Als Asgaard-Affären bezeichnet man verschiedene Skandale um deutsche Unternehmen der Sicherheitsbranche, von denen einige das Wort Asgaard im Namen trugen. Es ging dabei unter anderem um Rechtsextremismus und den möglichen Einsatz von Söldnern im Ausland. In den Firmen fungierten teilweise dieselben Personen als Gesellschafter oder Geschäftsführer.
Somalia Ein erstes mediales Echo erzeugten die Unternehmungen von Asgaard im Jahr 2010Henry Naeve, Matthias Fischer, Johanna Fournier, Janosch Pastewka: Private Militärunternehmen: Geschichte, Verfassungsmäßigkeit, internationale Regulierung und aktuelle Rechtsfragen. BoD, 2013 (S. 76 f.) aufgrund eines 2009 abgeschlossenen Vertrags über Sicherheits- und Militärdienstleistungen in Somalia. Der Geschäftsmann und selbst ernannte somalische Präsident Abdinur Darman hatte diesen Vertrag vorsorglich abgeschlossen, für den Fall, dass sein Anspruch auf die Präsidentschaft Somalias international anerkannt würde.Ralf Evertz: Germany. In: Christine Bakker, Mirko Sossai: Multilevel Regulation of Military and Security Contractors: The Interplay between International, European and Domestic Norms. Bloomsbury Publishing, 2012, ISBN 978-1-84731-899-2, S. 218.
Am 23. Mai 2010 berichtete die Tagesschau, dass deutsche Söldner von Asgaard in den Bürgerkrieg in Somalia eingreifen und dort Darman an die Macht verhelfen sollten.Tagesschau-Sendung vom 23. Mai 2010, 20:00 Uhr. tagesschau.de, abgerufen am 30. August 2021. Darüber hinaus sollten sie für seinen Schutz und den seines Clans sorgen, Militär und Polizei ausbilden und gegen Milizen kämpfen.Söldner aus dem Münsterland Aus einem Schreiben „Präsident Darmans“ aus dem Januar 2010 geht hervor, dass Asgaard autorisiert wurde, Waffen und Ausrüstung nach Somalia einzuführen.Tagesspiegel vom 5. Juni 2010. Bewohner von Telgte, dem damaligen Sitz der Firma, protestierten daraufhin mit Fackelumzügen gegen die „Söldner aus dem Münsterland“.Personenschützer trainieren in Uentrop
Es kam aufgrund des Vertragsschlusses zu weiteren Konflikten, da die Bundesregierung, unter anderem im Rahmen der Ausbildungsmission der Europäischen Union in Uganda, die Übergangsregierung Somalias unterstützte, aber das deutsche Unternehmen Asgaard den Machtanspruch Darmans durchsetzen sollte und damit gegen die Interessen Deutschlands agiert hätte.NDR-Sendereihe Streitkräfte und Strategien, 22. Mai 2010.
Auf der Facebook-Seite des Unternehmens vermeldete man im September 2010, dass der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger Asgaard in seinen Ambitionen bestärkt habe. 2010 nahm die Staatsanwaltschaft Münster Ermittlungen gegen einen der Geschäftsführer und Mitinhaber von Asgaard auf, bei denen geprüft wurde, ob Asgaard gegen den Paragrafen 109h des Strafgesetzbuches verstoßen hatte, der das Anwerben Deutscher für den Dienst in ausländischen Streitkräften verbietet, und darüber hinaus eine Verletzung des Embargos der Vereinten Nationen gegen Somalia vorlag. In diesem Zusammenhang fanden Razzien in neun Objekten statt, bei denen man umfangreiches Material, unter anderem der Vertrag zwischen Asgaard und Darman, sowie mehrere Tausend Schuss Munition sicherstellen konnte. Gegen zwei Mitarbeiter von Asgaard wurde Strafbefehl erlassen, gegen einen weiteren Geschäftsführer und Mitinhaber wurde zudem wegen Verstoß gegen das Außenwirtschaftsgesetz ermittelt. Der Vorsitzende des Reservistenverbandes der Bundeswehr Gerd Höfer forderte eines seiner Mitglieder – zeitgleich Geschäftsführer von Asgaard – daraufhin auf, den Verband zu verlassen.Umstrittene deutsche Söldnerfirma auf Expansionskurs
Während des Prozesses gegen die beiden Geschäftsführer berichteten Prozessbeobachter und Personenschutzsachverständige, dass die Angeklagten immer wieder Begrifflichkeiten aus der Sicherheitsindustrie verwechselten und durcheinanderbrachten. „Dies liegt vielleicht daran, dass er in keinster Art und Weise eine Art von Sicherheitsausbildung oder -studium vorweisen kann.“ Des Weiteren zeigte sich bei einem der Angeklagten „deutlich ein kriminelles Muster: Zwei Fälle von Veruntreuung sowie ein Verstoß gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz. Das wirft die dringliche Frage auf, auf welcher Grundlage und angelehnt an welche Maßstäbe die Gesellschafter der Firma Asgaard Thomas K. als Geschäftsführer ihres Unternehmens ausgewählt haben?“
