mini|hochkant=1.2|Gutshaus Gebersdorf Das Gutshaus Gebersdorf (historisch auch als Schloss Gebersdorf bezeichnet) ist ein denkmalgeschütztes Herrenhaus im Ortsteil Gebersdorf der Stadt Dahme/Mark im Landkreis Teltow-Fläming (Land Brandenburg). Der um 1800 errichtete, ursprünglich neunachsige Putzbau mit Mansardwalmdach bildete das Zentrum des Ritterguts Gebersdorf, das sich bis zur Enteignung 1945 im Besitz der Verlegerfamilie Ackermann befand.

Überregionale historische Bedeutung erlangte das Gebäude während des Zweiten Weltkriegs als zentrales Auslagerungsdepot für Bestände des Berliner ZeughausesChristian Hirte: Die offizielle Bergungspraxis von Kunst- und Kulturgut im Kontext der Bodenreform in Brandenburg 1945–1951. Museumsverband Brandenburg, 2024, S. 27, 78. https://www.museen-brandenburg.de/fileadmin/Projekte/Hirte_Kulturgutverlagerungen_Abschlussbericht_2024-FINAL_20240812.pdf. In der Nachkriegszeit war das Haus Gegenstand von Kulturgutsicherungen und moderner Provenienzforschung, nachdem das historische Inventar weitgehend verloren gegangen war. Infolge des SMAD-Befehls 209 wurde im Jahr 1947 der Südflügel des Gebäudes abgetragen, woraus die heutige asymmetrische Fassadenstruktur resultiert.

Lage Die Landstraße 70 führt als Gebersdorf von Norden kommend in südlicher Richtung durch den Ort. Das Gutshaus steht westlich der Straße und dort südlich der Dorfkirche Gebersdorf.

Geschichte mini|Gutshaus Gebersdorf nach der Erneuerung durch Erich Ackermann, Sommer 1939. Das Foto zeigt das Herrenhaus in seiner ursprünglichen, neunachsigen Symmetrie vor dem Teilabriss 1947. Das genaue Baujahr des Gutshauses ist bislang nicht bekannt. Das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) gibt in seiner Datenbank die Angabe „um 1800“ an. Der Ort war zu dieser Zeit im Besitz der Familie von Kleist. Friedrich von Kleist erbte Gebersdorf nach dem Tod seiner Mutter, Eva Eleonora Louise geborene von Schlomach, und heiratete 1783 Friederike Theresia Amalie Gräfin von Hoffmannsegg. Beide lebten jedoch nicht im Ort, sondern zogen in das Barockschloss Rammenau. Aus der Beziehung ging eine Tochter, Auguste, hervor. Sie erbte 1819 die Güter Mehlsdorf und Gebersdorf.Hand-Matrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staats auf Kreis- und Landtagen vertretenen Rittergüter. Provinz Brandenburg, Kreis Jüterbog-Luckenwalde, Hrsg. Karl Friedrich Rauer, Erstauflage, in: GAB auf Matrikelbasis, Selbstverlag, Berlin 1857, S. 84. Von ihr, mittlerweile mit einem General von Brockhusen verheiratet, ging das Gut 1859 an den Major Hans Ewald von Kleist, der im Deutsch-Französischen Krieg 1870 tödlich verwundet wurde. 1879 gehörte eine Brennerei zum Gutsbetrieb. Das Gut fiel von an seinen Bruder Eduard Bogislav von Kleist und von dort im Jahr 1911 an seinen Neffen Hans von Kleist, der jedoch bereits 1916 starb. Seine Witwe übernahm das Gut bis 1924 und übertrug es an den zeitweiligen Generalbevollmächtigten des Hauses Preußen Leopold von Kleist. Ihm machte die Weltwirtschaftskrise schwer zu schaffen und so war er gezwungen, das durch den Oberleutnant a. D. Georg Spielvogel bereits verwaltete GutErnst Seyfert, Hans Wehner, Alexander Haußknecht, GF Hogrefe: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Rittergüter, Güter und Höfe der Provinz Brandenburg. 1929. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter, Güter und Höfe von ca. 20 ha aufwärts, Mit Unterstützung von Staats- und Kommunalbehörden, sowie des Brandenburgischen Landbundes zu Berlin, sowie der Kreislandbünde. Nach amtlichen Quellen und auf Grund direkter Angaben bearbeitet. in: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher, Band VII, 4. Auflage, Band Regierungsbezirk Potsdam. Kreis Prenzlau, (Letzte Ausgabe-Paul Niekammer-Reihe), Verlag Niekammer’s Adreßbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 24. mit 378 ha gesamt 1931 zu verkaufen. Es ging 1933 an einen Herrn Müller und von dort 1938/1939 an den Hofrat Dr. Alfred Ackermann (Sohn des Verlegers Albin Ackermann). Unter der Leitung von dessen Sohn Erich Ackermann wurde das Gutshaus noch im Sommer 1939 umfassend erneuert und umgebaut. Dabei entstanden auch ein Swimmingpool mit Badehaus, ein Tennisplatz sowie eine Garage für den Fuhrpark. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1941 übernahm Erich Ackermann das Gut vollständig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie Ackermann enteignet und die Ländereien im Zuge der Bodenreform an Neubauern verteilt. Im Jahr 1947 suchte der Berliner Kunstsammler Kurt Reutti im Auftrag der Zentralstelle zur Erfassung und Pflege von Kunstwerken das Gutshaus auf, um die dort kriegsbedingt eingelagerten Bestände des Berliner Zeughauses zu bergen. Er fand das Gebäude jedoch bereits weitgehend leer vor. Laut Reuttis Aufzeichnungen erklärte der damals amtierende kommunistische Bürgermeister der Gemeinde stolz, er habe persönlich dafür gesorgt, dass "dieser militaristische Dreck vernichtet wurde." Zu den zerstörten und vermutlich verbrannten Exponaten gehörten neben historischen Uniformen auch seltene gotische Turniersättel.Christian Hirte: Die offizielle Bergungspraxis von Kunst- und Kulturgut im Kontext der Bodenreform in Brandenburg 1945–1951. Museumsverband Brandenburg, 2024, S. 27, 78. https://www.museen-brandenburg.de/fileadmin/Projekte/Hirte_Kulturgutverlagerungen_Abschlussbericht_2024-FINAL_20240812.pdf

