Die 39 Melachot () sind 39 Tätigkeitsbereiche, die nach jüdischem Recht durch das biblische Gesetz über den jüdischen Schabbat an diesem Tag verboten sind. Viele dieser Aktivitäten sind auch an den in der Tora aufgeführten jüdischen Feiertagen verboten, obwohl es Ausnahmen gibt, die das Tragen sowie das Zubereiten von Lebensmitteln unter bestimmten Umständen an jüdischen Feiertagen erlauben. Zusätzlich zu den 39 Melachot sind bestimmte andere Aktivitäten am Schabbat aufgrund der rabbinischen Gesetze () verboten. Es gibt oft unterschiedliche Auslegungen zwischen orthodoxen Juden und konservativen Juden oder anderen nicht-orthodoxen Juden hinsichtlich der praktischen Einhaltung des Schabbats.

Gebot Das Gebot, den Schabbat als Ruhetag zu halten, wird in den Zehn Geboten zweimal wiederholt ( und ). Die Tora zählt von den 39 verbotenen Melachot allerdings nur vier auf: Pflügen und Ernten (2. Buch Mose 34,21), Feuer anzünden (2. Buch Mose 35,3) und Heraustragen von Gegenständen (2. Buch Mose 16,29). Die übrigen Bestimmungen stammen aus der Mischna, der . Seine Bedeutung für den Schabbat wird in Exodus 31: 12–17 erstmals hervorgehoben:

Ursprung und Bedeutung mini|Errichtung des Mischkan; Phillip Medhurst Collection Die 39 Melachot beziehen sich ursprünglich auf die Tätigkeiten, welche zur Konstruktion des , beziehungsweise dem (), welches die Juden auf ihrer vierzigjährigen Wüstenwanderung mit sich führten, notwendig waren ( beziehungsweise Exodus 25–27). „Und sie sollen mir ein Heiligtum () machen, dass ich in ihrer Mitte weile“.

Im Deutschen gibt es für Mischkan mehrere Übersetzungen. Einige nennen ihn einfach „Haus“ oder „Wohnung“, andere „Zelt der Begegnung“ oder „Offenbarungszelt“. Die Septuaginta hat Mischkan (und Ohel) mit dem Wort übersetzt. Hieronymus (347–420) übersetzte es in seiner lateinischen Übersetzung als Tabernaculum, ein Begriff, der an sich für ein militärisches Offizierszelt der Römer gebraucht wurde. Martin Luther (1483–1546) übersetzte den Mischkan mit dem heute geläufigen Wort „Stiftszelt“.Yitzchak Levi, , Yeshivat Har Etzion (englisch). Abgerufen am 14. Oktober 2020.

Ferner gehören auf die Menschen bezogene Verbote, wie beispielsweise Kochen oder das Nähen von Kleidern, zu den 39 Melachot. Die 39 Melachot sind weniger eine Aufzählung von Aktivitäten als vielmehr von Aktivitätskategorien. Sie sind zu allgemeinen Prinzipien geworden, die auf alle Lebensbereiche angewendet werden. Daraus resultiert beispielsweise das Verbot des Feuerentzündens, was die Bedienung jeglicher elektrischer Geräte beinhaltet, oder jegliches Benutzen von Fahrzeugen, oder das Verbot des Tragens von Gegenständen außerhalb eines bestimmten Umkreises. Muktza () ist ein Begriff in der Halacha für Gegenstände, die am Schabbat auch innerhalb eines Eruv (der Schabbatgrenze) weder bewegt noch benutzt werden dürfen. Der Eruv umfasst 2000 Ellen , einen Umkreis von etwa 900 Meter Luftlinie (Gen 6,15 EU).Muktzeh Chabad-Lubavitch Media Center (englisch). Abgerufen am 2. Oktober 2020.

