Diese Liste von Erdbeben in Griechenland führt bedeutende Erdbeben an, die Auswirkungen auf dem Gebiet des heutigen Staates Griechenland hatten.

Überblick mini|Epizentren von Erdbeben im Zeitraum 1900–2023

Erdbeben hatten immer schon einen Einfluss auf die Menschen in der Region. Aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. sind philosophische Betrachtungen über Erdbeben bekannt und es sind Beschreibungen vieler historischer Erdbeben überliefert. Schwache Erdbeben können alle zwei bis drei Tage wahrgenommen werden, Beben mit einer Magnitude M > 8 treten etwa alle tausend Jahre auf. Ab 1850 entwickelte sich eine wissenschaftliche Erdbebenforschung in Griechenland. 1898 wurde der erste Seismograph am Nationalen Observatorium Athen installiert, 1911 folgte ein zuverlässigeres Gerät (Mainkapendel) und 1965 wurden weitere Stationen auf vier Inseln errichtet.

Die hohe Seismizität in Griechenland liegt in erster Linie an der Konvergenz der Afrikanischen mit der Eurasischen Platte. Dabei subduziert die Afrikanische Platte beim Hellenischen Inselbogen mit einer Geschwindigkeit von etwa 10 Millimetern pro Jahr nordwärts unter die Ägäische Platte. Im gesamten ägäischen Backarc-Becken herrscht eine Nord-Süd-Extension und die Ägäischen Mikroplatte bewegt sich zugleich mit etwa 35 Millimetern pro Jahr relativ schnell nach Süd bis Südwest. Während im Inneren der Ägäischen Mikroplatte ein Extensionsregime herrscht, wirken auf sie von außen Kompressionskräfte, da die Anatolische Platte im Osten von der Arabischen Platte westwärts gedrängt wird. Die Anatolische Platte dreht sich zugleich gegen den Uhrzeigersinn. In der nördlichen Ägäis wirkt die westwärtige Bewegung der Anatolischen Platte weiter. Am Hellenischen Inselbogen können starke Erdbeben mit dem Herdvorgang einer Überschiebung auftreten. An den Enden der Subduktionszone geht sie in eine dextrale Horizontalverschiebung westlich von Kephalonia und eine sinistrale östlich von Rhodos über, wo ebenfalls starke Beben möglich sind. Im Westen dreht sich die Adriatische Mikroplatte gegen den Uhrzeigersinn, wodurch in Nordwestgriechenland kompressive Kräfte auftreten, die Beben auslösen können. Die meisten Erdbeben in Griechenland haben eine geringe Herdtiefe von bis zu 20 Kilometern, lediglich an der Subduktionszone in der südlichen Ägäis kommen Hypozentren bis in 60 Kilometer Tiefe vor.Vicki Kouskouna, Kostas Makropoulos: Historical Earthquake Investigations in Greece. In: Annals of Geophysics. Band 47, Nummer 2/3. April/Juni 2004, S. 723–731 doi:10.4401/ag-3333, Digitalisat auf researchgate.net (englisch).V. K. Papazachos: Active Tectonics in the Aegean and surrounding area. In: Bulletin of the Geological Society of Greece. Band 34, Heft 6. 2002, S. 2237–2253. doi:10.12681/bgsg.16865 (griechisch).

Neuere GPS-Messungen legen nahe, dass neben der Ägäischen Platte, auf der die Peloponnes, die Halbinsel Attika, die südlichen Ägäische Inseln und die meisten Ionischen Inseln liegen, noch weitere Mikroplatten in der Region existieren. Demnach befindet sich das Festland nördlich vom Golf von Korinth überwiegend auf der zentralgriechischen Mikroplatte und nordägäische Inseln wie Limnos auf der Süd-Marmara-Mikroplatte. Auch an den Grenzen der Mikroplatten sowie an Verwerfungen innerhalb dieser Blöcke können Erdbeben auftreten.Marleen Nyst, Wayne Thatcher: New constraints on the active tectonic deformation of the Aegean. In: Journal of Geophysical Research. Band 109. 2004, S. doi:10.1029/2003JB002830, Digitalisat auf researchgate.net (englisch).

Liste Erläuterungen: Tote: Anzahl ist insbesondere bei weit zurückliegenden Beben oft nicht gesichert. Koordinaten: Sind bei Beben vor Beginn verlässlicher seismographischer Erfassung 1911 als Näherungswerte zu verstehen. Intensität: Wenn nicht anders angegeben, ist die Intensität auf der Modifizierten Mercalliskala gemeint. Magnituden: MW: Momenten-Magnitude MS: Oberflächenwellenmagnitude ML: Lokalmagnitude = Richterskala M: Art der Magnitude unbekannt k. A. = keine Angaben möglich

