mini|Julian Wittmann, ca. 1946
Julian Wittmann (* 8. Januar 1891 in Buchberg Nr. 12, Oberpfalz; † 17. August 1951 in Lichtenfels, OberfrankenStandesamt Stauf, Geburtenregister 1876–1900, Nr. 1 (1891), Eintrag vom 13. Januar 1891, Julian Wittmann; Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020Standesamt Lichtenfels, Sterbebuch, Nr. 6 (1951); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020) war ein deutscher Jurist, Kommunalpolitiker, Erster Bürgermeister der Stadt Lichtenfels, Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung für Bayern und Landtagsabgeordneter (MdL).Mitglieder der Verfassungsgebenden Landesversammlung (PDF-Datei; 40 kB). In: Bayerischer Landtag, auf: bayern.landtag.deWittmann, Julian. In: Deutsche Nationalbibliothek, auf: d-nb.infoDr. jur. Julian Wittmann, CSU, auf: bayern.landtag.de
Familie Julian Wittmann war das zehnte von elf Kindern und der neunte Sohn des in Buchberg Nr. 12 ansässigen Gütlers (Landwirts) und späteren Ökonomen Anton Wittmann (* 21. November 1851 in Buchberg; † 15. Dezember 1925 in Neumarkt) und dessen Ehefrau Walburga (* 25. April 1850; † 4. Januar 1925 in Buchberg Nr. 16), geborene Sichler.Standesamt Neumarkt, Sterberegister 1925–1928, Nr. 112 (1925), Anton Wittmann; Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020Standesamt Stauf, Sterberegister 1876–30. Juni 1938, Nr. 1 (1925), Walburga Wittmann, geb. Sichler; Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Beide hatten am 4. August 1874 in Reichertshofen geheiratet. Die Familie war römisch-katholischer Konfession.
mini|Julian, Hans Albert und Antonie Wittmann, um 1946 Seine Geschwister waren Xaver (* 4. Februar 1875 in Buchberg; † 21. April 1936 in Neumarkt),Standesamt Neumarkt, Sterberegister, Nr. 46 (1936), Xaver Wittmann; Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Johann Baptist (* 7. März 1876 in Buchberg Nr. 12; † 19. Oktober 1936 in Buchberg Nr. 1),Standesamt Stauf, Sterberegister 1876–30. Juni 1938, Nr. 6 (1936); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Simon (* 1. November 1877 in Buchberg Nr. 12),Standesamt Stauf, Geburtsregister 1876–1900, Nr. 34 (1877); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Mathias (* 15. Januar 1879 in Buchberg;Standesamt Stauf, Geburtsregister 1876–1900, Nr. 52 (1879); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 † 3. September 1959 in Nürnberg),Standesamt Nürnberg I, Sterberegister, Nr. 2565 (1959); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Elisabeth (* 5. November 1881 in Buchberg Nr. 12;Standesamt Stauf, Geburtsregister 1876–1900, Nr. 15 (1881); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 † 23. Dezember 1924 in Buchberg Nr. 16),Standesamt Stauf, Sterberegister 1876–30. Juni 1938, Nr. 6 (1924); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Ludwig (* 5. September 1883 in Buchberg Nr. 12;Standesamt Stauf, Geburtsregister 1876–1900, Nr. 10 (1883); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 † 5. Dezember 1943 in Neumarkt),Standesamt Neumarkt, Sterberegister, Nr. 221 (1943); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Augustin (* 27. August 1885 in Buchberg Nr. 12;Standesamt Stauf, Geburtsregister 1876–1900, Nr. 9 (1885); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 † 8. Mai 1916 bei Malancourt in Lothringen gefallen), Josef (* 7. September 1887 in Buchberg Nr. 12;Standesamt Stauf, Geburtsregister 1876–1900, Nr. 9 (1887); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 † 18. Februar 1968 ebenda),Standesamt Woffenbach, Sterberegister 1962–30. Juni 1972, Nr. 5 (1968); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Albert (* 3. Februar 1889 in Buchberg Nr. 12),Standesamt Stauf, Geburtsregister 1876–1900, Nr. 1 (1889); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 Walburga (* 12. November 1894 in Buchberg Nr. 12;Standesamt Stauf, Geburtsregister 1876–1900, Nr. 11 (1894); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020 † 5. März 1895 ebenda).Standesamt Stauf, Sterberegister 1876–30. Juni 1938, Nr. 3 (1895); Zitiert nach: Stadtarchiv Neumarkt in der Oberpfalz, Dr. Frank Präger, 14. September 2020
Julian Wittmann heiratete am 16. November 1923 in Ebensfeld Margareta Antonie Lay (* 14. Januar 1898 in Ebensfeld Nr. 83; † 27. September 1971 in Kronach),Standesamt Ebensfeld, Heiratsurkunde Nr. 13 (1923), neu ausgestellt am 6. April 1943, nicht als Abschrift gekennzeichnetStandesamt Kronach, Sterbeurkunde Nr. 311 (1971), ausgestellt am 28. September 1971 eine Tochter des in Ebensfeld ansässigen Apothekers Josef Lay (* 7. Dezember 1862; † 25. Juni 1906) und dessen Ehefrau Sophie (* 15. Mai 1870; † 30. Oktober 1946), geborene Pregler.Standesamt Ebensfeld, Geburtsurkunde Nr. 4 (1898), neu ausgestellt am 6. April 1943, nicht als Abschrift gekennzeichnet Die Familie Lay war ursprünglich irischer Abstammung. 1923 ließ sich das Ehepaar Wittmann in Burgkunstadt nieder.Abschied von unserem Ersten Bürgermeister. In: Lichtenfelser Tagblatt, 21. August 1951, S. 3 Aus der Ehe ging ein Kind hervor, Hans Albert (* 9. November 1926; † 9. April 1997).
