Das Objekt 06 war ein Gewinnungsobjektbetriebliche Untergliederung der Wismut: • Objekte 1–10: Abbau- bzw. Gewinnungsobjekte• Objekte 11–16: Ausrichtungs- bzw. Bauobjekte• Objekte 21–30: Erkundungsobjekte auf Uran und als selbständige Struktureinheit innerhalb der Wismut AG direkt der Hauptverwaltung unterstellt. Das Tätigkeitsgebiet des Objektes umfasste die Steinkohlenlagerstätte des Döhlener Beckens, sowie die Lagerstätten Niederpöbel, Bärenhecke und Johnsbach.

Verwaltungstechnische Entwicklung Im Juni 1947 begann die sowjetische Geologin Sinaida Alexandrowna Nekrassowa mit einem sowjetischen und zwei deutschen Mitarbeitern unter der Bezeichnung Objekt 25 mit der Revision aller Braun- und Steinkohlenvorkommen in der SBZ auf Uranführung. Unterstellt war das Objekt der Geologischen Erkundungsabteilung () in Aue. Bis zum 27. Juli 1947 wurden die Halden und untertägigen Auffahrungen im Revier Zwickau-Oelsnitz untersucht und die Arbeiten ergebnislos eingestellt. Im Anschluss wurde die Untersuchung der Steinkohlenlagerstätte Döhlener Becken begonnen. Ende Juli konnten erste positive Ergebnisse vorgelegt werden, was zu einer personellen und technischen Aufstockung der Gruppe führte. Am 14. August 1947 wurde die Gruppe in eine Produktions- und Erkundungsabteilung umbenannt. Ab August 1947 wurde das Untere Revier von der Militäreinheit Feldpostnummer 27 304 pachtweise übernommen. Im September 1947 wurden für das Untere Revier 13.279 kg Uran ausgewiesen und das Objekt 25 (nicht zu verwechseln mit dem am 25. Januar 1950 für das Vogtland gegründeten Objekt 25) in das Exploitationsobjekt 06 überführt. In der Folge wurde ein Teil der Schächte und Schürfe in die Wismut-Schachtnummerierung einbezogen. Ab Oktober 1947 wurde der Oppelschacht 3 pachtweise übernommen und als Schacht 94 geführt. Die Sucharbeiten wurden auch auf den Königin-Carola-Schacht und auf den Schacht Niederhermsdorf ausgedehnt.

1948 wurde auch mit der Untersuchung des Reviers Gittersee II (Heidenschanze) begonnen. Noch im selben Jahr wurde hier der Abbau von Erzkohle aufgenommen. In die Untersuchung einbezogen wurde auch die Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde. Es wurden 78 Tiefbohrungen niedergebracht, davon 50 im Grubenfeld Heidenschanze und 7 in der Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde. Die Untersuchungen im Revier links der Weißeritz wurden ergebnislos eingestellt und der Oppelschacht Ende Juni 1948 wieder an das Steinkohlenwerk Freital zurückgegeben.

Im März 1949 wurden die im Unteren Revier genutzten Schächte nach dem Abbau vererzter Partien an den VEB Steinkohlenwerk Freital zurückgegeben. Die Arbeiten in der Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde wurden ergebnislos eingestellt und die Schächte abgeworfen. In der Bohrerkundung wurden 1949 nur noch sechs Bohrungen niedergebracht. Im Grubenfeld Heidenschanze begann die Teufe von Schacht 8 (Wismut-Schacht 269).

Ab dem 1. Januar 1950 übernahm das Objekt 06 das Revier Zobes und die Schachtanlagen wurden dem Objekt 15 (Freiberg) zugeordnet.

Am 1. April 1951 wurde das Revier Heidenschanze aus dem Objekt 15 herausgelöst und dem Aufbereitungsobjekt 96 zugeordnet. Zum Objekt 96 gehörten die Döhlener Wäsche als Fabrik 93 und die Fabrik 95 Coschütz/Gittersee. In diesem Jahr startete auch ein neues Bohrprogramm. Im Bereich Gittersee I wurden zwischen Heidenschanze und Meiselschacht 46 Tiefbohrungen niedergebracht.

Mitte 1952 wurden die Schachtverwaltungen 269 (Heidenschanze), 209 (Bärenhecke) und 196 (Johnsbach) unter der Bezeichnung Objekt 49 zusammengefasst.