Datum (Ortszeit) Ort Tote Anmerkung Koordinaten Magnitude Intensität Beleg Golf von Euböa 2.500 Erdbeben im Golf von Euböa 426 v. Chr. 7,1 MS Belege zu diesem Beben siehe im entsprechenden Hauptartikel.Greece: Euboea. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 23. September 2020 (englisch). vor Kreta 5.000 Erdbeben vor Kreta 365 8,0 MS Greece: Crete: Knossos. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 23. September 2020 (englisch). Golf von Korinth 5.000 Möglicherweise drei Beben; Schäden in mehreren Städten am Golf von Korinth 7,1 MS Greece: Schisma, Boetia. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 25. September 2020 (englisch). Korinth 45.000 k. A. k. A. Greece: Korinthos,Patrai (Patras). NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 25. September 2020 (englisch). Kreta 4.000 Erdbeben vor Kreta 1303 8,0 MS Greece: Crete. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 23. September 2020 (englisch). Lesbos 500 k. A. Greece: Lesbos. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch). oder 1493 Kos 5.000 k. A. k. A. Greece: Kos. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 25. September 2020 (englisch). Kreta 300 k. A. Greece: Crete: Iraklion (Candia),Megalokastron. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch). Kefalonia mind. 520 520 Tote allein auf Kefalonia, Schäden und Opfer auf Kefalonia und Zakynthos, zahlreiche Nachbeben 7,2 MS Greece: Cephalonia. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch). Kythira 2.000 Fast alle Häuser auf Kythira wurden zerstört oder schwer beschädigt k. A. Greece: Morea,Cerigo. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 25. September 2020 (englisch).N. N. Ambraseys: Earthquakes in the Mediterranean and Middle East: A Multidisciplinary Study of Seismicity up to 1900. Cambridge University Press, Cambridge 2009, ISBN 978-0-521-87292-8, S. 572f. Kreta 2.000 Sehr schwere Schäden in Iraklio; Beben war noch in Malta und Kairo zu spüren k. A. Greece: Crete: Iraklion (Candia). NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 25. September 2020 (englisch).N. N. Ambraseys: Earthquakes in the Mediterranean and Middle East: A Multidisciplinary Study of Seismicity up to 1900. Cambridge University Press, Cambridge 2009, ISBN 978-0-521-87292-8, S. 625–627. Kreta 538 Mehrere Tausend Häuser zerstört; Schäden auch in Ägypten k. A. Greece: Crete; Egypt. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch). Kefalonia 233 Erdbeben auf Kefalonia 1867 7,9 M Greece: Cephalonia. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 23. September 2020 (englisch). Chios 5.058–7.866 Erdbeben von Chios 1881 6,5 MW Trifylia 600 Filiatra wurde völlig zerstört, schwere Schäden in Marathopoli 7,5 M Greece: Triphylie (Peleponese), Philiatra. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch). Lokri 255 6,7 MS Greece: Locride, malesina-Martinon (Lokris). NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch). vor Rhodos mind. 17 Erdbeben vor Rhodos 1926 7,4 MS Chalkidiki 161–491 Ierissos und vier weitere Dörfer wurden zerstört 6,9 MW Greece: Hierissos-Strantonion (Chalkidiki). NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch). Dodekanes 181 Schäden auf Kos, Nisyros und anderen Inseln 6,4 MW Greece: Dodecanese Islands. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 1. Oktober 2020 (englisch). Amorgos 56 Großer Tsunami und zahlreiche Nachbeben 7,8 MS Greece: Dodecanese. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 2. Oktober 2020 (englisch). Agios Efstratios 20 7,2 MW Greece: Aegean Sea: St Eustratios. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 8. Februar 2021 (englisch). Thessaloniki 50 Die meisten Opfer forderte der Einsturz eines achtstöckigen Wohngebäudes 6,4 MS Greece: Thessaloniki. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 2. Oktober 2020 (englisch). Kefalonia/Zakynthos 476 Erdbeben auf Kefalonia und Zakynthos 1953 6,8 MW Golf von Korinth/Attika 20–22 Erdbeben im Golf von Korinth 1981, ca. 8000 Häuser zerstört 6,7 MS Kalamata 20 Erdbeben bei Kalamata 1986 6,0 MW Athen 143 Erdbeben von Athen 1999; 1.600 Verletzte, 50.000 Menschen wurden obdachlos 6,0 MW Greece: Athens. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 2. Oktober 2020 (englisch). vor Kos 2 Erdbeben in der Ägäis 2017 6,6 MW vor Samos 119 Erdbeben in der Ägäis 2020 7,0 MW Kreta 1 Erdbeben auf Kreta 2021; 35 Verletzte, mehr als 1000 Gebäude wurden schwer beschädigt 6,0 MW Greece: Crete. NCEI/WDS Global Significant Earthquake Database. NOAA National Centers for Environmental Information, abgerufen am 16. Oktober 2021 (englisch).Σεισμός στο Ηράκλειο / Ένας νεκρός στο Αρκαλοχώρι - 35 τραυματίες - 1.000 τα ακατοίκητα σπίτια από τα 5,8 Ρίχτερ. In: avgi.gr. 27. September 2021, abgerufen am 16. Oktober 2021 (griechisch).

Belege

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