mini|Eröffnungsfeier im Olympiastadion Berlin (17. Juni 2023)|290x290px|alternativtext=Hell beleuchtetes Stadion mit einer sehr großen Menschenmenge. Die Special Olympics World Summer Games 2023 waren die 16. internationalen Sommerspiele der Special Olympics. Sie fanden vom 17. bis 25. Juni 2023 in Berlin statt und waren das erste internationale Special-Olympics-Turnier auf deutschem Boden. Zugleich waren die Spiele das nach der Zahl der Teilnehmern größte internationale Sportereignis in Deutschland seit den Olympischen Sommerspielen von 1972 in München.

Vergabe Berlin erhielt am 13. November 2018 den Zuschlag, die Weltspiele 2023 auszurichten. In einer einstimmigen Entscheidung wurde die Stadt vom Weltverband Special Olympics International ausgewählt. Als Begründung wurden die überzeugende und klare Vorstellung von Special Olympics Deutschland (SOD), die Betonung der Nachhaltigkeit sowie die Vorteile der bestehenden Infrastruktur, Veranstaltungsstätten und Partnerschaften angeführt.

Michael Müller, damals Berlins Regierender Bürgermeister, begrüßte die Vergabe:

Durchführung Im Jahr 2022 fanden ebenfalls in Berlin die Nationalen Spiele der Special Olympics Deutschland statt. Dabei wurden einige Veranstaltungsstätten sowie grundsätzliche Abläufe und Veranstaltungsrichtlinien getestet. Neben den deutschen nahm dafür eine Delegation von 400 internationalen Sportlern an den sogenannten „Pre-Games Berlin 2022“ teil.

Die Weltspiele 2023 wurden von der Special Olympics World Games Berlin 2023 Organizing Committee gGmbH veranstaltet. Die Veranstaltungsleitung organisierte die Durchführung von 26 Sportarten in 14 Sportstätten. Mit einem Frauenanteil von 48 Prozent gingen in Berlin etwa 6500 Athleten mit geistiger oder mehrfacher Einschränkung an den Start, dazu in 16 Sportarten auch etwa 500 Menschen ohne Beeinträchtigung. In Unified Teams kamen die beiden Gruppen zusammen. Übersetzungen in Leichte Sprache wurden von 71 Übersetzern geleistet. Einen logistischen Aufwand stellten neben den Teilnehmern auch die etwa 3000 Coaches und Betreuer, 1100 Schiedsrichter sowie 9000 Familienmitglieder dar. Es wurden 100.000 Tickets für die Wettbewerbe verkauft. An den neun Wettbewerbstagen kamen über 330.000 Zuschauer. Die internationalen Spiele waren laut dpa das nach der Zahl der Teilnehmern größte Sportereignis in Deutschland seit den Olympischen Sommerspielen 1972 in München.

mini|Gesundheitsprogramm Healthy Athletes, Messegelände Berlin|links Das die Veranstaltung begleitende Gesundheitsprogramm Healthy Athletes, bei dem die Athleten von Gesundheitsexperten kostenlose medizinische Untersuchungen und Beratungen erhielten, dient dazu, die medizinische Grundversorgung von Menschen mit Beeinträchtigung zu verbessern. Dafür waren hundert Ärzte und siebzig Zahnärzte vor Ort. Sie alle arbeiteten ehrenamtlich. Healthy Athletes kooperierte unter anderem mit der Bundesärztekammer und war „ein niederschwelliges Angebot, um die Gesundheitskompetenz von Menschen mit geistiger Beeinträchtigung zu stärken“. An der Station Physiotherapie zum Beispiel werden Kraft, Ausdauer, Gleichgewicht und Beweglichkeit der Athleten getestet und diese auf spezielle Verletzungen untersucht. Healthy Athletes baute auf Leichter Sprache auf. Am Ende des zweiten Veranstaltungstages waren bereits 3000 Untersuchungen durchgeführt worden. Insgesamt waren es während der Spiele 15.000 Screenings. Alkohol wurde bei den Weltspielen nicht verkauft.

Neben den anerkannten Sportarten war Feldhockey als Demonstrationssportart Teil der Spiele. Im Dezember 2020 hatte sich auch Rudern (Special Olympics) als Demonstrationssportart gegen andere Bewerber durchgesetzt, wurde jedoch später aus dem Programm genommen.

Am 22. Juni fand die öffentliche Athletenparty am Brandenburger Tor mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser als Gast statt, die geschlossene Veranstaltung in der Alten Münze.

