Michael Sarne (* 6. August 1940 in London als Michael Scheur oder Scheuer) ist ein britischer Schauspieler, Regisseur und Sänger. 1962 hatte er mit dem Novelty Song Come Outside einen Nummer-eins-Hit in England. Ende der 1960er Jahre machte er sich als Autor und Regisseur von Filmen wie Joanna und Myra Breckinridge einen Namen.
Biografie Sarnes Eltern flohen 1938 vor der deutschen Besetzung aus dem mährischen Břeclav nach London. Er wurde in Paddington geboren, aber nach dem Krieg kehrte die Familie wieder in die Tschechoslowakei zurück. Sarne erwies sich als Sprachtalent, neben Englisch und Tschechisch beherrscht er alle größeren europäischen Sprachen. Mit 18 Jahren kehrte er für ein Russisch-Studium nach London zurück. Nebenbei verdiente er sich Geld mit Model-Jobs und kleineren Filmauftritten. Dabei kam ihm sein Sprachtalent zugute und er spielte häufig deutsche oder osteuropäische Kleinrollen unter anderem in Die Kanonen von Navarone und der Serie Mit Schirm, Charme und Melone.
Da er auch Gesangsunterricht genommen hatte, wurde er auch für eine Plattenaufnahme engagiert. Was eigentlich als romantischer Popsong gedacht war, wurde durch seinen Cockney-Akzent und den Kommentierungen von Wendy Richard, die ständig fragt, was er eigentlich von ihr wolle, zu einem Novelty Song. Das Lied wurde in einer Folge der beliebten Dauerserie Coronation Street aufgeführt und entwickelte sich zu einem Hit. Im Juli 1962 stand es zwei Wochen lang auf Platz 1 der britischen Charts. Innerhalb eines Jahres schaffte er es mit ähnlichen, mit Akzent gesungenen Liedern noch drei weitere Male in die Top 30. Dann ließ das Interesse nach und nach 1964 machte er nur noch gelegentliche Aufnahmen, ohne jedoch noch einmal in die Charts zu kommen.
Mitte der 1960er Jahre hatte Sarne die Idee für einen Film über eine junge Frau vom Land, die sich in das Großstadtleben stürzt. Bei Joanna schrieb er das Buch und führte selbst Regie. Neben Geneviève Waïte in der Hauptrolle wirkte auch Donald Sutherland mit. Der Film war bei der Kritik sehr erfolgreich. Zur Aufführung in Cannes kam es zwar wegen der Absage des Filmfestivals nicht, aber immerhin wurde er für einen Golden Globe als bester ausländischer Film nominiert. Zwei Jahre später schrieb er das Drehbuch zu Myra Breckinridge nach dem gleichnamigen Roman von Gore Vidal. Der Film war seine zweite große Regiearbeit, Mitwirkende waren unter anderem Raquel Welch in der Titelrolle, John Huston und Mae West. Der Film wurde jedoch zu einem Flop und landete später mehrfach auf Listen der schlechtesten Filme aller Zeiten. Er führte danach lediglich noch bei wenigen kleineren Produktionen Regie.
In den 1970er Jahren wurde es ruhiger um Michael Sarne, erst in den 1980er Jahren kehrte er wieder als Seriendarsteller ins Fernsehen zurück. Kleinere Filmrollen hatte er unter anderem in der Agatha-Christie-Verfilmung Rendezvous mit einer Leiche (1988) und der Musicaladaption Les Misérables von 2012. Als Schauspieler trat er zuletzt 2018 in Erscheinung, insgesamt umfasst sein filmisches Schaffen als solcher mehr als 65 Film- und Fernsehproduktionen.
Diskografie Alben Come Outside (1962) The Mike Sarne Hit Parade (EP, 1963)
Singles Come Outside (mit Wendy Richard, 1962) Will I What (mit Billie Davis, 1962) Fountain of Love (1962, Split-Single) Just for Kicks (1963) Just Like Eddie (mit den Innocents, 1963) Hello Lover Boy (1963) Code of Love (1963) Please Don’t Say (1963) A Place to Go (1964) Love Me Please (mit den LeRoys, 1964)
Filmografie Hinter der Kamera 1966: Road to Saint Tropez (Kurzfilm) – Regie und Drehbuch 1968: Joanna – Regie und Drehbuch, kleine Rolle 1970: Myra Breckinridge – Mann oder Frau? (Myra Breckinridge, Romanvorlage: Gore Vidal) – Regie und Drehbuch, kleine Rolle 1975: Intimidade (Vorlage: Vera Verão von Carlos Heitor Cony) – Regie und Drehbuch 1993: Wenn die Masken fallen (Torrents of Spring, Regie: Jerzy Skolimowski) – Mitarbeit am Drehbuch 1993: The Punk (Romanvorlage: Gideon Sams) – Regie und Drehbuch 1995: Glastonbury. The Movie (Dokumentarfilm) – Regie und Co-Produktion
Als Schauspieler Filme
1960: Die letzte Fahrt der Bismarck (Sink the Bismarck!, nicht genannt) 1960: Gehetzt und gejagt (Beyond the Curtain, nicht genannt) 1961: Die Kanonen von Navarone (The Guns of Navarone, nicht genannt) 1961: Das Schlitzohr (On the Fiddle) 1963: A Place to Go 1964: Jeder Tag ein Urlaubstag (Every Day's a Holiday) 1967: Zwei Wochen im September (Two Weeks in September) 1981: Hände hoch! (Hands Up!) 1982: Schwarzarbeit (Moonlighting) 1984: Success Is the Best Revenge 1988: Rendezvous mit einer Leiche (Appointment with Death) 1993: The Hollow Men 2001: Der vierte Engel (The Fourth Angel) 2005: E=mc² – Einsteins große Idee (E=mc²: Einstein and the World, Fernsehfilm) 2006: Forgiveness 2007: Tödliche Versprechen – Eastern Promises (Eastern Promises) 2008: Telstar: The Joe Meek Story 2011: Dame, König, As, Spion (Tinker Tailor Soldier Spy, nur Stimme) 2012: May I Kill U? 2012: Les Misérables (Les Misérables) 2013: The Piano Room 2013: The World’s End 2016: La corrispondenza 2017: Gloves Off 2018: DJ
Fernsehserien und Fernsehfilme 1961: Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers, 1 Folge) 1968: Der Mann mit dem Koffer (Man in a Suitcase, 1 Folge) 1985: Der Aufpasser (Minder, 1 Folge) 1988: Feuersturm und Asche (War and Remembrance, 3 Folgen) 1989: Die Champagner-Dynastie (Judith Krantz's Till We Meet Again, 2 Folgen) 1997: Jonathan Creek (1 Folge) 1997: The Knock (4 Folgen) 1998: Highlander (Highlander: The Series, 1 Folge) 2000: Bube, Dame, König, grAS (Supply & Demand, 1 Folge) 2000–2006: The Bill (The Bill, 3 Folgen) 2001: Randall & Hopkirk (Deceased) (Randall & Hopkirk (Deceased), 1 Folge) 2002: Where the Heart Is (Where the Heart Is, 1 Folge) 2009: Doctors (1 Folge)
Quellen
Weblinks
Michael Sarne – a pioneering British filmmaker of Czech descent, Radio Prague International (2009) Mike Sarne bei This Is My Story
Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Popsänger Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1940 Kategorie:Mann