Victor „Vic“ Schoen (geb. 26. März 1916 in Brooklyn, New York; gest. 5. Januar 2000) war ein amerikanischer Bandleader, Arrangeur und Komponist, dessen Karriere von den 1930ern bis zu seinem Tod 2000 anhielt. Er schuf die Musik für Musiker wie Benny Goodman, Glenn Miller und Count Basie, aber auch für sein eigenes The Vic Schoen Orchestra.

Leben Frühe Jahre – 1930er Vic Schoen wurde in Brooklyn, New York, als Kind jüdischer Eltern geboren. Musikalisch war er Autodidakt. In seiner Jugend lernte er Trompete spielen. Nachdem er die Schule abgebrochen hatte, begann er in Nachtclubs in New York City zu spielen, unter anderem auch in den Bands von Leon Belasco, Gene Kardos und Billy Swanson. Er lernte durch „trial and error“ (Versuch und Irrtum), wie man Big-Band-Arrangements anfertigt. Um diese Zeit traf er George Gershwin bei einer Party in New York City. Schoen verfasste Mitte der 1930er zahlreiche Arrangements für Count Basie und war beeindruckt vom Sound der Basie Band.

The Andrews Sisters mini|The Andrews Sisters Schoen lernte die The Andrews Sisters 1936 beim Trompetespielen im Leon Belascos Society Orchestra kennen. Er lud sie ein, bei einer Radiosendung in New York City zu singen. Der Vizepräsident von Decca Records A&R, Dave Kapp, nahm sie unter Vertrag, und sie machten ihre erste Aufnahme für Decca im Oktober 1937 mit Schoen als ihrem Arrangeur.

Schoen arrangierte den Song Bei mir bistu shein mit einem englischen Text von Sammy Cahn für die Andrews Sisters.yiddishradioproject.org Es wurde bald ihr erster Nummer-eins-Hit und brachte ihnen eine Goldene Schallplatte, die erste, die jemals an eine weibliche Gesangsgruppe verliehen wurde.

Nach dem Erfolg der Andrews Sisters kamen zahlreiche Songwriter zu Schoen. Er arrangierte Beat Me Daddy, Eight To The Bar und Boogie Woogie Bugle Boy für Don Raye und Hughie Prince. Boogie Woogie Bugle Boy schrieb er so um, dass er selber das charakteristische Trompetensolo am Anfang spielen konnte. In der Folge legte er seinen Schwerpunkt auf Orchesterleitung und Dirigieren und trat seltener als Trompeter auf. Für die Begleitband der Andrews Sisters fand er den Schlagzeuger Buddy Rich, der allerdings ebenso wenig wie die meisten Bigband-Sänger Noten lesen konnte. Später ergänzte er gegen den Widerstand der Produzenten, die keine Veränderung wollten, eine Posaune und eine Harfe für die Band. Letztere kam bei Apple Blossom Time gleich zu Beginn mit einem Solo zum Einsatz.

1948 beteiligte sich Schoen an einem Animationsfilm für Walt Disney: Little Toot (1948), worin die Andrews Sisters als Sänger-Erzählerinnen der Geschichte fungierten.

Die Partnerschaft zwischen Schoen und den Andrews Sisters dauerte 20 Jahre an. Er schrieb und dirigierte die meisten ihrer Aufnahmen, so auch Rum and Coca Cola, I Can Dream Can’t I und I Wanna Be Loved. Er wurde auch als musikalischer Leiter in verschiedenen ihrer Filme (Buck Pirates) und in Fernsehspecials und Konzerten, inklusive eines Konzerts im London Palladium, engagiert. Schoen und die Andrews Sisters trafen die Königinmutter Elizabeth nach dem Konzert.

Bei einem Brand im Haus der Andrews Sisters in den 1960ern gingen sämtliche Arrangements verloren; es existieren nur noch Transkriptionen, die von Aufnahmen gemacht wurden.

1940er Zwischen 1940 und 1957 lebte Schoen in Los Angeles. Während dieser Jahre war er Music Director in Residence für Decca Records, Kapp Records, RCA Records, Liberty Records und Mainstream Records. Außerdem war er drei Jahre lang Musical Director bei Universal Pictures, vier Jahre bei Paramount Pictures und elf Jahre bei ABC, NBC und CBS.

Schoen arrangierte Songs für zahlreiche Filme der Andrews Sisters und für Komödien der Reihe Abbott and Costello (Argentine Nights, 1940; Buck Privates, 1941; In the Navy, 1941; Hold That Ghost, 1941; What’s Cookin’?, 1942; Private Buckaroo, 1942; Give Out, Sisters, 1942; How’s About It, 1943; Always a Bridesmaid, 1943; Swingtime Johnny, 1943; Moonlight and Cactus, 1944; Follow the Boys, 1944; Hollywood Canteen, 1944; Her Lucky Night, 1945; Make Mine Music, 1946).