Während sich „Worfeln“ normalerweise ausschließlich auf die Trennung von Spreu von Getreide bezieht, bezieht es sich im talmudischen Sinne auf jede Trennung von vermischten Materialien, die beispielsweise Ungenießbares essbar machen. Das Filtern von nicht trinkbarem Wasser, um es trinkbar zu machen, fällt daher unter diese Kategorie, ebenso wie das Entfernen der Gräten von Fischen (Gefilter Fisch ist eine traditionelle aschkenasische Lösung für dieses Problem, indem bereits in der Vorbereitung der Speise am Freitag das Fischfleisch entgrätet wird). So ist die Verwendung eines Siebes verboten, um etwa Nudeln oder Reis vom Wasser zu trennen oder mit einem Teesieb Tee zuzubereiten. Jegliches Schreiben (und Radieren) ist verboten und das Zerreißen (wozu etwa das Abreißen von Toilettenpapier gehört, das deshalb im Voraus in einzelne Blätter zertrennt wird).Toilettenpapier – Vorbereitung im Badezimmer, Jüdische Allgemeine, 26. November 2020. Abgerufen am 2. Dezember 2020. Darunter fällt auch das Verbot, einen Brief zu öffnen, das heißt ein Briefcouvert aufzureißen.39 Wege zur Ruhe, Jüdische Allgemeine, 31. Oktober 2016. Abgerufen am 2. Oktober 2020. Die Verbote durchdringen das Leben eines orthodoxen Juden bis in die kleinsten Kleinigkeiten. So ist jede Beeinflussung der Natur durch den Menschen untersagt, etwa jegliches Bewässern am Schabbat, demnach darf weder ein Feld, noch der Rasen gegossen werden, ebenso wenig Blumen in einem Blumentopf. Um jegliches Umgehen zu verhindern, darf man sich deshalb auch nicht die Hände über einem Feld waschen, denn damit würde Wasser indirekt abfließen. Blumen dürfen aus einer Vase entfernt werden, jedoch dürfen Blumen nicht in eine Vase gestellt werden. Kinder dürfen in einem Sandkasten spielen, aber dürfen dabei am Schabbat kein Wasser in den Sand schütten (dies könnte ja ein dort befindliches Samenkorn zum Keimen bringen). Sie dürfen deshalb auch nicht am Strand im Sand oder im Schlamm einer Baustelle spielen. Viele rabbinische Gelehrte haben zu all diesen Alltagstätigkeiten ganze Abhandlungen geschrieben, die zum Teil voneinander abweichen.Pouring Water on the Ground, Yeshivat Har Etzion (englisch). Abgerufen am 15. Oktober 2020.

Die zahlreichen unter die 39 Melachot fallenden Verbote werden sehr differenziert auf der Seite qumran.org verständlich erklärt, auch Tätigkeiten, die an einen Nichtjuden delegiert werden dürfen.39 Melachot, Qumran.org. Abgerufen am 14. Oktober 2020.

Konservative Juden befolgen einige halachische Schabbatgebote weniger streng. Reformierte, liberale und progressive Juden beachten hauptsächlich ethische Gebote und überlassen die Befolgung ritueller Vorschriften der individuellen Verantwortung, etwa Autofahren oder die Verwendung von stromführenden Geräten. Die Rekonstruktionisten tun das auch, legen aber größeren Wert auf die Traditionen.

Die 39 verbotenen Tätigkeiten mini|Hinweistafel in Jerusalem, dass diese Tankstelle am Schabbat geschlossen ist Die 39 Melachot werden in der Mischna (Schabbat 7,2) und im Talmud im Traktat Schabbat besprochen. Sie lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die größere Gruppe betrifft die Arbeiten, die für die Herstellung des Stiftszelts erforderlich ist, die andere für jene Arbeiten, die den Menschen selbst betreffen: Für das Stiftszelt: Herstellung der Farbe für die Stoffbezüge und Vorhänge Abdeckungen herstellen Abdeckungen aus Tierhaut herstellen Die Errichtung des Stiftszelts selbst Für den Menschen: Brot backen Kleidung herstellen Schreiben Ein Haus bauen

Sie lauten gemäß der Mischna (Schabbat 7: 2) wie folgt:

Aussaat Pflügen Ernten Bündelung (Getreide) Dreschen Worfeln Sortieren / Spreu vom Getreide trennen Mahlen Sieben Kneten Kochen / Backen Wolle scheren Wolle waschen Wolle kämmen/kardieren Wolle färben Spinnen Verziehen Zwei Schleifen herstellen / Litzen einfädeln Weben Zwei Fäden trennen Binden Lösen Nähen Zerreißen Tiere einfangen Tiere schächten Tiere enthäuten Gerben Glätten/Scheren Vorzeichnen Schneiden der Tierhaut Beschriften Radieren Aufbauen Abbauen Feuer löschen Entzünden Endgültige Fertigstellung / Feinabstimmung Transportieren

Alle „kreativen“ Tätigkeiten sind untersagt, demnach Tätigkeiten, die etwas Neues oder eine neue Situation erschaffen, die vorher noch nicht existierte. Deshalb fällt darunter auch das Reisen. Die Einhaltung der Gebote, insbesondere in ihren in die moderne Zeit übertragenen Vorschriften, ist kompliziert und bedarf eines eingehenden Studiums der einschlägigen Bestimmungen. So sind Transportieren und Kochen/Backen – im Gegensatz zu Schabbat und Jom Kippur – an den meisten übrigen Feiertagen gestattet.Melachot, Qumran.org. Abgerufen am 2. Oktober 2020.