Wegen starker Regenfälle am 23. Juni kam es zu Programmänderungen in den Sportarten Leichtathletik, Tennis, 3×3-Basketball, Hockey, Radsport und Segeln. Bundeskanzler Olaf Scholz besuchte deshalb nicht wie geplant die Leichtathletikwettbewerbe, sondern die Handballspiele.

Zur Abschlussfeier am 25. Juni 2023 am Brandenburger Tor kamen etwa 21.000 Menschen. Nach einem Rückblick auf die Spiele holten vier Volunteers stellvertretend für ihre Gruppe die Flagge vom Mast. Sie wurde an Sven Albrecht, den Vorsitzenden des Berliner Organisationskomitees und Bundesgeschäftsführer von Special Olympics Deutschland, Timothy Shriver, den Vorsitzenden von Special Olympics International (SOI) und die Special Olympics Deutschland Botschafterin Juliana Rößler an Alessandro Henry, den Athletenvertreter von SO Italien und den Turiner Bürgermeister Stefano Lo Russo weitergegeben. Der italienische Sportminister Andrea Abodi sprach eine Einladung für die nächsten Special Olympics World Winter Games in Turin 2025 aus. Mary Davis, Geschäftsführerin von Special Olympics International, und die älteste Athletin der Spiele, die US-Amerikanerin Loretta Claiborne, erklärten die Spiele für beendet. Die Flamme wurde gelöscht.

Teilnehmer Es reisten etwa 6500 Teilnehmer aus 176 Ländern an, die in 25 Sportarten und einer Demonstrationssportart miteinander antraten.

Das Team Special Olympics Deutschland bestand aus 411 Athleten sowie Unified Partnern in 25 Sportarten mit 128 Trainern und war damit das größte Team im Turnier. Es traten 59 Unified Partner (ohne Beeinträchtigung) aus fünfzehn Landesverbänden an. Die Sportarten mit der geringsten Zahl von Athleten waren Rhythmische Sportgymnastik (Special Olympics) mit vier und Turnen (Special Olympics) mit zwei Personen, die größten Sportarten waren Fußball (Special Olympics) mit der Kapitänin Nicola Brings und einer Teamstärke von 55, Basketball (Special Olympics) und Futsal (Special Olympics) mit je 40 und Handball mit 36. Aus den Special-Olympics-Landesverbänden Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg kamen die größten regionalen Teams mit einer Personenstärke von 115 beziehungsweise 112.

48,5 Prozent der Teilnehmer waren weiblich.

Veranstaltungsstätten mini|SportstättenZentrale Orte waren das Berliner Messegelände sowie der Olympiapark. Als Veranstaltungsort für die Eröffnungsfeier wurde das Olympiastadion ausgewählt, für die Abschlussfeier der Bereich um das Brandenburger Tor. Die Zielsetzung war sowohl hervorragende Wettbewerbsstätten zu bieten als auch die Wettbewerbe in die Innenstadt zu bringen, um auch Touristen und all jene aufmerksam zu machen, die eher die Innenstadtbezirke frequentieren. Bestimmte Wettbewerbe fanden auf der Spree, der Straße des 17. Juni oder der Oberbaumbrücke statt.

Organisation Der Bundesverband Special Olympics Deutschland (SOD) gründete zur Vorbereitung ein Organisationskomitee in der Rechtsform der Gemeinnützigen GmbH. Auch der Weltverband Special Olympics International (SOI) brachte sich ein, ebenso begleitete wurde die Organisation durch das Weltspielekomitee der Special Olympics World, dem unter anderem Horst Seehofer, Hubertus Heil, Alfons Hörmann, Friedhelm Julius Beucher, Katharina Witt und Frank Busemann angehören. Nach einem Aufruf meldeten sich 20.000 Freiwillige, die für einen reibungslosen Ablauf sorgen sollten. Davon waren 18.000 aus 126 Ländern an den verschiedenen Veranstaltungsorten im Einsatz.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernahm die Schirmherrschaft. Der ehemalige Basketballspieler Dirk Nowitzki war als Friend of the Games Botschafter für den Inklusionsgedanken.

Das Team Special Olympics Deutschland bestand aus 356 Athleten in 25 Sportarten sowie 128 Trainern und war damit das größte Team bei den Weltspielen. Außerdem traten 59 Unified-Partner (ohne Beeinträchtigung) aus fünfzehn Landesverbänden an. Begleitet wurden sie von 130 Trainern sowie weiteren Delegationsmitgliedern wie Ärzten und Fotografen. Damit stellte Deutschland das größte Team der Weltspiele.

