mini|Claude P. Bamberger, 1968

Claude Philip Bamberger (geboren am 23. September 1920 in Bamberg, Oberfranken, Bayern; gestorben am 23. Dezember 2008 in New York City, New York, Vereinigte Staaten), geboren als Klaus Philipp Bamberger, war ein deutsch-amerikanischer Unternehmer, Gründer einer international tätigen Unternehmensgruppe der Kunststoff verarbeitenden Industrie bzw. des Plastik-Recyclings, in der er mehr als ein halbes Jahrhundert wirkte, ein Kunstsammler und ein Autor,Bamberger, Claude P. In: Deutsche Nationalbibliothek, auf: d-nb.info der sich u. a. mit seiner oberfränkischen Heimatstadt Lichtenfels, der „Arisierung“ während der Zeit des Nationalsozialismus, Raubkunst und deren Restitution befasste.

Familie Klaus Philipp Bamberger war das zweite Kind und der einzige Sohn des im oberfränkischen Lichtenfels ansässigen (jüdischen) Kaufmanns und Unternehmers, Produktdesigners, Kunstsammlers und -mäzens Otto Bamberger und dessen Ehefrau Henriette „Jetta“ Wolff (geboren am 14. Juli 1891 in Hall,Heiratsurkunde des Otto Bamberger und der Henriette Wolff vom 24. Dezember 1913. In: Familienbuch Beni Wolff, Eintrag B. Nr. 58; Standesamt Schwäbisch Hall, übermittelt durch das Stadtarchiv Schwäbisch Hall, Dr. Andreas Maisch, am 5. Juli 2019Der Vorname von Otto Bambergers Ehefrau wird in den englischsprachigen Quellen als Henrietta bzw. „Jetta“, in den deutschsprachigen teils als Henriette bzw. „Jette“ angegeben. Die standesamtlichen Eintragungen im Familienbuch der Familie des Beni Wolff (1. April 1857 in Braunsbach; † 2. Januar 1923 in Stuttgart) aus Hall, das wegen deren Übersiedlung am 13. September 1921 an das Standesamt Stuttgart übergeben wurde, weisen in der Heiratsurkunde des Otto Bamberger und der Henriette, geborene Wolff, die auf „e“ endende Schreibweise aus, ebenso zwei 1938 erstellte Listen des Bezirksamts Lichtenfels, eine davon „Henriette“, die andere „Jette“. In den während der frühen 1930er Jahre publizierten Periodika der Schule am Meer auf Juist ist die Schreibweise „Jetta Bamberger“ verzeichnet. Otto und Henriette Bambergers Sohn Klaus (1920–2008) hat in seinen Aufzeichnungen und Publikationen von 1935 bis 2005 durchgängig die Schreibweise „Jetta“ benutzt. Von Henriette Bamberger selbst sind eine Vielzahl handschriftlicher Briefe erhalten, auf denen sie sowohl im privaten Umfeld als auch im geschäftlichen Schriftverkehr mit „Jetta Bamberger“ unterschrieben hat. Das auf ihrem Briefpapier aufgedruckte Monogramm lautet „JB“.Sterbebucheintrag des Otto Bamberger; übermittelt durch das Stadtarchiv Baden-Baden, Claudia Falk, am 8. August 2019 gestorben am 30. Oktober 1978 in Louisville, Kentucky, USA).Obituary Jetta Bamberger. In: Aufbau, deutsch-jüdisches Periodikum in New York City, Vol. XLIV, No. 44, Freitag, 3. November 1978, S. 28 Seine ältere Schwester war Ruth Bamberger (1914–1983), später verheiratet mit dem promovierten Juristen Emil Loewenfeld (1902–1969).Emil Loewenfeld (geboren am 24. April 1902 in Wien; gestorben am 11. August 1969 in Huntington, Cabell County, West Virginia, Vereinigte Staaten), Sohn des Adolf Löwenfeld (geboren am 3. Juni 1863 in Skalitz, Ungarn; gestorben am 27. Juli 1909 in Wien) und dessen Ehefrau Melanie, geborene Eckstein (geboren am 23. Juni 1875 in Prag; gestorben am 3. Januar 1957 in den USA), war ein promovierter Rechtsanwalt, der nach der Okkupation Österreichs durch die deutsche Wehrmacht aufrund seiner jüdischen Herkunft emigrieren musste. In Louisville, Kentucky, USA, heiratete er die aus dem Deutschen Reich emigrierte Ruth Bamberger (geboren am 14. Oktober 1914 in Lichtenfels, Oberfranken, Königreich Bayern, Deutsches Reich; gestorben am 12. November 1983, USA). Loewenfeld arbeitete dort für die Gesundheitsverwaltung, während seine Ehefrau ab 1940 rund 15 Jahre den jüdischen Kindergarten führte und sich danach auf die Beratung von Eltern mental beeinträchtigter Kinder spezialisierte. Emil Loewenfeld kam bei einem Autounfall ums Leben, seine Witwe verstarb auf einem Flug von China in die USA.Dr. Siegfried Rudolph: Otto Bamberger – ein Mitwitzer Kunstsammler. In: 750 Seiten Mitwitz – Ein Sammelband, hrsg. v. Friedrich Bürger, Selbstverlag 2012, S. 425–452Dr. Herbert Loebl OBE: The Holocaust – 1800 Years in the Making. Exemplified since ca. 1030 by the Experience of the Jewish Community of Bamberg in Franconia. A course of 9 lectures. Department of Religious Studies, University of Newcastle upon Tyne, Winter Term 1989. Selbstverlag, Newcastle upon Tyne 1989. Darin nicht enthalten: Chapter IV – The Bamberger Families of Burgkunstadt and Mitwitz, unvollendet, unveröffentlicht, S. 55

