mini|Albrecht von Bayern (1948) Albrecht Luitpold Ferdinand Michael Herzog von BayernAuf die Frage: „Seit 1955 gibt es aber wieder den Namen „Herzog von Bayern“. Das ist alles doch ein wenig kompliziert, denn es gibt ja auch einen Herzog in Bayern. Sie selbst waren darüber hinaus auch mal ein Prinz von Bayern. Wie ist diese Nomenklatur eigentlich zu verstehen?“ in einem Interview in der Sendung Alpha Forum des Bayerischen Rundfunks am 9. April 2001 (), in dem er als Herzog Franz von Bayern bzw. Herzog Franz vorgestellt und als Seine Königliche Hoheit Herzog Franz von Bayern angesprochen wurde, erklärte Franz von Bayern, der Sohn Albrechts: „Er [der Vater Albrecht] hat sich dann dazu entschlossen, dass er den ältesten und im Grunde genommen auch vornehmsten Titel der Familie, nämlich den Titel „Herzog von Bayern“ als seinen Namen benützt. In seiner Nachfolge habe ich [Sohn Franz] das dann auch getan.“ Ob, und wenn, seit wann der Name Albrecht Herzog von Bayern so auch beim Standes- und Einwohnermeldeamt registriert war, ist Wikipedia nicht bekannt. Artikel 109 der Weimarer Reichsverfassung (WRV) vom 11. August 1919 bestimmt, dass die öffentlich-rechtlichen Privilegien der Geburt oder des Standes aufzuheben waren und dass Adelsbezeichnungen nicht mehr verliehen werden dürfen. Gleichzeitig damit wurden die bisherigen Adelsbezeichnungen zu Bestandteilen des amtlichen Familiennamens erklärt. Im Fall der Hauptlinie des Hauses Wittelsbach tragen seit 1919 alle zu dieser Familie gehörenden Mitglieder den amtlichen Familiennamen Prinz von Bayern bzw. Prinzessin von Bayern. Nur die Mitglieder der Familie, die vor 1919 bereits einen herausgehobenen Primogenitur-Titel bis zur Aufhebung der Adelsvorrechte führten, durften diesen noch in den amtlichen Nachnamen übernehmen und konnten ihn ab 1919 nicht mehr an ihre Nachkommen weitervererben. Jedoch dürfte im Fall von Albrecht und – nach dessen Tod – seinem Sohn Franz eine jeweilige Namensänderung durch Standesämter gemäß der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (NamÄndVwV) (Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen (NamÄndVwV)) erfolgt sein. Danach ist eine Namensänderung zulässig, wenn etwa der Namensbestandteil „Herzog“ allgemein von der ortsansässigen Bevölkerung akzeptiert und benutzt wird. Siehe: Wilfried Rogasch: Schnellkurs Adel. DuMont, Köln 2004, S. 17 f. (* 3. Mai 1905 in München; † 8. Juli 1996 auf Schloss Berg) war ein deutscher Adliger, Chef des Hauses Wittelsbach und Forstwirt. Er war ein Sohn des Kronprinzen Rupprecht von Bayern aus der königlichen Hauptlinie der Wittelsbacher und dessen erster Frau Herzogin Marie Gabriele in Bayern aus der Nebenlinie der Herzöge in Bayern. Er war das einzige überlebende Kind dieser Ehe und der letzte Erbprinz des Königreichs Bayern.
Leben mini|hochkant|Luitpold und Albrecht von Bayern, Aufnahme von Frank Eugene mini|hochkant|Albrecht von Bayern um 1910 mini|hochkant|Der bayrische Erbprinz um 1915, Foto von Franz Grainer
Albrecht von Bayerns Lebensweg machte ihn zum Zeitzeugen fast des gesamten 20. Jahrhunderts. So erlebte er am Ende des Ersten Weltkriegs den Sturz der alten bayerischen Monarchie, welcher sich in München bereits am 7. November 1918 als Vorbote der Novemberrevolution in Berlin vollzog. Sein Leben war weiter geprägt durch die Flucht vor den Wirren der Revolutionszeit, durch Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus, durch Gefangennahme in Konzentrationslagern, die Zerstörung des Landes im Zweiten Weltkrieg und den Wiederaufstieg in der Demokratie.
