mini|200px|Minoru Kiuchi (2020) rahmenlos|160px|zentriert|Kiuchis Unterschrift
Minoru Kiuchi (jap. ; * 19. April 1965 in Tokio) ist ein Abgeordneter des japanischen Unterhauses und ehemaliger Beamter des Außenministeriums. Über den Großteil seiner politischen Karriere hinweg war er parteilos – seit 2012 ist er Mitglied der LDP. Er ist Minister im zweiten Kabinett Ishiba und ehemaliger „Staatsminister“ (derzeitige englische Eigenübersetzung von fuku-daijin, wörtlich „Vizeminister“) für Auswärtiges, sowie ehemaliger Staatsminister für Umwelt. Seit September 2023 ist Kiuchi Stellvertretender Vorsitzender des Politikforschungsrats der LDP. Kiuchi ist bekannt für seine engen Verbindungen nach Deutschland und seine Deutschkenntnisse. Er war Mitglied der Moriyama-Faktion bis zu ihrer Auflösung im Januar 2024.
Lebenslauf Kindheit und Studium Minoru Kiuchi wuchs auf als Sohn des japanischen Polizeibeamten und späteren Leiters der nationalen Polizeibehörde Yasumitsu Kiuchi. Im Zuge der Entsendung seines Vaters als Polizeiattaché an die japanische Botschaft in Bonn zwischen 1971 und 1975 verbrachte Minoru Kiuchi das sechste bis zehnte Lebensjahr in Deutschland.Nihon Keisatsu Kanryō Sōgō Meikan (日本警察官僚総合名鑑, "Beamtengesamtregister der japanischen Polizeibehörde") - Auflage 2015 Er besuchte während dieser Zeit den deutschen Regelunterricht an der Gotenschule, einer Gemeinschaftsgrundschule in Bad Godesberg.
Nach seiner Rückkehr nach Japan besuchte Kiuchi verschiedene Schulen in Kōbe, Tokio und Yokohama, bis er 1984 an der Kaisei Gakuen Oberschule seine Hochschulreife erreichte. Im Anschluss studierte er internationale Beziehungen an der Universität Tokio.Lebenslauf Offizielle Website Minoru Kiuchi (japanisch). Abgerufen am 29. September 2020.
Auswärtiger Dienst 1989 trat Kiuchi in den auswärtigen Dienst ein. Im Folgejahr wurde er an die Universität Augsburg für ein weiterführendes Studium im Fach Politologie und eine weitere Verbesserung seiner Deutschkenntnisse geschickt. 1992 entsandte das japanische Außenministerium Kiuchi an die japanische Botschaft in der Bundesrepublik Deutschland, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in Bonn befand. Zwischen 1996 und 2000 diente Kiuchi als Dolmetscher für Deutsch unter Kaiser Akihito, sowie unter den Premierministern Ryūtarō Hashimoto und Keizō Obuchi.
Freier Abgeordneter Im November 2002, genau ein Jahr vor der Unterhauswahl 2003, wechselte Kiuchi von der Diplomatie in die Politik. 2003 trat er erfolgreich als parteiloser Kandidat im 7. Wahlkreis der Präfektur Shizuoka an, der sich primär aus etwa der Hälfte der Stadt Hamamatsu zusammensetzt und seither stets Kiuchis Heimatwahlkreis blieb. Nach seiner Ernennung zum Abgeordneten trat Kiuchi der LDP bei. 2005 widersetzte er sich den Privatisierungsmaßnahmen des damaligen Premierministers Jun’ichirō Koizumi, was nach nur zwei Jahren Mitgliedschaft zur Spaltung zwischen Kiuchi und der LDP führte (siehe 4.1). Bei der durch Koizumi vorgezogenen Neuwahl trat Kiuchi erneut als unabhängiger Kandidat an. Er unterlag und trat anschließend aus der LDP aus. Im Sommersemester 2006 war er als Gastprofessor an die Takushoku-Universität berufen.
