mini|Kirche zu Hütten Die Kirche zu Hütten (auch: Hüttener Kirche) wurde Ende des 13. Jahrhunderts erbaut und ist eine der ältesten Kirchen des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde. Sie liegt im Naturpark Hüttener Berge. Die Kirche gehört der Kirchengemeinde Hütten im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde innerhalb der evangelisch-lutherischen Kirche in Norddeutschland. Zu ihrem Kirchspiel gehören die Orte Ahlefeld, Ascheffel, Brekendorf, Damendorf, Hütten und Osterby.Kurze Vorstellung auf der Seite des Kirchenkreises Rendsburg-Eckernförde

Ursprünge und Neubau des Chors 1260 verpfändete die verwitwete dänische Königin Mechtild ihr Krongut, darunter das Verwaltungsgebiet Fræzlæt, das auch die spätere Hüttener Harde umfasste, an ihre Brüder, die Holsteiner Grafen Johann I. und Gerhard I. Damit setzte eine verstärkte Besiedelung dieses Raumes durch holsteinische Bauern und Ritter ein. Es ist anzunehmen, dass die Hüttener Kirche in diesem Zusammenhang erbaut worden sein dürfte.Petersen: Die Kirche zu Hütten. S. 6. Wolfgang Teuchert vermutet ihre Erbauung im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts.Teuchert: Zur Baugeschichte der Kirche in Hütten. S. 127f. Die Kirche zu Hütten wurde 1319 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, als ihr Bischofszehnt dem Domkapitel Schleswig zugeteilt wurde.Jens Peter Trap: Statistisk-topografisk Beskrivelse af Hertugdømmet Slesvig. Bd. 2 (1864), S. 602. Ungewöhnlich ist die Lage der Kirche im Wiesental der Hüttener Au, die wohl mit dem nahegelegenen Rittersitz zusammenhängt, in deren Befestigungsanlage die Kirche integriert war.

Anfangs war die Kirche ein Backsteinbau mit einem flachgedeckten, längsrechteckigen Schiff und einem vermutlich ebenfalls flachgedeckten, eingerückten Kastenchor. Die ursprünglichen Eingänge lagen in der Nord- und Südwand, es gab noch kein Westportal. Um 1520 erwarb Herzog Friedrich von Gottorf – der spätere König Friedrich I. von Dänemark und Norwegen – das Rittergut Hütten und ließ es als Vorwerk von Schloss Gottorf von Vögten verwalten. Kurz nach dem Erwerb legte Herzog Friedrich am 15. Dezember 1520 persönlich den Grundstein zu einem neuen Chor für die Hüttener Kirche. Dieser wurde in zwei querrechteckigen Jochen mit einem in drei Achteln gebrochenen Schluss gebaut und ist von einem spätgotischen Kreuzrippengewölbe überwölbt. Eine Inschrifttafel zur Grundsteinlegung ist in der Südwand des Chores eingemauert und lautet wie folgt: mini|Bauinschrift des Chors von 1520 Niederdeutscher OriginaltextNach Jessen/Kock: Die Kirche zu Hütten. S. 225. Na Chr(i)s(ti) ghebort, unse(re)s heren jarr dusent vyf hundert twintich apenbaer Hertich Frederich to Holsten u(nd) Sleswich en heer ledde den ersten steen den XV. daegh im december  To der Hutten int Koer, gode u(nde) marien to eren Sunte Andreas und Nikolaus, de grote heren.Hochdeutsche ÜbersetzungNach Petersen: Die Kirche zu Hütten. S. 6. Nach Christi Geburt, unseres Herrn Jahr, Tausendfünfhundertzwanzig offenbart:Herzog Friedrich, zu Holstein und Schleswig ein Herr, Legte den ersten Stein am 15. Tag im DezemberZu Hütten in den Chor, Gott und Maria zu Ehren,Sankt Andreas und Nikolaus, den großen Herren.

Aus der letzten Zeile der Inschrift lässt sich schließen, dass die Hüttener Kirche dem Apostel Andreas und dem heiligen Nikolaus geweiht war.Jessen/Kock, Die Kirche zu Hütten, S. 225

