Das Landgericht Nidda war von 1821 bis 1879 ein erstinstanzliches Gericht der ordentlichen Gerichtsbarkeit in der Provinz Oberhessen des Großherzogtums Hessen mit Sitz in Nidda.
Gründung Ab 1821 trennte das Großherzogtum Hessen auch auf der unteren Ebene die Rechtsprechung von der Verwaltung. Die bisher von den Ämtern wahrgenommenen Aufgaben wurden Landräten (zuständig für die Verwaltung) und Landgerichten (zuständig für die Rechtsprechung) übertragen. Der Bezirk des Landgerichts Nidda wurde aus den Bezirken der Ämter Nidda und Bingenheim, einem Teil des Amtes Schotten, dem Gericht HeuchelheimDas Gericht Heuchelheim war ein Kondominat zwischen dem Großherzogtum und den Inhabern des Amtes Ortenberg. sowie dem Patrimonialgericht Geiß-Nidda der Familie Krug von Nidda gebildet.
Weitere Entwicklung Die Inhaber des überwiegenden Teils des Patrimonialgerichts Geiß-Nidda, eine Erbengemeinschaft, traten ihren Anteil an dem Patrimonialgericht zum 1. Januar 1822 an das Großherzogtum ab.Abtretung der den Erben des verstorbenen Geheimen Regierungsraths Krug von Nidda und jenen des gleichfalls verstorbenen Superintendenten Clevesahl zustehenden Antheile an der Patrimonialgerichtsbarkeit und der niederen Polizeigewalt zu Geisnidda an Seine Königliche Hoheit den Großherzog betreffend vom 20. Dezember 1821. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 1 vom 7. Januar 1822, S. 3. Der Rest gehörte dem Großherzogtum bereits.Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen, Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 82. (Digitalisat)
Durch die umfassende Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen 1853Bekanntmachung vom 15. April 1853, betreffend:1) die Aufhebung der Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Darmstadt, Waldmichelbach, Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;2) die künftige Zusammensetzung der Stadt- und Landgerichts-Bezirke in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen vom 15. April 1853. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 19 vom 26. April 1853, S. 221–230., die zum 15. Oktober 1853 in Kraft tratBekanntmachung,1) die Aufhebung der Großherzoglichen Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;2) die künftige Zusammensetzung der Landgerichts-Bezirke in der Provinz Oberhessen betreffend vom 4. Oktober 1853 . In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 44 vom 7. Oktober 1853, S. 640–641., kam der bis dahin zum Landgericht Büdingen gehörenden Ort Ober-Mockstadt zum Bezirk des Landgerichts Nidda, während dieses gleichzeitig eine Anzahl Gemeinden an benachbarte Landgerichte abgab (siehe Übersicht).
Ende Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 wurden Organisation und Bezeichnungen der Gerichte reichsweit vereinheitlicht. Zum 1. Oktober 1879 hob das Großherzogtum Hessen deshalb die Landgerichte auf. Funktional ersetzt wurden sie durch Amtsgerichte. §§ 1, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f. So ersetzte nun das Amtsgericht Nidda das Landgericht Nidda. „Landgerichte“ nannten sich nun die den Amtsgerichten direkt übergeordneten Obergerichte. Das Amtsgericht Nidda wurde dem Bezirk des Landgerichts Gießen zugeordnet. §§ 2, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f.
Bezirk Gemeinde Herkunft Zugang Abgang Nach Bellmuth Amt Nidda 1821 1853 Landgericht Ortenberg Berstadt Amt Bingenheim 1821 1853 Landgericht Hungen Bingenheim Amt Bingenheim 1821 1879 Amtsgericht Nidda Bisses Amt Bingenheim 1821 1879 Amtsgericht Nidda Blofeld Amt Bingenheim 1821 1879 Amtsgericht Nidda Borsdorf Amt Schotten 1821 1879 Amtsgericht Nidda Dauernheim Amt Bingenheim 1821 1879 Amtsgericht Nidda Echzell Amt Bingenheim 1821 1879 Amtsgericht Nidda Eichelsdorf Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Fauerbach Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Geiß-Nidda Patrimonialgericht Geiß-Nidda 1822 1879 Amtsgericht Nidda Gettenau Amt Bingenheim 1821 1879 Amtsgericht Nidda Glashütten Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Grund-Schwalheim Amt Schotten 1821 1879 Amtsgericht Nidda Heuchelheim zu vom großherzoglichen Amt Bingenheim und zu vom standesherrlichen Amt Ortenberg 1821 1879 Amtsgericht Nidda Kohden Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Langd Amt Nidda 1821 1853 Landgericht Hungen Leidhecken Amt Bingenheim 1821 1853 Landgericht Friedberg Michelnau Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Nidda Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Ober-Lais Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Ober-Schmitten Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Rabertshausen Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Rodheim Amt Nidda 1821 1853 Landgericht Hungen Salzhausen Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Steinheim Amt Nidda 1821 1853 Landgericht Hungen Unter-Lais Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Ober-Mockstadt Landgericht Büdingen 1853 1879 Amtsgericht Nidda Ober-Widdersheim Amt Schotten 1821 1879 Amtsgericht Nidda Unter-Schmitten Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda Unter-Widdersheim Amt Schotten 1821 1879 Amtsgericht Nidda Wallernhausen Amt Nidda 1821 1879 Amtsgericht Nidda
Anmerkungen
Einzelnachweise
Nidda Kategorie:Geschichte (Nidda) Kategorie:Gerichtsgründung 1821 Kategorie:Aufgelöst 1879