Karl Franz Josef Rappan (* 26. September 1905 in Wien, Österreich-Ungarn; † 31. Dezember 1995 in Bern) war ein österreichischer Fußballspieler und -trainer. Als Vereinstrainer hat er in der Schweiz mit Servette FC, Grasshopper Club Zürich und Lausanne-Sports neun Mal den Meistertitel und acht Mal den Cup errungen. Dreimal coachte er die „Nati“ bei Weltmeisterschaftsendrunden (1938, 1954, 1962) und entwickelte das Spielsystem des Schweizer Riegels,Bernd Rohr, Günter Simon: Fussball Lexikon. Copress Verlag, München 1993, ISBN 3-7679-0829-8, S. 381. welcher später in Italien zum CatenaccioBernd Rohr, Günter Simon: Fussball Lexikon. Copress Verlag, München 1993, ISBN 3-7679-0829-8, S. 382. verfeinert wurde.

Später war er auch zusammen mit Ernst B. Thommen Initiator des UEFA Intertoto Cup, der auch vorübergehend Rappan-Pokal genannt wurde.Bernd Rohr, Günter Simon: Fussball Lexikon. Copress Verlag, München 1993, ISBN 3-7679-0829-8, S. 205.

Laufbahn Spieler Rappan geboren und aufgewachsen in Wien, in einer Zeit, als das Fußballspielen oft das einzige Vergnügen war, das sich ein Vorstadtbub vergönnen konnte. Er war ein Kind des „Wiener Spiels“, das von engmaschigen Kombinationen mit präzisem Passen als Grundlage gekennzeichnet war, aber das Spielerische, das im Wienertum liegt, das Graziöse verlieh dem Spiel einen spezifischen wienerischen Charakter, riss es von der Schablone los, gab ihm unvermutete, packende Wendungen, stattete es mit anmutsvollen Formen aus und rief die Erinnerung an den Tanz wach, der in Wien stets freudig und erfolgreich gepflegt wurde. Es war die Vereinigung von Präzision und Spielerischem.Wolfgang Maderthaner, Alfred Pfoser, Roman Horak (Hrsg.): Die Eleganz des runden Leders. Wiener Fußball 1920–1965. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2008, ISBN 978-3-89533-614-0, S. 19.

Die ersten Erfahrungen im Seniorenbereich hatte Karl Rappan beim SV Donau gesammelt, ehe er ab der Saison 1924/25 – ab der Einführung des Profifußballs – mit SC Wacker Wien der 1. Klasse der Wiener Liga angehörte. Mit den Schwarz-Weißen aus dem Stadtteil Obermeidling belegte er den 7. Platz und hatte in 20 Ligaeinsätzen vier Tore erzielt. Der zumeist als rechter Halbstürmer auflaufende Kombinationsfußballer war bis 1927/28 bei den „Schönbrunnern“ vom Stadion an der Rosasgasse aktiv. Verbandskapitän Hugo Meisl berief den Mittelfeldspieler von Wacker Wien erstmals für das Länderspiel am 10. April 1927 in Wien im Stadion Hohe Warte gegen den großen Rivalen Ungarn in das Nationalteam. An der Seite von Mannschaftskapitän Josef Blum, Johann Horvath, Karl Jiszda und Ferdinand Wesely spielte Rappan auf Halbrechts und erzielte beim sensationellen 6:0-Sieg gegen das ungarische Team um Starstürmer Imre Schlosser in der 29. Minute den 2:0-Führungstreffer. Zu seinem zweiten Einsatz in der Nationalmannschaft kam Rappan am 18. September 1927 in Prag beim ersten Spiel um den Europapokal der Fußball-Nationalmannschaften gegen die Tschechoslowakei. Österreich trat mit der gleichen Angriffsbesetzung wie beim 6:0-Erfolg gegen Ungarn an, verlor aber mit 0:2 gegen das von Torhüter František Plánička angeführte Team des Gastgebers.

In der Saison 1928/29 stürmte Rappan bei Austria Wien an der Seite von Matthias Sindelar, des Sturmführers des „Wunderteams“. Sein Gastspiel (19-7) bei den „Veilchen“ dauerte aber nur ein Jahr an, ab 1929/30 spielte er bei den Grün-Weißen von SK Rapid Wien. An der Seite von Ferdinand Wesely und Franz Weselik (24 Tore) gewann Rappan mit Rapid die Meisterschaft. Im November 1930 gehörte er neben Mitspielern wie Matthias Kaburek und Josef Smistik auch dem Rapid-Team an, welches in zwei Spielen (2:0/2:3) gegen Sparta Prag den Mitropapokal gewinnen konnte. In beiden Finalspielen war Rappan als rechter Läufer zum Einsatz gekommen.

Der vormalige Angestellte in einem Wiener Textilunternehmen, seit 1925 verheiratet mit Ernestine Holaubek, wurde 1931 beruflich nach Genf versetzt, nahm dort bei der Société de Surveillance seine Tätigkeit auf und schloss sich als Fußballer dem Servette FC an, bei dem er ab 1932 das Amt des Spielertrainers ausübte. In dieser Funktion gewann Rappan 1933 und 1934 die ersten zwei Meisterschaften in der Schweiz. Vor Nationaltorhüter Frank Séchehaye bildete er dabei mit Leopold Marad das Verteidigerpaar. Im Angriff stürmte dabei sein ehemaliger österreichischer Vereinskamerad von Wacker Wien, Ignace Tax, an der Seite von Alexandre Laube, Raymond Passello, Leopold Kielholz, Georges Aeby und Lauro Amadò (bis Dezember 1933). Hatte der Mann der Wiener Fußballschule in den Jahren seiner Spielertrainertätigkeit in erster Linie aus dem reichlichen Schatz der verschiedenen technisch-taktischen Bestandteile, die er zuvor in seiner aktiven Laufbahn kennengelernt hatte, geschöpft, erweiterte er 1935 durch ein einjähriges Studium an der Hochschule für Leibesübungen in Berlin unter Dr. Otto Nerz, zusätzlich seine theoretischen Kenntnisse und nahm deshalb bestens gerüstet zur Saison 1935/36 das Angebot vom Grasshopper Club Zürich an, und übernahm damit seine erste reine Trainerstelle.

Vereinstrainer

Bei den Blau-Weißen vom Hardturm-Stadion entwickelte sich auf Anhieb eine langjährige, gut funktionierende Arbeitsbeziehung, die erst nach der Saison 1947/48 enden sollte. Mit fünf Meisterschaften (1937, 1939, 1942, 1943, 1945) und sieben Cup-Erfolgen (1937, 1938, 1940 bis 1943, 1946) setzte sich Rappan ein Denkmal als Trainer. Spielerpersönlichkeiten wie Max Abegglen, Lauro Amadò, Alfred Bickel, Hans-Peter Friedländer, Willy Huber, August Lehmann, Severino Minelli, Hermann Springer, Sirio Vernati, sowie die Brüder Max und Walter Weiler ermöglichten Rappan seine Ideen zum Fußballtraining und zur Mannschaftsführung erfolgreich umzusetzen. Begleitet wurde seine Zeit bei den „Hoppers“ durch zwei zusätzliche Einsatzzeiten mit der Nationalmannschaft: 1937 bis 1938 und 1942 bis 1949.

Zur Saison 1948/49 kehrte Rappan wieder nach Genf zurück und übernahm zum zweiten Mal die „Grenats“ vom Stade des Charmilles. Mit dem Servette-Team um die Leistungsträger Olivier Eggimann und Jacques Fatton setzte er seine Erfolgsserie fort und gewann 1949 den Cup und 1950 die Meisterschaft. Im zweiten Abschnitt bei Servette, nach der Weltmeisterschaft 1954, konnte er bis 1957 keinen weiteren Titelerfolg an seine Fahne heften. Nach nur einem Jahr und dem dritten Rang 1958/59 beendete er bereits das Kapitel FC Zürich und war dann drei Jahre für die Nationalmannschaft tätig, ehe er ab 1964 nochmals intensiv im Vereinsfußball bei Lausanne-Sports aktiv war. Mit den Blau-Weissen vom Stade Olympique de la Pontaise errang er in der Saison 1964/65 seinen neunten Meistertitel und zog 1966/67 in das Cupfinale ein, das aber gegen den FC Basel verloren wurde. In der 88. Minute pfiff der Schiedsrichter beim Stand von 1:1 einen umstrittenen Strafstoss für Basel. Nach dem so erzielten 2:1 für Basel weigerten sich die Waadtländer das Spiel wieder aufzunehmen und setzten sich demonstrativ auf den Rasen. Der Schiedsrichter musste das Spiel abbrechen, Basel gewann per Forfait mit 3:0.

Als letzte Vereinstätigkeit übte Rappan in seiner Heimatstadt bei Rapid Wien 1969 kurzzeitig die Funktion des technischen Direktors aus.

Nationaltrainer

Die erste Phase mit der eidgenössischen Nationalmannschaft begann für den gebürtigen Wiener mit einem Länderspiel am 19. September 1937 in Wien gegen Österreich. Bei der 3:4-Niederlage gegen das von Walter Nausch, Willibald Schmaus und Matthias Sindelar angeführte Team des Gastgebers brachte der neue Nationaltrainer Eugène „Genia“ Walaschek zu seinem Debüt in der „Nati“. Am 6. Februar 1938 trotzte Rappans Team in Köln Deutschland vor 78.000 Zuschauern ein 1:1 ab und Rappan hatte bis auf André Abegglen bereits seine Stammformation für die Weltmeisterschaft in Frankreich zum Einsatz gebracht. Am 1. Mai 1938 gewann er in Mailand mit seiner Mannschaft mit 2:1 das WM-Qualifikationsspiel gegen Portugal und damit hatten sich die Eidgenossen für die WM-Endrunde qualifiziert. Im letzten Länderspiel vor dem WM-Turnier besiegte die Schweiz am 21. Mai in Zürich den haushohen Favoriten England mit 2:1; es war der erste Sieg der Schweizer über Englands Nationalteam. Acht Tage zuvor hatte England in Berlin Deutschland mit 6:3 Toren überrannt, wobei die Flügelzange mit Stanley Matthews und Cliff Bastin insbesondere die deutsche Abwehr vor große Probleme gestellt hatte. Im WM-Vorrundenspiel am 4. Juni in Paris ertrotzte sich Taktiker Rappan erneut ein 1:1 n. V. gegen Deutschland und fünf Tage später gab es im Wiederholungsspiel einen umjubelten 4:2-Erfolg, nach einem 0:2-Rückstand nach 15 Spielminuten. Ohne den 63-fachen Nationalverteidiger Severino Minelli und den torgefährlichen Außenstürmer Georges Aeby – beide waren verletzt – verlor die Schweiz am 12. Juni das Viertelfinalspiel mit 0:2 gegen Ungarn. Nach der Rückkehr von der Weltmeisterschaft trat Karl Rappan als Auswahltrainer zurück.

Mitten im Zweiten Weltkrieg, am 1. Februar 1942, war er wieder erneut für die Ländermannschaft der Schweiz verantwortlich. Er begann mit einem Paukenschlag: Sein Team um den großartigen Torhüter Erwin Ballabio gewann in Wien mit 2:1 gegen Deutschland. DFB-Trainer Herberger baute mit Sesta, Schmaus, Wagner, Mock, Hanreiter, Fitz, Decker und Durek auf einen „Wiener-Block“, ergänzt mit Helmut Jahn, Hermann Eppenhoff und Fritz Walter aus dem „Altreich“. In den folgenden Jahren wechselten sich Siege und Niederlagen in bunter Folge ab; negativen Ergebnissen wie den Niederlagen gegen Schweden (2:7 am 7. Juli 1946), Niederlande (2:6 am 21. September 1947), Ungarn (4:7 am 21. April 1948) und dem 0:6 am 2. Dezember 1948 in London gegen England standen Erfolge gegen Schweden (3:0 am 25. November 1945), Österreich (1:0 am 10. November 1946), England (1:0 am 18. Mai 1947), Schottland (2:1 am 17. Mai 1948) und ein 4:0 am 26. Mai 1949 in Bern gegen Wales gegenüber. Die zwei WM-Qualifikationsspiele gegen Luxemburg gewann Rappan mit seiner Auswahl im Juni und September 1949 mit 5:2 und 3:2 und damit war die Schweiz für die Weltmeisterschaft 1950 in Brasilien qualifiziert. Ende des Jahres 1949 endete seine zweite Periode als Schweizer Nationaltrainer, in Südamerika war Franco Andreoli als Auswahltrainer im Amt.