Klassifizierungsregeln Die Athleten wurden, wie bei Special Olympics üblich, für die Wettbewerbe in möglichst leistungshomogene Gruppen von maximal acht Personen eingeteilt. Die Art der Beeinträchtigung spielte hierfür keine Rolle. Entscheidend waren die Werte aus den Klassifizierungsrunden, die in den ersten Tagen der Weltspiele stattfanden. Innerhalb einer Gruppe wurden jeweils eine Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille vergeben; für den vierten bis achten Platz gab es eine Platzierungsschleife, für Disqualifizierte eine Teilnahmeschleife. An der Siegerehrung nahmen alle aus der jeweiligen Gruppe teil.

Bei diesem System besteht jedoch die Möglichkeit, dass jemand in den Klassifizierungsrunden absichtlich eine niedrigere Leistung als möglich zeigt, um in eine günstigere Gruppe zu kommen. Deshalb galt in sechs Sportarten, darunter Schwimmen und Leichtathletik, erstmals auch die Regel: Liegt eine Leistung mehr als 15 Prozent über dem vom Trainer im Vorfeld angegebenen persönlichen Rekord, erfolgt eine Disqualifizierung. Allein in der Leichtathletik kam es so bereits in den ersten Tagen der Weltspiele zu einer dreistelligen Zahl von Disqualifizierungen, etwa von Leonie Spehr. Kritik an diesem System äußerte unter anderem der Leiter des Teams Special Olympics Deutschland, Tom Hauthal: Die vorherige Bestleistung sollte nach seiner Anschauung keine Rolle spielen. Auch das deutsche Fußballteam der Männer erlebte Nachteile der Klassifizierungsregeln: Es war in der Vorrunde auf deutlich unterlegene Delegationen getroffen und hatte aus Gründen des Fair Play absichtlich schwächer gespielt. Dies wirkte sich für das deutsche Team nachteilig aus: Wegen des schlechteren Torergebnisses im Vergleich zu Ägypten wurde es für die Wettbewerbe um die Medaillen in eine niedrigere Gruppe eingeteilt. Der Trainer der ägyptischen Mannschaft schätzte sein Team allerdings auch schlechter ein als das deutsche, und es wurde versucht, die Gruppen zu tauschen, doch der Antrag wurde abgelehnt. So setzte sich die Unterforderung des deutschen Teams fort: Im Halbfinale Deutschland – Schweiz hieß es 25:0, im Finale mit Uganda beließ es das Team bei einem 9:0.

Sportarten und Austragungsorte Folgende 26 Sportarten waren vertreten:

Dazu kam die Demonstrationssportart Hockey, die im Hockeystadion im Olympiapark zu sehen war.

Erstmals wurde 3×3-Basketball ausgetragen. Diese Basketballvariante ist für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen von Vorteil: Da die Mannschaften kleiner sind als in der Halle, wachsen Teams schneller zusammen.

Kein Medaillenspiegel Im Unterschied zu Olympischen Spielen und Paralympischen Spielen wird bei den Special Olympics kein Medaillenspiegel geführt. Man stellt hier die Zusammenkunft und ein sportliches Miteinander in den Vordergrund und verzichtet auf Konkurrenzdruck unter den Nationen. Dennoch werden Medaillen in Gold, Silber und Bronze verliehen. Die Viert- bis Achtplatzierten erhalten Platzierungsschleifen, auf denen ihre Platzierung aufgedruckt ist. Insgesamt wurden bei den Weltspielen 2023 auf 1334 Siegerehrungen 4002 Medaillen für den 1. bis 3. Platz überreicht. Für den 4. bis 8. Platz wurden 6670 Auszeichnungen vergeben.

Host Town Program Über 190 internationale Delegationen, die zwischen 6 und 400 Mitglieder zählten, waren für die Spiele in Berlin anwesend. Vor dem Beginn der Wettbewerbe wurden sie von Kommunen in Deutschland empfangen. Das Host Town Program sollte den Gästen einen ersten Eindruck von Deutschland vermitteln und zugleich in der Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit für die Weltspiele in Berlin und das Thema Inklusion generell erhöhen. Das Motto war „In Berlin spielt die Musik, aber das Orchester kommt aus dem ganzen Land“.