mini|BMW M1 Procar von Nelson Piquet Die BMW-M1-Procar-Meisterschaft, auch Procar-Serie genannt, wurde mit BMW-M1-Procars in den Jahren 1979 und 1980 größtenteils im Rahmenprogramm von europäischen Formel-1-Rennen ausgetragen. Das erste Rennen fand am 12. Mai 1979 im belgischen Zolder statt.

In der Procar-Serie traten die fünf schnellsten Formel-1-Fahrer aus den Trainingsläufen mit Werksfahrzeugen des BMW M1 gegen höchstens 19 Sportwagen- und Privatpiloten dieses Fahrzeugtyps an. Außer den Teamchefs von Ferrari und Renault – selbst Hersteller von Straßenfahrzeugen – gaben alle Formel-1-Rennställe ihren Fahrern die Erlaubnis, an den Procar-Rennen teilzunehmen.

Die Renndistanz betrug rund ein Drittel der Grand-Prix-Distanz des jeweiligen Formel-1-Rennens. Ausgetragen wurden die Läufe der Procar-Serie an den Formel-1-Wochenenden immer am Samstag nach dem Abschlusstraining der Formel 1. Mit den Rennen der Procar-Serie konnten sich die Zuschauer ein Bild von den fahrerischen Fähigkeiten der besten Fahrer auf vergleichbaren Fahrzeugen machen.

Der Sieger eines Rennens erhielt 20 Meisterschaftspunkte, die folgenden Platzierungen erhielten 15, 12, 10, 8, 6, 4, 3, 2 und 1 Punkt. Der Fahrer mit den meisten Punkten am Ende der Saison gewann die Procar-Meisterschaft und erhielt als Preis eine Straßenversion des BMW M1, sein Team einen zweiten. Der zweitplatzierte Fahrer und dessen Team erhielten je einen BMW 528i, der Drittplatzierte und dessen Team je einen BMW 323i. Nach jedem Lauf der Procar-Serie 1979 wurden für den ersten Platz 5.000 US-Dollar bezahlt, für den zweiten Platz 3.000 und für den dritten Platz 1.000 US-Dollar. Die erste Saison 1979 gewann der dreifache Formel-1-Weltmeister Niki Lauda, die zweite und letzte Saison 1980 gewann Nelson Piquet.

Anlässlich des Großen Preises von Deutschland in Hockenheim gab es am 19./20. Juli 2008 ein Procar Revival, an dem zehn BMW-M1-Rennwagen teilnahmen. Angeführt von Jochen Neerpasch im Andy-Warhol-Art Car mit Beifahrer Frank Stella absolvierten Fahrer wie Christian Danner, Harald Grohs, Helmut Kelleners, Christian Klien, Jacques Laffite, Niki Lauda, Sepp Manhalter, Jörg Müller, Dieter Quester, Marc Surer und Leopold Prinz von Bayern zwei Show-Rennen.

Fahrzeuge Für die Rennserie, die praktisch ein Markenpokal war, entstanden bei den drei Procar-Produzenten insgesamt 44 Rennwagen (andere Quellen sprechen von 48 Fahrzeugen), wobei die für die Formel-1-Fahrer bestimmten Fahrzeuge ausschließlich bei der BMW Motorsport GmbH in München gebaut wurden. Die vormontierten BMW M1 wurden also entweder direkt bei der BMW Motorsport GmbH oder bei den Rennwagenherstellern Osella in Italien oder Project Four in England komplettiert, wobei die Auswahl und Bereitstellung der Teile durch die Münchner vorgenommen wurden. Jochen Neerpasch, damals Geschäftsführer der BMW Motorsport GmbH, versprach sich von dieser Diversifikation eine gesunde Konkurrenz im Bestreben, bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Privatfahrer konnten den rennfertigen M1 in Procar-Version, der in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigte und knapp über 300 km/h schnell war, für 150.000 DM erstehen. Alle Rennwagen hatten 345 kW / 470 PS bei 9.000 min−1 und waren technisch weitestgehend identisch. Geringe Unterschiede gab es lediglich in der Fahrwerksabstimmung und in der Stellung der Spoiler. Um sicherzustellen, dass alle Procars tatsächlich über die gleiche Leistung verfügten, wurde ein auf 8.500 min−1 eingestellter Drehzahlbegrenzer mit einem bordunabhängigen Drehzahlmess- und Speichersystem kombiniert, um Abweichungen exakt feststellen zu können.

Neben den von BMW, Osella und Project Four aufgebauten Fahrzeugen wurden weitere Rennwagen von namhaften Rennteams vorbereitet und eingesetzt. Aus dem Tourenwagensport bekannte Teams wie Tom Walkinshaw Racing, Eggenberger Motorsport, Ëcurie Automobile Arvor und Schnitzer Motorsport sowie Sportwagen-Teams wie Team Konrad und GS-Tuning nahmen ebenfalls an den Procar-Rennen teil.