EA Battlefield 3 - Taktiktrainer Der einzige bekanntgewordene Einsatz von Asgaard, welcher anscheinend auch umgesetzt bzw. zu Ende geführt wurde, ist der vom Asgaard Geschäftsführer und einem weiteren Mitarbeiter als Taktiktrainer auf dem Battlefield 3 „Community Release Event“ in Köln 2011. Die TAZ und NTV schrieben dazu: „Ein PR-Video von Electronic Arts zeigt einen der Söldner bei seinem Vortrag: „Wir gehen ins Ziel rein. Wenn wir auf kurze Distanz mit der MP5 zum Beispiel beim Raumklären sind. Dann gehen wir rein und ich gehe auf Höhe Bauchnabel“, erklärt der ehemalige Bundeswehr-Soldat. Auf den Präsentations-Folien sind Überschriften wie „Zielangaben in Gebäuden“, „Bewegen in Gebäuden“, „Säubern von Räumen: 4 Mann-Technik“ zu lesen.“ Das Video des Events, auf denen von Asgaard offensichtlich Dienstvorschriften einer Behörde genutzt wurden, ist bei YouTube verfügbar.
Angestrebte Zusammenarbeit mit der Bundeswehr Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hatte Asgaard sich seit dem Jahr 2009 insgesamt zweimal um Aufträge der Bundeswehr bemüht, zu einer Zusammenarbeit kam es aber nicht.Deutscher Bundestag Drucksache 18/3675 (PDF), S. 8. 2015 versuchte das Unternehmen dann, einen Auftrag zum Schutz des Einsatzkontingentes der Bundeswehr in Erbil zu erhalten, wiederum ohne Erfolg. Auch Maßnahmen der beruflichen Bildung durch den Berufsförderungsdienst fanden, im Gegensatz zu anderen Sicherheitsunternehmen, mit Asgaard nicht statt.Deutscher Bundestag Drucksache 18/10219 (PDF-Datei; 1,0 MB) Am 20. Oktober 2021 erklärte der Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums, dass allen Angehörigen der Bundeswehr Tätigkeiten bei oder für Asgaard untersagt sind.
Irak Im September 2014 wurden die beiden Geschäftsführer von Asgaard in der Nähe der irakischen Stadt Erbil gesichtet, wo sie laut eigenen Aussagen Journalisten begleitet haben wollen. Zum selben Zeitpunkt suchten sie für Asgaard mindestens drei Hubschrauberpiloten zur Umschulung auf die Helikopter-Aufklärungsdrohne Camcopter S-100, die zwei Monate bei Boeing in den USA und im Anschluss in der Ukraine ausgebildet werden sollen. Nach der Ausbildung seien Einsätze „im Irak und anderen Krisengebieten“ möglich.Deutscher Bundestag Drucksache 18/3675 Seite 1Michael Schulze von Glaßer: Fremde Legion, Freitag.de, 43/2014
Ausbildung an Feuerwehrausbildungsstätte 2017 hat die Stadt Ahlen eine Untersuchung angeordnet, die klären sollte, warum Asgaard das Gelände und die Räumlichkeiten der Feuerwehrausbildungsstätte Ahlen-Brockhausen (FAS) zu Ausbildungszwecken nutzen konnte. Das Unternehmen mahnte in Form eines offenen Briefes daraufhin an, dass die FAS dadurch jährlich mehr als 20.000 Euro Einnahmen hätte und forderte eine „konstruktive Lösungsorientiertheit“. Laut Stadtsprecher war die Vereinbarung zwischen Asgaard und der „Arbeitsgemeinschaft Feuerwehrausbildungsstätte Brockhausen“ getroffen worden, deren Eigentümerin die Stadt Ahlen ist. Nach der Untersuchung wurde die „Arbeitsgemeinschaft Feuerwehrausbildungsstätte Brockhausen“ angewiesen, die Feuerwehrausbildungsstätte Ahlen-Brockhausen ausschließlich zur Ausbildung der Feuerwehr zu nutzen.Abseiltraining von Security bei der Feuerwehr hat Nachspiel
Netzwerke um Asgaard und Vorwurf Rechtsextremismus Im September 2020 hatten verschiedene Medien berichtet, dass Asgaard von Rechtsextremisten beeinflusst sei und ein Netzwerk unterhalten soll, das in die Bundeswehr sowie in mehrere deutsche Sicherheitsbehörden auf Bundes- und Länderebene hineinreicht. Kontraste und dem Spiegel liegen zudem Videoaufnahmen aus Bagdad von 2017 vor, auf denen in den Räumlichkeiten von Asgaard an der Wand eine Reichskriegsflagge und die Zeichnung eines Soldaten der Wehrmacht zu sehen sind. Dirk G. soll sich nach Aussagen ehemaliger und aktiver Mitarbeiter wiederholt rassistisch geäußert haben, rechte politische Agitation betreiben sowie die Legitimität der Bundesrepublik Deutschland in Frage gestellt haben. Laut einem früheren Geschäftspartner soll sich einer der Geschäftsführer mehrfach feindlich über die Bundestagsabgeordnete Martina Renner von der Linkspartei geäußert haben. Der ehemalige Geschäftspartner bestätigte an Eides statt Aussagen des Geschäftsführers, nach denen Frau Renner eliminiert werden müsste, wenn es zu einem Umsturz der deutschen Regierung käme.
