mini|Namensgeber Karl Friedrich von Baden. mini|Das Gebäude des Karl-Friedrich-Gymnasiums Mitte 2010.

Das Karl-Friedrich-Gymnasium (kurz: KFG) ist ein humanistisches Gymnasium und die älteste höhere Schule in Mannheim mit einer mehr als 350-jährigen ununterbrochenen Geschichte.

Historisches Die Entstehungsgeschichte des Karl-Friedrich-Gymnasiums ist zunächst geprägt von den Auswirkungen der Konfessionalisierung auf das Bildungswesen und von Versuchen, daraus resultierende Streitigkeiten zu überwinden. Für die drei Konfessionen der Reformierten, der Lutheraner und der Katholiken wurden dementsprechend je eigene höhere Schulen gegründet. 1664 wurde die Schule als reformiertes Pädagogium (Lateinschule) von Kurfürst Karl Ludwig begründet. Der erste Rektor, Johann Heinrich Bürger (latinisiert auch Burgerus), trat 1665 sein Amt an. Zuständige Aufsichtsbehörde war der Heidelberger Kirchenrat, der im 18. Jahrhundert die Versuche des Konsistoriums der reformierten Gemeinde Mannheims, die Zuständigkeit für sich zu beanspruchen, erfolgreich abzuwehren vermochte. Eine neue Lage entstand durch den Übergang der Herrschaft an die katholische Linie Pfalz-Neuburg. Philipp Wilhelm ermahnte gleich nach seinem Einzug in die Residenz Heidelberg die Konfessionen zum Frieden. Nachdem die Stadt im Orleansschen Erbfolgekrieg 1689 vollkommen zerstört worden war, begann man im Jahre 1700 mit der Neugründung des reformierten Pädagogiums. Die Gründung des lutherischen Gymnasiums erfolgte dagegen 1711 durch die lutherische Kirchengemeinde. 1720 stiftete dann der aus der katholischen Linie Pfalz-Neuburg stammende Kurfürst Karl Philipp das katholische Jesuiten-Gymnasium. Zwischen 1730 und 1734 wurde ein Kolleggebäude zwischen dem westlichen Schlossflügel und der Jesuitenkirche errichtet. 1738 entstand das Gebäude für das Jesuitengymnasium, das sich in der „Kalten Gass“ befand.Vgl. Friedrich Walter, Mannheim in Geschichte und Gegenwart, Bd. 1 Geschichte Mannheims von den ersten Anfängen bis zum Übergang an Baden (1802). Verlag der Stadtgemeinde, Mannheim 1907, S. 499f. Seit 1759 wurden in der Kurpfalz nur noch Absolventen der Schulen in Heidelberg, Mannheim, Neustadt an der Haardt und Kreuznach zum Universitätsstudium zugelassen.Vgl. Hermann Wiegand: Der zweigipflige Musenberg. Studien zum Humanismus in der Kurpfalz. (Rhein-Neckar-Kreis. Historische Schriften 2). Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2000, S. 170. 1750 wurde die Unterstützungskasse Cassa Pia für bedürftige Schüler im Jesuitengymnasium gegründet. Die Cassa Pia bestand als Lernmittelbücherei bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Als die Revolution ausbrach, begannen im Jahre 1795 die Schülerzahlen aller drei Gymnasien zurückzugehen. 1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst und die Stadt Mannheim ging an Baden über.

Am 10. November 1807 wurde das „Vereinigte Großherzogliche Lyzeum“, aus den drei konfessionellen Gymnasien durch Großherzog Karl Friedrich von Baden errichtet.Karl Albert Müller: Von den Anfängen unserer Schule 1665–1807. In: ders. (Hrsg.): Dreihundert Jahre Karl-Friedrich-Gymnasium (S. unten Literatur) S. 7–112; Horst Meusel, Zur Geschichte und Bedeutung des Mannheimer Lyceums, des heutigen Karl-Friedrich-Gymnasiums, im Zusammenhang mit der Entwicklung des badischen Schulwesen, in: Karl Albert Müller (Hrsg.), Dreihundert Jahre Karl-Friedrich-Gymnasium (S. unten Literatur) S. 113–148; Friedrich Walter, Mannheim in Geschichte und Gegenwart, Bd. 2 Geschichte Mannheims vom Übergang an Baden (1802) bis zur Gründung des Reiches, Verlag der Stadtgemeinde, Mannheim 1907, S. 18–21. Seit 1820 wurden am Lyceum jüdische Schüler aufgenommen, die um 1880 fast ein Drittel der Schülerschaft stellten. 1872 wurde die Schule in „Großherzogliches Gymnasium“ umbenannt. Außerdem wurde die umgekehrte Zählung der Klassen von Sexta bis Prima (VI-I) eingeführt.

