Pachistopelma rufonigrum ist eine Spinne aus der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae). Ein besonderes Merkmal der auffällig gefärbten und im Nordosten Brasiliens vorkommenden Art ist die Gebundenheit an Bromeliengewächse. Dies ist eine für Vogelspinnen ungewöhnliche Eigenschaft, die die Spinne mit der ebenfalls zur Gattung Pachistopelma zählenden Art P. bromelicola, die neben P. rufonigrum auch die einzige Art der Gattung ist, teilt.
Merkmale mini|Männchen Pachistopelma rufonigrum erreicht eine Körperlänge von etwa 40 bis 50 Millimetern und eine Beinspannweite von gut 120 bis 150 Millimetern, wobei diese Werte an in Gefangenschaft gehaltenen Tieren gemessen wurden.
P. rufonigrum entspricht vom Körperbau her der anderen Art der Gattung Pachistopelma, P. bromelicola. P. rufonigrum wird innerhalb der Gattung mitunter durch die dunkelbraune Grundfärbung und die rosafarbenen, borstenartigen Setae (chitinisierte Haare) charakterisiert. Ein weiteres Eigenmerkmal der Art sind die rosa gefärbten Beine mit schwarzen Tarsen (Fußglieder) sowie die schlanken Metatarsen (Fersenglieder) des vierten Beinpaares mit langen und flexiblen rötlichen Setae.
Sexualdimorphismus und Erscheinung der Jungtiere mini|Jungtiere in verschiedenen Stadien Das Weibchen hat wie die Jungtiere von Pachistopelma rufonigrum eine verglichen mit dem Männchen deutlich niedrigere cephale (am Kopf gelegene) Region, während beim Männchen das Opisthosoma dorsoventral (oben und seitlich) abgeflacht ist. Der Augenhügel ist beim Weibchen und bei Jungtieren sehr niedrig und die untere Augenreihe gerade. Es hat einen stärker ausgeprägten Augenhügel und die untere Augenreihe ist bei ihm leicht vorgewölbt. Das Männchen und auch Jungtiere haben Brennhaare des Typs II, die dem Weibchen fehlen.
Jungtiere von P. rufonigrum sind anfangs fast vollständig metallisch grün gefärbt. Einzig und allein die dorsale (obere) Fläche auf dem Opisthosoma (Hinterleib) trägt eine Musterung, bestehend aus einem zentralen schwarzen Längsstreifen, der wiederum lateral (seitlich) auf beiden Seiten von je fünf schwarzen Streifen, die mit dem Längsstreifen in Verbindung treten, flankiert wird. Bei weiter fortgeschritteneren Jungtieren nehmen der Rand des Carapax (Rückenschild des Prosomas bzw. Vorderkörpers) und die Dorsalseite der Cheliceren (Kieferklauen) ähnlich wie das Opisthosoma einen hellbraunen Farbton an, wobei letzterer Körperabschnitt posterior (hinten) einen rötlich gefärbten Bereich aufweist. In diesem Stadium bleiben die schwarzen Streifen auf dem Opisthosoma noch erhalten. In einem darauf folgenden Stadium ändert sich die Grundfarbe des Carapax wie auch der Dorsalseite der Coxen (Hüftglieder), der Trochanter (Schenkelringe) und den meisten Femora (Schenkel) zu einem Rosa, während bei den verbliebenen Bestandteilen der Beine das metallische Grün beibehalten bleibt. Der Großteil des Opisthosomas erscheint nun leuchtend rot. Lediglich die hier nach wie vor verbleibenden Streifen bilden die einzige Ausnahme. Bei subadulten Individuen von P. rufonigrum sind Carapax und Beine braun gefärbt und spärlich mit rosafarbenen langen Setae (chitinisierten Haaren) bedeckt. Die Dorsalfläche des Opisthosomas besitzt nach wie vor die rötliche Farbgebung, doch beginnen die dort befindlichen Streifen in dem Stadium zu verblassen.
Das Weibchen von P. rufonigrum hat im ausgewachsenen Zustand einen vollständig braun gefärbten Körper und lange rosafarbene Borstensetae an den Beinen, dem Carapax und den Cheliceren. Die Streifenmusterung fehlt nun völlig oder ist nur sehr schwach ausgeprägt. Das adulte Männchen der Art hat ähnlich wie das Weibchen in diesem Stadium einen braunen und mit rosafarbenen, hier jedoch kürzeren Borstensetae bedeckten Carapax sowie Beine und Cheliceren. Die Ausnahme bilden die hier schwarz gefärbten Tarsen (Fußglieder) und ein streifenartiger ebenso schwarzer Bereich auf den Metatarsen (Fersenglieder). Die Grundfarbe des Opisthosomas reicht beim ausgewachsenen Männchen von leuchtend orange bis leuchtend rot. Muster sind hier nie in irgendeiner Form noch vorhanden.
