Die NBA-Saison 1961/62 war die 16. Saison der National Basketball Association (NBA). Sie begann am Donnerstag, den 19. Oktober 1961, und endete regulär nach 360 Spielen am Mittwoch, den 14. März 1962. Die Postseason begann am Freitag, den 16. März, und endete am Mittwoch, den 18. April, mit 4—3 Finalsiegen der Boston Celtics über die Los Angeles Lakers.

Saisonnotizen Die Saison 1961/62 ist aufgrund der hohen Zahl an noch heute gültigen Rekorden und unwirklich erscheinenden Einzelleistungen zahlreicher Akteure wie Wilt Chamberlain, Oscar Robertson, Elgin Baylor, Walt Bellamy und Bill Russell als Season of Giants (dt. „Gigantensaison“) in die Geschichte eingegangen.N. N.: Season Review: 1961–62. Wilt Chamberlain and Oscar Robertson amaze with their historic feats. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 24. August 2017. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Wilt Chamberlain und seine Rivalität mit Bill Russell hat die NBA vom Status einer Minor League zu einer Major League befördert und sie der Popularität von Major League Baseball und National Football League ein wenig näher gebracht.Fran Blinebury: Bigger than life, Wilt became NBA's first celebrity athlete. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 1. März 2012. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Wilt Chamberlain machte am 8. Dezember 1961 bei drei Verlängerungen 78 Punkte gegen die Los Angeles Lakers und 73 Punkte gegen Chicago am 13. Januar 1962.Fran Blinebury: 50 years later, 1961–62 season stands tall in NBA history. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 12. Dezember 2011. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Lediglich Lakers-Legende Kobe Bryant übertraf diese Leistungen bisher mit 81 Punkten am 22. Januar 2006 gegen Toronto. Unerreicht und bizarr in der reinen Zahl sind aber Wilt Chamberlains 100 (in Worten: einhundert) Punkte gegen die New York Knickerbockers am 2. März 1962 in der Hershey Sports Arena, einer Mehrzweckhalle in Pennsylvanien, in der die Warriors zuvor zweimal in dieser Saison gespielt hatten.Fran Blinebury: Site of 100-point game lacks significant Wilt presence today. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 1. März 2012. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Lediglich 4124 zahlende Zuschauer sahen den 169—147-Sieg der Philadelphia Warriors über das neuntbeste Team der Liga und kein Fernsehteam war vor Ort.Fran Blinebury: ‘Wilt 100‘ aims to peel back layers of mystery behind moment. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 1. März 2012. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Wilt Chamberlain verwandelte 28 Freiwürfe, was nach ihm lediglich Adrian Dantley gelang und bemerkenswert für einen Spieler ist, der eine Freiwurfquote von wenig mehr als 50 % hatte. Ihm gelangen auch die meisten Punkte einer Halbzeit (59), der zweiten, und die meisten Körbe eines Spiels (36) und einer Halbzeit (22), der zweiten. Chamberlain nahm an jenem 2. März die meisten Schüsse eines Spiels (63), einer Halbzeit (37), der zweiten, und eines Viertels (21), dem vierten. Wilt Chamberlain revolutionierte und transformierte seinen Sport wie vor ihm lediglich Babe Ruth den Baseball.Fran Blinebury: In '61–62, Chamberlain's numbers were otherwordly. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 26. Dezember 2011. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). In der „Gigantensaison“ erzielte Wilt 45 mal 50 oder mehr Punkte pro Spiel, also ungefähr 50 % mehr als Michael Jordan in dessen gesamter Karriere. Allein im Dezember siebenmal hintereinander. Chamberlain hatte 118 50+-Spiele in seiner Karriere, und damit mehr als Michael Jordan, Kobe Bryant, James Harden und Elgin Baylor zusammen (Stand: 2020). In jedem einzelnen Saisonspiel erzielte Chamberlain mehr als 20 Punkte und dies bis zum Januar 1963 sogar 126 mal hintereinander.Fran Blinebury: 50 years later, Wilt's mark on the NBA is unmistakable. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 21. Mai 2012. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Bis zum heutigen Tag bleibt es schwierig, Chamberlains unerreichte Leistungen überhaupt zu realisieren und sie in den richtigen historischen Kontext zu stellen.Fran Blinebury: 50 years later, Wilt's achievements still astound peers. