Sign o’ the Times Super Deluxe ist die überarbeitete Neuauflage von Prince’ neunten Studioalbum Sign “☮” the Times und wurde posthum am 25. September 2020 über NPG Records / Warner Bros. Records veröffentlicht. Die Edition umfasst acht CDs mit 92 Songs, die Prince zwischen 1979 und 1987 aufnahm und alle arrangierte, komponierte und produzierte. Darunter befinden sich 45 bislang unveröffentlichte Studioversionen, teils ursprünglich für das nie erschienene Doppelalbum Dream Factory vorgesehen.
Ein Livekonzert aus Utrecht von der Sign o’ the Times Tour ist ebenfalls enthalten. Die Super-Deluxe-Edition umfasst außerdem eine Live-DVD des Konzerts vom 31. Dezember 1987 in Prince’ Paisley Park Studio in Chanhassen, Minneapolis, bei dem Miles Davis als Gastmusiker auftritt.
Die Musik der zuvor unveröffentlichten Songs zählt zu den Genres Contemporary R&B, Elektronische Tanzmusik, Funk, Jazz, Pop, Rock und Soul. Die Liedtexte behandeln Liebe, Beziehungen und sexuelle Anspielungen. Gastmusiker sind Clare Fischer, Lisa Coleman, Miles Davis, Sheila E., Shep Pettibone, Susannah Melvoin, Wendy Melvoin sowie weitere Mitglieder von Prince’ ehemaliger Begleitband The Revolution. Musikkritiker bewerteten die Neuauflage ähnlich hervorragend wie das Originalalbum.
Das kommerziell erfolgreiche Originalalbum war ursprünglich im März 1987 als Doppelalbum erschienen; alle Songs wurden 2020 digital nachbearbeitet und sind auf der Neuauflage enthalten. In den internationalen Charts wurde Sign o’ the Times Super Deluxe nicht separat aufgeführt; die Verkaufszahlen flossen in die Statistik des Originalalbums ein, das dadurch als „Wiedereinstieg“ geführt wurde.
Entstehung
Das Originalalbum veröffentlichte Prince im März 1987 über Warner Bros. Records. Musikkritiker sehen das Album als Höhepunkt seines Schaffens; in mehreren Ländern erhielt es Gold- oder Platinstatus. Am 25. Juni 2020 kündigte The Prince Estate („Der Prince-Nachlass“) den für September 2020 geplanten Release einer „Remastered and Expanded Edition“ mit zuvor unveröffentlichten Songs in Zusammenarbeit mit Warner Bros. Records an.Clerc (2023), S. 599. Sign o’ the Times Super Deluxe ist nach Purple Rain Deluxe (2017) und 1999 Super Deluxe (2019) die dritte von The Prince Estate veröffentlichte Neuauflage eines Prince-Albums.
Prince und Miles Davis mini|hochkant|Miles Davis, 1987 Mit dem Song Can I Play with U? und der DVD Live at Paisley Park – December 31, 1987 wurden auf der Neuauflage erstmals offizielle gemeinsame Aufnahmen von Prince und Miles Davis veröffentlicht.
Die Zusammenarbeit begann Ende Dezember 1985, als beide bei Warner Bros. Records unter Vertrag standen. Das Label bat Prince, zu Davis’ erstem Warner-Bros.-Album Tutu einen Song beizusteuern, was er mit Can I Play with U? auch tat. Alan Leeds (* 1947), der fünf Jahre ältere Bruder von Saxophonist Eric Leeds und damaliger Tourmanager von Prince, erklärte: „Prince hielt es offenbar nicht für angebracht, das gesamte Album von Miles zu produzieren. Tommy LiPuma, Leiter der damals jungen Jazz-Abteilung von Warner Bros., war aus Sicht des Labels die logische Wahl.“ LiPuma äußerte sich ähnlich: Prince zeige „ein ausgeprägtes Bewusstsein für die Dynamik, die dem Bebop innewohnt“, sei jedoch „mit bestimmten Idiomen (Künstlerischer Ausdruck oder Phrasen), die zu Miles’ Spiel gehören, nicht vertraut“.Uptown (2004), S. 524.
Ab Januar 1986 stand Prince telefonisch mit Davis in Kontakt und hörte weitere Aufnahmen zu Tutu. Er war offenbar unsicher, ob Can I Play with U? zum Album passte, und strich den Song, was von allen Beteiligten akzeptiert wurde. Obwohl mehrere Führungskräfte von Warner Bros. Records ihn ermutigten, schrieb Prince keine weiteren Songs für Davis.
