mini|Verlauf des Grünen Bandes durch Deutschland mini|Luftaufnahme des hier leicht zu identifizierenden Grünen Bandes zwischen dem Landkreis Coburg (Bayern) und dem Landkreis Sonneberg (Thüringen) mini|Hier schwerer zu identifizieren: Der genaue Verlauf der Grenze zwischen dem Werra-Meißner-Kreis (Hessen) und dem Wartburgkreis (Thüringen)
Das Grüne Band Deutschland ist das erste gesamtdeutsche Naturschutzprojekt: Es wurde auf Initiative des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. (BN) am 9. Dezember 1989, kurz nach dem Mauerfall und der friedlichen Revolution, ins Leben gerufen. Es bezeichnet den Geländestreifen zwischen der ehemaligen innerdeutschen Grenze und den Grenzanlagen auf östlicher Seite. Der 1.393 km lange und 50-200 m breite Geländestreifen soll ein Grüngürtel bleiben bzw. es wieder werden. Der Geländestreifen reicht von Travemünde bis zum Dreiländereck bei Hof. Das Grüne Band ist der größte zusammenhängende Biotopverbund Deutschlands. Im Jahr 2013 bilanzierte die Bundeszentrale für politische Bildung: „Es gibt dort zwei Nationalparks (Harz und Bayerischer Wald), drei Biosphärenreservate (Schaalsee, Elbtalaue und Rhön) und 150 Naturschutzgebiete. 85 Prozent der Fläche und 80 Prozent der Länge sind noch naturnah.“ Die genaue Zahl der vom Aussterben bedrohten Arten auf dem Grünen Band Deutschland wird erstmals seit Mai 2025 in einer breit angelegten „Felderhebung Arten“ erfasst.
Das Grüne Band Deutschland verläuft fast vollständig auf der Ostseite der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Falls Grenzkorrekturen galten, kann es allerdings auch durch ein westdeutsches Land verlaufen. Dies trifft beispielsweise auf das Nordostufer der Elbe im heute niedersächsischen Amt Neuhaus zu.Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Umweltschutz: Ein grünes Band in Niedersachsen. Abgerufen am 8. März 2020
Das Grüne Band Deutschland hat mittlerweile in einigen Bundesländern, an deren Rand es liegt, den naturschutzrechtlichen Schutzstatus Nationales Naturmonument nach Abs. 4 BNatSchGNationale Naturmonumente Bundesamt für Naturschutz (BfN), abgerufen am 19. Dezember 2023 und ist Teil des mitteleuropäischen Abschnitts des Biotopverbundprojektes Grünes Band Europa (englisch: European Green Belt).
Das Grüne Band wurde 2024 auf die Tentativliste für UNESCO-Welterbe in Deutschland gesetzt. Neben der Anerkennung als Naturerbe wird auch die kombinierte Anerkennung als Kulturerbe angestrebt.
Schutzstatus Obwohl sich Naturschützer schon vor 1990 für das Grüne Band engagiert haben, waren 2012 erst ca. 68 % des Grünen Bandes als Naturschutzgebiet (NSG), Nationalpark (NP), Biosphärenreservat (BSR) oder Natura 2000-Gebiet, wie Fauna-Flora-Habitat-Gebiet oder Europäisches Vogelschutzgebiet, geschützt. Die restliche Fläche unterlag 2012 keinem aus Sicht des Naturschutzes ausreichenden Schutz. Ein erheblicher Teil der Fläche des Grünen Bandes befindet sich in Privatbesitz.Bundesamt für Naturschutz: Innerdeutsches Grünes Band. Abgerufen am 8. März 2020 Nutzungsinteressen der Eigentümer dürfen gemäß Abs. 1 Grundgesetz (GG) nicht außer Acht gelassen werden, obwohl derselbe Artikel in Absatz 2 bestimmt: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ In der Praxis haben die Interessen von Privateigentümern – oder von Inhabern grundstücksgleicher Rechte (Fischerei- oder Jagdrecht) – der Grenzgrundstücke oft Vorrang vor Belangen des Naturschutzes und der Landschaftspflege.