Variationen der Spermathek Die Spermathek (Samentasche) des Weibchens von Pachistopelma rufonigrum ist eher schwach sklerotisiert (verhärtet), von langer Form und in distale (von der Körpermitte entfernt liegende) Richtung verjüngend sowie leicht nach innen gebogen, während Verengungen oder Lappen fehlen. Allerdings kann die Spermathek bei der Art auch häufig kürzer oder breiter gebaut sein. Genauso ist sie in seltenen Fällen nach innen gebogen, während die Spermathek im Regelfall jedoch nach außen gebogen ist.
Differenzierung von Pachistopelma bromelicola mini|Weibchen (unten links), Männchen (unten rechts) und Jungtiere in verschiedenen Stadien von Pachistopelma bromelicola. Die sehr ähnliche und nah verwandte Art Pachistopelma bromelicola unterscheidet sich von P. rufonigrum durch die eher schwarze Grundfarbe und die verdickten Metatarsen des vierten Beinpaares, die überdies mit steifen Setae versehen sind. Außerdem weist das Männchen dieser Art zusätzlich längere und weißliche Setae an den Beinen sowie rötliche am Opisthosoma auf.
Verbreitung und Lebensräume mini|links|Mitunter kommt Pachistopelma rufonigrum im Nationalpark Serra de Itabaiana im brasilianischen Bundesstaat Sergipe vor. Das Verbreitungsgebiet von Pachistopelma rufonigrum ist auf einen kleinen Teil im Nordosten Brasiliens beschränkt, wo es sich nach Norden vom Bundesstaat Rio Grande do Norte in südliche Richtung bis zum nördlichen Teil des Bundesstaats Bahia erstreckt. Insgesamt kommt die Art überwiegend in den Küstenregionen ihres Verbreitungsgebiets vor, darunter vor allem in den dortigen Restingas sowie dem dort befindlichen Teil der Caatinga.
P. rufonigrum scheint nach bisherigen Kenntnissen ausschließlich weiße Sandgebiete mit Bromeliengewächsen aus den Gattungen Aechmea und Hohenbergia als Habitat (Lebensraum) zu nehmen. Dabei nutzt die Spinne die genannten Bromeliengewächse selber als Mikrohabitate. Insgesamt fällt die Populationsdichte der Spinne in Restingas innerhalb der Mata Atlântica deutlich geringer aus als an xerothermen (trockenwarmen) Gebieten. In der Estação Ecológica de Murici nahe der Stadt Murici im Bundesstaat Alagoas beispielsweise ließen sich vermehrt Exemplare von P. fugonigrum in den Blatttrichtern von Bromeliengewächsen beider Gattungen nachweisen, die sich an felsigen Aufschlüssen in Höhen von 245 bis zu 362 Metern über dem Meeresspiegel befanden und der Sonneneinstrahlung stärker ausgesetzt waren. Dabei sind die Gewächse innerhalb dieses Gebiets in inselartigen Beständen verteilt, die hundert bis tausend Meter voneinander entfernt sein können. Da außerhalb der Gewächse P. fugonigrum nicht vorkommt, sind diese Populationen in den verteilten Beständen der Bromeliengewächse vermutlich für sich von den anderen isoliert.
Lebensweise mini|Exemplare von Pachistolempa rufonigrum (Bilder oben rechts und beide in der Mitte) und Pachistolempa bromelica an Bromeliengewächsen Pachistopelma rufonigrum ließ sich bisher nur an Bromeliengewächsen der beiden oben genannten Gattungen nachweisen, was eine Abhängigkeit seitens der Spinne von den Gewächsen deutlich macht. Dort legt die Art Rückzugsorte in Form von Wohngespinsten an. Wie alle Arten der Vogelspinnen (Theraphosidae) ist auch diese nachtaktiv. Die morphologischen (Struktur und Form betreffende) Merkmale von P. rufonigrum deuten auf eine Adaption für eine an die Bromeliengewächse angepasste Lebensweise hin, da der abgeflachte Körper und der niedrige Augenhügel der Art vermutlich Folgen dieser Anpassung sind und der Spinne eine Lebensweise zwischen den Blättern der Bromeliengewächse gewährleisten. Das mag darauf zurückzuführen sein, dass die Blatttrichter von Bromeliengewächsen durch die charakteristische Anordnung der Blätter und der daraus resultierenden Ansammlung von Wasser Schutz vor Austrocknung und überdies durch ihre Robustheit Schutz vor Prädatoren (Fressfeinden) bieten. Außerdem dürften die Bromeliengewächse ein Mikroklima bereitstellen, das einigen endemischen (in einem kleinen Verbreitungsgebiet vorkommenden) Arten, darunter auch P. rufonigrum, die Arterhaltung sichert. Das Mikroklima der Bromeliengewächse unterscheidet sich hinsichtlich seiner Temperatur und Feuchtigkeit deutlich von dem trockenen und heißen Klima, das etwa im Serra de Itabaiana-Nationalpark vorherrscht.
P. rufonigrum bewegt sich insgesamt sehr wenig und ist an einem Bromeliengewächs jeweils nur einzeln anzutreffen. Das kann darauf zurückzuführen sein, dass ein einzelnes Bromeliengewächs lediglich einem einzelnen Individuum der Spinne passende Überlebensbedingungen hinsichtlich der Verfügbarkeit an Nahrung und Wasser ermöglicht. Neben P. rufonigrum zeigen auch andere Spinnenarten, etwa jene der Gattung Cupiennius aus der Familie der Langbeinigen Wasserspinnen (Trechaleidae) oder Psecas viridipurpureus aus der Familie der Springspinnen (Salticidae), eine Gebundenheit an Bromeliengewächse. Gelegentlich nimmt auch die Gemeine Vogelspinne (Avicularia avicularia) Pflanzen aus dieser Familie als Rückzugsort an.
Jagdverhalten und Beutespektrum Pachistopelma rufonigrum lebt wie alle Spinnen räuberisch und ist wie für Vogelspinnen (Theraphosidae) üblich ein freilaufender Lauerjäger, der demzufolge kein Spinnennetz für den Beutefang anlegt. Dabei teilt P. rufonigrum mit anderen Vogelspinnen die gering ausgeprägte Aktivität und kann im Blattwerk des bewohnten Bromeliengewächses bis zu vier Stunden reglos verweilen. Gelegentlich verlässt die Spinne während der nächtlichen Aktivitätszeit ihren Unterschlupf, entfernt sich von ihm aber anscheinend nie weiter als 30 Zentimeter. In diesem Fall nutzt P. rufonigrum die trockenen Blätter am äußeren Basisbereich des bewohnten Bromeliengewächses.
Beutetiere werden wie bei allen Vogelspinnen über die Trichobothria (Tastsetae) anhand von deren Schwingungen geortet. Gelangt ein Beutetier in Reichweite, packt die Spinne es mit den vorderen Extremitäten und versetzt ihm mit den Cheliceren einen Giftbiss, der das Beutetier an einer Flucht und Gegenwehr hindert, ehe es verzehrt wird. Über das Beutespektrum von P. rufonigrum liegen kaum Angaben vor. Im Serra de Itabaiana-Nationalpark ließ sich einmalig ein Exemplar beim Verzehr einer Heuschrecke, die in diesem Nationalpark vermehrt an Bromeliengewächsen vorkommen, sichten.
Abwehrstrategien Pachistopelma rufonigrum verfügt über verschiedene Abwehrstrategien gegenüber Prädatoren. Die Spinne bevorzugt jedoch bei Störungen die Flucht. Alternativ kann die Art auch im Phytotelma (Kleinstgewässer) in dem Blatttrichter des von ihr bewohnten Bromeliengewächses untertauchen und dort für mehrere Minuten verweilen. Bei anhaltender Störung wurde in Gefangenschaft seitens ausgewachsener Männchen und Jungtiere, die anders als ausgewachsene Weibchen über Brennhaare verfügen, das Bombardieren (Abstreifen und Entgegenschleudern der Brennhaare mittels der hinteren Beine) belegt, auch wenn dies dort selten vorkommt.
Lebenszyklus und Phänologie Der Lebenszyklus von Pachistopelma rufonigrum gleicht weitestgehend dem anderer Vogelspinnen (Theraphosidae). Die Phänologie (Aktivitätszeit) der Art ist nicht ganz erforscht. Bei im August 2006 stattgefundenen Untersuchungen in der Estação Ecológica de Murici ließen sich zum Zeitpunkt der Analysen im untersuchten Gebiet Individuen der Spinne in allen Entwicklungsstadien nachweisen.
Balz und Paarung