Klasse wird auf eine überschaubare Größe vermindert. Das Lehrerzimmer für einen Jahrgang befindet sich in unmittelbarer Nähe der Unterrichtsräume.

Integrative Schule Ab 1989 wird das pädagogische Konzept der Integration um das Element integrativen Unterrichts (siehe auch Schulische Integration) erweitert, bei dem Schüler mit Behinderungen und nichtbehinderte Schüler in einer Schule gemeinsam unterrichtet werden. Hierfür werden die Räume der Schule bautechnisch entsprechend umgestaltet.

Das Konzept findet in den Stadtteilen (Niederursel, Praunheim, Heddernheim) großen Zuspruch und führt zur Einrichtung zweier neuer integrativer Kindergärten im Einzugsbereich der Schule.

Im Jahr 1995 wird schließlich von der Gesamtkonferenz der Schule eine verbindliche „Konzeption des Gemeinsamen Unterrichts“ beschlossen. Hierdurch werden die sechs parallelen Klassen in je drei gemischte Klassen und drei Regelklassen (d. h. ohne behinderte Schüler) geteilt, wobei jeweils eine gemischte und eine Regelklasse Partnerklassen bilden, die räumlich nebeneinander liegen und vom selben Lehrerteam unterrichtet werden, so dass eine optimale Betreuung jederzeit gewährleistet ist.

Für die Schüler mit Behinderungen wird in Zusammenarbeit mit Sonder- und Berufsschulen ein spezielles Konzept von berufsorientierenden Maßnahmen erstellt. Außerdem wird ihnen ermöglicht, über die Regelschulzeit von 10 Jahren hinaus an der Schule zu bleiben.

Brand im alten Gebäude der ERS II Im Jahre 1994 kommt es zu Brandstiftung in einem Werkstattraum der Ernst-Reuter-Schule II. Durch die Folgen des Brands treten die Baumängel des ursprünglich als Provisorium gedachten, aber weit länger als vorgesehen für die Jahrgangsstufen 9 und 10 genutzten Behelfsbaus drastisch zutage: Im Gebäude wurden wie zur damaligen Zeit üblich zur Brandsicherung Asbest und andere giftige Stoffe eingesetzt, die nun nach dem Brand über die Lüftung in den gesamten Trakt des Schulgebäudes transportiert worden waren und eine potentielle Gefährdung darstellten. Dies führte zur sofortigen Sperrung des alten Gebäudes und zur notdürftigen Unterbringung der Schüler in der ehemaligen ERS I.

Nach dem Rückzug der Klassen im Sommer 1995 werden jedoch im August 1995 noch immer erhöhte Asbestwerte in den Klassenräumen festgestellt, so dass die Klassen erneut in die ERS I umziehen müssen. 1996 ziehen die Schüler dann in zu Klassenräumen umgebaute Baucontainer auf dem Schulhof der ehemaligen ERS I.

Auf dem ehemaligen Gelände der ERS II am Praunheimer Weg wurde schließlich im Jahre 2002 die Europäische Schule errichtet. Dabei handelt es sich um eine Schule, die im Wesentlichen die Kinder von Bediensteten der Europäischen Zentralbank und anderer EU-Organisationen mehrsprachig betreut.

Ausbau der Ernst-Reuter-Schule II Seit 1999 nimmt die Ernst-Reuter-Schule II erstmals wieder acht Parallelklassen auf. Im Jahre 2000 werden die Lehrräume für Naturwissenschaften von Grund auf saniert und modernisiert. In den weiteren Jahren wurde die Schule komplett saniert.

Abschaffung der KoSchu auch an der ERS II