Am 21. Januar 1991 erhielt Davis von Prince die drei Instrumentalstücke 17 (Penetration), 19 (Jailbait) und 20 (A Girl and Her Puppy), die dieser im Dezember 1988 für sein Nebenprojekt, die Jazzband Madhouse, komponiert hatte. Prince bat Davis, zusätzliche Trompetenparts einzuspielen und ihm die Songs anschließend zur Nachbearbeitung und Abmischung zurückzusenden. Davis nahm die Stücke jedoch mit seiner eigenen Band komplett neu auf und schickte Prince die Versionen zur möglichen Mitwirkung. Davis spielte die Stücke 1991 auf seiner letzten Tournee sowie beim Konzert am 24. April 1991 im von Prince betriebenen Musikklub Glam Slam North in Minneapolis; dies war das letzte Treffen der beiden Musiker.Uptown (2004), S. 122.
Nach dem Tod von Miles Davis am 28. September 1991 bat Warner Bros. Records Prince um die Veröffentlichung von Can I Play with U? auf Davis’ erstem posthumen Album Doo-Bop (1992). Auch die von Prince produzierten und von Davis überarbeiteten Versionen von 17 (Penetration), 19 (Jailbait) und 20 (A Girl and Her Puppy) sollten veröffentlicht werden. Prince lehnte jedoch ab, da er nicht mit Werken in Verbindung gebracht werden wollte, die Davis nicht in bester Form zeigten. Zwei Tage nach Davis’ Tod nahm Prince zu Ehren des Jazzmusikers das Instrumentalstück Letter 4 Miles auf, das erst im Oktober 2023 auf der Diamonds and Pearls Super Deluxe Edition veröffentlicht wurde. 22. April 1986: Dream Factory (LP)Tudahl (2021), S. 366–367.Seite 1 Visions Dream Factory Wonderful Day The Ballad of Dorothy Parker Big Tall Wall And That Says What? Seite 2 Strange Relationship Teacher, Teacher Starfish and Coffee (ohne Wecker) A Place in Heaven (Lisa Vocal) Sexual Suicide Im Juni 2021 erschien das Livealbum Merci Miles! Live at Vienne von Davis, auf dem die Stücke Jailbait und Penetration zu hören sind; das Konzert hatte er am 1. Juli 1991 beim Jazz-à-Vienne-Festival in Frankreich gespielt.
Dream Factory Auf den CDs „Vault, Part 1“ und „Vault, Part 2“ sind Songs zu hören, die Prince für das Doppelalbum Dream Factory komponierte. Nach der Veröffentlichung von Parade im März 1986 mit seiner Begleitband The Revolution begann Prince im April mit den Aufnahmen für Dream Factory. Unterstützt wurde er von den damaligen The Revolution-Mitgliedern Atlanta Bliss (* 14. Dezember 1952 als Matthew Blistan in Pittsburgh, Pennsylvania) an der Trompete, Eric Leeds (* 19. Januar 1952 als Eric Jeffrey Leeds in Milwaukee, Wisconsin) an Saxophon und Querflöte sowie Lisa Coleman und Wendy Melvoin; Bliss und Leeds kannten sich bereits aus der Schulzeit.Nilsen (1999), S. 266.
Zwischen dem 22. April und 18. Juli 1986 arbeitete Prince an drei Versionen von Dream Factory, verlor anschließend jedoch das Interesse am Projekt. Im Oktober 1986 löste er zudem The Revolution auf. Dream Factory blieb unveröffentlicht, doch acht Songs des Projekts erschienen auf Sign “☮” the Times.
Für die meisten Songs von Dream Factory nutzte Prince die Tonstudios Galpin Blvd Home Studio und Sunset Sound. Ab November 1985 lebte er in einer dreistöckigen Villa am Galpin Blvd in Chanhassen, Minnesota, wo er das Heimstudio Galpin Blvd Home Studio einrichtten ließ. Die Villa wurde 2005 abgerissen; das Grundstück blieb bis zu seinem Tod im April 2016 in seinem Besitz. Das Sunset Sound in Los Angeles, Kalifornien, nutzte Prince von 1981 bis 1987 ausschließlich Studio 3 für seine Aufnahmen. Auch Künstler wie Dolly Parton, Fleetwood Mac und Tom Jones nahmen dort in Studio 3 Alben auf.Offizielle Website vom Sunset Sound Einige Songs entstanden zudem im Washington Avenue Warehouse in Edina, einem umgebauten Proberaum ohne professionelle Studioeinrichtung. Dort ließ er ein Soundcraft TS 24-Mischpult installieren und nutzte den Raum von Juli 1985 bis Frühjahr 1987.
