Unter der Bezeichnung Augsburger Wassermanagement-SystemOffizielle Bezeichnungen der UNESCO , , deutsche Übersetzung entsprechend wurden am 6. Juli 2019 bauliche Objekte in Augsburg und dem Umland, die die Bedeutung und Geschichte von Augsburgs historischer Wasserwirtschaft bezeugen, zum UNESCO-Welterbe erklärt. Die Weltkulturerbestätte umfasst eine Zusammenstellung technisch-architektonischer Kulturgüter, die verschiedene Arten der Wassernutzung in der süddeutschen Stadt aus verschiedenen Zeitepochen belegen.
Zum Augsburger Welterbe zählen 22 Objekte, darunter Fließwasserkanäle, das älteste Wasserwerk und der älteste Wasserturm Deutschlands, sowie das älteste Wasserwerk, welches über grundwassergespeiste Tiefbrunnen versorgt wurde. Außerdem gehören 10 historische Wasserkraftwerke dazu.
Bezeichnung Die Aufnahme des Vorschlags in die Tentativliste erfolgte zunächst unter der Bezeichnung „Wasserbau und Wasserkraft, Trinkwasser und Brunnenkunst in Augsburg“ (englisch Hydraulic Engineering and Hydropower, Drinking Water and Decorative Fountains in Augsburg). Endgültig nominiert wurde die Stätte dann unter der Bezeichnung „Augsburger Wassermanagement-System“. Dieser Titel ist jedoch etwas irreführend. Wassermanagement bezieht sich auf die Verfügbarmachung, Bevorratung und Verteilung von Süßwasser, insbesondere in Regionen der Erde mit Wasserknappheit. Es handelt sich bei der Welterbestätte jedoch nicht um ein System, das in irgendeiner Weise als funktionelle Gesamtheit dem Wassermanagement diente, sondern vielmehr um ein lediglich für den Zweck des Welterbeschutzes zusammengestelltes Ensemble ausgewählter Objekte. Ein großer Teil dieser Objekte dient der Nutzung der Wasserkraft als Energiequelle, was der Begriff Wassermanagement im üblichen Wortsinn nicht abdeckt.
Die vorläufige und die schließlich gewählte Bezeichnung zeigen, dass sich das eher weiträumig als eng umrissene Themenspektrum schwer unter einen zugleich treffenden und kompakten Begriff bringen lässt.
Abgrenzung Das Themengebiet des Wasserbaus und der Wassernutzung in der über 2000-jährigen Geschichte der Römerstadt ist groß und komplex, und vieles ist bisher unerforscht. Die Existenz einer römischen Fernwasserleitung zur Brauchwasserversorgung der Stadt ist belegt, aber ein welterbewürdiger Gegenstand ist sie als abgegangenes Wasserbauwerk nicht. Auch von den römischen Thermen, die es in der Hauptstadt der römischen Provinz Raetia gegeben haben muss, ist so gut wie nichts erhalten, da im Mittelalter die vormalige Römerstadt vollständig überbaut wurde. Für den Welterbeschutz wurden daher nur bauliche Einzelobjekte der letzten rund 500 Jahre ausgewählt, die ausreichend gut erhalten, als relevant genug und als schutzwürdig genug eingestuft worden sind.
Umgekehrt wurden etliche erhaltene Kunst- und Bauwerke, die möglicherweise auch als Objekt des geschützten Ensembles in Frage gekommen wären, etwa weitere historische Brunnen, Trinkbrunnen oder das Alte Stadtbad, nicht ins Welterbe aufgenommen. Siehe dazu auch den Abschnitt → Fallengelassene Objekte.
Umfang Die Welterbestätte Augsburger Wassermanagement-System umfasst 22 Einzelobjekte. Sie liegen zum Teil in der Augsburger Altstadt, zum Teil auf dem heutigen Augsburger Stadtgebiet weitab der Altstadt, und zum Teil auf den Gebieten anderer Ortschaften im Landkreis Augsburg. Das am weitesten entfernte Objekt, das Wasserkraftwerk Meitingen, befindet sich etwa 22 Kilometer nördlich der Stadt. Alle 22 Objekte stehen unter Denkmalschutz.
Das ausgedehnteste dieser Einzelobjekte ist ein Netzwerk von Wasserläufen, zu denen unter anderem Teile der teils offen und teils unterirdisch verlaufenden Lechkanäle, der Wertachkanäle und der Quellwasserbäche im Stadtwald zählen. Dieses Netzwerk verbindet die übrigen 21 Einzelobjekte miteinander. Auf diese Weise bildet die Welterbestätte ein zusammenhängendes Schutzgebiet, das eine Fläche von etwa 113 Hektar hat.
Dieses Schutzgebiet ist von einer Pufferzone umgeben. Bei den Wasserläufen besteht sie aus einem 5 Meter breiten Streifen beiderseits des Wasserlaufs. Auch die meisten Einzelobjekte haben nur eine schmale Pufferzone. In der historischen Altstadt gehören Teile der Jakobervorstadt, des Lechviertels und des östlichen Ulrichviertels sowie ein Areal beidseitig der Maximilianstraße in der Innenstadt zu der Pufferzone. Auf Anregung von ICOMOS wurde zum besseren Schutz der Quellbäche auch der Stadtwald mit in die Pufferzone aufgenommen. Insgesamt hat die Pufferzone eine Fläche von etwa 3204 Hektar.
Einzelobjekte Die folgenden 22 Einzelobjekte gehören zu der Welterbestätte Augsburger Wassermanagement-System. Die Reihenfolge der Objekte in der Tabelle entspricht der Reihenfolge in der Nominierungsschrift.