Jugend und Heirat Seine Kindheit fiel mit den letzten Jahren der Monarchie zusammen. Seine Mutter und sein jüngster Bruder waren 1912 gestorben. Seit dem Tod seines älteren Bruders Luitpold im Jahre 1914 war Albrecht der Erbprinz von Bayern. Als 1918 in München die Novemberrevolution begann, begab er sich zusammen mit König Ludwig III., seinem Großvater, auf die Flucht nach Tirol. Als die Familie später nach München zurückkehrte, konnte Albrecht die Hochschulreife erwerben und danach mit dem Studium der Forstwirtschaften beginnen. Ihm blieb in der Zeit des Nationalsozialismus der Abschluss des Studiums versagt, weil er nicht bereit war, in eine NS-Organisation einzutreten.
Am 3. September 1930 heiratete er in Berchtesgaden Maria Franziska Juliana Johanna Gräfin Drašković von Trakošćan (1904–1969). Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Die Ehe mit der Niederadligen galt zunächst nach dem privat noch angewandten Hausgesetz der Wittelsbacher als „nicht ebenbürtig“Die entsprechende Anerkennung „als hausgesetzmäßig“ durch den früheren Kronprinzen erfolgte erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Siehe Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen. C. H. Beck, 2023, S. 53.; das Ehepaar lebte „mit sehr beschränkten Mitteln in einem kleinen Haus“ in Wildbad Kreuth.Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen. C. H. Beck, 2023, S. 51–53.
NS-Zeit, Exil, KZ-Haft Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten forderte Albrechts Vater Rupprecht am 17. März 1933 in einem Brief den Reichspräsidenten Hindenburg auf, sich für eine föderalistische Verfassung im Sinne Bismarcks einzusetzen. Nach der Einsetzung von Reichsstatthaltern in den Ländern erhob der ehemalige Kronprinz am 10. April erneut erfolglos „Protest gegen diese Vergewaltigung der deutschen Staaten“, die „praktisch die Aufhebung der Länder“ bedeutete.
Im Juli 1934 emigrierte Albrecht mit seiner Familie nach Ungarn. Von 1935 bis 1939 kehrte die Familie nach Bayern zurück und lebte zurückgezogen in Kreuth, doch der ehemalige Kronprinz emigrierte 1939 nach Italien, und Albrecht wich mit seiner Familie erneut nach Budapest aus, wo sie in einer Mietwohnung im Burgviertel unterkamen. Häufig besuchten sie die ungarische und kroatische Verwandtschaft seiner Frau auf dem Land oder Albrechts Onkel Franz von Bayern auf dessen Gut Sárvár. Die Kinder erhielten Privatunterricht. Albrecht übernahm bis 1941 die Leitung des Hofjagdwesens für den Prinzregenten Paul von Jugoslawien.Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, 2023, S. 5 ff.
Im September 1943 besetzte die Wehrmacht Italien und der ehemalige Kronprinz Rupprecht tauchte in Florenz unter. Im Oktober 1944 wurde Albrecht auf Schloss Somlóvár von der Gestapo verhaftet und zusammen mit seiner Frau, seinen vier Kindern sowie drei seiner Halbschwestern als „Sonderhäftlinge“ in die Konzentrationslager Sachsenhausen, Flossenbürg und Dachau verschleppt. Albrecht wäre dabei beinahe an der Ruhr gestorben. Durch Hunger und Krankheiten schwer angeschlagen, überlebte die Familie nur knapp. Sein Sohn Franz schreibt in seinen Erinnerungen, die Eltern hätten sich „trotz der dramatischen Lage von Anfang an völlig souverän“ verhalten. „Mein Vater nützte als einzige Waffe seine Aggressivität und attackierte jeden, der ihm zu nahekam.“Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, 2023, S. 5–28, Zitate S. 15, 16. Gegen Kriegsende wurden sie mit anderen Sonderhäftlingen, darunter der Familie des Generals Paulus, in einem Hotel am Plansee (Tirol) interniert, mussten aber nach der Befreiung durch die US-Armee weiterhin unter Militärbewachung dort bleiben. Nach einiger Zeit floh Albrecht mit seiner Familie über die alte Grenze ins bayerische Linderhof und versteckte sich dort bei einem ihm bekannten Forstwart; schließlich zogen sie, zusammen mit zahlreichen Flüchtlingen aus Ungarn, in ein Nebengebäude des von einer Alliierten Kommission besetzen Schlosses Leutstetten, wohin nach einiger Zeit auch der ehemalige Kronprinz aus Rom zurückkehrte.Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, 2023, S. 21–28. Dieser nahm intensiv an der bayerischen Politik der ersten Nachkriegsjahre teil. Er lernte seine Schwiegertochter Maria schätzen und erkannte ihre Ehe als „hausgesetzmäßig“ an, wodurch ihre Kinder mit Albrecht erbberechtigt wurden.Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, 2023, S. 53, 54. Albrecht bezog mit seiner Familie 1949 das Schloss Berg, wo er bis an sein Lebensende relativ zurückgezogen wohnte. Sein Wohnrecht im Schloss Nymphenburg in München nahm er nur selten wahr. Seine ganze Leidenschaft gehörte der Jagd und der Wildforschung (siehe unten Wissenschaftliche Betätigung).