Zweischiffiges Gewölbe Vermutlich im Zusammenhang mit dem Neubau des Chores 1520 oder kurz danach wurde im Langhaus ein zweischiffiges Gewölbe eingezogen.Teuchert: Zur Baugeschichte der Kirche in Hütten. S. 127. Dieses wurde von drei Säulen im Mittelgang getragen. Zweischiffigkeit ist für Schleswig-Holsteinische Kirchen sehr ungewöhnlich und heute nur noch in den Kirchen in Garding und Krummesse anzutreffen. Dies lag vermutlich daran, dass die überwiegend flachgedeckten, einschiffigen romanischen Kirchen in Schleswig-Holstein in der Regel den Ansprüchen genügten, so dass es wenig Neubauten gab; und wenn nachträglich ein Gewölbe gewünscht wurde, waren nur wenige Kirchen groß genug für eine zweischiffige Einwölbung.Teuchert: Zur Baugeschichte der Kirche in Hütten. S. 128. Nicht mehr erhaltene Zweischiffigkeit gab es noch bei der St.-Johannis-Kirche in Petersdorf auf Fehmarn (später dreischiffig erweitert), bei der Stadtkirche in Ratzeburg (später durch einen barocken Bau ersetzt) und vielleicht in Heiligenhafen (schon in gotischer Zeit umgebaut).

Im 19. Jahrhundert wich in der Hüttener Kirche die Südschiffwand nach Süden aus. Ihre Bewegung wurde durch hölzerne Queranker auf die Granitsäulen im Mittelgang der Kirche übertragen und verursachte so Risse in den Gewölben. Nachdem der königliche Inspektor Edens aus Rendsburg den Bau 1877 besichtigt hatte, verfügte der Hüttener Hardesvogt Petersen am 8. Dezember 1877 die Schließung der Kirche. Dies geschah ohne akuten Handlungsbedarf, denn gusseiserne Fenster, die 1852 lotrecht in die Südwand der Hüttener Kirche eingesetzt worden waren, standen auch 1877 noch senkrecht. Der Schaden hatte also schon wenigstens 25 Jahre bestanden, ohne sich unmittelbar zu verschlimmern.Teuchert: Zur Baugeschichte der Kirche in Hütten. S. 122.

Nach Abstützung der am meisten gefährdeten westlichen Säule wurde am 13. Februar 1878 die Benutzung der Kirche wieder erlaubt. 1880 wurde das Gewölbe von Putz befreit, wobei sich sein Zustand als schlechter herausstellte, als bisher zu erkennen gewesen war. Der mit der Restaurierung beauftragte Architekt Friedrich Andreas Faber (1836–1891) aus EckernfördeFriedrich Andreas Faber – Ein Grabstein geht auf Wandeschaft. In: Eckernförder Zeitung vom 28. November 2015. hielt die Erhaltung des Gewölbes für möglich, aber für sehr kostspielig und wollte keine Garantie auf dauerhaften Erfolg geben. Das königliche Konsistorium empfahl daraufhin in einem Schreiben vom 25. Januar 1881 den Abbruch der Gewölbe, und der Kirchenvorstand beschloss, diesem Vorschlag zu folgen. Nun ließ die preußische Regierung den Abbruch stoppen und schickte den Berliner Denkmalpfleger Heinrich von Dehn-Rotfelser, seit 1881 Konservator der Kunstdenkmäler in Preußen, zusammen mit seinem Kollegen Geheimrat Friedrich Adler nach Hütten, um die Notwendigkeit des Abrisses zu überprüfen. Beide empfahlen aber den Fortgang der Arbeiten. So wurde das Hüttener Gewölbe 1881/1882 entfernt und durch die heute noch vorhandene winklig gebrochene Holzdecke ersetzt, die von Tischlermeister Johann Jürgen Naß aus Hütten eingezogen wurde.Teuchert: Zur Baugeschichte der Kirche in Hütten. S. 124.Petersen: Die Kirche zu Hütten. S. 8.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verurteilte man die Entfernung des seltenen zweischiffigen Gewölbes als voreilig.So schreiben Jessen, Kock: Die Kirche zu Hütten. S. 226: „[D]er zu Rate gezogene Baumeister hatte nichts Eiligeres zu tun, als das ganze Gewölbe herauszureißen.“ Auch der Provinzialkonservator Richard Haupt kritisierte den Gewölbeabbruch im Nachhinein heftig; der gerade beschriebene Ablauf der Ereignisse relativiert jedoch den Vorwurf der Voreiligkeit.Teuchert: Zur Baugeschichte der Kirche in Hütten. S. 122. Zudem ergaben nochmalige statische Berechnungen, die bei der Kirchen-Renovierung 1965/1966 angestellt wurden, dass die Entfernung des Gewölbes richtig gewesen war. Ferner attestiert Teuchert dem Architekten Fr. Faber, dass er die bauliche Neugestaltung des Kirchenraums 1882 in der Architektursprache seiner Zeit ansprechend gelöst habe.Teuchert: Zur Baugeschichte der Kirche in Hütten. S. 128.