mini|links|alt=|Kiuchi während des Japanbesuchs des Dalai Lama 2012
Die folgenden vier Jahre nutzte Kiuchi zur Vorbereitung auf die Unterhauswahl 2009. Von Haus zu Haus gehend, um sich bei den Einwohnern seines Wahlkreises vorzustellen, und öffentliche Reden haltend warb er um Unterstützung.Chūmoku Senkyoku Repōto! (Shizuoka 7 Ku) Katayama Satsuki, Kiuchi Minoru, Saiki Takeshi (注目選挙区レポート!【静岡7区】片山さつき×城内実×斉木武志, "Report zum viel beachteten Wahlkreis (Shizuoka Nr. 7) Satsuki Katayami, Minoru Kiuchi, Takeshi Saiki"). In: THE JOURNAL. 23. August 2009. Abgerufen am 26. Oktober 2020. Sich und seine Familie hielt er währenddessen über eine Anstellung als teilbeschäftigter Tutor einer Oberschule über Wasser. Kiuchi beschreibt diesen durch finanzielle Schwierigkeiten geprägten Lebensabschnitt als ausschlaggebend für seine weitere Entwicklung als Politiker. Er habe ihm die Chance gegeben, mit Bürgern in den entlegensten Teilen seines Wahlkreises zu sprechen, und ihm beigebracht, „seine Beine in Bewegung zu halten“. 2009 wurde Kiuchi als unabhängiger Kandidat wiedergewählt. Die Zeitung Asahi Shimbun beschrieb Kiuchis Wahlsieg seinerzeit als „überwältigend“, weil er nicht nur als unabhängiger Kandidat gegen die Kandidaten der zwei Großparteien DPJ und LDP gesiegt hatte, sondern zusätzlich mehr als doppelt so viele Stimmen auf sich vereint hatte als der zweitplatzierte Takeshi Saiki (siehe Tabelle).Han Jimin no Ukezara ni; Kiuchi shi Kaze ni Uchikatsu (「反自民の受け皿に」 城内氏「風」に打ち勝つ, "Empfänger der Anti-LDP [Stimmung/Bewegung]; Kiuchi triumphiert gegen die aktuellen Tendenzen"). In: Asahi Shimbun. 3. September 2009, S. 31.
Kiuchi ist einer von wenigen japanischen Politikern, die eine erfolgreiche Karriere als unabhängiger Kandidat hatten. In den Unterhauswahlen, in denen er als Parteiloser antrat, entfielen jeweils nur 11 (2003), 6 (2005) und 6 (2009) von insgesamt 480 Sitzen auf unabhängige Kandidaten.Geschichte der Wahlen Nippon Hōsō Kyōkai (japanisch). Abgerufen am 29. September 2020. Bei zwei dieser Kandidaturen errang Kiuchi ein Mandat, bei der dritten unterlag er mit einer Differenz von nur 748 Stimmen.Unterhauswahl 2005 Offizielle Website Präfektur Shizuoka (japanisch). Abgerufen am 29. September 2020.
LDP-Politiker mini|alt=|Kiuchi unterzeichnet als Staatsminister für Umwelt das japanisch-mongolische Klimaabkommen (Dezember 2018) mini|alt=|Kiuchi beim Handeschlag mit UNO-Generalsekretär António Guterres bei der 7. Tokyo International Conference on African Development (August 2019)
Im Vorfeld der Unterhauswahl 2012 kehrte Kiuchi zur LDP zurück, um Shinzō Abe bei dessen Kandidatur als Premierminister zu unterstützen. Diese setzte er bis zu dessen Rücktritt im September 2020 fort. Nach Bildung des Kabinetts Abe II im Dezember 2012 wurde Kiuchi zum parlamentarischen Vizeminister für Auswärtiges ernannt. Bei der Neubildung des Kabinetts im September 2014 wurde er zum Staatsminister für Auswärtiges erhoben. Diese Position behielt er über die Bildung des Kabinetts Abe III hinaus bis zum Oktober 2015. Von 2015 bis 2018 bekleidete Kiuchi Führungspositionen in verschiedenen Parlamentsausschüssen („Sonderausschuss für Entführungen durch Nordkorea und andere Angelegenheiten“) und innerparteilichen Gremien der LDP („Internationales Büro“; „Abteilung für Wirtschaft, Handel und Industrie“; Abteilung für Information und Statistik). Unter dem Kabinett Abe IV diente Kiuchi von Oktober 2018 bis September 2019 als Staatsminister für Umwelt. In dieser Kapazität leitete er unter anderem die Gespräche auf Ministerebene zum Thema Umwelt, die als Teil des G20-Gipfels 2019 in Karuizawa, Nagano stattfanden. Offizielle Website Minoru Kiuchi (japanisch). Abgerufen am 29. September 2020. Seit Oktober 2019 dient Kiuchi als stellvertretender Vorsitzender des LDP-Komitees für Parlamentsangelegenheiten. Seit November 2021 präsidiert Kiuchi die Außenpolitische Kommission des Shūgiin. Offizielle Website des Shugiin (japanisch). Abgerufen am 24. Januar 2022.
Abgesehen von der Zeit seiner vorherigen LDP-Mitgliedschaft in den Jahren 2003 bis 2005 lehnte Kiuchi es stets ab, einer der Faktionen der LDP beizutreten. Während des innerparteilichen Konflikts um die Nachfolge Shinzō Abes als Premierminister zwischen Yoshihide Suga, Fumio Kishida und Shigeru Ishiba im September 2020 unterstützte Kiuchi den seither als Sieger hervorgegangenen Premierminister Suga, der wie Kiuchi selbst faktionslos ist. (, "Herr Kishida besucht Präfektur Shizuoka, verspricht bis zum Schluss zu kämpfen, Selbst vor dem Grab von Herrn Mochidzuki, LDP-Wahl über Parteivorsitz"). In: Yahoo News Japan. 6. September 2020. Abgerufen am 5. Oktober 2020.