Schule und Studium Julian Wittmann besuchte in Eichstätt das Königliche Humanistische Gymnasium und studierte anschließend bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges Philosophie am dortigen Bischöflichen Lyzeum,Prof. Dr. Günter Dippold: Vom Galgen und Nazi-Größen. In: Obermain-Tagblatt, 22. August 2017, auf: obermain.de das 1924 in Philosophisch-Theologische Hochschule umbenannt wurde.
Nach Kriegsende immatrikulierte er sich an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen und studierte dort Rechts- und Staatswissenschaften. Gemeldet war er in Erlangen vom 2. Februar 1919 bis zum 1. April 1921.Studentenmeldeblatt Julian Wittmann: 2. Februar bis 1. September 1919 gemeldet in Erlangen, Schillerstraße 5 (bei Tempel); 1. September 1919 bis 1. April 1921 gemeldet in Erlangen, Nürnberger Straße 47 ½, 1. Etage (bei Ehrensberger). In: Stadtarchiv Erlangen, Signatur 300.B.484. Julian Wittmann; Zitiert nach: Faksimile, übermittelt durch Diplom-Archivarin Katja Geisler am 23. September 2020 Er promovierte im Jahr 1922 mit seiner Dissertation zum Thema Krieg und Entschuldung der Landwirtschaft.Krieg und Entschuldung der Landwirtschaft – Eine Untersuchung der Frage, ob und in welchem Umfange während des Krieges eine Entschuldung des bäuerlichen Grundbesitzes und des Wirtschaftssubjektes in den Bezirksämtern der Oberpfalz Neumarkt, Beilngries und Parsberg stattgefunden hat. Phil. Inauguraldissertation, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen, 17. Februar 1922, Druck: Boegl, Neumarkt 1922. In: Deutsche Nationalbibliothek, auf: d-nb.info Für diese Themenwahl und das beschriebene Untersuchungsgebiet dürfte der bäuerliche Grundbesitz seiner eigenen Familie Motivation gewesen sein. Im Jahr 1923 legte er die Große juristische Staatsprüfung ab.