Das Grüne Band Thüringen wurde im Dezember 2018 als Nationales Naturmonument ausgewiesen.Das Grüne Band Thüringen – Nationales Naturmonument Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. Maßgeblich ist das Inkrafttreten des Gesetzes am 19. Dezember 2018. Bei einer Feier dieses Ereignisses im Mai 2019 sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, dass das gesamte Grüne Band Deutschland den Status eines Nationalen Naturmonuments erhalten sollte.Das gesamte Grüne Band sollte Nationales Naturmonument werden Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Pressemitteilung vom 18. Mai 2019. Das Grüne Band Sachsen-Anhalt wurde im November 2019 Nationales Naturmonument,Grünes-Band-Gesetz Sachsen-Anhalt vom 28. Oktober 2019, gültig ab 9. November 2019 landesrecht.sachsen-anhalt.de das Grüne Band Brandenburg im Juni 2022Grünes Band Brandenburg Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz Brandenburg und das Grüne Band Hessen im Februar 2023.Gesetz zum Nationalen Naturmonument Grünes Band Hessen vom 26. Januar 2023. Veröffentlicht in: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen, Nr. 4/2023, 8. Februar 2023 (PDF; 657 KB).
Im Juni 2026 beschloss die Regierungsmehrheit von CDU und SPD im hessischen Landtag eine Novelle des Gesetzes über das Nationale Naturmonument „Grünes Band Hessen“ mit weitreichenden Änderungen für die Teile des hessischen Grünen Bandes in privatem Eigentum. In Zukunft gelten dort statt gesetzlicher Einschränkungen Freiwilligkeit gegenüber ökologischen Belangen. Naturschutzverbände und die Grünen-Landtagsfraktion übten Kritik an den Änderungen.Hessen lockert Naturschutz entlang des ehemaligen Todesstreifens, hessenschau.de vom 10. Juni 2026, abgerufen am 11. Juni 2026
Biotop- und Artenvielfalt im Grünen Band Nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) und des Bundes für Umwelt und Naturschutz e. V. (BUND) leben über 1.200 seltene Tier- und Pflanzenarten, die zum Teil in ihrem Bestand gefährdet sind, im und am grünen Band.Das Grüne Band: Vom Todesstreifen zur Lebenslinie BUND, aufgerufen am 25. September 2022Grünes Band Bundesamt für Naturschutz, aufgerufen am 25. September 2022
Unterschiedliche Biotope Das Grüne Band verläuft durch fast alle deutschen Landschaften (außer dem Hochgebirge), vom norddeutschen Tiefland bis zu Mittelgebirgen. Daher finden sich dort vielfältige, geschützte oder schützenswerte Biotoptypen, wie zum Beispiel Brachflächen, verbuschte Bereiche, Altgrasfluren, Pionierwald, naturnahe oberirdische Gewässer und Quellen, Feuchtgebiete und Moore.
Die aneinander gereihten Biotope verbinden außerdem zahlreiche Schutzgebiete und Schutzobjekte auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze.Das „Grüne Band“. Einst Todesstreifen, heute Biotop Deutschlandfunk Kultur, aufgerufen am 25. September 2022
Vorkommende Tierarten Zu den seltenen Tierarten, deren Lebensraum das grüne Band ist, zählen Spezies sämtlicher Tiergruppen. Unter den vertretenen Säugetieren sind Raubtiere, wie die stark bedrohte Wildkatze, Luchs und Fischotter, aber auch zahlreiche Arten von Fledermäusen.Bedeutung des Grünen Bandes für den Naturschutz Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz, aufgerufen am 25. September 2022
Auch Vögel sind zahlreich vertreten, wie der Feldschwirl, drei Kehlchenarten (Braunkehlchen, Blaukehlchen und Schwarzkehlchen) sind hier ebenso heimisch, wie der Schwarzstorch, der Eisvogel, der Neuntöter, Ziegenmelker, Raubwürger und diverse Greifvogelarten.
