mini|Der Peršmanhof, Partisanenstützpunkt während des Krieges. Ort des Massakers vom 25. April 1945 an 4 Erwachsenen und 7 Kindern. Heute Museum mit dem Partisanendenkmal davor.
Unter Kärntner Partisanen versteht man den von Kärntner Slowenen geführten Widerstand gegen die Germanisierungspolitik der Nationalsozialisten von 1941 bis 1945. Dieser Widerstand wurde in Kärnten und Slowenien geführt, band erhebliche Truppen des NS-Regimes und verursachte durch Sabotage Schäden an der Kriegsmaschinerie. Der Widerstand wurde durch britische Waffenlieferungen an Jugoslawien unter Marschall Tito sowie durch die Unterstützung der Bevölkerung ermöglicht und trug wesentlich zum Niedergang des Dritten Reiches und zur Befreiung Österreichs bei. Der Kärntner Historiker Wilhelm Wadl präzisierte, dass dem Kampf der slowenischen Partisanen ein „begrenzter Beitrag“ zur „Beseitigung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ zukomme. „Dennoch waren sie im engeren Sinn keine österreichische Widerstandsbewegung, weil ihre positiven Ziele g e g e n die territoriale Integrität Österreichs gerichtet waren.“Wadl: Das Jahr 1945 in Kärnten - Ein Überblick S. 14.
Die Kärntner Partisanen unterstanden zunächst der im Juni 1941 in Laibach/Ljubljana gegründeten Osvobodilna Fronta (OF). Diese antifaschistische Partei wurde von den slowenischen Kommunisten geführt, während die Slowenischen Partisanen ihren militärischen Arm bildeten. Anfangs agierten die Kärntner Partisanen unabhängig von den Partisanen von Josip Broz Tito, wurden jedoch 1944 mit den Jugoslawischen Partisanen vereinigt. In Kärnten fand diese Vereinigung erst am 6. Mai 1945 statt.
Bei den bewaffneten Formationen bildeten die Kärntner Slowenen eine Minderheit, 1943 waren es vor allem Partisanen aus Slowenien (Oberkrain, dem Mießtal und der Untersteiermark). Unter den in Kärnten von den Partisanen Rekrutierten gab es unterschiedliche Nationen, auch viele Russen und Ukrainer.Josef Rausch: Der Partisanenkampf in Kärnten im Zweiten Weltkrieg, Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 39/40, Wien 1994, S. 82. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Partisanen reorganisiert und in die reguläre Armee der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien eingegliedert.
Vorgeschichte Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme im März 1938 wurden Maßnahmen gegen die slowenische Kultur eingeleitet, die den ersten Widerstand gegen die Besatzer hervorriefen.Lisa Rettl in Heiss umfehdet – wild umstritten […], S. 95. Dabei wurden dutzende Vereine aufgelöst und zehntausende Bücher vernichtet. 1941 wurden die slowenischen Sparkassen und der Genossenschaftsverband geschlossen.Helena Verdel: Die Rolle der Frauen im Befreiungskampf. In: Jahrbuch 09 web (PDF) bei doew.at, S. 145. Zudem wurde die slowenische Sprache verboten. Mit Kriegsbeginn gab es Einberufungen zur Wehrmacht. Viele der zwischen 1938 und 1940 nach Jugoslawien ausgewanderten/geflohenen Männer kamen ab dem Frühjahr 1941 nach Kärnten zurück:Josef Rausch: Der Partisanenkampf in Kärnten im Zweiten Weltkrieg (= Militärhistorische Schriftenreihe. Heft 39/40), Wien 1994, S. 12/13. Ein Militärputsch gegen den Beitritt Jugoslawiens zum deutsch-italienisch-japanischen Dreimächtepakt diente als Anlass für Adolf Hitler, am 6. April 1941 ohne Kriegserklärung in Jugoslawien einzumarschieren. Der Einmarsch führte zu intensiven Maßnahmen gegen die jugoslawische Zivilbevölkerung, die wiederum Widerstandsbewegungen bildete und einen Partisanenkrieg gegen die Besatzer führte.Lisa Rettl in Heiss umfehdet – wild umstritten […], S. 97. Ab Herbst 1941 entstanden kleinere Zellen von Widerstand im südlichen Kärnten, wo die gebirgige unwegsame Landschaft vor Verfolgung Schutz bot.
