mini|Verteilung der Highlands und Lowlands in Schottland mini|Kastell- und Wachturmkette der Gask Ridge und Zentralschottland, sowie Verlauf der Militärstraße (85 n. Chr.) mini|Münzportrait des Domitian Gask Ridge ist der Sammelbegriff für eine Reihe von Befestigungsanlagen, die die Römer im heutigen Zentralschottland errichteten. Das sogenannte Gask-Ridge-System verlief entlang eines den Lowlands vorgelagerten Höhenzuges und bildete zusammen mit den „Glen-Blocker“-Kastellen die nördlichste von der römischen Armee gezogene Grenzlinie rund um die früheste befestigte Landgrenze Roms, die 40 Jahre vor dem Hadrianswall und 60 Jahre vor dem Antoninuswall errichtet wurde.

Es handelt sich dabei um ein lineares Beobachtungs- und Kommunikationssystem, das den Römern die Kontrolle der von ihnen besetzten Gebiete in Ost- und Zentralschottland ermöglichte. Die ersten Kastelle und Wachtürme entstanden in der Amtszeit des Statthalters Gnaeus Iulius Agricola. Obwohl der gegenwärtige Konsens in der Forschung darin besteht, dass das gesamte Gask-Ridge-System aus dem späten ersten nachchristlichen Jahrhundert stammt, kann dies noch nicht als zweifelsfrei bewiesen angesehen werden. Auch die Meinung über die Art ihrer Funktion ist derzeit noch geteilt zwischen jenen, die glauben, dass dies eine bewachte Grenzzone war und jenen, die dies lediglich als streng kontrollierte Nachschublinie zum Legionslager Inchtuthil ansehen. Die Besatzungen der Befestigungsanlagen sollten wohl Einfälle kaledonischer Stämme verhindern und helfen, den Grenzverkehr zu überwachen. Die meisten der Festungsanlagen waren nur für einen sehr kurzen Zeitraum mit römischen Soldaten besetzt, einzelne von ihnen dürften aber im 2. und vielleicht auch noch einmal im 3. Jahrhundert wiederverwendet worden sein. Es ist auch unklar, ob der größte Militärstützpunkt in dieser Region, das Lager von Inchtuthil, zur Zeit der Etablierung dieser Grenze noch besetzt war.

Das Gask-Ridge-System wird heute als Prototyp der befestigten römischen Limites angesehen. Die Anlage von Wachturmketten, die entlang einer Straße wie an der Gask Ridge oder entlang eines Flussufers wie zum Beispiel an der Donau aufgereiht waren, gipfelte später in der Entstehung durchgehender Sperrwerke wie des Hadrians- und des Antoninuswalls sowie ähnlicher Grenzschutzsysteme auf dem europäischen Kontinent und in Nordafrika. Besonders bemerkenswert an dieser Okkupation ist auch, dass die Römer zunächst eine beträchtliche Anzahl an Personal und Kosten investierten, um in das Land einzudringen und es zu besetzen. Aber als alle erforderlichen Sicherungsmaßnahmen dafür abgeschlossen waren, trat etwas ein, was nur sehr selten zuvor in der römischen Geschichte passiert war: Man gab nach relativ kurzer Zeit das neu eroberte Land wieder auf. Rom sollte danach aber noch zweimal zurückkehren, 142 n. Chr., wahrscheinlich um das militärische Ansehen des Kaisers Antoninus Pius (138–161) zu stärken und 208 n. Chr., als Kaiser Septimius Severus (193-211) letztmals versuchte, die Nordgrenze wieder dauerhaft bis nach Schottland vorzuschieben.Woolliscroft/Hoffmann 2006.

