Carlo Acutis (* 3. Mai 1991 in London; † 12. Oktober 2006 in Monza, Italien) war ein römisch-katholischer, computeraffiner italienischer Jugendlicher, der mit 15 Jahren an Leukämie starb. Seine Dokumentation und Katalogisierung von sogenannten eucharistischen Wundern ist auf einer Website zusammengestellt.
Acutis, der in den Medien auch als Influencer Gottes bzw. Cyber-Apostel bezeichnet wird, wurde am 10. Oktober 2020 in Assisi als erster Angehöriger der Millennial-Generation seliggesprochen. Nach einem weiteren dokumentierten Wunder wurde er am 7. September 2025 in einem Gottesdienst auf dem Petersplatz in der Vatikanstadt von Papst Leo XIV. heiliggesprochen.
Leben Kindheit und Jugend Acutis wurde als Kind des italienischen Investmentbankers Andrea Acutis (* 1964) und dessen Ehefrau Antonia Salzano (* 1966) in London geboren, wo seine Eltern zu dieser Zeit lebten. Kurz nach Carlos Geburt zog die Familie nach Mailand, wo der Vater in das Management der Versicherungsgesellschaft Vittoria Assicurazioni einstieg, die seiner Familie gehörte.
1995 soll Carlo der Tod seines Großvaters stark beschäftigt haben. Laut seiner Mutter sagte der damals knapp vier Jahre alte Carlo zu ihr, dass sein verstorbener Großvater vor ihm erschienen sei und ihm gesagt habe, dass er im Fegefeuer sei und die Gebete der Familie brauche. Die Grundzüge des römisch-katholischen Glaubens lernte Acutis von seinem polnischen Kindermädchen. Seine Eltern gingen kaum in die Kirche.Michele Coviello: «Influencer Gottes»: Ein 15-Jähriger wird als erster Millennial heiliggesprochen. In: Neue Zürcher Zeitung. 29. Mai 2024, abgerufen am 3. Juni 2024. Allerdings sorgten sie dafür, dass er ausschließlich katholische Privatschulen besuchte. Die Erstkommunion empfing Carlo nach üblicher italienischer Praxis bereits im Alter von sieben Jahren am 16. Juni 1998 in der Klosterkirche Bernaga in La Valletta Brianza, einem Klausurkloster des Ambrosianischen Ritus. Seine Kindheit war geprägt durch ein intensives religiöses Leben, das sich besonders in häufigen Besuchen der heiligen Messe und der eucharistischen Anbetung ausdrückte, nach denen er aus eigenem Antrieb verlangte. Auch las er häufig in der Bibel, betete den Rosenkranz und ging wöchentlich zur Beichte.
Ab 1997 besuchte Carlo Acutis die Grundschule am Tommaseo-Institut der Marcellus-Schwestern. Bereits im Alter von sieben Jahren erhielt er seinen ersten Computer geschenkt. Laut einem Artikel im Magazin Der Spiegel zeichnete eine Nonne, die die Mittelstufe der Schule leitete, ein kritisches Bild von Acutis: „Heilig? Der? Nicht mal im Traum!“, sagte sie laut Acutis’ Postulator Ennio Apeciti. Er habe abgeschrieben und ständig gestört. Sie belegte dies, indem sie Apeciti die entsprechenden Klassenbucheinträge zeigte. Eine andere Lehrerin gab an, Acutis habe sich sorgsam um einen Klassenkameraden aus schwierigen Familienverhältnissen gekümmert. Acutis’ Religionslehrer beschrieb ihn als einen sehr zurückhaltenden Schüler, der im Unterricht keine tiefe Religiosität gezeigt habe, aber in einer Diskussion die Heiligkeit des Lebens auf eine sanfte Weise vor seinen Klassenkameraden verteidigt habe. Zwei Schulfreunde von Acutis berichteten, er sei zwar außergewöhnlich freundlich gewesen, aber in der Öffentlichkeit nicht als frommer Christ aufgetreten, jedoch habe er gegenüber Mitschülern geäußert, dass er Sex vor der Ehe für falsch halte. Acutis habe eine Vorliebe für Comedy gehabt, wie zum Beispiel den Humor der Fernsehserie Die Simpsons, und sich wöchentlich eine italienische Stand-up-Comedy-Show angesehen. Außerdem spielte er in einer Fußballmannschaft und Saxophon.