Es gab auch Verschärfungen gegen die slowenischsprachigen Kärntner. Reichsführer der SS, Heinrich Himmler, verfügte u. a. die „Heranziehung von Betrieben nationalslowenisch orientierter Familien in Kärnten zur Ansiedlung von Kanaltaler Rücksiedlern“.Wadl: Das Jahr 1945, S. 12. Mehr als tausend Angehörige der slowenischen Minderheit mussten am 14. April 1942 binnen kürzester Zeit ihr Anwesen verlassen und wurden im Sammellager in der Klagenfurter Ebenthaler Straße zusammengezogen. Von dort aus wurden 917 Personen in verschiedene Lager, darunter auch Konzentrationslager, nach Deutschland verbracht.Wadl: Das Jahr 1945, S. 12. Der Historiker merkt an, dass es für diese gewalttätige Aktion in der deutschsprachigen Bevölkerung keine Zustimmung gab. Diese hatte mit den betroffenen Familien stets friedlich zusammengelebt. Auch der Dichter Josef Friedrich Perkonig und der Gurker Bischof Andreas Rohracher protestierten energisch dagegen.
Der Widerstand Ab dem Jahr 1942 schlossen sich auch zunehmend Teile der slowenischsprachigen Zivilbevölkerung aus Kärnten, darunter viele Frauen, dem antifaschistischen bewaffneten Widerstand an, deren Parole lautete: „Smrt fašismu, svoboda narodu!“ (Tod dem Faschismus, Freiheit dem Volke!). Das politische Programm wurde in der Neujahrsproklamation 1942 (Izjeva) der OSVOBODILNA FRONTA (OF) -BEFREIUNGSFRONT (BF) formuliert und von den Kärntner Historikern so wiedergegeben:
Die Historikerin Helena Verdel betont, dass gut organisierte Netzwerke für den Erfolg des Widerstands entscheidend waren. Frauen spielten eine Schlüsselrolle, indem sie Ressourcen sammelten, Verwundete versorgten, zwischen Kämpfern und Vertrauensleuten vermittelten und illegale Drucksachen verbreiteten. Zudem hielten sie Kurierlinien aufrecht und arbeiteten in den Kampfeinheiten als Köchinnen, Sanitäterinnen und Näherinnen.Essay von Helena Verdel: Die Rolle der Frauen im Befreiungskampf. In: Jahrbuch 09 web (PDF) bei doew.at, S. 148–150.
Im Herbst 1941 kamen die ersten Partisanenpatrouillen des Cankar-Bataillon nach Kärnten. Die Kärntner slowenischen Deserteure, die bei Kriegsausbruch in großer Zahl nach Jugoslawien ausgewichen waren, aber nach dessen Okkupation wieder in die Heimat zurück geflüchtet waren, fanden Aufnahme in diesen Partisaneneinheiten. Im Juni und Juli 1942 wurden die Cankar-Bataillone durch neue Patrouillen verstärkt, was zur Gründung der ersten politischen Ausschüsse der OF führte. Bald entstanden 20 Ortsausschüsse. Matija Verdnik-Tomaž, Politkommissar des Cankar-Bataillons, brachte den Widerstandskampf nach Österreich. Schnell aktivierte sich auch die bäuerliche Bevölkerung um Eisenkappel und die OF wuchs auf über 200 Mitglieder an.
Im Sommer 1942 gab es weitere Kontakte zu Partisanengruppen aus Slowenien, Teile des Kranjc-Bataillon mussten nach einer Großoffensive in den deutsch und italienisch besetzten Teilen Sloweniens über die Karawanken nach Norden ausweichen.Vinzen Olip: Ebriach 39, vulgo Jereb. Überleben zwischen Gestapo und Partisanen, Mojorjeva/Hermagor 2016, S. 62f., 69f. Skizze Seite 72. Es kam auf Kärntner Boden zu den ersten Kämpfen im Rosental und Jauntal und zu Verlusten auf beiden Seiten. Die slowenischen Partisanen zogen Richtung Süden/Untersteiermark ab. Generell waren die Kärntner Partisanen weniger politisch/kommunistisch orientiert, sie wollten mehrheitlich „nur überleben, nicht kämpfen.“Josef Rausch, Der Partisanenkampf in Kärnten im Zweiten Weltkrieg, Militärhistorische Schriftenreihe, Heft 39/40, Wien 1994, S. 13.
Die Deutschen bemerkten das Überlaufen von Deserteuren zu den „Grünen Kadern“ (Partisanen) und stellten mithilfe von Gestapo-Spitzeln eine Falle.Baum: Zum Tode verurteilt. S. 67. Im Kapitel "Die Slowenen vor Roland Freislers Volksgerichtshof" findet sich auf den Seiten 64-69 eine detailliere Beschreibung der Ereignisse um Zell Pfarre, Ebriach und Eisenkappel.Busch/Windhab: Jelka, S. 27, sprechen von einer illegalen Versammlung in Ebriach, die durch die Polizei umstellt wurde. Es kam im November/Dezember 1942 zu einer tagelangen Verhaftungswelle. Die Opfer waren mehrheitlich Holzknechte, Keuschler und Bauern aus Zell-Pfarre. Am 16. April 1943 wurden 13 Personen (12 Männer, eine Frau) vom NS-Volksgerichtshof in Klagenfurt zum Tode verurteilt, zwei Wochen später die Todesurteile in Wien durch Enthauptung vollstreckt. Weitere 21 Mitangeklagte erhielten mehrjährige Haftstrafen. mini|Blick auf Klagenfurt mit der Koschuta als Kulisse; der Ort Zell Pfarre an deren Fuße.