Schomer Schabbat Das Einhalten der Schabbat-Gebote wird als bezeichnet. Derjenige, der diese Gebote einhält, ist ein (männlich) oder eine (weiblich). Darüber hinaus wird von der Person erwartet, dass gleichzeitig eine Vielzahl positiver Sabbatgebote erfüllt werden, wie das Einnehmen bestimmter Schabbatmahlzeiten, das Einhalten verschiedener Rituale, Gebete sowie Freundlichkeit, Güte, Ruhe und – für verheiratete Paare – Geschlechtsverkehr am Freitagabend. Der genaue Begriff Schomer Schabbat erscheint in der hebräischen Bibel nur in Jesaja (56: 2,6). Schomer Schabbat wird in der Mischna oder im Talmud nicht verwendet, er kommt in der Midrasch-Literatur einige Male vor. Hinzu kommt die Einhaltung der , der jüdischen Speisegesetze. Der Maschgiach () muss Schomer Schabbat sein.Maschgiach, encyclo. Abgerufen am 3. Oktober 2020.

Erleichterungen mini|Anzeigesymbol für den eingestellten Sabbatmodus an einem Kühlschrank, wodurch beispielsweise das Licht beim Öffnen der Kühlschranktür nicht angeht. Ein Sabbat-Fahrstuhl ist eine eigens konfigurierte Aufzuganlage, die von Juden nach bestimmten Auslegungen des jüdischen Rechts am Schabbat ohne Betätigung elektrischer Schalter oder Türen benutzt werden kann. Sie fahren automatisch jedes Stockwerk an, wobei sich dort die Türen automatisch öffnen und schließen, sodass zu ihrer Benutzung kein Schalter betätigt werden muss. Auch elektrisch betriebene Geräte und Einrichtungen können manuell oder mittels spezieller Zusatzgeräte, beispielsweise sogenannte Schabbatuhren (Zeitschaltuhren) in den „Sabbat-Modus“ versetzt werden. Die Einstellungen verändern die normale Steuerung der Geräte, so dass die Funktionen im Vorfeld des Schabbats eingestellt werden können, wodurch die Regeln der Halacha eingehalten werden können. Es wurde eine „Schabbatsteckdose“ erfunden, die den Stromkreislauf alle drei Minuten für 30 Sekunden unterbricht, um so das Anschließen von Geräten ohne Bruch des Feuerverbots zu ermöglichen.Günter Mayer: Das Judentum. Kohlhammer, Stuttgart 1994, ISBN 3-17-010269-9, S. 103f. So ist es beispielsweise möglich, einen elektrischen Herd oder Backofen zu benutzen, um das Essen warm zu halten.Aryeh Citron, Elektrizität am Schabbat, Chabad.org. Abgerufen am 5. Oktober 2020. Auch das sogenannte Blech (jiddisch ) als spezielle Abdeckung eines Kochherdes und seiner Bedienelemente dient dem Warmhalten von Speisen, ohne dass diese in direktem Kontakt zur Kochplatte stehen. Es wird heute aber oft durch elektrische Warmhalteplatten und -Gefäße ersetzt. Die Bestimmung eines Eruv, der Schabbatgrenze, erleichtert ebenso das Tragen von bestimmten Gegenständen innerhalb dieser Grenzen. Beispielhaft sei der Wiener Eruv erwähnt, wo in einem Stadtplan der Eruv eingezeichnet ist.Straßenkarte von Wien mit Verlauf des Wiener Eruvs mit dem Koscher-Zertifikat Hierzu gehört auch Grama (), eine im Judentum angewendete Technologie, die das Einschalten von Geräten unter Wahrung der Sabbatruhe ermöglicht.

Ausnahmen In halachischen Kontroversen zur Zulässigkeit medizinischer Behandlungen am Schabbat wird das Thema behandelt, ob eine tatsächliche oder mögliche Gefahr für das Leben () die den Schabbat betreffenden biblischen Gesetze und rabbinischen Verfügungen und Regeln außer Kraft setzt () oder ob eine solche Lebensgefahr sie nur vorübergehend aussetzt (). Aus den jüdischen Gesetzen, einschließlich des Schulchan Aruch und der Mischna, geht hervor, dass ein Arzt oder Zahnarzt alle für die Behandlung und Pflege seines Patienten erforderlichen Tätigkeiten ausführen muss () und sich nicht nur auf diejenigen Tätigkeiten zu beschränken hat, die eine unmittelbare Gefahr für das Leben beseitigen.Fred Rosner, Moshe Tandler: Au Backe! In: Jüdische Allgemeine. 30. August 2007. Abgerufen am 18. April 2016.

Eine weitere Ausnahme stellt unter anderem die Brit Mila (Beschneidung) dar, da sie für den achten Lebenstag geboten ist. Fällt der für eine Brit Mila vorgesehene Tag auf einen Schabbat, so muss die Beschneidung auch am Schabbat durchgeführt werden., dija. Abgerufen am 3. Oktober 2020.

Kontroversen