Weitere Arrangements verfasste er für Bob Hopes und Bing Crosbys TV-Specials und Filme (Road to Zanzibar, 1941; Road to Morocco, 1942 – darin: Moonlight Becomes You – und Road to Rio, 1947). Außerdem stellte er die musikalische Umrahmung für Donald O’Connor–Peggy Ryan Musicals.

Walter Schumann zog Schoen 1942 zur Mitwirkung an dem Film This Is the Army heran. Schoen arrangierte „This Is the Army Mr. Jones“. 1945 arrangierte er Ella Fitzgeralds Scat-Aufnahme „Flying Home“.

Außerdem verfasste Schoen zahlreiche Arrangements für Highschool-Bands, die von Edward B. Marks, Leeds Music Corp., Harms Music, Clarence Williams Music und American Academy of Music veröffentlicht wurden.

1950er 1951 arrangierte Schoen On Top of Old Smoky für The Weavers. Drei Jahre lang (1951–54) arrangierte und dirigierte er die Dinah Shore TV Series und die Aufnahmen und war auch Bandleader für die enorm erfolgreiche Colgate Comedy Hour 1954. Bei einer Liveübertragung der Dinah Shore TV Show kam er 20 Minuten zu spät. Zwei der Produzenten nahmen ihn Backstage in Empfang. Der erste Produzent grüßte ihn an der Tür, nickte und sagte „Mr. Schoen.“ Der zweite Produzent nickte ebenfalls und sagte „Mr. Schoen“. Nach einer kurzen Pause sagte der erste Produzent: „Das macht $22.000 von deinem Gehalt“ („That’s going to be $22,000 off of your salary“). Danach, kommentierte Schoen, war er niemals mehr irgendwo zu spät. Eine von Schoens Backgroundsängerinnen in der Dinah Shore Show war Virginia „Ginny“ O’Connor. Schoen erinnerte sich: „Ein junger Henry Mancini verfolgte sie zu der Zeit. Er war meistens Backstage, um auf sie zu warten“ („A young Henry Mancini was pursuing her at the time. He used to hang out backstage waiting for her“). Mancini und O’Connor heirateten. 1991 wurde Dinah Shore nach ihrer Zusammenarbeit mit Schoen in ihrer Fernsehshow gefragt. Sie antwortete: „Es war Glück für mich, dass ich ihn in diesen Jahren als Musical Director hatte. Er war einer der gefragtesten Arrangeure dieser Zeit“ („I was very lucky to have him as my musical director during those years. He was one of the most sought after arrangers of the time“).

Schoen arbeitete auch mit Irving Berlin an dem Film White Christmas (1954), wo er die Songs Count Your Blessings und White Christmas arrangierte. Der Film war mit weitem Abstand der Film mit dem größten Einspielergebnis 1954. Schoen schrieb auch für Maurice Chevaliers erste Amerika-Tour 1955 und arrangierte für Chevaliers Fernsehspecials. Schoen komponierte und arrangierte für Danny Kayes Film The Court Jester („Der Hofnarr“, 1956) – eine sehr erfolgreiche Musical-Komödie. Der Filmkomponist Elmer Bernstein wurde als Assistant Musical Director für Schoen für den Film angestellt. The Court Jester war eine enorme Herausforderung für Schoen zu der Zeit, weil es sein erster Film dieser Art war und er keine Erfahrung damit hatte, wie die Musik zum Film synchronisiert wurde. Die meisten der früheren Filme, an denen er arbeitete, benötigten nur Arrangements für einzelne Songs (im Unterschied zur Filmmusik). Die Lieder wurden vor dem eigentlichen Filmdreh aufgenommen. Schoen lernte nun im Verfahren, wie man 100 Minuten Hintergrundmusik und Vocal Arrangements synchronisierte. Sammy Cahn und Sylvia Fine, Danny Kayes Frau, wurden gebeten, sieben Songs für den Dreh zu liefern. In den späten 1950ern arrangierte und dirigierte Schoen Musik für Danny Kaye im Palace Theatre am Broadway in New York, unter anderem „I’ve Got a Lovely Bunch of Coconuts“, „Anatole of Paris“, „The Peony Bush“, „Madam, I Love Your Crepe Suzette“, „I Belong To Glasgow“, „Good Old 149“ und „Tschaikowsky“.