Von 1896 bis 1899 wurde vom Badischen Staat das heutige Schulgebäude – damals noch vor der Stadt gelegen – mit verhältnismäßig aufwendigem Fassadendekor im Stil des Historismus und prunkvollem Treppenaufgang errichtet, der unverkennbare stilistische Anspielungen auf den des einstigen Jesuitenkollegs aufweist.Zuir Interpretation von Architektur und baukünstlerischer Ausstaatung vgl. Gereon Becht-Jördens, Humanistische Bildung und Krieg, in: Hermann Wiegand, Wilhelm Kreutz (Hrsg.): 200 Jahre Vereinigtes Großherzogliches Lyceum. Karl-Friedrich-Gymnasium Mannheim. Heidelberg 2008, S. 135–164. Zum Bau vgl. Wolfgang Höfler, Von der Bürgerschule zum Gymnasium, in: Karl Albert Müller (Hrsg.), Dreihundert Jahre Karl-Friedrich-Gymnasium (S. unten Literatur) S. 175–187, hier Abb. S. 196; S. 197; Friedrich Walter, Mannheim in Geschichte und Gegenwart, Bd. 3 Geschichte Mannheims vom Übergang an Baden (1802) bis zur Gründung des Reiches, Verlag der Stadtgemeinde, Mannheim 1907, S. 502–505. Zum Treppenaufgang vgl. ebd. Abb. S. 503 mit ders., Bd. 1 Geschichte Mannheims von den ersten Anfängen bis zum Übergang an Baden (1802). Verlag der Stadtgemeinde, Mannheim 1907, Abb. S. 499. Als Konsequenz aus der Gewährung des uneingeschränkten Zugangs von Frauen zu Universitätsstudien im Großherzogtum Baden – als erstem deutschen Land – per Erlass vom 28. Februar 1900 wurde 1902 mit der Koedukation durch Aufnahme von sieben Mädchen in die Sexta begonnen. 1905 gründeten Ehemalige den heute noch bestehenden „Alt-Herren-Verband des Karl-Friedrich-Gymnasiums Mannheim“, dessen Mitgliederzahl bis 1930, vor allem durch das Wirken des ehemaligen Direktors Wilhelm Caspari als Vorsitzenden, auf 840 anstieg, darunter von Anfang an – wenn auch wenige – weibliche Mitglieder.Vgl. Seite „Geschichte des Vereins“. 1907 erhielt das Gymnasium in Erinnerung an den ersten badischen Großherzog Karl Friedrich seinen heutigen Namen Karl-Friedrich-Gymnasium. Im Zweiten Weltkrieg wurden 1943 die Unter- und Mittelstufe ausgelagert, das Schulhaus zu 60 Prozent zerstört und der Schulbetrieb im März 1945 eingestellt. Im Dezember 1945 nahm das Karl-Friedrich-Gymnasium den Unterricht im halb ausgebrannten Schulhaus wieder auf. Dieses wurde 1950 wiederhergestellt und 1961/1962 großzügig modernisiert, wobei in dem durch Aufstockung neugewonnenen Obergeschoss naturwissenschaftliche Fach- und Praktikumsräume eingerichtet wurden. In einer Zeit, die der Architektur des Historismus mit Geringschätzung begegnete, wurde dafür die Beeinträchtigung der stilistischen Einheitlichkeit des Gebäudes in Kauf genommen. 1972 feierte das Karl-Friedrich-Gymnasium sein 300-jähriges Bestehen, wobei der ehemalige Schüler und spätere Astrophysiker Heinz Haber die Festansprache hielt. Seit dem Schuljahr 1966/67 ist eine Einrichtung des Zweiten Bildungsweges, an der Erwachsene innerhalb von drei Jahren das Abitur erwerben können, als Tagesschule angegliedert, das Staatliche Kolleg Mannheim, das für den nicht mit den Schülern des Gymnasiums gemeinsam erteilten Unterricht über eigene Unterrichtsräume in der Traitteurstraße 28-34 verfügt (zuvor im Kinder- und Jugendhilfezentrum Wespinstift, Mecklenburger Straße 56).

Zwischen 1974 und 1975 wurde ein landesweiter Schulversuch unternommen, um die reformierte Oberstufe zu erproben. 1978 wurde allgemein die NGO (Neue Gymnasiale Oberstufe) eingeführt. 1984 wurde neben dem altsprachlichen der neusprachliche NI-Zug eingerichtet. 1996 wurde das naturwissenschaftliche Profil und 1998 der achtjährige Zug eingeführt. Ab 2003/2004 konnte auch Spanisch als vierte Fremdsprache gewählt werden; zudem wurde die Schule ein europäisches Gymnasium. Seit 2007 wird das Fach NWT in der Regel in zwei Klassen unterrichtet. Seit einigen Jahren bietet das Karl-Friedrich-Gymnasium eine differenzierte Begabtenförderung in den Klassen 5 und 6 an. Mit der verbindlichen landesweiten Einführung des achtjährigen Gymnasiums 2004 entfiel zunächst die Möglichkeit des neunjährigen Abiturzuges, doch konnte die Schule diesen seit 2013 wieder anbieten, da das im Rahmen des Schulversuchs G 9 vorgelegte Konzept der Schule für einen neunjährigen Zug, der besonders in der Mittelstufe mehr Zeit für die Vertiefung der Allgemeinbildung vorsieht, vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg genehmigt wurde.

In den Jahren 2009 bis 2016 erfolgte eine Generalsanierung von Schulgebäude und Schulhof, in deren Rahmen an die rückwärtigen Flügel des historischen Gebäudes von Seiten des Schulhofs, zwei Treppentürme mit Liften in Glasbetonbauweise angefügt wurden, um Sicherheitsanforderungen Genüge zu tun und Behindertengerechtigkeit zu garantieren. Durch temporäre Aufstellung von Schulcontainern auf dem Schulhof und in den angrenzenden Straßen wurde die Aufrechterhaltung des Unterrichtsbetriebes während der laufenden Arbeiten im Gebäude ermöglicht. Anders als diese blieb die aus demselben Grund gegenüber der Kunsthalle errichtete sogenannte Dependance auch nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wegen des fortbestehenden Raumbedarfs erhalten. Diese sind seit dem Schuljahr 2025/26 nicht mehr in Benutzung.

Direktoren seit der Vereinigung von 1807 Konfessionell alternierende Direktoren 1807–1854 1807–1822: Bernhard Seiler (rk) 1807–1830: Johann J. Weickum (ev) 1807–1850: Friedrich August Nüßlin (ev) 1822–1854: Franz Gräff (rk) 1850–1854: Johann Peter Behaghel 1854–1869: Johann Peter Behaghel 1870–1878: Ferdinand Caspari 1879–1881: Franz L. Dammert 1881–1906: Ferdinand Haug 1906–1909: Julius Keller 1909–1922: Wilhelm Caspari 1922–1932: Hermann Rieger 1932–1942: Hermann Krakert 1942–1943: Gustav Mittelstrass 1943–1946: Hermann Gropengießer 1946–1953: Paul Schredelsecker 1953–1957: Paul Rave 1957–1957: Alfred Bachstein (kommissarisch) 1957–1974: Karl A. Müller 1974–1996: Hansjörg Probst 1996–2014: Hermann Wiegand seit 2014: Alexander Sauter

Schüler und Lehrer Geboren vor 1800 Johann Jung (1727–1793), Theologe, Geistlicher und Hochschullehrer, Lehrer an der Schule Georg Franz Wiesner (1731–1797), katholischer Theologe Peter von Winter (1754–1825), Komponist, Hofmusiker, Musikpädagoge Karl August von Malchus (1770–1840), Staatswissenschaftler, Staatsbediensteter und Minister, Publizist Ludwig Walrad Medicus (1771–1850), Hochschullehrer für Forst- und Landwirtschaft Ludwig von Leonrod (1774–1859), Rechtswissenschaftler, Richter und Politiker Seligmann Ladenburg (1797–1873), Bankier, Mitgründer fast aller großer Unternehmen seiner Zeit in Baden, darunter der BASF AG und der Südzucker AG Wilhelm Eisenlohr (1799–1872), von 1819 bis 1840 Hauptlehrer/Professor für Mathematik und Physik am Vereinigten Großherzoglichen Lyceum, später Professor für Physik am Polytechnischen Institut in Karlsruhe, Gründer der ersten Gewerbeschule Badens in Mannheim

1801 bis 1850 Karl Friedrich Schimper (1803–1867), Naturwissenschaftler, Botaniker und Geologe Heinrich Christian Diffené (1804–1883), Kaufmann (Weinhandel, Binnenschifffahrt, Bank- und Börsenwesen), Handelsrichter, Erster Bürgermeister Mannheims Alexander von Soiron (1806–1855), Rechtsanwalt, liberaler badischer Politiker, Mitglied der badischen Zweiten Kammer, Vizepräsident der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, Mitglied des Verfassungsausschusses Karl Mathy (1807–1868), Journalist, Bankier, liberaler badischer Politiker, Mitglied der badischen Zweiten Kammer, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, Regierungschef von Baden, Herausgeber der Deutschen Zeitung Philipp von Jolly (1809–1884), Mathematiker und Physiker, Professor an den Universitäten Heidelberg und München Leopold Ladenburg (1809–1889), Rechtsanwalt und juristischer Autor, liberaler badischer Politiker, Mitglied des Mannheimer Großen Bürgerausschusses, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, Mitgründer der BASF AG Peter Anton Schleyer (1810–1862), Theologe und Priester, Professor an der Universität Freiburg Christoph Wolff (1810–1901), Anwalt und liberaler Kommunalpolitiker in Baden-Baden, revolutionärer Zivilkommissar und Bürgermeister von Baden-Baden 1849