Saison 1979 mini|BMW M1 Procar von Clay Regazzoni mini| BMW M1 Procar von BMW Motorsport für Nelson Piquet mini|Blick in das Cockpit eines BMW M1 Procar Der Rennkalender für die erste Saison der Procar-Meisterschaft sah Veranstaltungen von Mai bis September vor, wobei parallel zu den Formel-1-Rennen in Europa acht Läufe stattfanden. Ein neunter Lauf fand in Donington Park als Teil der Gunnar Nilsson Memorial Trophy – einer Wohltätigkeitsveranstaltung für die Gunnar Nilsson Krebs-Stiftung – statt, wofür es aber keine Meisterschaftspunkte gab.

Die ersten fünf Startplätze in einem der Procar-M1 von BMW Motorsport waren für die fünf besten Formel-1-Fahrer des Freitagstrainings reserviert. Im Laufe der Saison waren dies Mario Andretti, Patrick Depailler, Emerson Fittipaldi, James Hunt, Jean-Pierre Jarier, Alan Jones, Jacques Laffite, Niki Lauda, Nelson Piquet, Didier Pironi, Clay Regazzoni und John Watson. Teo Fabi, Tiff Needell, Hans-Georg Bürger und Michael Bleekemolen fuhren ebenfalls für das Werksteam, obwohl sie zu dieser Zeit keine Formel-1-Rennfahrer waren. Nach dem ersten Rennen wurde ein Platz für Hans-Georg Bürger in einem der Werks-Procars frei, da Niki Lauda ab dem zweiten Rennen einen BMW M1 von Project Four fuhr. Chef dieses Teams war Ron Dennis, der 1984 Teamchef von McLaren war, als Niki Lauda mit diesem Team Weltmeister wurde.

Rennergebnisse Nr. Datum Veranstaltung Rennstrecke Sieger Team 1 12. Mai Großer Preis von Belgien Circuit Zolder Elio de Angelis Osella Squadra Corse 2 26. Mai Großer Preis von Monaco Circuit de Monaco Niki Lauda Project Four Racing – 3. Juni Gunnar Nilsson Memorial Trophy Donington Park Nelson Piquet BMW Motorsport 3 30. Juni Großer Preis von Frankreich Circuit de Dijon-Prenois Nelson Piquet BMW Motorsport 4 13. Juli Großer Preis von Großbritannien Silverstone Circuit Niki Lauda Project Four Racing 5 28. Juli Großer Preis von Deutschland Hockenheimring Niki Lauda Project Four Racing 6 11. August Großer Preis von Österreich Österreichring Jacques Laffite BMW Motorsport 7 25. August Großer Preis der Niederlande Circuit Zandvoort Hans-Joachim Stuck Cassani Racing 8 8. September Großer Preis von Italien Autodromo Nazionale di Monza Hans-Joachim Stuck Cassani Racing

Meisterschaftswertung Die Tabelle zeigt die Fahrerwertung nach acht Meisterschaftsläufen. Niki Lauda gewann die erste Meisterschaft, wobei er das erste Rennen mit einem Werks-Procar bestritt. In den weiteren sieben Rennen fuhr er einen Wagen von Project Four.

Pos. Fahrer Team(s) Punkte 1 Niki Lauda BMW Motorsport / Project Four Racing 78 2 Hans-Joachim Stuck Cassani Racing 73 3 Clay Regazzoni BMW Motorsport 61 4 Markus Höttinger GS-Tuning / Dr. Helmut Marko 45 5 Toine Hezemans Alimpo Sport 44 6= Nelson Piquet BMW Motorsport 35 6= Jacques Laffite BMW Motorsport 35 8 Didier Pironi BMW Motorsport 34 9 Helmut Kelleners Eggenberger Motorsport 33 10 Alan Jones BMW Motorsport 26 11 Marc Surer BMW Schweiz / Heidegger 23 12 Dieter Quester Tom Walkinshaw Racing 22 13= Manfred Winkelhock Winkelhock Racing 20 13= Elio de Angelis BMW Italia / Osella Squadra Corse 20 15 Hans-Georg Bürger BMW Motorsport 18 16 Wolfgang Schütz Schütz Racing 17 17 Emerson Fittipaldi BMW Motorsport 12 18 Jean-Louis Lafosse Ecurie Automobile Arvor 7 19= Bruno Giacomelli BMW Italia / Osella Squadra Corse 6 19= Jean-Pierre Beltoise Winkelhock Racing 6 19= Sepp Manhalter Schnitzer Motorsport 6 22= Jochen Mass Team Krebs 4 22= Franz Konrad Konrad-Racing 4 24= Walter Brun Team Lepitre 3 24= Carlos Reutemann BMW Motorsport 3 24= Eddie Cheever BMW Italia / Osella Squadra Corse 3 27= Tiff Needell BMW Motorsport 2 27= Jean-Pierre Jarier BMW Motorsport 2 29= Markus Hotz BMW Schweiz / Heidegger 1 29= „John Winter“ (Louis Krages) Konrad-Racing 1

Saison 1980 mini|BMW M1 Procar von GS-Tuning In der zweiten Saison der Procar-Meisterschaft wurde der Rennkalender verändert und erweitert, so dass die Rennen nicht mehr ausnahmslos in Verbindung mit Formel-1-Rennen ausgetragen wurden. Dies erlaubte einen früheren Beginn der Meisterschaftssaison im April, da das erste europäische Formel-1-Rennen 1980 erst im Mai in Zolder stattfand.