Im Grubenfeld Gittersee wurden im Juni 1952 die durch den VEB Steinkohlenwerk Freital im Abteufen befindliche Schächte 1 und 2, als Schacht 358 und Schacht 358bis übernommen. In Freital-Burgk wurde mit der Teufe des Schachtes 3 (Schacht 360) und im Bereich der Heidenschanze mit der Teufe des Schachtes 4 (Schacht 361) begonnen. In der Leisnitz wurde eine Tagesstrecke unter der Bezeichnung Schacht 5 (Schacht 361bis) aufgefahren. Mit 75 Tiefbohrungen wurde neben der weiteren Erkundung des Feldes Gittersee I, am Ostrand der Lagerstätte zwischen Boderitz und Rippien die Ausdehnung des 5. Flözes untersucht.

1953 wurde das Bohrprogramm intensiviert. Es umfasste 185 Bohrungen. Davon wurden 98 zur Untersuchung des Grubenfeldes Bannewitz niedergebracht. Der Rest verteilte sich auf Gittersee I und das Untere Revier bis zum Augustusschacht. Die Vorratsberechnung für die gesamte Lagerstätte ergab am 1. Oktober 1953 einen Vorrat von 3.620 t Uran.

Zum Jahresende 1954 wurde der Abbau von Erzkohle im Revier Heidenschanze eingestellt. Das Bohrprogramm wurde mit weiteren 102 Bohrungen abgeschlossen. 80 davon dienten der Detailerkundung des Grubenfeldes Gittersee I. Im November 1954 wurden die Arbeiten der Schachtverwaltungen 196 und 209 eingestellt.

Ungelöste Probleme in der Aufbereitung der Erzkohle und die Entdeckung der Lagerstätte Ronneburg veranlassten die SDAG Wismut dazu, das Revier aufzugeben. Zum 31. Dezember 1955 wurden alle Arbeiten eingestellt und die Schachtanlagen dem VEB Steinkohlenwerk Freital übergeben. Der Wert der Anlagen wurde mit 31,1 Mio. Deutsche Mark (DM) ausgewiesen.

Am 24. Februar 1956 wurde zwischen beiden Betrieben vereinbart, dass die Erzkohle separat gewonnen und an die SDAG Wismut geliefert wird. Dafür wurden ein Steiger, drei Radiometristen und eine Frau in der RKS (Radiometrische Kontrollstation) abgestellt. Nach zwei Jahren wurden die Kontrollen eingestellt und die Lieferung von Erzkohle beendet.

Schächte, Schürfe und Tagesstrecken Schächte, Schürfe und Tagesstrecken mit Wismutschachtnummern Revier Wismut-Schachtnummer RevierinterneNummer Rasensohle m NN angeschlagene Sohlen Gesamtteufe in mLage Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde 96bis Schacht 4 + 207,60 1., 2.31,70 Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde 96 Schacht 5 + 225,50 2.46,50 Zauckerode 94 Oppel-Schacht 3 + 188,76 Füllort bei + 93,70 m NN105,00 Unteres Revier92 Schacht 1 + 190,60 Burgker Weißeritzstolln26,20 Unteres Revier 93 Schacht 2 + 179,42 1. 90,80 Heidenschanze 361 Schacht 4 + 183,35 5 ½., 7. 192,30 Heidenschanze 269 Schacht 8 + 200,38 4., 5., 7., 8., 9. 269,34 Heidenschanze 193 Schurf 40 + 207,17 0. 24,50 Heidenschanze 195 Schurf 50 + 201,07 1.33,42 Heidenschanze 192 Schurf 60 + 187,02 2. 43,30 Heidenschanze 194 Wetterschacht + 178,34 1. 12,34 Heidenschanze 95 Fallort 200 + 183,28 1. 22,50 Heidenschanze 112 Fallort 300 + 181,42 4. 55,87 Gittersee 358 Schacht 1 + 273,28 1., 2.238,00 Gittersee 358bis Schacht 2 + 273,38 1., 2. 231,60 Gittersee 360 Schacht 3 + 250,74 1., 2. 165,72 Gittersee 361bis Schacht 5 (Tagesstrecke) + 215,30 54,60

Schürfe und Tagesstrecken Revier RevierinterneNummer Rasensohle m NN angeschlagene Sohlen Gesamtteufe in mLage Unteres Revier Schacht 3 +210,80 18,40 Unteres RevierBremsberg 203 + 206,03 60,00 Unteres Revier Tagesstrecke 211 + 192,80 2,90 Unteres RevierTagesstreckeUnteres Revier + 190,00 Unteres RevierTagesstreckeOberes Revier + 192,00 Heidenschanze Schurf 84 + 191,70 1. 25,48 Heidenschanze Schurf 85 + 181,75 1. 15,54 Heidenschanze Wetterschurf + 199,75 2. 45,47 Heidenschanze Blindschacht + 30,00 6., 7. 22,80 Heidenschanze Claus-Schacht+ 194,20 1. (Claus-Stolln), 5. 128,50 Heidenschanze Coschützer Tagschacht + 200,65 Pietzsch Stolln 47,65 Heidenschanze Fallort 350 + 192,60 2. 45,00