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 9. Januar 2012. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Mit den Chicago Packers bekam ein Expansionsteam ein Franchise zugesprochen. Die Zahl der Saisonspiele erhöhte sich auf 80. Damit spielten die Teams der Eastern Division zwölfmal gegen Gegner der eigenen Division und acht- oder neunmal gegen Teams der Western Division. Die Teams der Western Division spielten elf- oder zwölfmal gegen die eigene Division und acht- oder neunmal gegen die Eastern Division. Erster Draft-Pick in der NBA-Draft 1961 wurde Indiana Hoosier Walt Bellamy von der Indiana University Bloomington für das neugegründete Expansion Team der Chicago Packers.N. N.: 1961 NBA Draft. Auf: Basketball Reference—Website; Philadelphia, PA, 2000–2020. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Auch Bellamy, olympischer Goldmedaillengewinner von 1960 und damit ein zweifaches Mitglied der Naismith Memorial Basketball Hall of Fame legte Rekordwerte auf. Mit der saisonbesten Wurfquote erzielte er die nach Wilt Chamberlain zweitmeisten Punkte eines Rookies und wurde Dritter in der Zahl der Rebounds. Nur die Rookies Elvin Hayes und Kareem Abdul-Jabbar standen in ihren Premierenspielzeiten länger als seine 3344 Minuten auf dem Spielfeld.Fran Blinebury: Bellamy overshadowed by contemporaries in Season of Giants. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 1. März 2012. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Das zwölfte All-Star-Game fand am Dienstag, den 16. Januar 1962, vor 15.112 Zuschauern in der St. Louis Arena von St. Louis, Missouri statt. Fred Schaus’ Western All-Stars besiegten Red Auerbachs Eastern All-Stars mit 150—130. All-Star Game MVP wurde Lokallegende Bob Pettit von den St. Louis Hawks, der in diesem Spiel die meisten Rebounds aller All-Star-Games errang (27). Die Punkterekorde rissen in dieser Saison auch im All-Star-Game nicht ab. Wilt Chamberlain erzielte die zweitmeisten Punkte (42) aller Zeiten, hatte die meisten Freiwurfversuche (16) und Elgin Baylor die meisten verwandelten Freiwürfe (12).N. N.: 1962 NBA All-Star Game. West 150, East 130. Auf: Basketball Reference—Website; Philadelphia, PA, 2000–2020. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch). Die Saisonrekorde schlugen sich auch in den Teamrekorden nieder: Keinen Bestand hatten die 14 in Serie gewonnenen Auswärtsspiele der Boston Celtics (davon vier aus der vorherigen Saison), die sieben gewonnenen Verlängerungsspiele der Los Angeles Lakers, die meisten Spiele mit 100 oder mehr Punkten in Folge innerhalb einer Saison der Syracuse Nationals (73) bzw. in saisonübergreifender Folge der Cincinnati Royals (81 zwischen dem 18. November 1960 und dem 21. November 1961). Auch die meisten Halbzeitpunkte eines Spiels zweier Teams von 169 zwischen den Warriors und den Knickerbockers am 2. März wurden neun Jahre später von dem anderen Philadelphia-Team und 1984 von den San Antonio Spurs geschlagen. Selbst der höchste Saisonpunkteschnitt der Philadelphia Warriors von 125,4 Punkten pro Spiel wurde 1981/82 von den Denver Nuggets um mehr als einen Punkt übertroffen. Bis heute geblieben sind nur die Teamrekorde aus Wilt Chamberlains 78-Punkte-Spiel in drei Verlängerungen vom 8. Dezember 1961 gegen die Lakers: Die meisten Korbwürfe der Warriors (153), beider Teams (291) und die meisten Rebounds beider Teams (188, Philadelphia 98, Los Angeles 90). Die Boston Celtics indes kombinierten als erstes Team 60 Saisonsiege und hatten mit 9,2 Punkten pro Spiel den größten durchschnittlichen Punktevorsprung seit den Washington Capitols von 1947, die ebenfalls von Red Auerbach gecoacht worden waren. Zu den Saisonrekorden gehört auch die Zahl von sechs Spielern, die über 30 Punkte pro Spiel erzielten: Chamberlain, Bellamy, Pettit, Jerry West, Baylor und Robertson. Keiner der Celtics kommt in dieser Disziplin unter die Top Ten, doch sie hatten allein sechs Spieler, die regelmäßig zweistellig punkteten.Fran Blinebury: ‘61–‘62 Celtics quietly continued the building of a dynasty. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 23. April 2012. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch).