Im Kabinett Ishiba wurde Kiuchi im Oktober 2024 zum Minister für Wirtschaftssicherheit sowie Minister beim Kabinettsamt für besondere Aufgaben: die „Cool-Japan“-Strategie, geistiges Eigentum, Wissenschaft & Technologie, Weltraumpolitik und wirtschaftliche Sicherheit.
+Wahlergebnisse Unterhauswahl (Präfektur Shizuoka, Wahlkreis 7)JahrErstplatzierterZweitplatzierterDrittplatzierter2026Minoru Kiuchi (LDP) 67,7 %Fukoku Kitanoya (DVP) 23,8 %Sayaka Hakamata (Sansei) 8,5 %2024Minoru Kiuchi (LDP) 63,28 %Yūta Hiyoshi (KDP) 30,10 %Naoko Yoshikawa (KPJ) 6,61 %2021Minoru Kiuchi (LDP) 68,16 %Yūta Hiyoshi (KDP) 31,84 % –2017Minoru Kiuchi (LDP) 65,80 %Takashi Fukumura (Partei der Hoffnung) 15,20 %Yūta Hiyoshi (KDP) 13,41 %2014Minoru Kiuchi (LDP)
70,93 %Yasutaka Matsumoto (DP) 20,12 %Masaji Nozawa (KPJ)
8,94 %2012Minoru Kiuchi (LDP)
59,60 %Takeshi Saiki (DP)
19,24 %Jun’ichi Kawai (Minna no Tō)
14,25 %2009Minoru Kiuchi (unabhängig) 52,09 %Takeshi Saiki (DPJ)
25,41 %Satsuki Katayama (LDP)
21,79 %2005Katayama Satsuki (LDP)
36,77 %Minoru Kiuchi (unabhängig) 36,45 %Takuya Abe (DP)
26,78 %2003Minoru Kiuchi (unabhängig) 46,78 %Hiroshi Kumagai (Neue Konservative Partei)
27,88 %Michiko Higuchi (DP)
20,71 %
Besondere Initiativen im Ministeramt
Beteiligung an der Expo 2025 Osaka/Kansai
Am 2. Mai 2025 trat Kiuchi in seiner Funktion als Staatsminister für die Cool-Japan-Strategie im Rahmen einer Talkshow auf der Expo 2025 Osaka/Kansai in einem Cosplay als Joe Shimamura, dem Protagonisten von Cyborg 009 des Mangaka Shōtarō Ishinomori, auf. Die Veranstaltung war Teil eines von der Regierung organisierten Kulturprogramms zur weltweiten Förderung von Anime und Manga. Gemeinsam mit der bekannten Cosplayerin Enako betonte Kiuchi das Potenzial der japanischen Popkultur zur Belebung regionaler Räume und zur Förderung des internationalen Tourismus. Zudem unterstrich er die Bedeutung, hochwertige Inhalte mit dem regionalen Charakter Japans zu verbinden, um die kulturelle und wirtschaftliche Präsenz des Landes weltweit zu stärken.:
Ausbau der Deutsch-japanische Kooperation in Hightech und Raumfahrt
Am 26. Juni 2025 unterzeichnete Kiuchi in seiner Funktion als Staatsminister für Wissenschafts- und Technologiepolitik sowie für Raumfahrt gemeinsam mit der deutschen Bundesministerin für Bildung und Forschung, Dorothee Bär, zwei bedeutende bilaterale Vereinbarungen.
Mit der Unterzeichnung eines Letter of Intent bekräftigten beide Seiten ihre Absicht, die wissenschaftliche Zusammenarbeit auszubauen. Der Schwerpunkt liegt auf zukunftsweisenden Technologiefeldern wie Sprunginnovationen, Quantentechnologien, Fusionsenergie und KI-gestützter Robotik. Darüber hinaus sollen auch Forschungssicherheit, wissenschaftliche Integrität und die Freiheit der Wissenschaft gestärkt werden.
Im Bereich der Raumfahrt, wurde die Kooperation durch eine Joint Declaration of Intent erneuert. Kiuchi und Bär erklärten, künftig weiterhin gemeinsame Missionen und Projekte voranzutreiben – insbesondere in der Erdbeobachtung und Satellitenkommunikation. Ziel ist es, durch engere Zusammenarbeit den gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Nutzen der Raumfahrt zu maximieren.
Politische Positionen Auf seiner offiziellen Website beschreibt Kiuchi seine politischen Positionen wie folgt:Policy Offizielle Website Minoru Kiuchi (japanisch). Abgerufen am 29. September 2020.
Wirtschaft Kiuchi kritisiert die sich in Japan zunehmend öffnende Schere zwischen Arm und Reich. Diese sei zurückzuführen auf marktfundamentalistische Fiskalpolitik und die resultierende Vormachtstellung von Großunternehmen gegenüber kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs). Diese Art der Fiskalpolitik sei durch unlautere Einflussnahme von Vertretern der Wirtschaft auf die Politik entstanden. Kiuchi schlägt als Lösung vor, die Bereiche, in denen Großunternehmen und KMUs jeweils zu florieren gedacht sind, durch staatliche Intervention zu trennen.
Landwirtschaft