Technische Ausstattung und Haldenwirtschaft Die Schachtkonstruktionen waren einfache Holzfördergerüste. Die Schürfe 40, 84 und 85 verfügte über ein Fördergestell, in dem ein Hunt befördert werden konnte. Die Schürfe 50 und 60 sowie der Oppelschacht, der Schacht 2 Unteres Revier und die Schächte 3, 4 und 8 besaßen eine Gestellförderung mit 2 Gestellen und je einem Hunt im Fördergestell. Über die Fördermaschinen der Schächte im Unteren Revier und im Revier Heidenschanze, sowie vom Oppelschacht ist nichts bekannt. Auch der Schacht 3 in Gittersee besaß wie die Schächte und Schürfe im Revier Heidenschanze ein Holzfördergerüst. Gefördert wurde mit einer Fördermaschine FW 13 mit einer Fördergeschwindigkeit von 3,25 Meter/Sekunde und zwei Fördergestellen mit je einem Hunt im Gestell. Die Schächte 1 und 2 in Gittersee erhielten dagegen schon moderne Stahlfördergerüste in der Bauart Strebgerüst. Beide Schächte verfügten über Trommelfördermaschinen des Typs FW 3000 vom VEB Schwermaschinenbau NOBAS Nordhausen mit einer Fördergeschwindigkeit von 5,07 Meter/Sekunde. Gefördert wurde mit je zwei zweietagigen Fördergestellen mit je zwei Hunten im Fördergestell.

Zum Einsatz kamen in der horizontalen Förderung Hunte mit einem Fassungsvermögen von 0,60 m³. Die Spurweite betrug im Unteren Revier und im Revier Heidenschanze analog zum Zauckeroder Revier 560 mm. Im Schacht 4 und im Revier Gittersee wurde die für die Wismut typische Spurweite von 600 mm verwendet.

Die Zugmittel bei der Förderung beschränkte sich auf einige wenige Akkuloks. Im Oppelschacht kam eine EGS Karlik zum Einsatz. Über den Einsatzbeginn ist nichts bekannt. Im Unteren Revier kamen keine Loks zum Einsatz. Im Revier Heidenschanze kam anfänglich eine EGS Karlik ab der 3. Sohle zum Einsatz. Mit dem tiefergehen der Abbaue wurde eine weitere Karlik und eine Metallist eingesetzt.

Zur Förderung der Kohle aus dem Streb wurden Schüttelrutschen eingesetzt.

Die Bewetterung des Grubengebäudes erfolgte saugend. Einziehend waren der Wetterschurf im Bereich der Pietzschächte, der Schurf 60 und der Schacht 8. Ausziehend Schacht 4 und Fallort 300. Der ausziehende Wetterstrom betrug 532 m3/h.

Die bei Vortrieb, Ausrichtung und Abbau anfallenden Bergemassen wurden als flache Schüttungen im gesamten Bereich des Collm, insbesondere an den Abhängen abgelagert. Auch am Schacht 2 Unteres Revier wurden die Bergemassen als Hangschüttung Richtung des Stadions abgelagert. Terrakonikhalden gab es am Schacht 1 Unteres Revier, an den Schürfen 50 und 60, am Schacht 8 und am Schacht 3 Gittersee sowie am Schacht 5 in der Kohlsdorf-Pesterwitzer Nebenmulde. Der dort befindliche Schacht 4 hatte eine flache Halde.

Lagerstätte Döhlener Becken Geologie Das Döhlener Becken ist eine parallel zur NW-SO verlaufenden Elbtalzone liegende Senke. Die Längserstreckung beträgt 25 km und die Breite 7 km. Die Beckenfüllung wird in vier Formationen unterteilt. Die älteste Formation ist die Unkersdorf-Formation. Darauf folgen die Döhlen-Formation, die Niederhäslich-Formation und die Bannewitz-Formation. Die Schichten des Beckens sind durch längs der Beckenrichtung streichende Verwerfungen teilweise erheblich herausgehoben oder abgesunken. Im „Roten Ochsen“, der Hauptverwerfung des Beckens, treten Sprunghöhen bis 360 Meter auf. In der südlich davon streichenden Beckerschachtverwerfung beträgt die Sprunghöhe bis 80 Meter. Die am Südrand des Beckens streichende Carolaschachtverwerfung erreicht Sprunghöhen bis zu 70 Meter.