Die athapaskischen oder athabaskischen Sprachen – meist Athapaskisch beziehungsweise Athabaskisch genannt – bilden die geographisch am weitesten verbreitete indigene Sprachfamilie Nordamerikas, deren mehr als 40 Einzelsprachen und Dialekte sich über mehrere nordamerikanische Kulturareale erstrecken: die Subarktis im Nordwesten Kanadas und Süden Alaskas, die Pazifische Nordwestküste an der Westküste von Alaska und Kalifornien, bis nach Kalifornien sowie dem Südwesten der Vereinigten Staaten und dem Norden Mexikos. Heute werden diese Sprachen von noch insgesamt etwa 200.000 Menschen gesprochen; die bekannteste und bedeutendste athapaskische Sprache ist die südathapaskische Sprache (Apache-Sprache) namens Navajo (Diné bizaad) der Navajo (Diné), die zudem mit 170.000 Sprechern zugleich die meistgesprochene indigene Sprache der Vereinigten Staaten und Kanadas ist. Geographisch jedoch am weitesten verbreitet unter allen nordamerikanischen indigenen Sprachen ist das Chipewyan (ᑌᓀᓱᒼᕄᓀ Dënesųłiné), die Sprache der zu den Nördlichen Athabasken (Dene) zählenden Chipewyan (Denesuline). mini|300px|Verbreitung der Na-Dené-Sprachen

Namensgebung Der Name Athapaskaw stammt von den südlich benachbarten feindlichen Woodland Cree und bedeutet „überall ist Gras oder Rohr“; mit diesem Namen bezeichneten diese die Region im Westen des Lake Athabasca sowie den See selbst im nördlichen Alberta.William Bright: Native American Place Names of the United States. University of Oklahoma Press, Norman 2004, S. 52 Dieser Name wurde von Albert Gallatin 1836 (geschrieben im Jahr 1826) in seiner Classification of the languages of North America eingeführt; er räumte hierbei ein, dass es seine Wahl war, diese Bezeichnung für die Sprachfamilie und die damit assoziierten Ethnien zu verwenden.

Die vier Schreibweisen im Englischen Athapaskan, Athapascan, Athabaskan und Athabascan sowie die beiden im Deutschen als Athapaskisch bzw. Athabaskisch sind jeweils ungefähr gleich gebräuchlich. Einige Gemeinden sowie Stämme bevorzugen die eine Variation gegenüber der anderen (Krauss 1987); z. B. die Tanana Chiefs Conference und das Alaska Native Language Center benutzen die Schreibweise Athabascan,Alaska Native Language Center: "The Name Athabascan" während Ethnologue Athapaskan als Bezeichnung für die Sprachfamilie sowie für die Einzelsprachen nutzt.Ethnologue: Language Family Trees – Athapaskan

Obwohl sowohl in der Linguistik, Anthropologie sowie in der Ethnologie die Bezeichnung Athapaskisch (und weitere Schreibweisen) für die Sprachen sowie Athapasken (und weitere Schreibweisen) für die dazugehörigen Ethnien bisher üblich ist, gibt es einen wachsenden Trend unter den Gelehrten und Fachleuten, den Ausdruck Dene (Volk) für die athapaskischsprachigen Gruppen und Dene-Sprachen (in Englisch: Dene languages) für die ganze Sprachfamilie sowie die Einzelsprachen zu verwenden. Im Jahr 2012 änderte die jährliche Athabaskan Languages Conference ihren Namen in Dene Languages Conference. Wie viele indigene Völker bezeichneten sich die Nördlichen Athabasken im Nordwesten Kanadas einfach als Dene, Dené oder Tiné, die Alaska Dene (Athabasken in Alaska) als Dinaa oder DenaOne way of saying Dene? sowie die zu den Südlichen Athabasken zählenden Navajo als Diné und Apache als Indee, Ndé oder T'Inde, was alles wörtlich einfach Volk bedeutet.