Sein Sohn Franz erinnerte sich: „Er kam nach vielen Jahren Abwesenheit zurück, hatte vorher ein Jahrzehnt schwerster Enttäuschungen erlebt – auch menschlich. Er kam zurück in ein Land, in dem fast alle seine wirklichen Freunde ermordet oder gefallen waren. Und an manche Leute, die überlebt hatten und auf die er damals traf, hatte er überwiegend schlechte Erinnerungen … Viele Orte waren für ihn durch die NS-Zeit kontaminiert. Er kam zurück in ein Bayern, das nicht mehr sein Bayern war. Die daraus resultierende Vereinsamung begleitete ihn sein ganzes Leben lang.“Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, 2023, S. 46.
Familienoberhaupt Nach dem Tod seines Vaters im August 1955 übernahm Albrecht die Stellung als „Chef des Hauses“. Damit verbunden war die Aufsicht über die Stiftung Wittelsbacher Ausgleichsfonds und die Wittelsbacher Landesstiftung für Kunst und Wissenschaft, ferner die traditionsreiche Stellung als Großmeister der wittelsbachischen Hausorden, des Hubertusordens, des Hausritterordens vom Heiligen Georg sowie des Theresienordens. Bereits 1952 war er in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem investiert worden und war Präsident von dessen Bayerischer Ordensprovinz.Hans Jürgen Brandt: Jerusalem hat Freunde. München und der Ritterorden vom Heiligen Grab, EOS 2010, S. 94–98.
1959 übergab er die griechischen Kronjuwelen des 1862 abgesetzten Königs Otto von Wittelsbach dem damaligen griechischen König Paul.John Van der Kiste: Kings of the Hellenes: The Greek Kings 1863–1974. Sutton Publishing, 1994. 1954 und 1956 hatte er mit seinem Sohn Franz und der Tochter Marie-Gabrielle an der „Kreuzfahrt der Könige“ teilgenommen, zu der König Paul und Königin Friederike von Griechenland alle europäischen Königshäuser eingeladen hatten.Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, 2023, S. 128–132. Siehe auch: Cruise of the Kings.
Während des Ungarischen Volksaufstandes 1956 gründete seine Frau Maria von Bayern den Hilfsverein Nymphenburg, der sich zunächst um in Not lebende Verwandte und Bekannte in Ungarn kümmerte. Später weitete er seine karitative Tätigkeit nach Rumänien, Bulgarien und Albanien aus, wo Waisenhäuser, Altenheime, Schulen und Kindergärten unterstützt werden. In der Folge bemühte er sich auch um die Ausbildung Jugendlicher in Afrika.Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, 2023, S. 185–189.
Bei wichtigen Anlässen trat Albrecht in der Öffentlichkeit auf. Alle bayerischen Ministerpräsidenten seit dem Sozialdemokraten Wilhelm Hoegner suchten den Kontakt mit ihm. Hoegner, der freundschaftliche Verbindung mit der Familie pflegte, war ebenfalls als erklärter Gegner des Nationalsozialismus ins Exil gegangen.Siehe dazu: Franz von Bayern (mit Marita Krauss): Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, S. 34–36. C. H. Beck, 2023 Anlässlich der Trauerfeier für den ehemaligen Kronprinzen ließ Hoegner die Krone des Königreichs Bayern aus der Schatzkammer holen und auf den Katafalk legen.Franz von Bayern mit Marita Krauss: Zuschauer in der ersten Reihe: Erinnerungen, 2023, S. 67.