Das Rennen in Donington Park zählte nun zur Meisterschaft. Es kamen mit dem Avusrennen und den 200 Meilen von Nürnberg im Rahmen der Deutschen Rennsport Meisterschaft zwei Rennen in Deutschland hinzu. Im Rennkalender blieben sechs Formel-1-Grand-Prix.

Bei den Procar-Rennen, die nicht im Rahmen eines Grand-Prix ausgetragen wurden, gab es keine Formel-1-Trainingsläufe, so dass die Plätze in den Rennwagen des BMW-Werksteams anders vergeben werden mussten. Es wurden daher fünf Formel-1-Fahrer direkt für diese Rennen nominiert. Dies waren Alan Jones, Jacques Laffite, Nelson Piquet, Didier Pironi und Carlos Reutemann. Darüber hinaus qualifizierten sich an den Grand-Prix-Wochenenden die Formel-1-Fahrer Mario Andretti, Derek Daly, Jean-Pierre Jarier, Riccardo Patrese und Alain Prost. Allerdings waren für die Formel-1-Fahrer in der Saison 1980 im Gegensatz zum Vorjahr nicht mehr automatisch die ersten fünf Startplätze reserviert, sondern die Formel-1-Piloten mussten sich für die Startaufstellung qualifizieren. Die Startnummern der Grand-Prix-Fahrer waren identisch mit ihren Startnummern in der Formel 1.

Die Fahrzeuge des Werksteams erhielten 1980 neue Lackierungen. Beim Rennen in Monaco waren die Werkswagen Weiß mit einem diagonalen roten Querstreifen, später waren die Werks-Rennwagen mit einem hellgrünen Querstreifen lackiert.

Die meisten Teams aus dem Vorjahr waren auch 1980 wieder dabei, so beispielsweise Project Four, GS-Tuning, Eggenberger Motorsport, Cassani Racing und Schnitzer Motorsport. Newcomer waren die Teams von Arturo Merzario, Dieter Quester und Helmut Marko sowie der Schweizer Sportwagenrennstall Sauber Motorsport.

Rennergebnisse Nr. Datum Veranstaltung Rennstrecke Sieger Team 1 26. April Internationales Procar Meeting Donington Park Jan Lammers BMW Holland 2 11. Mai AVUS Manfred Schurti Cassani Racing 3 17. Mai Circuit de Monaco Hans-Joachim Stuck Project Four Racing 4 22. Juni Norisring Hans-Joachim Stuck Project Four Racing 5 12. Juli Brands Hatch Carlos Reutemann BMW Motorsport 6 9. August Hockenheimring Didier Pironi BMW Motorsport 7 16. August Österreichring Nelson Piquet BMW Motorsport 8 30. August Circuit Zandvoort Nelson Piquet BMW Motorsport 9 13. September Autodromo Dino Ferrari Nelson Piquet BMW Motorsport

Meisterschaftswertung Die Tabelle zeigt die ersten 10 Plätze der Fahrerwertung nach neun Meisterschaftsläufen. Nelson Piquet gewann die zweite und letzte Meisterschaft, wobei er in den drei letzten Rennen der Meisterschaft siegreich war.

Pos. Fahrer Team Punkte 1 Nelson Piquet BMW Motorsport 90 2 Alan Jones BMW Motorsport 77 3 Hans-Joachim Stuck Project Four Racing 71 4 Jan Lammers BMW Holland 69 5 Carlos Reutemann BMW Motorsport 64 6 Manfred Schurti Cassani Racing 48 7 Hans Heyer GS-Tuning 41 8= Jacques Laffite BMW Motorsport 37 8= Marc Surer Sauber Motorsport 37 10 Didier Pironi BMW Motorsport 34

Nach-Procar-Ära mini|BMW-M1-Rennwagen auf Basis eines BMW M1 Procars Aufgrund der trotz Procar-Serie schleppenden Nachfrage nach der Straßenversion konnten die Homologationsvoraussetzungen für die Gruppe 4 erst zum 1. April 1981 erreicht werden. Doch währenddessen hatte die Konkurrenz nicht geschlafen, und so kam es nicht mehr zum Einsatz des BMW M1 in der Rennkategorie, für die er einst konzipiert worden war. Zudem gab BMW am 24. April 1980 bekannt, dass sich das Unternehmen als Motorenlieferant für die Formel 1 engagieren werde. Für eine Weiterentwicklung des BMW M1 wurden daher keine Mittel mehr zur Verfügung gestellt. Daher beschloss BMW nicht zuletzt aufgrund der Formel-1-Aktivitäten, die Procar-Serie 1981 nicht fortzusetzen.