Na-Dené-Sprachen (Athapaskisch-Eyak-Tlingit) Das Athapaskische (Athabaskische) bildet zusammen mit dem ausgestorbenen Eyak die gesicherte genetische Einheit Athapaskisch-Eyak (AE). Oftmals wird diese um das entfernt verwandte Tlingit erweitert, so dass diese Sprachen als Athapaskisch-Eyak–Tlingit (AET), Tlina–Dene, zumeist jedoch als Na-Dené-Sprachen bekannt sind; die beiden letzteren Bezeichnungen sind nochmals Hinweise auf die Größe des Sprachgebiets sowie die diese einschließenden Ethnien (Tlina-Dene: Tlingit-navajo-Dene oder Na-Dené: Navajo-Dené). Jedoch ist die genetische Verwandtschaft des Tlingit nicht abschließend geklärt. Das Haida wurde früher auch den Na-Dené-Sprachen zugeordnet, heute aber als isolierte Sprache wie das Tsimshian gesehen. Die Ähnlichkeiten beruhen nach Ansicht der Forscher eher auf arealen Sprachkontakten (Tlingit wird direkt nördlich von Haida gesprochen) und auf falschen Sprachanalysen der frühen vergleichenden Forschung (Levine 1979, Leer 1990, 1991, Campbell 1997, Mithun 1999).Gary Holton: University of Alaska Fairbanks, ohne Datum, abgerufen am 20. August 2014 (englisch).Übersicht: Alaska Native Languages. In: Alaskool Central. UAA-ISER, 1998–2004, abgerufen am 20. August 2014 (englisch).

Klassifikation des Athapaskischen (Athabaskischen) Regionale Sprachgruppen Das Athapaskische (Athabaskische) wird zumeist von Linguisten in drei große regionale Sprachgruppen unterteilt: Nördliches Athapaskisch (Athabaskisch) / Nördliche Athapaskische (Athabaskische) Sprachen (Interior Alaska und Nordwesten Kanadas) Pazifikküsten-Athapaskisch (Athabaskisch) / Athapaskische (Athabaskische) Sprachen der Pazifikküste (Pazifische Westküste sowie im Pazifischen Nordwesten der USA) Südliches Athapaskisch (Athabaskisch) / Südliche Athapaskische (Athabaskische) Sprachen bzw. Apache-Sprachen (Südwesten der USA und Nordmexiko)

Die herkömmliche Dreiteilung bzw. Klassifikation in regionale Sprachgruppen (Nord, Pazifikküsten und Südliches Athapaskisch) basiert im Wesentlichen auf der Geographie und physischen Verteilung der athapaskischen Völker sowie der hierdurch (zumeist) kultureller Gemeinsamkeiten als auf fundierten linguistischen Vergleichen bzw. sprachlicher Ähnlichkeiten; nur das Südliche Athapaskische (Athabaskische) bzw. die Apache-Sprachen bilden eine linguistische genetische Einheit. (Die Sprecher von genetisch verwandten Sprachen müssen nicht auch ethnologisch (biologisch-genetisch) verwandt sein.) Die folgende Klassifikation basiert auf Campbell 1997, Mithun 1999 und dem unten angegebenen Weblink.

Nördliches Athapaskisch (Athabaskisch) Die heute 31 Nördlichen Athapaskischen (Athabaskischen) Sprachen werden (wurden) in der Subarktis im Interior of Alaska und im Yukon und in den Nordwest-Territorien im Nordwesten Kanadas gesprochen als auch in den südlich angrenzenden Gebieten der kanadischen Provinzen British Columbia, Alberta, Saskatchewan und Manitoba. Mehrere dieser Sprachen sind neben dem Canadian English und Canadian French in den Nordwest-Territorien offizielle Amtssprachen: Chipewyan, Gwich’in, Dogrib, North Slavey und South Slavey.