Aufnahmen Vault, Part 1 (Mai 1979 bis Mai 1986) 3. Juni 1986: Dream Factory (DoLP)Tudahl (2021), S. 400.Seite 1 Visions Dream Factory Wonderful Day The Ballad of Dorothy Parker It Seite 2 Strange Relationship Teacher, Teacher Starfish and Coffee (ohne Wecker) Colors In a Large Room with No Light Nevaeh Ni Ecalp A Sexual Suicide Seite 3 Crystal Ball Power Fantastic Seite 4 Last Heart Witness 4 the Prosecution (Version 1) Movie Star A Place in Heaven (Lisa Vocal) All My Dreams I Could Never Take the Place of Your Man (1979 Version) Am 23. Mai 1979 nahm Prince den Song im Tonstudio Hollywood Sound Recorders in Los Angeles auf, während er an seinem zweiten Studioalbum Prince arbeitete.Tudahl (2021), S. 439. Zuvor galt die Aufnahme irrtümlich als aus dem Jahr 1982 stammend. Nach Prince’ Tod im April 2016 wurde sie auf einer von ihm datierten Kompaktkassette im „The Vault“ von The Prince Estate entdeckt. „The Vault“ ist ein überdimensionaler Tresor in Lagerraumgröße, den Prince 1987 in seinem Paisley Park Studio einbauen ließ; er war resistent gegen Tornados und Überschwemmungen.Azhar (2016), S. 50. Michael Howe, damaliger Kurator von The Prince Estate, gab an, dass der Inhalt von The Vault seit 2019 „an einen geheimen und sicheren Ort in Hollywood“ verlegt worden sei. Teacher, Teacher (1985 Version) Eine erste Version nahm Prince im Frühjahr 1982 in seinem Kiowa Trail Home Studio in Chanhassen auf, das er in seinem Haus in Meeker County, Minnesota, eingerichtet hatte, in dem er von Januar 1981 bis November 1985 lebte. Am 18. Juni 1985 überarbeiteten Lisa Coleman und Wendy Melvoin den Song in den The Complex Studios in Los Angeles; diese Version nahm Prince für Dream Factory auf. Später bot Prince das Stück der US-amerikanischen Rockband The Three O’Clock an, die es jedoch ablehnte.Tudahl (2018), S. 39.Tudahl (2021), S. 167–168.Uptown (2004), S. 519. Die Version auf Sign o’ the Times Super Deluxe wurde von Prince Mitte April 1986 neu abgemischt. Strange Relationship (Original Version) Am 14. März 1983 nahm Prince eine erste Version des Songs im Kiowa Trail Home Studio auf. Die Version auf der Neuauflage, an der Lisa Coleman und Wendy Melvoin mitwirkten, überarbeitete Prince am 5. November 1986; sie entspricht daher nicht der als „Original Version“ bezeichneten Fassung.Tudahl (2021), S. 547. All My Dreams Prince nahm den Song vom 28. April bis 1. Mai 1985 ursprünglich für sein Album Parade (1986) auf, strich ihn jedoch von der endgültigen Tracklist und setzte ihn als Abschlusssong auf Dream Factory. 1998 kündigte er an, dass All My Dreams auf einem Album namens Roadhouse Garden erscheinen werde, das aus der The Revolution-Ära stamme. Auch dieses Album veröffentlichte er letztlich nicht.Uptown (2004), S. 523. Can I Play with U? Am 26. Dezember 1985 nahm Prince das Stück für Miles Davis’ Album Tutu (1986) auf. Am 27. Dezember ergänzte Saxophonist Eric Leeds Parts und äußerte begeistert: „Das war zu großartig! Als ich hörte, dass Prince etwas mit Miles unternehmen wollte, wollte ich unbedingt beteiligt sein.“ Anfang Januar 1986 schickte Prince eine Instrumental- und eine Gesangsversion an Davis mit folgender Nachricht: „Miles, auch wenn wir uns noch nie getroffen haben, weiß ich durch deine Musik, dass du und ich so ähnlich sind, dass ich spielen würde, was immer du spielst. Nutze das Tape, wie du es empfindest; ich vertraue deinem Gehör und Spiel.“Uptown (2004), S. 524. Ende Februar 1986 ergänzten Davis Trompeten, Adam Holzman Synthesizer und Marcus Miller Bassgitarren-Overdubs.Tudahl (2021), S. 320. Prince stellte den Song am 1. März 1986 fertig, strich ihn jedoch von Tutu. Eric Leeds berichtete: „Im Miles-Davis-Lager wollten einige den Song nur, um ein Prince-Stück als Gütesiegel zu haben. Miles spielte Trompete, und ich dachte: ‚Wahnsinn, jetzt bin ich Teil der Miles-Davis-Diskographie!‘ Prince fragte mich nach meiner Meinung, doch der Song war bereits ausgemustert; trotz des Coolness-Faktors auf einer Miles-Davis-Platte war er nicht gut genug und wurde nie veröffentlicht.“Azhar (2016), S. 45. Wonderful Day (Original Version)