mini|hochkant|Christophe Girard Christophe Girard (* am 9. Februar 1956 in Saumur) ist ein französischer Manager und Politiker, der hauptsächlich im Kulturbereich tätig wurde. Er bekleidete führende Positionen in Häusern der französischen Luxusgüterindustrie, namentlich im Modekonzern Yves Saint Laurent und der Gruppe LVMH, und war an der Gründung der Zeitschrift Têtu beteiligt.
Girard war zunächst Mitglied der französischen Partei Les Verts (Grüne) und trat später dem Parti socialiste bei. Von 2001 an war er im Stadtrat von Paris, wo er mehrfach die Stellung eines Beauftragten des Bürgermeisters innehatte. Von 2010 bis 2015 war er Mitglied im Conseil régional der Region Île-de-France sowie von 2012 bis 2017 Bürgermeister des 4. Arrondissements von Paris.
Leben Ausbildung und beruflicher Werdegang Christophe Girard studierte Japanisch am INALCO in Paris und belegte zudem Vorlesungen in Jura und Wirtschaftswissenschaften, ohne ein Diplom zu erwerben. Während eines Studienaufenthalts in Kyoto arbeitete er in einer Saint-Laurent-Boutique und lernte dort Yves Saint Laurent und Pierre Bergé persönlich kennen. Er wurde zunächst Talentscout für das Unternehmen Yves Saint Laurent,Biografische Angaben, abgerufen am 8. Februar 2026. bereits 1978 dessen Generalsekretär und stieg 1997 zum stellvertretenden Geschäftsführer auf. 1999 trat er der LVMH-Gruppe (Moët Hennessy Louis Vuitton) als Direktor für Modestrategie bei. Im Jahr 2016 verließ er dieses Unternehmen.
Zusammen mit Bergé, Didier Lestrade und Thomas Doustaly gründete er 1995 die queere Zeitschrift Têtu. Zugleich war er Generalsekretär von Sidaction, einer Spendenaktion im Kampf gegen AIDS, die er zusammen mit der Schauspielerin Line Renaud und Pierre Bergé begründete.
Politischer Werdegang 1998 wurde er Mitglied bei Les Verts, der französischen grünen Partei. Er kandidierte 1999 auf der Liste von Daniel Cohn-Bendit für die Europawahl.
Im Jahr 2001 wurde er als Kandidat der Grünen im 4. Arrondissement von Paris in den Pariser Stadtrat gewählt, und nachdem Bertrand Delanoë Bürgermeister geworden war, wurde er stellvertretender Bürgermeister von Paris mit Zuständigkeit für Kultur.À la politique culturelle parisienne, ses obligés reconnaissants, mediapart.fr, 30. Mai 2012. Zugleich behielt er noch seine Stelle bei LVMH.
Als Kulturbürgermeister von Paris war Girard Initiator der Nuits blanches, eines seit 2002 jährlich stattfindendes nächtliches Kunst- und Kulturfestival, das jeweils eine ganze Nacht lang zeitgenössische Kunst kostenlos in den öffentlichen Raum bringt, sowie anderer Kulturprojekte, die in der Amtszeit Delanoës eingeleitet wurdenCulture: l'opium des bobos, lepoint.fr, 5. Dezember 2003 (das 2008 eröffnete und mehrere Veranstaltungsorte und Institutionen umfassende Kulturzentrum Cent Quatre, das Theater Gaîté-Lyrique, das Kino Le Louxor, die Maison des Métallos und die Maisons des pratiques artistiques amateures).
Im September 2005 brach er mit den Pariser Grünen und trat im November der Sozialistischen Partei bei. Im August 2006 wurde Girard Mitglied des Beraterteams von Ségolène Royal, der sozialistischen Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl 2007.Biographie de Christophe Girard, lci.fr, abgerufen am 30. Oktober 2010
Am 21. März 2010 wurde er bei den Regionalwahlen in der Île-de-Franceevous.fr - Résultats des élections régionales 2010 à Paris, par arrondissement – 21. März 2010. auf der gemeinsamen Liste der PS und verschiedener linker Gruppen in den Regionalrat gewählt. Die Liste erhielt 68 % der Wählerstimmen.