Zu den hier vertretenen Insekten zählen 40 Arten von Libellen, wie die seltene Grüne Flussjungfer, und zahlreiche Schmetterlinge, darunter der Abbiss-Scheckenfalter und der Blauschillernde Feuerfalter, der im Bayerischen Wald bereits als ausgestorben galt. Auch Außerdem Heuschrecken wie die Wanstschrecke, eine Vielzahl von Käfern.Seltene Arten am Grünen Band: Da beißt der Molch keinen Faden ab BUND, aufgerufen am 25. September 2022Seltene Arten am Grünen Band: Wie ein Phoenix aus der Asche BUND, aufgerufen am 25. September 2022
Vorkommende Pflanzenarten In Agrarlandschaften, die mit Bioziden, Dünger und Pflanzenschutzmitteln bewirtschaftet werden, können viele seltene Pflanzen nicht überleben. Viele Orchideen, wie der Frauenschuh, und andere seltene Blühpflanzen und Kräuter (wie die Bärwurz) haben sich aus diesem Grund im ehemaligen Grenzstreifen angesiedelt, dessen landschaftliche Vielfalt wichtige Rückzugsgebiete bietet. Die gezielte Beweidung durch Ziegen und Schafe sorgt dafür, dass einige der Flächen offen und frei von Wald gehalten werden (Offenhaltung), damit Lebensräume, wie Magerrasen erhalten bleiben.Seltene Arten am Grünen Band: Bergwiesenbewohnerin mit Geschmack BUND, aufgerufen am 25. September 2022
Entstehung des Biotopverbunds
mini|Innerdeutsche Grenze an der Straße von Lübeck nach Herrnburg, 1989 mini|Wiesenlandschaft im Grünen Band zwischen Walkenried und Ellrich, im Hintergrund der Harz
Der Bereich entlang der Innerdeutschen Grenze blieb im Zeitraum zwischen ihrer endgültigen Abriegelung, Befestigung und militärischen Bewachung 1952 durch die DDR und ihrer Aufhebung als Folge des Berliner Mauerfalls 1989 fast unberührt. Die eigentliche Staatsgrenze zwischen der Bundesrepublik Deutschland (BRD) und DDR war durch Grenzsteine gekennzeichnet. Unmittelbar vor dem Grenzverlauf auf bundesdeutschen Seite standen Grenzhinweisschilder beziehungsweise Grenzpfähle. Der Metallgitterzaun verlief leicht ins Landesinnere der DDR zurückversetzt: Die Entfernung zur tatsächlichen Staatsgrenze variierte zwischen 10 und 100 Metern. Das Gebiet zwischen Grenze und Zaun war gemäß offizieller Bezeichnung der DDR „Vorgelagertes Hoheitsgebiet“ und wurde umgangssprachlich fälschlicherweise oft als „Niemandsland“ bezeichnet. Ins Landesinnere der DDR schlossen sich an den Metallgitterzaun in der Regel in meist fünf bis zehn Meter Entfernung der Kfz-Sperrgraben, an diesen anschließend der sechs Meter breite Spurensicherungs- oder Kontrollstreifen und an diesem entlanglaufend der Kolonnenweg an. Der Spurensicherungsstreifen wurde durch maschinelles Eggen, Harken per Hand oder Herbizide frei von Pflanzenbewuchs gehalten. Im vorgelagerten Hoheitsgebiet wurde in der Regel Gehölzaufwuchs beseitigt oder sogar ein- bis zweimal jährlich gemäht, um für die Grenzsoldaten ein gutes Sichtfeld zu schaffen. Die dadurch entstandenen zahlreichen Offenlandbiotope boten einer Vielzahl an darauf spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Diese DDR-seitigen Grenz(sicherungs)anlagen waren eingebettet in den etwa 500 Meter breiten sogenannten Schutzstreifen (durchschnittliche Breite zwischen 100 und 2000 Metern, berechnet ab Staatsgrenze), sowie eine „5-Kilometer-Sperrzone“, in der menschliche Aktivitäten (insbesondere Verkehr und Industrie) strengstens kontrolliert und damit stark eingeschränkt waren. Diese Zonen entwickelten sich zu einem Rückzugsgebiet für eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Die gesamte Fläche, die zwangsläufig viele Jahrzehnte lang nur geringem menschlichem Einfluss ausgesetzt war, ist also erheblich größer, als die eigentliche Kernfläche des Grünen Bandes: Das Grüne Band bezeichnet in der Regel den Bereich zwischen der ehemaligen innerdeutschen Grenze und dem Kolonnenweg mit einer Breite zwischen 50 und 200 Metern und einer Fläche von etwa 177 Quadratkilometern.
Geschichte des Projekts „Grünes Band“ mini|Resolution zur Gründung des Grünen Band Das Wissen um die Arten- und Lebensraumvielfalt stammt von naturschutzfachlichen Untersuchungen in der Grenzregion aus der Zeit, in der noch die innerdeutsche Grenze bestand. Bereits Mitte der 1970er Jahre beobachtete der Schüler Kai Frobel aus Hassenberg, heute Artenschutzreferent des BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN), regelmäßig in Eigeninitiative von der Grenze zur DDR aus seltene Vögel.Fremdenverkehrsverein Mitzwitz und Umgebung e. V.: Vortrag „30 Jahre Grünes Band“. Abgerufen am 8. März 2020 Erste Kartierungen der Vogelwelt gab es bereits 1979/80 vom BUND Naturschutz in Bayern e. V. In der DDR wurde Jugendlichen in den 1980er Jahren unter Aufsicht von Vertretern des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) erlaubt, die Artenausstattung im Raum östlich der Grenze zu erkunden.Grünes Band Deutschland / BUND: Wie wird im Nationalen Naturmonument mit der Geschichte umgegangen?. Abgerufen am 7. März 2020