Erster Weltkrieg Wie viele patriotisch Gesinnte meldete sich Julian Wittmann als Kriegsfreiwilliger; die Kriegsstammrollen der Königlich Bayerischen Armee verzeichnen ihn als Kandidaten der Theologie (cand. theol.).Train-Abtlg-3-Fürth, lfd. Nr. 75, Wittmann, Julian, 8. Januar 1891 Buchberg B. A. Neumarkt i. O’pf., Eichstätt, kath., kand. theol. In: Bayerisches Hauptstaatsarchiv Abt. IV Kriegsarchiv, Bd. 19759-1
Zum 1. Oktober 1914 wurde er zur Train-Abteilung Nr. 3 in Fürth beordert. Am 11. Januar 1915 wurde er zum 8./23. Reserve-Infanterie-Regiment abgestellt, vom 21. Januar bis 22. November 1915 auch zur Kgl. bay. 3. Reserve-Division und zum III. Königlich Bayerischen Armee-Korps. Dieses wurde in der Folge als Teil des Armeeoberkommandos 11 (AOK 11) vom 19. Februar bis zum 20. März 1915 an der Westfront in der Ersten Schlacht bei Münster im Elsass, vom 12. bis 15. Juni 1915 an der Ostfront in der Durchbruchsschlacht von Lubaczów, am 16. Juni 1915 im Gefecht bei Oleszyce und Dachnów, vom 17. bis 22. Juni 1915 in der Schlacht bei Lemberg und einen Monat später vom 20. Juli bis 31. August 1915 erneut an der Westfront in der Zweiten Schlacht um Münster im Elsass eingesetzt.Schlacht-Staffel-31-Flieger, lfd. Nr. 274, Julian Wittmann, Neumarkt Oberpf., B. A. dto., 8. Januar 1891, kand. theol., Eichstädt (sic!), ledig. In: Bayerisches Hauptstaatsarchiv Abt. IV Kriegsarchiv, Bd. 18003Juliane Haubold-Stolle: Die Durchbruchsschlacht von Gorlice-Tarnów 1915. In: Deutsches Historisches Museum, auf: dhm.de
Am 7. Juli 1915 wurde er zum Gefreiten befördert, am 22. November 1915 zum Unteroffizier im 2. Bataillon des 23. Reserve-Infanterie-Regiments (Friedensstandort Nürnberg).Karl Roth: Das K. B. Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 23 (= Bayerische Armee, Band 48). Verlag Max Schick, München 1927 Am 16. April 1916 wurde er erneut zur Train-Abteilung Nr. 3 kommandiert. Am 30. Juni 1916 wurde er der Flieger-Ersatz-Abteilung 6 zugeteilt und am 15. Juli 1916 als Unteroffizier der Bayerischen Feldfliegerabteilung No. 4, wo er an der Ostfront an den Kämpfen entlang der Flüsse Styr und Stochid teilnahm. Mit deren Aufklärungsflugzeugen, einer Ago C.I, mehreren LVG C.I und C.II und einigen Roland C.II „Walfisch“-Flugzeugen, wurde Wittmann der Heeresgruppe Linsingen unterstellt, um bei Kowel die 11. Königlich Bayerische Infanterie-Division bei der Abwehr der Brussilow-Offensive in Wolhynien zu unterstützen.Sebastian Rosenboom: Der Einsatz der Kgl.-bayr. FFA 4b und späteren FA 47b an der Ostfront (PDF-Datei; 1,1 MegaByte). In: Die Königlich-Bayerische Fliegertruppe 1912–1920 (= Blätter zur Geschichte der Deutschen Luft- und Raumfahrt XIX, 2013), S. 81–88 Am 25. Dezember 1917 wurde er zum Armeeflugpark bei der Heeresgruppe Linsingen versetzt. Nach Kriegsende wurde Unteroffizier Wittmann im Rahmen der Demobilisierung am 11. Dezember 1918 aus dem Dienst nach Hause entlassen.
Berufliche Entwicklung Da Wittmann zur Zeit der Hyperinflation keine Aussicht hatte in den Staatsdienst aufgenommen zu werden, wurde er zunächst als Syndikus der 1903 gegründeten Schuhfabrik des Hans Püls (* 28. März 1873; † 18. Juli 1943) in Burgkunstadt tätig, wo er den zu dieser Zeit dort wirkenden Prokuristen Friedrich Baur kennenlernte. Ab 1924 ließ er sich in Burgkunstadt als Rechtsassessor niederBezirks-Adreßbuch Lichtenfels, Lichtenfelser Neuste Nachrichten, Lichtenfels 1927, S. 103 und wirkte dort später als Rechtsanwalt. In Burgkunstadts Bahnhofstraße, zunächst in Haus Nr. 242Wilhelm Hinckel: Einwohnerbuch für den Amtsbezirk Lichtenfels, Wertheim a. M. Juli 1938, Buchdruckerei und Verlag Hinckel, S. 64 und spätestens ab 1949 in Haus Nr. 150 (heute Bahnhofstraße Nr. 5),Adreßbuch Lichtenfels: mit den Städten Burgkunstadt und Weismain und 54 Landgemeinden, H. O. Schulze, Lichtenfels 1950, S. 130 blieb er bis zu seinem Lebensende zusammen mit seiner Ehefrau Antonie wohnhaft.
Im Jahr 1928 trat er in die katholisch geprägte Bayerische Volkspartei (BVP) ein und wirkte ab 1929 als einstimmig gewählter Vorsitzender des Bezirkstages (heute: Kreistag) von Lichtenfels.