Süd-Alaska Untergruppe 1. Ahtna ('Atna' kenaege') (auch: Ahtena, Nabesna, Tanana, Copper River, Mednovskiy; 2015: 45 Sprecher) Lower Ahtna oder Atnahwt'aene (auch: Lower Copper River Ahtna) Central Ahtna/Middle Ahtna oder Dan'ehwt'aene (auch: Central Copper River Ahtna) Western Ahtna oder Tsaay Hwt'aene Upper Ahtna oder Tatl'ahwt'aene (auch: Mentasta Ahtna) 2. Dena’ina (Denaʼina Qenaga) (auch: Denaʼinaqʼ, Tanaina, K'naia-khotana, Kenaitze, Kinayskiy; 2007: 75 Sprecher)oft werden hingegen nur vier Dialekte (ohne Subdialekte) unterschieden: Upper Inlet, Outer Inlet, Iliamna und Inland Lower Inlet Dena’ina a. Outer Inlet b. Iliamna c. Inland Upper Inlet Dena’ina Zentral Alaska–Yukon Untergruppe

A. Koyukon 3. Deg Xinag (auch: Deg Hit'an, Kaiyuhkhotana, veraltet: Ingalikder in der älteren Literatur am weitesten verbreitete Name “Ingalik” (von Central Alaskan Yup'ik Ingqiliq - "Athabasken", wörtlich: "Jene, die Läuseeier haben") empfinden die Deg Xit'an als Kränkung und wird von ihnen als beleidigend abgelehnt und ist daher nicht mehr in Gebrauch.; 2015: 40 Sprecher) Lower Yukon River (auch: Yukon Deg Xinag, Yukon Ingalik) Middle Kuskokwin (auch: Kuskokwim Deg Xinag, Kuskokwim Ingalik) 4. Holikachuk (Doogh Qinag) (auch: Innoko, Innoka-khotana, Tlëgon-khotana; seit 2012 †) 5. Koyukon (Denaakkenaageʼ) (auch: Denaakkʼe, Dinaak̲'a, Tenʼa, Co-Youkon, Co-yukon; 2015: 65 Sprecher) Lower Koyukon (auch: Lower Yukon Koyukon) Central Koyukon oder Dinaakkanaaga Ts’inh Huyoza (auch: Koyukuk River Koyukon) Upper Koyukon (auch: Upper Yukon Koyukon) B. Tanana–Tutchone 6. Upper Kuskokwim (Dinakʼi) (auch: Kolchan, Goltsan, Kolchan, veraltet: Mcgrath Ingalik; 2007: 40 Sprecher) I. Tanana 7. Lower Tanana/Middle Tanana (Menhti Kenaga) (auch: Tanana, Minto, Dandey in, Dineh su, Tananatana; 2007: 15 Sprecher)manchmal werden folgende “Lower Tanana”-Dialekte genannt: Toklat (Tutlʼot)-Dialekt, Minto Flats-Nenana River-Dialekt: Minto (Menhti) und Nenana (Nina Noʼ), Chena (Chʼenoʼ) River-Dialekt, Salcha (Sol Chaget) River-Dialekt Minto-Tolovana-Toklat-Nenana-Wood River a. Minto-Tolovana b. Toklat c. Nenana d. Wood River Chena River (†) Salcha-Goodpastor (†) 8. Tanacross (Neeʼaandegʼ) (auch: Transitional Tanana, Tanana, Dandey in, Dineh su, Tananatana; 2007: 60 Sprecher) Mansfield-Kechumstuk (Dihthâad Xt'een Iin Aandeg') Healy Lake-Joseph Village (Menhdeescheeg-Tehłuug Ninhdeex Ndiig \de) 9. Upper Tanana (Neeʼaandeegnʼ) (auch: Tabesna, Nabesna, Tanana, Dandey in, Dineh su, Tananatana; 2007: ca. 110 Sprecher) Tetlin (2007: 20 Sprecher) Nabesna (2007: 2 Sprecher) Northway (2007: 20 Sprecher) Scottie Creek (fast †) Beaver Creek/Canadian Upper Tanana (2007: mehrere Sprecher) II. Tutchoneoft werden “Southern Tutchone” und “Northern Tutchone” nicht als eigenständige Sprachen betrachtet, sondern lediglich als Varietäten einer gemeinsamen “Tutchone-Sprache” (auch: Gens de Bois, Gunana, Nahane, Nahani, Tutchonekutchin) 10. Southern Tutchone (Dän k'è) (auch: Dákwänjē, Dän kʼè Kwänje, Ukwänjē, Tu(t)chone, Southern; 2016: 80 Sprecher)Statistics Canada, 2016 Census of Population - Aboriginal Mother Tongue (Data tables, 2016 Census) Aishihik Village/Lake (auch: Äshèyi, Äshèyi Mǟn, Män Shäw) Tàaʼan Village/Lake (auch: Tàa’an Mǟn, Lake Laberge) Klukshu Village/River (auch: Łu Ghą, Łu Ghą Chù) Kluane Village/Lake (auch: Łù’àn Mǟn; abgel. vom Tlingit-Name: Łùxh-àní) 11. Northern Tutchone (Dän k'í) (auch: Tu(t)chone, Northern, Selkirk; 2016: 280 Sprecher) Big Salmon Pelly Crossing Mayo White River C. Kutchin–Han 12. Gwich'in (Dinjii Zhu' Ginjik) (auch: Dinju Zhuh Kʼyuu, Gwitch’in, Kutchin, Kootchin, Loucheux, Loucheaux, Takudh, Tukudh) Alaska Gwich’in (auch: Westliches Gwich’in; 2012: ca. 300 Sprecher) a. Fort Yukon (Gwicyaa Zhee / Gwichyaa Zheh) (auch: Yukon Flats Kutchin) b. Chalkyitsik (Jałgiitsik) (auch: Black River, Draan'jik) c. Deenduu (auch: Birch Creek, Tiheetsit'sai) d. Venetie (Vįįhtąįį) (auch: Chandalar River, T'eedriinjik) e. Arctic Village (Vashrąįį K’ǫǫ) (auch: Chandalar River, T'eedriinjik) Kanadisches Gwich’in (auch: Östliches Gwich’in; 2016: 265 Sprecher) a. Old Crow (Van Tat) (früher: Teechik, auch: Old Crow River, Chyahnjik) b. Aklavik (auch: Mackenzie River Delta Kutchin, Ehdiitat Gwich'in) c. Inuvik (auch: Nihtat Gwich'in) d. Tsiigehtchic (früher: Arctic Red River, auch: Arctic Red River Kutchin, Tsiigèhnjik) e. Fort McPherson (Teet'lit Zheh) (auch: Peel River Kutchin, Teetl'it njik) 13. Hän (Häɬ goɬan) (auch: Han, Moosehide, Dawson, Gens du Fou, Han Gwich-in, Han-Kootchin, Hankutchin) Alaska Hän (2007: ca. 12 Sprecher) a. Eagle (Tthee T’äwdlenn) b. Fairbanks Kanadisches Hän (ca. 8 Sprecher) a. Lousetown / Klondike City (Tr’ochëk) b. Moosehide / Dawson City / Nuklako (Jutl’à’ K’ät) Nordwest-Kanada Untergruppe

A. Cordillera (†)

I. Central Cordillera (auch: Tahltan-Tagish-Kaska)einige Linguisten betrachten diese drei Sprachen als divergierende, aber gegenseitig verständliche Dialekte einer gemeinsamen Sprache (Mithun 1999) - somit bildeten diese ein Dialektkontinuum (Je größer die Distanz zwischen den Orten wird, umso größer werden die Unterschiede und entsprechend wird die Kommunikation schwieriger.) 14. Tagish (Den k'e) (auch: Tā̀gish, Tahk-keesh, Tahkeesh, Tahgish, Tagisch, Si-him-E-na; seit 2008 †) 15. Tahltan (Tāłtān ẕāke) (auch: Dahdzege, Dah dẕāhge, Didene ẕake, Didene keh, Tāłtān, Toltan, Keyehotine, Ticaxhanoten, Nahanni; 2016: 105 Sprecher) Iskut (auch: Łuwe Chōn, Tuwe Chōn)