Veränderungen des Äußeren mini|Hüttener Kirche am Abend, mit dem Portalvorbau in der Südwand Beim Umbau von 1520 wurde an der Südseite der Kirche ein Portal aus westfälischem Sandstein (ähnlich dem Westportal von Schloss Gottorf) gebaut. Mit dem Umbau von 1881/1882 erhielt sie das bis heute bestehende Westportal am Turm. Jenes an der Südseite wurde entfernt und dort stattdessen ein Portalvorbau aus Ziegeln erbaut, an dessen linker und rechter Seite zwei aus dem Kirchenschiff entfernte Säulen Verwendung fanden.Jessen/Kock, S. 226. 1952 wurde dieser Portalvorbau zu einer Ehrenhalle für die Gefallenen beider Weltkriege umgestaltet.Die Namen der Gefallenen sind online im Denkmalprojekt nachzulesen: .

An der Westseite der Kirche wurde 1746 ein hölzerner Glockenturm errichtet. Dieser reichte ursprünglich nur bis zur Höhe des Kirchendachs. Beim Umbau von 1881/1882 erhielt er einen hohen, spitzen Helm; außerdem führt seitdem der Eingang zur Kirche durch diesen Turm. Seine Kunstschieferverkleidung wurde 1965/1966 durch Eternitplatten ersetzt.

Die Fenster im Kirchenschiff wurden spätestens 1852 verändert, als man die mittleren Fenster der Symmetrie halber ein Stück nach Westen versetzte. Dabei erhielten diese und auch die anderen Fenster im Kirchenschiff die heutige Form und Größe (zuvor waren sie, wohl seit dem 16. Jahrhundert, spitzbogig gewesen).Teuchert: Zur Baugeschichte der Kirche in Hütten. S. 126, 128.

Die Außenmauern der Hüttener Kirche waren für den Großteil des 20. Jahrhunderts weiß gekalkt. Zuletzt wurde der weiße Anstrich 1966 erneuert. Als sich die Farbe nicht hielt, wurden ihre Reste um 1980 abgestrahlt, so dass die Kirche seitdem wieder ihre roten Backsteinmauern zeigt.Petersen: Die Kirche zu Hütten. S. 12; Jessen/Kock: Die Kirche zu Hütten. S. 226; sie hatten die Freilegung der Backsteinmauern bereits 1928 angeregt.

Ausstattung mini|Hüttener Altar von 1517, heute im Museum in Flensburg

Hüttener Altar Der Herzog und spätere König Friedrich I. ließ einen fünfteiligen,Der Altar ist fünfteilig (nicht fünfflügelig), vgl. die Erwähnung auf der Unterseite „Kirchliche Kunst“ des Museumsbergs Flensburg. zweiflügeligen Schnitzaltar im Chor der Hüttener Kirche aufstellen. Der Altar war 1517, möglicherweise in Köln, gefertigt worden. Dieser sogenannte Hüttener Altar gilt als kunstgeschichtlich sehr bedeutsam. Er wurde 1859 restaurationsbedürftig an das Städtische Museum in Flensburg verkauft – für 80 Reichsthaler, was damals dem Wert von zwei Milchkühen entsprach.Vgl. das derzeit (2021) in der Kirche ausliegende Faltblatt „Die Hüttener Kirche“, hrsg. vom Vorstand der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Hütten, S. 4. Ab 1861 befand sich der Altar zur Renovierung im Oldnordisk Museum in Kopenhagen, dem Vorgänger des Dänischen Nationalmuseums. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg wurde er nach längeren Verhandlungen zurück nach Flensburg gebracht.Stine Wiell: Flensborgsamlingen 1852-1864 og dens skæbne. Flensborg 1997, S. 335. Dort ist er bis heute zu sehen.

Im Hauptfeld der geschnitzten Festtagsseite zeigt der Altar die Madonna mit dem Kind auf der Mondsichel im Strahlen- und Rosenkranz umgeben von den zwölf Aposteln mit ihren Attributen. Von den Evangelistensymbolen in den Ecken ist der Adler, der den Evangelisten Johannes symbolisiert, verloren. In den Seiten stehen auf Säulen jeweils zwei männliche Heilige, links ein Priester und ein Bischof, rechts ein Diakon und ein Ritter. In den Seitenflügeln ist oben je ein Dominikanermönch dargestellt, neben sich auf einer Säule jeweils eine an ihrem Attribut identifizierbare weibliche Heilige, links Barbara mit Turm und rechts Cäcilia als Patronin der Kirchenmusik mit einem Portativ, einer tragbaren Orgel. Zwei weitere Säulen sind leer. Vermutlich befanden sich dort ebenfalls Figuren weiblicher Heiliger. In den unteren Fächern sind Vertreter der geistlichen (links) und weltlichen Stände (rechts) in Anbetung abgebildet.