Am 24. Mai 2003 empfing er das Sakrament der Firmung in seiner Pfarrei Santa Maria Segreta. Im September 2005 wechselte er auf das Jesuitengymnasium Istituto Leone XIII in Mailand. Als Jugendlicher nahm Acutis am Gemeindeleben seiner Pfarrei teil und engagierte sich als Gemeindekatechet, wobei er auch selbsterstelltes digitales Lehrmaterial einsetzte, und ehrenamtlicher Helfer bei karitativen Aufgaben. Zugleich beschäftigte er sich viel mit seinem Computer und eignete sich ein gutes Informatikgrundwissen an. Wie bei Untersuchungen im Rahmen seines Seligsprechungsprozesses festgestellt wurde, besuchte er im Internet fast ausschließlich Angebote religiösen Inhalts. Die Ferien verbrachte er oft in Assisi und wünschte sich später, auch dort begraben zu werden. Mit elf Jahren erstellte er eine PDF-Sammlung von 136 überlieferten Erzählungen über sogenannte eucharistische Wunder aus allen Kontinenten. Auf Tafeln gedruckt wurde diese Ausstellung 2004 zuerst in Rom in der Basilika Santi Ambroglio e Carlo gezeigt, später in zahlreiche Sprachen übersetzt und weltweit in etwa 10.000 Pfarreien sowie in den Wallfahrtsorten Fátima, Lourdes und Guadalupe präsentiert, 2024 auch in Linz und Kirchhundem (Erzbistum Paderborn).www.diocesiassisi.it: Inaugurata ad Assisi la mostra sui miracoli eucharistici realizzata das beato Carlo Acutis, 11. Oktober 2024, abgerufen am 20. Oktober 2024.www.dioezese-linz.at: Barmherzige Schwestern Linz Ausstellung zu „Eucharistischen Wundern“ eröffnet, 24. Januar 2024.www.erzistum-paderborn.de: Ausstellung “Die eucharistischen Wunder in der Welt”, abgerufen am 20. November 2024. Nach seinem Tod wurde diese Sammlung auf einer im Herbst 2007 registrierten Websitehttps://who.is/whois/miracolieucaristici.org online gestellt. Ebenfalls posthum erschien 2014 die 2006 von Acutis als Ausstellung geplante PDF-Sammlung von durch die römisch-katholische Kirche anerkannten Marienerscheinungen.
Krankheit und Tod Anfang Oktober 2006 wurde bei Acutis eine akute myeloische Leukämie diagnostiziert. Die Erkrankung, die zunächst wie ein grippaler Infekt ausgesehen hatte, verschlimmerte sich innerhalb weniger Tage so stark, dass er auf die Intensivstation und bald darauf in eine Spezialklinik nach Monza verlegt werden musste. Am 10. Oktober 2006 erbat er im Krankenhaus San Gerardo in Monza die Krankensalbung und die Kommunion. Am 11. Oktober fiel er nach einer Blutwäsche ins Koma und wurde für klinisch tot erklärt. Eine Organspende war aufgrund seiner Erkrankung nicht möglich. Am 12. Oktober 2006 starb Acutis an Herzversagen.
Am 14. Oktober 2006 fand in der Pfarrkirche Santa Maria Segreta das Requiem statt, zu dem sich auch Obdachlose und Bedürftige einfanden, die Acutis zu Lebzeiten regelmäßig mit Geld und Sachspenden unterstützt hatte, teilweise ohne Wissen seiner Familie. Anschließend wurde er in Ternengo bestattet. Im Januar 2007 wurde er seinem Wunsch entsprechend auf den Friedhof von Assisi umgebettet. In Assisi besitzt Acutis’ Familie ein Ferienhaus.
Carlo Acutis war Einzelkind; sein Bruder und seine Schwester (Zwillinge) kamen erst 2010 zur Welt.
Wirkung und Verehrung In den Medien wird Acutis als „Influencer Gottes“ bzw. „Cyber-Apostel“ bezeichnet. Die römisch-katholische Kirche hob hervor, durch die Nutzung des Mediums Internet habe Acutis dazu beigetragen, die christliche Verkündigung mit dem modernen Medium zu verknüpfen.Carlo Acutis wird ein Seliger: Kult um 15-Jährigen sorgt für Aufsehen. In: katholisch.de. 10. Oktober 2020, abgerufen am 8. September 2025. Allerdings sind alle Websites, die in Verbindung mit dem Namen Carlo Acutis erwähnt werden, erst nach seinem Tod registriert. „Nicht mal Screenshots seines WWW-Wirkens wurden aufgenommen“, stellte Benno Schirrmeister in der Tageszeitung im Vorfeld der Heiligsprechung fest.
mini|In der Kirche Santa Maria Maggiore zu Assisi wird nach dem Erheben der Gebeine das Grab Acutis’ verehrt
Selig- und Heiligsprechung Als einflussreichste Unterstützer bei der Organisation und weltweiten Verbreitung der Eucharistiewunder-Wanderausstellung in den Jahren unmittelbar nach Acutis’ Tod gelten neben seinen Eltern der Erzpriester des Petersdoms Angelo Kardinal Comastri und der Kuriengeistliche Raffaello Martinelli, der zu dieser Zeit das Katechetische Amt der Glaubenskongregation leitete und 2009 Bischof von Frascati und Mitglied der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse wurde.Jean Ko Din: Photo exhibit chronicles the miracle of the Eucharist. In: The Catholic Register. 4. Juni 2017, abgerufen am 11. Oktober 2020 (englisch).