Im Jahr 2011 stand er laut der französischen Kunstzeitschrift L'Œil an siebter Stelle in der Rangliste der 50 bekanntesten Persönlichkeiten der Kunstwelt.
Im Mai 2012 wurde Dominique Bertinotti zur beigeordneten Ministerin für Familie im Regierungskabinett von Jean-Marc Ayrault ernannt und trat kurz darauf vom Amt der Bürgermeisterin des 4. Arrondissements von Paris zurück. Girard wurde am 2. Juli 2012 zu ihrem Nachfolger gewählt. Da der damalige Bürgermeister von Paris, Delanoë, Ämterhäufung ablehnte, musste Christophe Girard das Amt des Kulturbürgermeisters aufgeben.
Im Hinblick auf die Kommunalwahl 2014 fand im 4. Arrondissement eine Vorwahl innerhalb des Parti Socialiste statt, um eine Entscheidung zwischen dem bisherigen Bürgermeister, Girard, und einer weiteren Kandidatin, Madeleine Houbart, herbeizuführen. Houbart wurde knapp geschlagen,Pascale Nivelle, La primaire PS dans le IVe arrondissement de Paris contestée, in: Libération vom 15. November 2013, online unter liberation.fr und Girard wurde in der zweiten Runde der Kommunalwahl gegen eine von Vincent Roger angeführte Liste der Parteien Union pour un mouvement populaire (UMP, heute Les Républicains), Union des démocrates et indépendants (UDI) und Mouvement démocrate (MoDem) mit knappem Vorsprung zum Bürgermeister wiedergewählt.Sophie de Ravinel, « Hidalgo impose ses candidats sur ses listes », in lefigaro.fr, 22. November 2013.
Im Vorfeld der französischen Präsidentschaftswahl 2017 war Girard im Rahmen der parteiinternen Vorwahl des PS im Wahlkampfteam von Vincent Peillon für dessen Kulturprojekt verantwortlich.« Primaire à gauche. Peillon détaille son organigramme de campagne », ouest-france.fr, 23. Dezember 2016. Peillon wurde von der Partei jedoch nicht zum Kandidaten für das Präsidentenamt gewählt.
Am 11. Oktober 2017 wurde Girard Beigeordneter für Personalwesen, sozialen Dialog und die Qualität der öffentlichen Dienste im Bürgermeisteramt der Stadt Paris, jetzt unter der Bürgermeisterin Anne Hidalgo, und gab seinen Rücktritt vom Amt des Bürgermeisters des 4. Pariser Arrondissements bekannt. Am 17. September 2018 trat er die Nachfolge von Bruno Julliard an und kehrte in das Kulturressort zurück. Er wurde am 3. Juli 2020 erneut in dieses Amt berufen, nachdem er am 28. Juni als einer der Kandidaten des 18. Arrondissements in den Stadtrat von Paris gewählt worden war.Christine Henry, Municipales à Paris: le XVIIIe arrondissement, future terre d’élection pour Christophe Girard, Le Parisien vom 19. September 2019, abgerufen am 4. Juli 2020.
Am 23. Juli 2020 gab er seinen Rücktritt vom Amt des Kulturbeauftragten der Stadt Paris bekannt, nachdem ihn Abgeordnete der grünen Fraktion und militante Feministinnen wegen seiner Unterstützung des Schriftstellers Gabriel Matzneff angegriffen hatten, der wegen seiner Apologetik der Pädophilie und pädophiler Handlungen bereits seit den 1990er Jahren von der Öffentlichkeit zunehmend kritisch gesehen wurde.Céline Carez, Affaire Matzneff: attaqué, l’adjoint à la mairie de Paris Christophe Girard se défend, online unter: leparisien.fr 13.02.2020-02 Aufruf am 04.07.2020-07.Artikel in Le Monde vom 23.7.2020 Girard wurde vorgeworfen, ein enger Freund Matzneffs zu sein, was er bestritt, und in seiner früheren Funktion bei der Fondation Pierre Bergé - Yves Saint Laurent für die Übernahme der Kosten für das Hotelzimmer, in dem Matzneff mit einer Minderjährigen verkehrte, verantwortlich gewesen zu sein. Vincent Monadé, der Direktor des Centre National du Livre (CNL), behauptete, Girard habe zudem als Beigeordneter für Kultur im Pariser Rathaus Matzneff eine jährliche Zuwendung auf Lebenszeit gewährt, was Girard wiederum bestritt.