Lage Der Gask-Ridge-Limes befindet sich am Rande des Hochlandes in Zentralschottland, zwischen der Küste des Firth of Forth und dem River Tay. Ein Teil der Befestigungskette verlief entlang der von Ost nach West verlaufenden Gask Ridge (goidelisch: gasg – Bergkamm oder Hügelland), eines rund 70 Meter hohen, von Ost nach West ausgerichteten Höhenrückens nördlich des River Earn. Er liegt zwischen dem Hochlandmassiv und der Fife-Halbinsel, eines Küstenstreifens mit größeren landwirtschaftlich nutzbaren Flächen, der bis zum Moray Firth reicht. Von ihm aus bietet sich ein ausgezeichneter Blick nach Norden in Richtung Glenalmond sowie in die Ebene von Strathearn. Die gesamte Grenzzone erstreckte sich im Wesentlichen über die ehemaligen schottischen Grafschaften Perthshire, Clackmannanshire und Kinross-shire, jetzt Region Tayside, das ist vom Loch Lomond bis zum Fluss North Esk, und endete beim Kastell Stracathro in Angus. Sie markierte (im Verbund mit einer Militärstraße) die Übergangslinie (Highland boundary) von den fruchtbaren Lowlands zu den unwirtlichen Highlands, den Gebirgsregionen um das heutige Perth, Kinross und Angus.Fields/Spedaliere 2005, S. 20, Gazetteer for Scotland.William John Watson: The history of the Celtic place-names of Scotland. Irish University Press 1973, S. 362 (englisch)

Topographie mini|Landschaft östlich von Greenloaning Händler, Jäger, Spione und wahrscheinlich auch Erkundungsfahrten der römischen Flotte lieferten wertvolle Informationen über die Geographie und Bewohner Nordbbritanniens. Das Land ist von extremen landschaftlichen Kontrasten bestimmt. Norden und Westen zählten zum riesigen Hochlandmassiv, das von tief eingeschnittenen Seen und Tälern geprägt ist. Dahinter lagen viele Inseln, einige davon ziemlich groß, dazwischen ein wahres Labyrinth von Seewegen und versteckten Buchten. Der Osten hingegen wurde von drei weit ins Land ragenden Flussmündungen dominiert – den Forths von Five, Tay und Moray –, die die Küstenlinie und ihre sehr fruchtbaren Böden entwässerten. Viele der Talböden waren damals wegen ausgedehnter Sümpfe und Seen (Lochs) unpassierbar, aber Hänge und Hügel eigneten sich gut für Besiedlung und Landwirtschaft. Im Süden lag der gebirgige Ausläufer des Hochlands. Er ist zwar wesentlich niedriger, seine Hänge sanft abfallender als im Norden, aber abgesehen von seinen Küstenrändern und den wenigen sie kreuzenden fruchtbaren Tälern sind deren Böden viel unproduktiver und er stellte zudem ein großes Hindernis für die römischen Armeen dar. Die Landenge zwischen den Flussmündungen von Forth und Clyde war eine Sumpflandsenke, die an den stark mäanderden Oberlauf des Forth grenzt und Schottland wie in zwei Inseln teilt. Der einzige gut passierbare Zugang von Süden zu den nordöstlichen Küsten oder zu den Highlands lag in der Nähe von Stirling.

Forschungsgeschichte und Gask Ridge Projekt Die wissenschaftliche Untersuchung des Gask Ridge begann an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, explizit mit den Ausgrabungen der Festung bei Kaims Castle und einigen der acht Wachtürme durch David Christison, deren Lage damals schon bekannt war. Zwischen den 1960er und 1970er Jahren wurden immer wieder kleinere Untersuchungen durchgeführt. Obwohl sie einige aufschlussreiche Erkenntnisse über diesen frühen römischen Limes erbrachten, lieferten sie jedoch keine klaren Datierungsnachweise, noch dazu waren einige Schlussfolgerungen der beteiligten Archäologen fehlerhaft. Als in Glenbank 1983 ein weiteres Kleinkastell ans Licht kam, zusammen mit Beweisen für die Existenz von zehn weiteren Türmen, erkannte man, dass sie anhand der Anzahl ihrer Wehrgräben in zwei Gruppen eingeteilt werden konnten (Double ditch Group und Single ditch Group). Darüber kamen in Gask House ein Keramikfragment aus flavischer Zeit und ein – möglicherweise – zweites in Westerton zum Vorschein, jedoch alle beide in der nördlichen Single ditch Group. Damit konnte endlich ihr wahrscheinliches Gründungsdatum eingegrenzt werden. Die Entdeckung des flavianischen Kastells in Doune ermöglichte die (mutmaßliche) Lokalisierung des südlichen Endes des Gask-Ridge-Systems. Einige Forscher plädierten für ein frühes Datum, d. h. zur Absicherung von Agricolas viertem Feldzug, etwas später soll es – laut dieser Theorie – durch die Glen-Blocker-Kastelle ersetzt worden sein, andere unterstützen ein späteres Gründungsdatum des Gask-Ridge-Systems. Umstritten ist nach wie vor, zu welchem Zweck dieses aufwendige Überwachungssystem errichtet wurde. Einige Forscher sind der Meinung, dass es im Wesentlichen nur ein Versuch gewesen sein soll, nach der Aufgabe des Legionslagers von Inchtuthil wenigstens die landwirtschaftlich attraktive Fife-Halbinsel und die Lowlands zu halten.