Im Jahr 2013 begann der Seligsprechungsprozess für Carlo Acutis. Die diözesanen Untersuchungen wurden am 15. Februar 2013 unter Kardinal Angelo Scola initiiert und am 24. November 2016 abgeschlossen. Am 5. Juli 2018 sprach Papst Franziskus Acutis den sogenannten heroischen Tugendgrad zu, eine Vorstufe zur Seligsprechung. Am 14. November 2019 folgte die Anerkennung des für die Seligsprechung notwendigen Wunders, das sich 2010 an einem brasilianischen Jungen ereignet haben soll. Dieser litt an einer angeborenen Krankheit der Bauchspeicheldrüse, die zu ständigem Erbrechen führte, wodurch das Kind immer schwächer wurde. Im Februar 2011 wurde die vollständige Genesung des Jungen festgestellt und mit einer Reliquie von Acutis in Verbindung gebracht, die er bei einer Andacht zu Ehren Acutis’ im Oktober 2010 berührt hatte. Papst Franziskus erkannte das Wunder mit Dekret vom 21. Februar 2020 an. Acutis’ Mutter erklärte daraufhin, ihr Sohn sei ihr im Traum erschienen und habe mitgeteilt, er werde nicht nur selig-, sondern in Zukunft auch heiliggesprochen werden. Am 10. Oktober 2020 wurde Carlo Acutis von dem päpstlichen Legaten Agostino Kardinal Vallini in der Basilika San Francesco in Assisi seliggesprochen, der in seiner Predigt das Internet als „ein Geschenk Gottes, ein Mittel zur Begegnung mit den Menschen, einen Raum des Dialogs, des Austauschs in gegenseitigem Respekt“ bezeichnete.
Papst Franziskus beschrieb Acutis am 11. Oktober 2020, dem Tag nach der Seligsprechung, wie folgt:
Im anschließenden Verfahren zur Heiligsprechung erkannte Papst Franziskus am 23. Mai 2024 ein weiteres, Acutis’ Fürsprache zugeschriebenes Wunder an: Eine junge Frau aus Costa Rica, die seit 2018 in Florenz studierte, hatte sich dort bei einem Fahrradunfall am 2. Juli 2022 schwerste Kopfverletzungen zugezogen, von denen sie sich nach Anrufung des seligen Carlo Acutis unerwartet gut erholte. Es heißt, die junge Frau sei nach dem Sturz ins Koma gefallen und künstlich beatmet worden. Einen Tag lang habe ihre Mutter vor Carlo Acutis’ Sarg gekniet und um Heilung gebetet. Als sie ans Krankenbett zurückkehrte, habe die todgeweihte Tochter zu atmen begonnen.Christian Feldmann: Verliebt in Fußball, Computer – und Jesus. Der 15-jährige Mailänder Teenager Carlo Acutis wird offenbar heiliggesprochen. In: Paulinus, Wochenzeitung im Bistum Trier, Nummer 25 vom 23. Juni 2024, , S. 16.
Im ordentlichen Konsistorium vom 1. Juli 2024 bestätigte Papst Franziskus die bevorstehende Heiligsprechung Acutis’.Marc Beise: Influencer Gottes wird heiliggesprochen, Süddeutsche Zeitung, 3. Juli 2024, S. 8. Im November desselben Jahres gab er bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz bekannt, er wolle Carlo Acutis anlässlich einer Heilig-Jahr-Veranstaltung für Teenager am 27. April 2025 in Rom heiligsprechen.https://www.katholisch.de/artikel/57652-papst-gibt-termin-fuer-heiligsprechung-von-carlo-acutis-bekannt Nach dem Tod von Papst Franziskus, der kurz vor der geplanten Heiligsprechung am 21. April 2025 gestorben war, wurde der Termin zunächst ausgesetzt.Pressemitteilung vom 21. April 2025 auf der Website des Vatikans, abgerufen am 26. April 2025. Am 7. September 2025 wurden Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati von Papst Leo XIV. heiliggesprochen. An dem Gottesdienst auf dem Petersplatz nahmen über 100.000 Menschen teil, unter den Gästen war auch der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella.
Carlo Acutis ist der erste Millennial, der heiliggesprochen wurde. Sein liturgischer Gedenktag ist der 12. Oktober.
Exhumierung und Verehrung
mini|Reliquiar mit Haaren von Carlo Acutis, vorübergehend ausgestellt in der Kapelle der heiligen Katharina von Alexandrien in der Kirche San Francesco in Lodi Italien.