Ich an meiner Seite ist ein deutschsprachiger Roman der Bachmann-Preisträgerin Birgit Birnbacher. Das Buch wurde im März 2020 veröffentlicht und war für den Deutschen Buchpreis 2020 nominiert (Longlist). Die Handlung spielt im europäischen Raum des 21. Jahrhunderts und konzentriert sich auf einen jungen Mann, der nach 26 Monaten Gefängnis zurück in den Alltag finden will. Dabei stößt er schon früh auf Probleme und erkennt, wie schwierig eine Resozialisierung tatsächlich ist.

Gattung Der Text lässt sich der Gattung Epik zuordnen. Durch seinen strukturellen Aufbau und seine speziellen Charakteristiken lässt sich der Text in die Untergattung der Romane einordnen, wobei auch hier weitere Einordnungen möglich sind. Der Roman lässt sich nicht eindeutig einer Untergattung zuordnen, wobei aber Elemente aus einem Gesellschafts- und Entwicklungsroman überwiegend sind.

Inhalt Dem 22-jährigen Arthur steht ein neues Kapitel seines Lebens bevor; nach 26 Monaten Freiheitsentzug wird er nun entlassen. Schon seit Beginn seiner Entlassung ist Arthur sehr zurückhaltend und tut sich schwer, die Gesellschaft zu verstehen. Um sich optimal resozialisieren zu können, sollte man die Gesellschaft verstehen.

Kapitel 1: Favoriten, Juni 2010 Am Tag seiner Entlassung besucht Arthur einen Therapeuten, der ihn bei der Reintegration in die Gesellschaft unterstützen soll. Arthur muss „Schwarzsprechen“, damit er eine bessere Person wird und straffrei bleibt. Dabei lernt Arthur, dass er nicht darstellen soll, wer er sein will, sondern dass er sich Gedanken darüber machen soll, wen er darstellen möchte.

Kapitel 2: Hallein, Mai 1988 Um nachvollziehen zu können, wie seine Kindheit gewesen ist, reisen wir in seine Vergangenheit zurück. Arthur ist ein ungewolltes Kind, das nicht viel braucht, um glücklich zu sein, und immer ruhig ist, im Gegensatz zu seinem Bruder Klaus. In seiner Kindheit war Arthurs Vater sein großes Vorbild. Er wollte genau so werden wie er, aber ohne den sogenannten „Arschlochfaktor“. Doch sein Vater verlässt die Familie bereits in frühen Jahren, und Arthur bekommt einen Stiefvater: Georg. Georg macht sich oftmals Gedanken über Arthur, weil er ein sehr stiller Mensch ist und man selten die Chance bekommt, mit ihm ins Gespräch zu kommen. So kommt es dazu, dass Georg und Arthur keine gute Beziehung pflegen. Grundsätzlich liegt das daran, dass Arthur das Gefühl gehabt hat, dass Georg in seiner Nähe gehemmt war und deshalb nie mit ihm gesprochen hat. Trotzdem hat sich Arthur darüber gefreut, dass Marianne, die Mutter von Arthur, und Georg sich so gut verstehen. Er wusste, dass Georg der Richtige für sie ist.

Kapitel 3 und 4: Meidling, Juli 2010 Zurück in der Gegenwart. Arthur besucht nun eine Bewährungshilfe. Er lernt den Therapeuten Grabner kennen, der ihn in nächster Zeit therapieren wird. Arthur ist erstaunt, wie gut die Leute der Bewährungshilfe schweigen können, und lobt diese Eigenschaft. Nach der offiziellen Therapie erhält Arthur von Börd eine weitere Einladung zur zweiten Sitzung. Davor haben sich Arthur und Börd bereits einmal getroffen und praktizierten in dieser Zeit die erste Sitzung. Da Arthur erfährt, dass Börd von Zuhause ausgezogen ist, muss er stets darüber nachdenken, wie schwer dies für Börd sein muss und was für eine schwere Zeit er durchmachen muss. Arthur macht sich auf dem Weg zur vorgegebenen Stelle und denkt darüber nach, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn alle Therapien vollständig abgeschlossen wären und er endlich von allem befreit wäre. Als Arthur am Treffpunkt ankommt, wartet Börd bereits auf ihn. Nach Anweisungen von Börd soll Arthur seine Gedanken ignorieren, sein Gehirn abschalten und Purzelbäume schlagen. Während dieser Übung strahlt und lacht Arthur wie ein Kind, es scheint, als hätte er alle Sorgen vergessen. Börd, der seine eigenen Methoden als Therapeut hat, verzichtet auf Protokollierungen, wie sie normalerweise angefertigt werden.

Kapitel 5: Donaustadt, Juli 2010 Als Kind wohnt Arthur in Bischofshofen, einer kleinen Stadt in Österreich. Hier lernt er Ruth Beckmann auf einem Flohmarkt kennen. Sie kommen ins Gespräch und sie lädt Arthur zu sich nach Hause ein. Arthur sagt mit Freude zu, bekommt aber sogleich die Unzufriedenheit von Marianne mit. Weil immer mehr Ausländer sich in der Stadt ansiedeln, möchte Georg die Stadt wechseln. So kommt es, dass die Familie nach Andalusien auswandert. Arthur gefällt diese Entscheidung, und er freut sich auf die Auswanderung. Klaus hingegen ist alles andere als glücklich. Er möchte seine Heimat nicht verlassen, weil das zur Folge hätte, dass er eine Onlinebeziehung mit seiner Freundin führen müsste.

Kapitel 6: La Puerta, Sommer 1997 Arthur befindet sich nach erfolgreicher Auswanderung in La Puerta. Er wohnt in einer luxuriösen Gegend in der Nähe des Meeres. Im Gegensatz zu Klaus genießt er die neue Situation. Klaus aber isst nichts mehr und isoliert sich in seinem Zimmer. Arthur beobachtet, wie glücklich seine Mutter ist und wie sehr sie ihr neues Leben genießt.

Kapitel 7: Favoriten, Juli 2010 Später besucht Arthur mit Börd Gerhild Rothenburger, um einen allgemeinen Gesundheitscheck durchzuführen. Das Verhältnis zwischen dem Therapeuten Börd und der Ärztin Gerhild scheint nicht sehr gut zu sein. Arthur vermutet sogar, dass sie sich gegenseitig hassen. Arthur ist aufgrund der mangelnden Qualität und Quantität des Essens im Gefängnis sehr dünn geworden und treibt zudem keinen Sport. Für einen weiteren Gesundheitscheck treffen sie sich in einem halben Jahr wieder.

Kapitel 8: La Puerta, Frühjahr 2003 In La Puerta geht Arthur manchmal bei Domingo im Kiosk einkaufen. Weil der Ort hinter dem Kiosk sehr still ist und verlassen wirkt, hält sich Arthur in dieser Gegend sehr gerne auf. Bei einem Kauf eines Kaugummis und einem Feuerzeug, was sehr teuer war, gibt Domingo das Restgeld nicht zurück. Daraufhin reagiert Arthur energisch, jedoch vergebens. Klaus wird La Puerta verlassen und zurück zu seiner Großmutter nach Wien ziehen, weil er es hier nicht mehr aushält. Der Abschied zwischen den beiden Brüdern ist sehr einfach gewesen, sprich nur ein Klaps auf die Schulter. Nach dem Abschiedstag findet Arthur eine regungslose Frau beim Kiosk. Sofort vermutet er das Schlimmste und denkt die Frau sei tot. Zum Glück lebt sie noch und er erfährt, dass sie eine Schauspielerin aus Wien ist. So lernt Arthur Grazetta kennen.

Kapitel 9: Margareten, Juli 2010 Für Arthur wird es wieder Zeit für eine weitere Sitzung. Diese findet dieses Mal auf dem Margaretengürtel statt. Bei dieser Sitzung geht es um den Einzug in die Wohngemeinschaft. Jedoch mag er es nicht, dort zu sein, und bekommt andauernd Flashbacks von der Mehrfachbelegung in der JVA Gerlitz. Arthur erzählt Börd, wie es dort gewesen ist. Als Arthur in die Mehrfachbelegung einzieht, macht er dort den größten Fehler, denn er zeigt sich so, wie er ist (still und ungefährlich). Er muss dort Zellendienst machen, was eine Erfindung der Insassen gewesen ist. Zudem wird er dort gequält und geschlagen, was ein Trauma zur Folge hat.

Kapitel 10: Meidling, Juli 2010 Als Unterstützung zu seiner Integration nimmt Arthur an einem Sesselkreis teil. Jedoch findet er, dass seine laufende Therapie mit Börd viel mehr Wirkung zeigt. Ihm wird aber immer mehr bewusst, wie stark er sich von den anderen Menschen unterscheidet. Zu dieser Zeit bekommt Arthur einen neuen Mitbewohner: Lennox. Lennox hat einen Gaming-Channel und ist berühmt. Er ist sauber und etwas ungewöhnlich, weil er sehr viel Zeit im Bad verbringt und immer lange über den Schalter streicht, bevor er das Licht ausschaltet.

Kapitel 11: El Rocio, 2006 Arthur ist der Einzige, der die Wohnung bewohnt. Es ist fast immer leer bei ihm, da seine Eltern sehr beschäftigt sind. Er besucht Princeton, der allein mit seiner Mutter wohnt. Der Vater hat sie vor langer Zeit verlassen. Arthur wird von Princetons Mutter begrüßt und sogleich mit einem Getränk bedient. Danach brechen Princeton und Arthur in ein unbewohntes Haus ein und rauchen einen Joint. Arthur gibt im Handy von Princeton den Namen seines Vaters ein und findet ein Bild, auf dem sein Vater mit einem kleinen Jungen zu sehen ist, der ähnlich aussieht wie Arthur. Er ist geschockt und wird emotional. Darüber hinaus ist er dankbar, dass er einen echten Freund an seiner Seite hat.

Kapitel 12: Meidling, August 2010 Es stellt sich heraus, dass es überhaupt nicht einfach ist, mit Lennox in einer Wohngemeinschaft zu leben. Durch seine Art und Weise verbreitet er Nervosität. Arthur versucht neben alldem, eine Praktikumsstelle zu finden, um sich beruflich zu orientieren. Doch plötzlich hat Arthur wieder ein Flashback von der Mehrfachbelegung und ihm wird übel. Arthur pinkelt, wie bereits im Gefängnis, in das Bett. Für ihn ist das nicht schlimm, aber er möchte auf keinen Fall, dass dies jemand mitbekommt. Vergeblich versucht Arthur, Lennox abzuwimmeln. Dennoch sieht Lennox den Fleck, den Arthur beim Bettnässen hinterlassen hat.

Kapitel 13: Innere Stadt, August 2010 Überraschenderweise wird bekannt, dass Grazetta noch lebt, obwohl sie nach Puerta gegangen ist, um zu sterben. Arthur möchte Ramon finanziell unterstützen. Durch ein Gespräch mit Grazetta wird klar, dass Arthur aufgrund eines Betrugs im Gefängnis gewesen ist. Mehr Informationen über Arthurs Kriminalität wird aber nicht bekannt.

Kapitel 14: La Puerta, Oktober 2007 Arthur, Princeton und Milla denken darüber nach, einen Pickup zu fahren, Bier zu trinken und ein wenig Gras zu rauchen. Dabei kommt der Gedanke auf, ob es erwachsen wäre, ein Paar unter ihnen zu haben. Dieser Gedanke bringt einige Unstimmigkeiten mit sich. Durch die Erzählweise und das Verhalten von Milla wird Princeton wie ein Vorbild und reizender Mann dargestellt, was Arthur stört. Arthur denkt darüber nach, was Princeton an ihm zu kritisieren hat. Er ist sich sicher, dass es Kleinigkeiten gibt, die Princeton schon seit längerem stören. Arthur ist für ihn wie eine lästige Fliege. Es folgt eine Auseinandersetzung zwischen Arthur und Princeton, wobei der Anschein entsteht, dass Princeton Arthur umbringen möchte. Mehrmals packt Princeton Arthur am Hals und drückt ihn so unter Wasser, dass Arthur keine Luft mehr bekommt. Arthur versucht, sich mit allen Mitteln zu befreien, doch dem gut gebauten Princeton hat er nichts entgegenzusetzen. Kurz darauf ist Arthur dem Tode nahe – so seine Gedanken jedenfalls. Plötzlich bemerkt er aber, dass das Boot mit der sich darauf befindenden Milla spurlos verschwunden ist. Erst kürzlich ist es noch vor Ort gewesen. Durch dieses Ereignis löst sich Princeton von Arthur.

Kapitel 15: Meidling, September 2010 Arthur sucht weiter nach einem geeigneten Praktikumsplatz. Dabei gelingt es ihm, einen Termin auszuhandeln, der als Bewerbungsgespräch dienen soll. Als er jedoch seine Zeit im Gefängnis anspricht, fällt die Stimmung rapide, und aufgrund seiner Vergangenheit wird er sofort als untauglich erklärt und abgelehnt.

Der Leser erfährt in diesem Kapitel zusätzlich, dass Arthur Menschen um ihr Geld gebracht hat und deshalb eine Gefängnisstrafe erhalten hat.

Kapitel 16: Favoriten, September 2010 Es steht die vierte Sitzung an. Dabei treffen sich Arthur und Börd in einer Fabrikhalle. Arthur und Börd sind dort beide berufstätig und verdienen mit der dort geleisteten Arbeit ihr Geld. Arthur wird aufgefordert, von seiner Arbeit im Gefängnis zu erzählen. Während des Gesprächs wird Arthur sich seiner Fortschritte bewusst und wird mit einem guten Gefühl beschenkt. Die Arbeit im Gefängnis mit dem jetzigen Berufsalltag in Verbindung zu bringen, war von Börd ein kluger Schachzug, denn dies verleiht Arthur Sicherheit.

Kapitel 17: Meidling, Oktober 2010