Teil des Netzwerks um Asgaard ist unter anderem der Soldat D., der in der Tollense-Kaserne in Neubrandenburg stationiert ist. Er wird seit 2018 vom Militärischen Abschirmdienst (MAD) wegen „Rechtsextremismus-Verdachts“ beobachtet und steht unter dem Verdacht, eine schwere staatsgefährdende Gewalttat nach §89 a StGB vorbereitet zu haben. D. wurde der Pass entzogen, nachdem er mehrfach in den Nahen Osten und nach Beirut gereist ist und in seinem Gepäck eine Asgaard Uniform gefunden wurde. Am 14. September 2020 durchsuchte die Staatsanwaltschaft Wohn- und Geschäftsräume von D. Der Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat erhärtete sich nicht und das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Rostock wurde im Dezember 2021 eingestellt.
Ebenfalls involviert ist der Frankfurter Kriminalkommissar Thomas S., der während seiner Urlaubszeit und ohne Wissen seines Dienstherren mindestens zweimal für das Unternehmen Asgaard im Irak in leitender Position tätig war. Dem Polizeibeamten wird darüber hinaus von der Staatsanwaltschaft Bestechlichkeit und Verletzung des Dienstgeheimnisses vorgeworfen, da er unrechtmäßige Abfragen aus polizeilichen Datenbanken zu seinem persönlichen und zu Asgaards Vorteil durchgeführt haben soll.Terrorverdacht gegen Bundeswehr-SoldatenDeutsche Sicherheitsfirma, Rechtes Netzwerk mit Behördenkontakten? Er war ebenfalls für die Verwahrung von Asservaten zuständig und wird nach einer Prüfung der Asservatenbestände durch die Innenrevision im März 2021 verdächtigt, „Pistolen, Revolver und Langwaffen sowie Munition in dreistelliger Höhe“ unterschlagen und verkauft zu haben. Die Waffen sollen teilweise auch an Unternehmen weitergegeben worden sein. Dem Kriminalkommissar wurde das Führen der Dienstgeschäfte untersagt, und es wird seine dauerhafte Entfernung aus dem Dienst geprüft.Wieder Polizei-Skandal in Frankfurt? Hunderte Waffen aus Asservatenkammer verschwundenFrankfurt: Zahlreiche Schusswaffen bei der Polizei verschwunden – Beamter in Verdacht Hessens Innenminister Peter Beuth kündigte an, dass strafrechtlich und disziplinarisch mit allen Mitteln gegen den Beamten vorgegangen werde und eine Nebentätigkeit bei Asgaard für Polizisten nicht genehmigungsfähig sei. Er erklärte weiterhin, dass „die hessischen Ermittler in einem engen Austausch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes sowie der Länder stehen und dabei auch prüfen, inwiefern sich aus den hier laufenden Ermittlungen Hinweise auf mögliche weitere Straftatbestände im Zusammenhang mit der Sicherheitsfirma aus NRW ergeben.“wa.de Gegen Thomas S. hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt Anklage erhoben aufgrund Verletzung des Dienstgeheimnisses, gegen drei weitere Personen aus dem Asgaard Umfeld wurde Klage erhoben wegen Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen. Gegen eine weitere Polizistin aus Hamm wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet, da laut Innenminister Reuls Verbindungen zu Asgaard bestanden, die Beamtin als Ausbilderin bei Asgaard tätig war und die Beamtin eine Hospitation für einen Asgaard-Mitarbeiter durchgeführt hat sowie ohne dienstlichen Bezug Abfragen aus polizeilichen Systemen durchgeführt wurden.