Seine Familie war Mitbesitzerin des namhaften Korbwarenunternehmens D. Bamberger (DBL),Briefkopf des Unternehmens D. Bamberger Palmkorb- und Möbelklopfer-Fabrik, handschriftlich ausgefertigte Rechnung vom 2. Juli 1915 an Carl Friedr. Bock, Bielefeld, Rathausstr. 4. In: Prof. Dr. Günter Dippold: Stadt an Fluss, Straße und Schiene – Ein Abriss der Lichtenfelser Geschichte, S. 74. In: Schönere Heimat, 93 Jg., Heft 3 Erbe und Auftrag, Bayerischer Landesverein für Heimatpflege, Martin Wölzmüller Eigen-Verlag, München 2004 eines der größten Handelshäuser in Lichtenfels, das ab Mitte der 1920er Jahre auch importiertes Holzspielzeug und Kunstgewerbe aus Holz über seine Filiale in Coburg vertrieb, darunter Kreationen des Otto Bamberger.Prof. Dr. Günter Dippold: Einführung. In: Klaus Bamberger: Aus der Geschichte der Familie Bamberger – Kindheitserinnerungen an Lichtenfels (= Kleine CHW-Schriften, Heft 2; Lichtenfelser Hefte zur Heimatgeschichte, Sonderheft 3). Verlag H. O. Schulze, Lichtenfels, 2005, ISBN 978-3-8773-5177-2, S. 8–10 Mitgesellschafter waren neben seinem Vater Otto dessen jüngerer Bruder, Klaus’ Onkel Ludwig (1893–1964) und sein Großonkel Fritz Bamberger (1862–1942).Fritz Bamberger. In: Yad Vashem – The World Holocaust Remembrance Center, auf: yadvashem.orgBamberger, Fritz. In: Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945, auf: bundesarchiv.deFritz Bamberger. In: United States Holocaust Memorial Museum, auf: ushmm.orgDavid B. Marblestone: The Descendants of Salomon Bamberger and Esther Kann Mai 2009, auf: rijo.homepage.t-online.de