Die Spirale der Gewalt drehte sich immer schneller. Wilhelm Wadl: „Die gewaltsam betriebene Entnationalisierung, die Aussiedlungen und die Terrorurteile des Volksgerichtshofes bildeten den Nährboden für die seit 1943 aus Oberkrain nach Kärnten übergreifende Partisanenbewegung. Diese Gewalt führte unweigerlich zu Gegengewalt, da die lokalen Widerstandsgruppen zunehmend entschlossener gegen die Besatzer kämpften.“Wadl: Das Jahr 1945..., S. 12.
Partisanen mussten unter schwierigen Bedingungen operieren, ohne Feuer, Mahlzeit oder Ruhe, und kämpften gegen Läuseplagen. Ihre Aufgaben umfassten Vorsichtsmaßnahmen, den Bau und häufigen Wechsel von Erdbunkern sowie Aktionen gegen Wehrmachtseinrichtungen, wie zum Beispiel in Solčava, die Gegenaktionen provozierten. Politische Bildung durch Patrouillen war ebenfalls wichtig, wobei sich Pavle Matjaž besonders hervortat. Kärntner Partisanen versuchten, den Einfluss der Osvobodilna fronta zu erweitern, da sie das alte Österreich nicht anerkannten. In einem Brief vom 10. Februar 1943 forderte Politkommissar Dušan Kveder-Tomaž Pavle Matjaž auf, sein Wirkungsfeld auszudehnen. Waffen mussten bei jeder Aktion erbeutet werden, da Munition knapp war. Ein Coup im April 1943 in Mežica brachte eine Erleichterung durch zahlreiche Waffen. Zu Ostern 1943 wurden deutsche Soldaten auf Urlaub entwaffnet, ihre Ausrüstung beschlagnahmt. Der Mord an dreizehn Slowenen in Wien schreckte deutsche Soldaten davon ab, sich den Partisanen anzuschließen.Karel Prušnik-Gašper: Gämsen auf der Lawine […], S. 132.
Nachdem sich die erste Partisanenkompanie auf der Petzen formiert hatte, gründete sich das erste Kärntner Partisanenbataillons mit 320 Mann unter dem Kommandanten Franc Pasterk. Anfang Mai 1943 besetzte seine Partisanengruppe mit 70 Mann den Ort Feistritz im Rosental, befreiten sowjetische Kriegsgefangene und zerstörten ein Sägewerk und eine kriegswichtige Fabrik.Radomír Luža: Widerstand in Österreich 1938-1945, Wien, 1985, S. 222.
Anfang Mai 1943 fand auf der Petzen eine Konferenz der politischen und militärischen Aktivisten Kärntens und des Mießtales statt (Fichtenwaldkonferenz), auf der Organisationsstrukturen ausgebaut wurden. Es wurde beschlossen die Kärtner Partisanen in den gemeinsamen antifaschistischen Kampf des slowenischen Volkes einzugliedern.Karel Prušnik-Gašper: Gämsen auf der Lawine […], S. 140. Im Gegenzug forderte der Kreisleiter der NSDAP in Völkermarkt in einem geheimen Rundschreiben vom 20. Mai 1943 die Ortsgruppenleiter auf, den „Aufbau der Landwacht mit allen Mitteln voranzutreiben“.Karel Prušnik-Gašper: Gämsen auf der Lawine […], S. 148. Aufgrund der wachsenden Partisanenaktivitäten schlossen sich jedoch immer mehr Wehrmachtsurlauber den Partisanen an. Das SS-Führungshauptamt verhängte deshalb ab Juli 1943 eine Urlaubssperre für das Gebiet südlich der Drau.
Im Juni 1943 beteiligten sich auch die Alliierten an dem Kampf um die öffentliche Meinung: Es wurden Flugblätter über dem Gebiet Gorenjska und Kärnten abgeworfen, sowie Waffen und Ausrüstung für die Volksbefreiungsarmee Jugoslawiens über jugoslawischem Boden.Karel Prušnik-Gašper: Gämsen auf der Lawine […], S. 160f.
Im November 1943 startete der Feind eine große Gegenoffensive mit über 3.000 Mann. Zum ersten Mal wurden in Kärnten schwere Waffen wie Granatwerfer und Gewehrgranaten eingesetzt. Es kam zu Verlusten auf beiden Seiten.Karel Prušnik-Gašper: Gämsen auf der Lawine […], S. 178.
Höhepunkt der Partisanentätigkeit (Frühjahr bis Herbst 1944)