Hans Streeck (* 11. August 1905 in BremerhavenNew York State, Passenger and Crew List, 1917–1967: Ankunft Hans Streeck in New York u. a. am 1. Oktober 1959 („H. Streeck“), 29. September 1960 („Hans (Dr.) R. Streeck“) und erneut am 24. November 1961 („Hans Streeck“).; † 27. Juni 1963Nachruf in der Zeitschrift Chemische Industrie: Zeitschrift für die deutsche Chemiewirtschaft. Verlagsgruppe Handelsblatt, Düsseldorf 1963, Band 15, S. 510) war ein deutscher Chemiker, Manager und SS-Funktionär.

Leben Hans Streeck war Sohn eines Kapitäns. Er studierte zuerst Chemie in Jena und dann in München, wo er 1931 promovierte. Er war seit 1924 Mitglied der Turnerschaft Salia Jena, einer schlagenden Studentenverbindung (heute Turnerschaft Salia-Jenensis zu Göttingen).Erich Schrader: Geschichte der Turnerschaft Salia Jena – II. Teil 1911–1930, Jena 1930, S. 348. Anschließend arbeitete er als Assistent in Erlangen und Leipzig. Auf seine Mitgliedschaft in der SA vom 1. November 1933 folgte am 25. März 1935 die in der SS.Stephan H. Lindner: Hoechst: ein I.G. Farben Werk im Dritten Reich, C.H. Beck, 2005, ISBN 978-3406529597, S. 143 Ab Juni 1934 arbeitete er im Alizarin-Hauptlabor der I.G. Farben im Werk Hoechst unter dem überzeugten Nationalsozialisten und fanatischen Antisemiten Georg Kränzlein. Als Betriebsassistent wechselte er 1936 in den Zentralversuchsraum und war anschließend in unterschiedlichen Bereichen mit betriebstechnischen und wissenschaftlichen Aufgaben betraut.

Nach dem Ende der Aufnahmesperre beantragte Streeck am 16. August 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.703.829).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/43520851 Anfang 1938 war er als SS-Schulungsleiter bei der 2. SS-Standarte eingesetzt.

Im Rahmen des Schnellplans wurde Streeck im Zweiten Weltkrieg Mitarbeiter des IG-Farben-Vorstandsmitglieds Otto Ambros. 1942 war er an der Planung und dem Aufbau des I.G.-Werkes Auschwitz beteiligt, zwei Jahre später wurde er dort Abteilungsleiter der im Aufbau befindlichen Zwischenprodukte-Abteilung. Er war in dieser Zeit Mitglied der DChG und des VdCh.Helmut Maier: Chemiker im „Dritten Reich“: Die Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein Deutscher Chemiker im NS-Herrschaftsapparat. Wiley-VCH, Weinheim 2015, S. 555, Fußnote 300 (Online bei Google Books) Zum 21. Januar 1945 verlor er mit der Aufgabe des Werkes Auschwitz seine Tätigkeit.

Streeck sprach 1953 direkt den Vorstandsvorsitzenden der Hoechst AG, Karl Winnacker, an, da er Ressentiments der Personalabteilung wegen seiner nationalsozialistischen Vergangenheit vermutete. Winnacker ebnete den Weg, sodass Streeck ab Januar 1954 für die Hoechst-Tochter Kalle AG angestellt wurde. Im gleichen Jahr wurde er dort Prokurist und Anfang 1955 Direktor. 1956 wurde er stellvertretendes Mitglied des VorstandsMeldung in der Fachzeitschrift Fette, Seifen, Anstrichmittel, Nr. 7, 1956, S. 580 (Online) und 1957 ordentliches Vorstandsmitglied. Zum Zeitpunkt seines Todes 1963 war Streeck Sprecher des Vorstandes von Kalle und Vorsitzender des Aufsichtsrats der Papierfabrik Hoffmann und Engelmann AG in Neustadt.

In der Vorbereitungsphase zum ersten Frankfurter Auschwitzprozess war Streeck als einer der Zeugen der Anklage geladen.Findbuch des Archivs des Fritz Bauer Instituts (PDF-Datei, dort als Zeuge Robert Rudolf Hans Streeck aufgeführt)

Hans Streeck war mit Theda, geborene Leuß (1909–1990) verheiratet. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, darunter Rolf-Eberhard Streeck im Antrag auf Unterstützung für das 2006 bis 2011 von der DFG geförderte Forschungsthema Invasionsmechanismen von Humanpapillomviren an der Universität Mainz und Ulrich Streeck. Ein Enkel ist Hendrik Streeck.

Veröffentlichungen (Auswahl) Verdünnungswärmen einiger zwei-ein-wertiger Salze in großer Verdünnung bei 25 °C. Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig 1931. gemeinsam mit Burckhardt Helferich und Arnd Iloff: Über Emulsin. XIV. Zur fermentativen Spaltung von Aminoglucosiden. In: Hoppe-Seyler’s Zeitschrift für physiologische Chemie, Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1934, Band 226, S. 258 ff. gemeinsam mit Heinrich Vollmann, Hans Becker und Martin Corell: Beiträge zur Kenntnis des Pyrens und seiner Derivate. In: Annalen der Chemie, 531. Band, 1937.

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Einzelnachweise

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