Abschlusstabellen Pl. = Rang, = Für die Playoffs qualifiziert, Sp = Anzahl der Spiele, S—N = Siege—Niederlagen, % = Siegquote (Siege geteilt durch Anzahl der bestrittenen Spiele), GB = Rückstand auf den Führenden der Division in der Summe von Sieg- und Niederlagendifferenz geteilt durch zwei, Heim = Heimbilanz, Ausw. = Auswärtsbilanz, Neutr. = Bilanz auf neutralem Boden, Div. = Bilanz gegen die Divisionsgegner

Eastern Division

Pl. Mannschaft Sp S—N % GB Heim Ausw. Neutr. Div. 1. Boston Celtics 80 60—20 .750 — 23—5 26—12 11—3 26—10 2. Philadelphia Warriors 80 49—31 .613 11 23—6 12—21 11—6 18—18 3. Syracuse Nationals 80 41—39 .513 19 18—10 11—19 12—10 17—19 4. New York Knicks 80 29—51 .363 31 19—14 2—23 8—14 11—25

Western Division Pl. Mannschaft Sp S—N % GB Heim Ausw. Neutr. Div. 1. Los Angeles Lakers 80 54—26 .675 — 26—5 18—13 10—8 33—13 2. Cincinnati Royals 80 43—37 .538 11 18—13 14—16 11—8 17—29 3. Detroit Pistons 80 37—43 .463 17 16—14 8—17 13—12 24—22 4. St. Louis Hawks 80 29—51 .363 25 19—16 7—27 3—8 16—30 5. Chicago Packers 80 18—62 .225 36 9—19 3—20 6—23 10—30

Ehrungen All-Star Game MVP 1962: Bob Pettit, St. Louis Hawks Most Valuable Player 1961/62: Bill Russell, Boston Celtics Rookie of the Year 1961/62: Walt Bellamy, Chicago Packers

All-NBA First Team: Bob Pettit, St. Louis Hawks Elgin Baylor, Los Angeles Lakers Wilt Chamberlain, Philadelphia Warriors Jerry West, Los Angeles Lakers Oscar Robertson, Cincinnati Royals All-NBA Second Team: Tom Heinsohn, Boston Celtics Jack Twyman, Cincinnati Royals Bill Russell, Boston Celtics Richie Guerin, New York Knickerbockers Bob Cousy, Boston Celtics

Führende Spieler in Einzelwertungen Kategorie Spieler Mannschaft Wert Punkte Wilt Chamberlain Philadelphia Warriors 4029 Wurfquote † Walt Bellamy Chicago Packers 51,9 % Freiwurfquote ‡ Dolph Schayes Syracuse Nationals 89,7 % Assists Oscar Robertson Cincinnati Royals 899 Rebounds Wilt Chamberlain Philadelphia Warriors 2052 † 200 Körbe nötig. Chamberlain nahm 3159 Schüsse und traf 1597 mal. ‡ 200 Freiwürfe nötig. Schayes traf 286 von 319.

Wilt Chamberlain von den Philadelphia Warriors stand mit 3882 Minuten in 80 Spielen (davon 79 ohne Auswechslung) am bislang längsten auf dem Spielfeld. In einem Spiel, das regulär 48 Minuten dauert, kam er auf einen nie wieder erreichten Schnitt von 48,5 Minuten pro Spiel. In ihrer gesamten Karriere kamen die Hauptakteure der Saison – Chamberlain, Russell und Robertson – auf 45,8, 42,3 und 42,2 Minuten pro Spiel. Mit 330 beging Tom Meschery von den Philadelphia Warriors die meisten Fouls. Walter Dukes von den Detroit Pistons war mit insgesamt 20 mal am häufigsten fouled out. Er führte die Liga zwischen 1958/59 und 1961/62 viermal in Folge in Disqualifikationen an, lediglich Shawn Kemp und Boogie Cousins mussten in insgesamt fünf Spielzeiten am häufigsten das Feld räumen. Dukes hat die höchste Disqualifikationsquote (in mehr als einem Fünftel aller Spiele flog er vom Feld) und wird lediglich in der Gesamtzahl der Platzverweise von Vern Mikkelsen übertroffen. An dieser Stelle sei auch der Verweis auf Wilt Chamberlains verblüffendsten statistischen Wert erlaubt: Er wurde kein einziges Mal disqualifiziert.Fran Blinebury: Of all of Wilt's mind-numbing numbers, a 'zero' stands out. Auf: National Basketball Association–Website; New York, NY, 26. März 2012. Abgerufen am 20. August 2020 (englisch).