Privatleben Im Juni 2013 heiratete Girard den Filmregisseur und Drehbuchautor Olivier Meyrou (My own little gay America, Zelda, Au-delà de la haine, Célébration, Parade, L'Avocat du diable etc.), die Trauzeugen waren Bertrand Delanoë und Mazarine Pingeot; die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo wohnte der Hochzeitsfeier im Rathaus des 4. Arrondissement bei.AFP/Le HuffPost, « Mariage gay à Paris: Anne Hidalgo marie le maire du 4e arrondissement, Christophe Girard et son compagnon » sur Le HuffPost, 8. Juni 2013.
Ehrungen Mai 1995: Ritter des ordre national du Mérite (verliehen vom Minister für Gesundheit) Februar 2002: Ritter der Ehrenlegion (verliehen vom Premierminister) Januar 2013: Offizier (verliehen vom Premierminister) Januar 2003: Offizier des Ordre des Arts et des Lettres (verliehen vom Kulturminister)
Standpunkte Das Recht auf gleichgeschlechtliche Elternschaft Christophe Girard setzte sich für das Recht homosexueller Paare auf Elternschaft ein. In seinem Buch Père comme les autres von 2006 heißt es im Klappentext: „Je suis père et homosexuel, j'ai écrit ce livre pour que ces deux mots aillent ensemble.“ (Ich bin Vater und ich bin homosexuell und ich habe dieses Buch geschrieben, damit diese beiden Wörter zusammenfinden.)
Das Recht auf Eheschließung für Homosexuelle In den Jahren 2012 und 2013 setzte sich Girard für die Verabschiedung des Gesetzes loi ouvrant le mariage aux couples de personnes de même sexe ein, das auch unter dem Namen „Ehe für alle“ bekannt ist. Er organisierte zahlreiche Diskussionsveranstaltungen zu diesem und ähnlichen Themen im Rathaus des 4. Arrondissement, an denen unter anderem Christine Boutin, Caroline Fourest, Irène Théry und auch Mgr. Jacquin, der Rektor der Kathedrale Notre-Dame de Paris teilnahmen. Am Abend nach der Verabschiedung des Gesetzes in der Nationalversammlung am 23. April 2013 veranstaltete er eine Feier auf dem Platz vor dem Rathaus des 4. Arrondissementa, bei der der Regisseur Patrice Chéreau und die Cellistin Sonia Wieder-Atherton auftraten.
Schriften La Défaillance des pudeurs. éditions du Seuil, Paris 2006, ISBN 2-02-087707-4. Père comme les autres. Hachette Littératures, 2006, ISBN 978-2-01-235864-5. Le Petit Livre rouge de la culture. éditions Flammarion, 2012, ISBN 978-2-08-127738-0. Hélice Hélas (Hrsg.): Perdre la paix : Keynes, Paris, 1919. Vevey 2015, ISBN 978-2-940522-31-6.
Weblinks
Chat mit Christophe Girard am 15. Januar 2007 in l‘Internaute Magazine/Paris
Anmerkungen und Einzelnachweise
Kategorie:Gemeinderat (Paris) Kategorie:Les-Verts-Mitglied Kategorie:PS-Mitglied (Frankreich) Kategorie:Mitglied der Ehrenlegion (Offizier) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1956 Kategorie:Mann