Klaus Bambergers Vater Otto gehörte der SPD an,Unternehmer, Kunstfan, Sozi und Lichtenfelser. In: Neue Presse, 6. Mai 2009, auf: np-coburg.de [Headline teils unzutreffend; Otto Bamberger war geborener Mitwitzer, nicht Lichtenfelser] sein Onkel Ludwig der linksliberalen DDP. Sein Elternhaus, die von 1926/27 bis Dezember 1932 sukzessive nahezu komplett mit Bauhaus-Mobiliar von Erich Dieckmann und Bauhaus-Accessoires (z. B. Leuchten, Vorhänge, Bezugsstoffe, Teppiche) ausgestattete Jugendstil-Villa Sonnenhaus,Bamberger, Otto, Korrespondenz mit Erich Dieckmann und Otto Bartning. In: Hauptstaatsarchiv Weimar, Bestandssignatur: 6-33-9010Bauherr Otto Bamberger, Architekt August Berger: Baupläne, 1913, Staatsarchiv Bamberg, Signatur Rep. K 14 Bpl. 5 (1914)Prof. Dr. Günter Dippold: Bauliche Zeugnisse der Korbindustrie in der Deutschen Korbstadt Lichtenfels. In: Streifzüge durch Franken, Bd. 1, Colloquium Historicum Wirsbergense, Verlag H. O. Schulze, Lichtenfels 2010, ISBN 978-3-87735-201-4, S. 111–122Dr. Katja Schneider: Erich Dieckmann. Bemerkungen zu Leben und Werk. In: Prof. Dr. Anita Bach, Alexander von Vegesack: Erich Dieckmann – Praktiker der Avantgarde: Möbelbau 1921–1933. Bauhaus Weimar, Bauhochschule Weimar, Burg Giebichenstein, Katalog zur Ausstellung 13. Juni – 30. September 1990, Vitra Design Museum, 1990, ISBN 3-9802539-1-0, S. 9–28 galt als kultureller Mittelpunkt der Stadt;Ramona Popp: Geschichtsträchtiges Haus wird Hort, 29. März 2019, auf: infranken.de [Der Artikel erwähnt die Profiteure und Nachnutzer des Anwesens ab 1939 nicht (Striwa-Mitinhaber Conrad Wagner mit Ehefrau Grete und Sohn Siegfried), enthält trotz zugrunde liegender Zuarbeit des Stadtarchivs Lichtenfels sachliche Ungenauigkeiten und Unschärfen sowie hinsichtlich des Verbleibs der Kunstsammlung Otto Bambergers eine gravierende Falschaussage] zahlreiche deutsche und österreichische Künstler, Kunsthistoriker, Literaten und Verleger verkehrten dort bis kurz nach der Machtabtretung an die Nationalsozialisten.Claude P. Bamberger: Breaking the Mold – A Memoir. C. Bamberger Molding Compounds Corp., Carlstadt, New Jersey, USA, 1996, ISBN 0-9653827-0-2, S. 6–7: „Our home was constantly filled with all kinds of interesting people, mostly impoverished artists whom my father partially supported by buying their "crazy" pictures which the art world had not as yet recognized“.Klaus Bamberger: Meine Ferien [Tagebuch], handschriftliche Eintragungen, teils gereimt, mit 3 eingeklebten Fotos, undatiert [definitiv Sommer 1935], unveröffentlicht, 43 Seiten plus Titelblatt, ohne Seitennummerierung [S. 10]. Zitat: „Nun ist das Sonnenhaus schon 1 Woche ohne jeglichen Besucher“.Brief des Reinhold Nägele (1884–1972) vom 15. Dezember 1919, adressiert an „Otto Bamberger, Lichtenfels in Bayern, Sonnenhaus“, handschriftlich, unveröffentlichtKorrespondenzkarte [Postkarte] des Leo Putz (1869–1940) vom 17. April 1920, abgesandt in Meran, Tirol, Poststempel datiert „17.IV.20“, adressiert an „Herrn Otto Bamberger, Lichtenfels, Deutschland, Sonnenhaus“, handschriftlich, unveröffentlichtBrief des Alfred Kubin (1877–1959) vom 5. Mai 1931 an Frau Otto Bamberger [Henriette „Jetta“ Bamberger]. Zitat: „Wie still mag es jetzt bei Ihnen im Sonnenhaus sein nachdem die beiden Kinder fort mussten und Ihr Gatte auch verreist ist – da begreife ich schon der »Einsamkeit Gefühl«“, handschriftlich, unveröffentlicht

Nach seiner Emigration, die eine sprachliche Anpassung seiner beiden Vornamen Klaus Philipp zu Claude Philip zur Folge hatte, heiratete er im Jahr 1948 die teils irischstämmige Katholikin Kathleen „Kathy“ McCauley (1926–1970).Kathleen McCauley hatte einen jüdischen Vater namens Greenbaum aus Boston im US-Bundesstaat Massachusetts und eine irische Mutter, die aus Donegal stammte. Der Vater wechselte seinen Familiennamen zu McCauley, um antisemitischer Diskriminierung zu entgehen und eine Beschäftigung zu finden, da sein eigener Familienname sofort als jüdisch zu erkennen war. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Claudette Mary (* 1958, verh. Moloney) und Stephan Otto (* 1960).Stephan O. Bamberger (* 1960), der seinen zweiten Vornamen Otto seinem im oberfränkischen Mitwitz geborenen Großvater väterlicherseits verdankt, schloss 1988 die Columbia-Presbyterian Medical School (ab 1997 umbenannt: Columbia University Irving Medical Center) erfolgreich ab. Anschließend folgte er zunächst dem am Entdecken und Abenteuer orientierten Geist seines Vaters und arbeitete als Seemann bei der Handelsmarine, wo er auf Tankern auf der Schifffahrtsroute zum Nahen Osten tätig war. Der Hoffnung seines Vaters Claude, dass er beruflich dessen Nachfolger werden könnte, erteilte er letztlich eine Absage. Stattdessen studierte er Humanmedizin am College of Physicians & Surgeons der Columbia University und promovierte dort im Jahr 1991. Danach war er am Mount Auburn Hospital in Cambridge, Massachusetts, als Arzt tätig, später am St. Marys Regional Medical Center in Lewiston, Maine. Spezialisiert hat er sich auf Schmerztherapie, Physikalische und Rehabilitative Medizin.Stephan O. Bamberger, auf: stmarysmaine.comSue Loebl: We Were There From the Beginning. In: Claude Bamberger, George McCauley: Celebrating Friends – A Memoir, 2000/2012, S. 34 Bettina Dieckmann (später verh. Brandt), eine Tochter des während des Krieges verstorbenen ehemaligen Bauhaus-Kreativen Erich Dieckmann, war 1960 als Au-pair zur Kinderbetreuung bei den Bambergers in den USA beschäftigt.Claude P. Bamberger: Breaking the Mold – A Memoir. C. Bamberger Molding Compounds Corp., Carlstadt, New Jersey, USA, 1996, ISBN 0-9653827-0-2, S. 197–202