Neben diesen ausgelagerten Militariabeständen ging im Jahr 1945 auch das private Kunst- und Einrichtungsinventar der Familie Ackermann verloren. Wie die im August 2026 veröffentlichten Suchmeldungen in der Lost Art-Datenbank dokumentieren, wurde die historische Ausstattung des Gutshauses im Zuge von Plünderungen nach dem Einmarsch der Roten Armee im Frühjahr/Sommer 1945 – noch vor Einleitung der Bodenreformmaßnahmen – entzogen. Hierzu gehören unter anderem die Porträts der Verleger Albin Ackermann-Teubner (von Emil Fröhlich) und Hofrat Dr. Alfred Ackermann-Teubner (von Hermann Hanatschek).Vgl. Einträge in der Lost Art-Datenbank, u. a. Lost-Art-ID: 637729 (Bildnis Albin Ackermann-Teubner) und 637762(Bildnis Alfred Ackermann-Teubner, veröffentlicht am 19. August 2026).

Ebenfalls auf der Grundlage des SMAD-Befehls Nr. 209 wurde noch im selben Jahr 1947 der südliche Teil des Gebäudes abgerissen. Nach der Gründung einer LPG Dahme wurde der verbleibende Teil als Lehrlingswohnheim und Betriebsküche genutzt. Im Erdgeschoss fanden Kinovorführungen statt. Im südlichen Bereich entstand in den 1970er Jahren ein Anbau, der als Konsum diente. Nach der Wende stand das Gutshaus leer und wird seit Anfang des 21. Jahrhunderts privat genutzt.

Baubeschreibung mini|Seitenansicht Das Gutshaus wurde um 1800 als eingeschossiger, klassizistischer Putzbau auf einem rechteckigen Grundriss errichtet. In seiner ursprünglichen Form war das Bauwerk streng symmetrisch gegliedert und neun Achsen breit.

Die Fassade wird durch hochrechteckige Fenster geprägt, deren Form durch schlichte Faschen betont wird. Der Zugang erfolgt heute über eine schlichte, hochrechteckige Tür von der Straßenseite aus. Das Gebäude schließt mit einem hohen Mansarddach ab. Auf der Straßenseite befinden sich sechs, auf der Parkseite drei Schleppgauben, über denen jeweils drei weitere kleinere Gauben angeordnet sind.

Das Erscheinungsbild des Hauses ist heute durch erhebliche bauliche Eingriffe in der Nachkriegszeit gezeichnet. Infolge des SMAD-Befehls 209 wurde im Jahr 1947 der südliche Teil des Gebäudes abgebrochen. Seit diesem Teilabriss fehlt an der Südostseite der ursprüngliche Krüppelwalm, wodurch die einstige Symmetrie des neunachsigen Baukörpers verloren ging. In den 1970er Jahren wurde an der Stelle des abgebrochenen Flügels ein flacher Anbau für eine Konsum-Verkaufsstelle errichtet.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Erbaut in den 1790er Jahren Kategorie:Erbaut in den 1800er Jahren Kategorie:Baudenkmal in Dahme/Mark Kategorie:Herrenhaus im Landkreis Teltow-Fläming Kategorie:Bauwerk in Dahme/Mark