Das bislang umfangreichste Forschungsprogramm in dieser Region, das Roman-Gask-Ridge-Projekt, wurde 1995 von David Wooliscroft an der University of Manchester gegründet. Seitdem wurden in dieser Region umfangreiche Vermessungen, Ausgrabungen und Archivarbeiten durchgeführt. Die Mitarbeiter sehen ihre Aufgabe darin, das gesamte römische Schottland nördlich der Antoninischen Mauer abzudecken. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Militäranlagen in Perthshire, genauer von Glenbank (nördlich von Dunblane) bis Bertha am Tay. Das Projekt hat bisher neunzehn Ausgrabungen und zahlreiche andere Untersuchungen durchgeführt sowie ein Museum eingerichtet. Der Gask-Ridge-Limes ist auch deswegen für die Forschung von besonderer Bedeutung, weil er veranschaulicht, wie einer der frühesten römischen Limites sich entwickelt und im Laufe der Zeit verändert hat. Die derzeitige Landnutzung in der Region setzt sich heute aber aus intensiver Landwirtschaft im Talboden bis hin zu forstwirtschaftlichen Plantagen entlang des Höhenkamms zusammen, was eine Untersuchung der genauen Funktionsweise der Türme und Kastelle erschwert.

Entwicklung mini|Mittelalterliche Kopie einer Karte vom Berg Athos (um 1300), basierend auf Ptolemäus Beschreibung der britischen Inseln, Schottland ist rechts oben zu sehen mini|Die Caledonienfeldzüge des Agricola, 78–84 mini|Römischer Kavallerist der piktische Stammeskrieger niederreitet, Relief des Bridgeness Slab, eine Bauinschrift aus Bo’ness (Antoninuswall, um 142 n. Chr.), heute im National Museum of Scotland Vorgeschichte Schottland war den Römern zu Beginn der agricolanischen Feldzüge nicht gänzlich unbekannt. Sie waren schon seit 40 Jahren in Britannien ansässig und hatten ihren Machtbereich in dieser Zeit immer weiter ausgedehnt. Nachdem Claudius im Jahr 43 n. Chr. den ganzen Südwesten Englands erobert und in das Römische Reich eingegliedert hatte, war die weitere Expansion nach Norden nur noch eine Frage der Zeit. Die Votadini, die im Südosten Schottlands siedelten, gerieten schon früh unter römischen Einfluss, als der Statthalter Quintus Petillius Cerialis eine Armee entsandte, um ihr Territorium bis an die Ufer des Firth of Forth zu besetzen. Die Legio XX Valeria Victrix nahm eine westliche Route durch Annandale, um so das Stammesgebiet der Selgovae zu isolieren, die das zentrale und südliche Hochland besiedelten. Danach stieß Cerialis noch weiter nach Norden vor und begann vermutlich mit dem Bau der ersten Glen-Blocker-Kastelle nördlich und westlich der Gask Ridge, die die Grenze zwischen den Venicones im Süden und den Caledonii im Norden markierte. Kaiser Vespasian (77–78 n. Chr.), der als Legionslegat an der Invasion von 43 n. Chr. teilnahm, plante ganz Britannien dem Willen Roms zu unterwerfen. Mit der Ernennung Gnaeus Iulius Agricolas zum Statthalter (Legatus Augusti Pro-Praetore) der Provinz Britannien, nach der erfolgreichen Befriedung der walisischen Stämme und der Briganten, sollte nun die Eroberung der restlichen Insel in Angriff genommen werden.Moffat 2005, S. 230–247.

1. Jahrhundert Um 80 n. Chr. marschierte Agricolas Armee in das heutige Schottland ein und zog zunächst entlang der Ostküste bis zum Fluss Tay (Tina). An strategisch wichtiger Stelle (Newstead, Elginhaugh) und an der Landenge zwischen Tyne und Forth wurden Kastelle errichtet. Tacitus bestätigt in seinem Werk De vita Iulii Agricolae, dass die Armee seines Schwiegervaters nach 80 n. Chr. in dieser Region operierte: