mini|hochkant|Tom Odell landete mit dem Titel Another Love den erfolgreichsten „Dauerbrenner“ in den deutschen Singlecharts. Die Liste der Lieder, die am längsten in den deutschen Singlecharts verweilten, ist eine Übersicht von Liedern, die sich besonders lange in den deutschen Singlecharts platzieren konnten.
Der erfolgreichste „Dauerbrenner“ wurde vom britischen Sänger Tom Odell veröffentlicht. Seine Single Another Love (2013) konnte sich bislang 330 Wochen in den deutschen Singlecharts platzieren. Das älteste Werk stammt aus dem Jahr 1954 und kommt vom deutschen Hula Hawaiian Quartett. Deren Single Jim, Jonny und Jonas stieg erstmals am 1. September 1954 in die Charts ein und konnte sich bis zum 31. Dezember 1955 69 Wochen in den Singlecharts halten.
Hinweise zur Interpretation der aufgeführten Statistiken Die hier dargestellte Auswertung bietet eine Übersicht von Liedern, die sich besonders lange in den offiziellen Singlecharts der Bundesrepublik Deutschland platzierten. Aufgrund der besseren Übersicht beschränkt sich diese Liste auf Titel, die sich länger als 52 Wochen in den Singlecharts platzieren konnten. Maßgeblich hierfür sind die einzelnen Chartausgaben beziehungsweise Chartwochen, nicht der komplette Zeitraum zwischen der erstmaligen und letztmaligen Platzierung in den Charts. Die Liste gibt die tatsächlichen Wochen wieder, sodass monatliche sowie halbmonatliche Chartangaben in Wochen umgewandelt wurden, dadurch sind auch Titel mit 52 Wochen in der Liste zu finden, weil diese abgerundet auf 52 Wochen kommen, jedoch länger als 364 Tage in den Charts vertreten waren. Zwischen 1984 und 2007 gab es Jahrgänge, in denen zwischen den Jahren keine Chartausgaben veröffentlicht wurden, hierbei wurde die jeweilige Folgewoche doppelt gewertet, weil die Verkäufe einen Erhebungszeitraum von zwei Wochen abbilden. Der Artikel führt alle Titel chronologisch absteigend nach der Verweildauer in den Charts auf, bei gleicher Verweildauer sind die Titel aufsteigend nach der letzten Chartwoche sortiert. Darüber hinaus beinhaltet die Tabelle Informationen zu den Autoren (Musik und Text), den Produzenten, der Höchstplatzierung, dem erstmaligen Charteintritt sowie der letzten Chartwoche, in der ein jeder Titel sich platzieren konnte sowie den bekannten Gold- und Platinauszeichnungen beziehungsweise den nachweisbaren Verkaufszahlen. Lieder, die sich aktuell in den Charts befinden, sind grün hervorgehoben.
Problematik
Chartumfang Singlecharts gibt es in Deutschland seit Dezember 1953, als die Jukebox aus den Vereinigten Staaten nach Westdeutschland kam. Die Zeitschrift Der Automatenmarkt veröffentlichte jeden Monat eine Auflistung der beliebtesten „Boxen-Schlager“, im Umfang von meist 30 Plätzen. Ab Juli 1959 erschienen die Singlecharts, in einem Umfang von 20 bis 70 Plätzen, in der Zeitschrift Musikmarkt. Ab Anfang 1960 veröffentlichte der Musikmarkt Top-50-Hitparaden, wobei es sich um keine strikte Obergrenze handelte, sodass die Singlecharts teilweise bis zu 54 Positionen beinhalteten. Mit Beginn des Jahres 1965 wurde der Umfang auf 40 Plätze begrenzt. Anfang 1971 erhöhte man den Umfang wieder auf 50 Plätze. 1977 übernahm Media Control die Chartermittlung und stellte ab Januar 1980 die Singlecharts auf eine Top-75-Hitparade um. Im August 1989 erhöhte man nochmals den Umfang auf die heutige Top-100-Hitliste.
Turnus Die Singlecharts erschienen zunächst mit ihrer Einführung monatlich zum ersten einen jeden Monats, sowohl im Automatenmarkt als auch im Musikmarkt. Ab dem 1. Januar 1965 publizierte der Musikmarkt die Singlecharts zweimal im Monat, sie erschienen nun etwa alle zwei Wochen an jedem 1. und 15. eines jeden Monats. Mit Beginn des Jahres 1971 stellte der Musikmarkt auf die heute noch praktizierte wöchentliche Erscheinungsweise um.
Publikation Als Nachweise für die Chartinformationen dienen das Chartarchiv der GfK Entertainment (offiziellecharts.de), oder auch Printnachweise der Zeitschriften Der Automatenmarkt und Musikmarkt. Das Chartarchiv der GfK bringt jedoch einige Probleme mit sich:
Das offizielle Chartarchiv der GfK Entertainment bietet erst ab dem 3. Januar 1977 ein umfassendes und vollständiges Chartarchiv mit Chartverläufen. Das Archiv beinhaltet auch Charterfolge zwischen dem 1. Juli 1959 und dem 3. Januar 1977, allerdings ohne Chartverläufe, Austrittsdaten und die „Wochenangaben“ richten sich nicht nach den tatsächlichen Wochen, sondern nach den Chartausgaben. So wird ein Titel, der im Jahr 1959 eine Monatsausgabe in den Charts vertreten war, mit einer Woche anstatt gerundeten vier Wochen aufgeführt. Dies kann dazu führen, dass ein Titel zwölf Monate in den Charts verweilte, jedoch seitens der GfK nur mit zwölf Wochen aufgeführt wird. Als Beispiel hierzu dient Banjo Boy von Jan & Kjeld. Die Single stieg am 1. Dezember 1959 in die Singlecharts ein und verweilte dort bis zum 30. November 1960. Der Titel blieb so während des monatlichen Chartturnus für 12 Monate bzw. 366 Tage (52,29 Wochen = 52 Wochen) in den deutschen Singlecharts, wird allerdings seitens der GfK nur mit zwölf Wochen aufgeführt.
Darüber hinaus gibt es weitere inoffizielle Chartarchive ab dem 1. März 1954. Probleme die hier in Erscheinung treten, sind zum einen, dass diesen Datenbanken teilweise die Rechte zur Vervielfältigung der Chartplatzierungen fehlen, zum anderen werden bei einigen monatliche und halbmonatliche Chartausgaben mit vier beziehungsweise zwei Wochen gewertet, sodass beispielsweise ein Titel, der zwölf Monate in den Charts verweilte, mit 48 Wochen berücksichtigt wird.
Sperrklausel Anfang 1997 wurde eine Sperrklausel eingeführt, die in der unteren Hälfte der Top 100 nur eine begrenzte Aufenthaltszeit für Charttitel ermöglichte. Dabei wurden Titel nach neun Wochen in den Charts beziehungsweise spätestens zwei Wochen nach Verlassen der Top 50 gestrichen. Am 19. März 2010 wurde diese Sperrklausel wieder abgeschafft.
Verschiedene Variationen
In Deutschland besteht die Besonderheit, dass die Verkäufe von Singles beziehungsweise Liedern, die sich inhaltlich stark ähneln („Titelidentität“), zusammenaddiert werden. Die GfK spricht dabei von der sogenannten „Additionsregel“. Die hierfür notwendige „Titelidentität“ ist gegeben, wenn der Hauptbestandteil mindestens zu 70 % übereinstimmt. Dies sorgt dafür, das in der Regel Neuauflagen, Erweiterungen, Liveversionen oder Remixe dem Hauptwerk beziehungsweise dem Erstlingswerk hinzuaddiert werden und sich nicht separat in den Charts platzieren können.
Digitale Musik Seit September 2004 werden Downloads und seit Januar 2014 zusätzlich Musikstreamings bei der Chartermittlung berücksichtigt. Dies sorgt dafür, das Titel uneingeschränkt zur Verfügung stehen und sich das Marktangebot vervielfältigt hat. Dies führte zu vermehrter Kritik darüber, was die Musik noch Wert sei und welchen Stellenwert die Musikcharts noch hätten. Während es bis zur Berücksichtigung von Downloads nur wenige Titel schafften, sich in den knapp 50 Jahren zuvor über ein Jahr in den Charts zu platzieren, schafften es fortan mehrere Titel pro Jahr. Nach der Berücksichtigung von Streamings setzte sich dieser Trend fort, darüber hinaus schafften es nun auch ältere Veröffentlichungen, sich wieder in den Charts zu platzieren und sich Jahre später zu sogenannten Dauerbrennern in den Charts zu entwickeln. Der deutsche Musiker Carl Mahlmann, ehemaliger Marktforscher bei EMI Electrola und Kontrollausschuss-Mitglied bei der Chartermittlung, sagte entgegen der Kritik zu Streaming: „Man kann über Sinn oder Unsinn streiten, aber die Einbeziehung des Streamings ist nichts weiter als eine Reaktion auf den veränderten Musikmarkt“.
Liste der Dauerbrenner in den deutschen Singlecharts