Schon bei The Court Jester orchestrierte er alles selbst, was sehr ungewöhnlich zu der Zeit war. Die meisten Filmkomponisten stellten zusätzlich einen Orchestrator an, um den Prozess, im Angesicht des enormen Zeitdrucks und der große Masse an Musik, die zu schreiben war, zu beschleunigen. In den 1950ern arrangierte Schoen Musik für ein Album von Decca mit dem Titel „Music for a Rainy Night“. Johnny Green war so sauer über Schoens Arrangement seines Songs „I Cover the Waterfront“ von 1933 in dem Album, dass er nie wieder mit ihm sprach. Green hielt das Arrangement für eine Schande für seinen Song.

1956 wurde Schoen musikalischer Leiter für Patti Page und produzierte Hits wie „Mama from the Train“, „Allegheny Moon“, „Old Cape Cod“, „Belonging To Someone“ und „Left Right Out of Your Heart“. Page und Schoens herausforderndstes Projekt war eine Neuaufnahme von Gordon Jenkins’ Orchestersuite „Manhattan Tower“ (September 1956). Das Album war ein riesiger Erfolg, sowohl künstlerisch als auch kommerziell. Es erreichte Platz No. 18 in den Billboard LP Charts und erreichte damit den höchsten Platz von allen Alben, die Page und Schoen veröffentlichten. Schoens Arrangements waren viel lebendiger und jazziger als die Original-Arrangements von Jenkins. 1957 zog er nach New York City, um musikalischer Leiter von „The Big Record“ zu werden (1957–58), einer Varieté-Serie bei CBS, die Patti Page moderierte. Nach Schoens Erinnerung traten „praktisch alle bekannten Sänger und Bigbands der damaligen Zeit in dieser Show auf.“ Zeitgleich komponierte und arrangierte Schoen Musik für zahlreiche Las-Vegas-Produktionen im Desert Inn, dem Stardust, The Lido in Las Vegas und auch im The Lido in Paris (inklusive drei Welttourneen).

1960er Im Juni 1960 zog Schoen zurück nach Los Angeles, nachdem er die Arbeit an The Big Record mit Patti Page und an der The Dave King–Show beendet hatte. 1961 orchestrierte Schoen beim Film All Hands on Deck und war Musical Director für Shirley Temple’s Storybook, das bei NBC von 1958 bis 1961 ausgestrahlt wurde. 1962 war Schoen Music Director für die TV-Shows von Andy Williams TV Show und Pat Boone. 1966 komponierte er für The Lone Ranger.

In den 1960er Jahren arbeitete Schoen bei einer Show in Las Vegas mit Shirley Temple. Zu der Zeit wurde er bei einem Autounfall verletzt. Als Danny Kaye davon hörte, flog er mit seinem eigenen Flugzeug sofort los und holte ihn am McCarran Airport ab, um ihn zurück nach Los Angeles zu bringen, um die beste medizinische Versorgung zu gewährleisten. Kapp Records trat an Schoen wegen eines neuen Albums, The Sound of Top Brass: The Peter London Orchestra, heran. Michael Kapp hatte das Gefühl, dass Schoens Name in der Öffentlichkeit so allgegenwärtig war, dass er in den 1960er Jahren entschieden hatte, das Pseudonym „Peter London“ für Schoen einzuführen. Auch wenn seine Arbeit in den 1960ern langsamer wurde, war er doch ständig am Komponieren und Arrangieren. Schoen arrangierte zwei „space age-lounge“-Alben für Bobby Shads Mainstream label, „Corcovado Trumpets“ und „Girls with Brass“. Diese waren jedoch kommerziell nicht so erfolgreich wie seine Arbeiten aus den 1950er Jahren.

Schoen entschied in den späten 1960ern (nachdem sich der Musikgeschmack verändert hatte), dass er gerne an der University of Southern California (USC) in Los Angeles unterrichten wollte. Die Universität ließ ihn jedoch nicht Musik unterrichten, solange er nicht wenigstens einen Bachelor vorweisen konnte. Er begann daraufhin ein Studium an einem Junior College, gab den Versuch jedoch bald wieder auf. Von 1965 bis 1978, als er in Laguna Beach lebte, war Schoen auch der Musical Director für Laguna Beachs Pageant of the Masters, eine jährliche Show, in der berühmte Kunstwerke in Natur nachgestellt werden.Jeff Gottlieb: Vic Schoen, Musician and Composer, Dies at 83. Los Angeles Times. articles.latimes.com vom 8. Januar 2000 Eine Show basierte auf Werken von Norman Rockwell. Schoen kommentierte, dass es ihm viel Spaß gemacht habe, Musik zu den lebendigen Kunstwerken zu komponieren.

1970er und spätere Jahre