mini|hochkant|Wuflin Lieske (2018) Wulfin Lieske (* 6. März 1956 in Linz, Österreich) ist ein deutscher Gitarrist und Komponist.
Leben Wulfin Lieske ist der Sohn eines Solocellisten der Staatsoper Stuttgart und einer Chorsängerin. Mit 10 Jahren begann er, Gitarre zu spielen und gab im Alter von 14 Jahren sein erstes öffentliches Konzert. Nach dem Abitur studierte er an der Musikhochschule Köln bei Karl-Heinz Böttner und Hubert Käppel und absolvierte außerdem kammermusikalische Studien bei Sigmund Nissel (Amadeus-Quartett) und Rudolf Kolisch sowie Meisterkurse bei Oscar Ghiglia, José Tómàs und John Williams. Sein Konzertexamen legte er 1985 ab. Lieske ist Preisträger internationaler Gitarrenwettbewerbe.
Seit 1979 konzertiert Lieske international als Solist und Kammermusiker und arbeitete unter anderem mit Gidon Kremer, Astor Piazzolla, Juan José Mosalini, dem Hilliard-Ensemble und Christoph Homberger zusammen. Er war Gründungsmitglied des Quartetts Extempore und gründete 1987 gemeinsam mit der Flötistin Camilla Hoitenga das Duo Dáccord. Des Weiteren gründete er 1993 das Quartett Bronski Ritual und 2009 zusammen mit Fabian Spindler das Duo Lieske Spindler Guitars, mit dem er mehrere Alben für Challenge Records einspielte.
Sein Repertoire umfasst verschiedene musikalische Epochen mit Werken von Komponisten der Renaissance wie Francesco da Milano bis zur Musik unserer Zeit sowie eigenen Werken.
1985 spielte Lieske sein erstes Soloalbum (Intercord/EMI classics) mit eigenen Transkriptionen von Bachs Violinsonate a-moll und Franz Schuberts Moments musicaux. Seitdem veröffentlichte er zahlreiche Alben, es liegen zudem verschiedene Rundfunk- und Fernsehproduktionen vor.
Seit den 1990er Jahren spielt Lieske die von Antonio de Torres 1856 gebaute Gitarre La Leona. 2005 erschien „El Canto de La Leona“, ein CD-Portrait und zugleich eine Ersteinspielung dieser Gitarre. Zudem spielt er auf weiteren Instrumenten spanischer Gitarrenbauern des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter Gitarren von Santos Hernandez aus dem Jahr 1935 und Petitjean (ca. 1810).
Von 1986 bis 1992 wirkte Lieske als Dozent an der Musikhochschule Hamburg. Außerdem unterrichtet er in Meisterkursen.
Wirken als Komponist Lieske begann mit dem Komponieren vor allem für Gitarre, sowohl solistisch als auch in Kammermusikbesetzungen. Sein erstes großes Werk ist Taqsim I-III (1990–92). Als work-in-progress umfasst es improvisierte und komponierte Teile, die von Aufführung zu Aufführung weiterentwickelt werden.
Später wandte er sich auch größeren Besetzungen zu, sodass sein Œuvre Werke für Klavier, Gitarre, Kammermusik, Lieder, Chor und Orchester umfasst. Wie in seinem Werk Taqsim I-III verbindet er häufig europäische mit außereuropäischen Musikkulturen. War es in Taqsim I-III die nordafrikanische Musik der Oud, spielt etwa in Dreamtime (2013) vertreten durch das Didgeridoo australische Musik eine Rolle.
Wichtige Premieren seiner Werke waren unter anderem die Aufführungen des Oratoriums Über den Wassern auf der EXPO 2000 Hannover mit dem Hilliard Ensemble und Bronski Ritual,Violet für Gitarre solo in Almería (2006), das Konzert für Gitarre und Orchester Acordoba beim Córdoba Festival (2010), Dreamtime (Requiem für Didgeridoo, Gitarre und Orchester) mit dem WDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Yutaka Sado in der Kölner Philharmonie (2013), In Luce in der Kölner Kirche St. Aposteln mit dem Europäischen Kammerchor (2015) und der Suite The Magic Four mit Milan Sládek im Slowakischen Nationaltheater (2019).
Diskografie (Auswahl) Bitternis mit dem Quartett EXTEMPORE (Improvisationen u. eigene Kompositionen), JazzHaus Musik, 1979 Vivaldi-Concerti mit dem Kammerensemble Cologne. KUTLU Records, 1986 Klassische Meisterwerke. Bach und Schubert in eigenen Transkriptionen, EMI Classics, 1984 La Catedral. Werke von Augustín Barrios, EMi Classics, 1987 Preludio latino. Werke von Billa-Lobos, Brouwer, Piazzolla, EMi Classics, 1989 Guitarra espanola. Werke von Tarrega, Llobet, Pujol, mit den originalen Fingersätzen interpretiert auf einer Gitarre von Antonio Torres aus dem Jahre 1891, EMi Classics, 1991 Adios noniño...in memoriam Astor Piazzolla. Mit Marino Rivero (Bandoneón), Istvan Kuruc (Violine) und Modern Strings Köln, EMi Classics, 1993 Wulfin Lieske spielt Isaac Albéniz. Transkriptionen von Tarrega, Llobet und Lieske interpretiert auf einer Gitarre von Antonio Torres, EMi Classics, 1994 What about this Mr. Tàrrega. Sieben spanische Meistergitarren von 1856–1959. Werke von Milan, Bach, Albéniz, Tàrrega, Brouwer, Villa-Lobos, Piazzolla, Tacet Musikproduktion, 1998 Agua e Vinho. Milongas, Tangos, Chôros, Sambas, Bossa-Novas, Candombes... von u. a. Agustín Barrios, Quique Sinei, Luis Bonfá, Hanibal Troilo, AMPHION Records, 2002 TAQSIM I-III. Werk-Zyklus für Gitarre von Wulfin Lieske, Kreuzberg Records, 2004 Aires de la Guitarra. Werke von Malats, Chapí, Pena, Sainz de la Maza, Turina, Falla, Rodrigo, Kreuzberg Records, 2004 El Canto de la Leona. Bach. Milano, Lieske, Llobet, Tárrega, Albéniz, VMS Records, 2008 Dreamtime. Improvisationen mit William Barton (Australien) Didgeridoo, VMS Records, 2009 Evocación. Lieske Spindler Guitars - Albéniz auf zwei Torres Gitarren, Challenge Classics, 2010 Bottom’s Dream. Lieske Spindler Guitars - Lieske, Piazzolla, Mingus, Challenge Classics, 2011 The Birth of the Guitar. Sor und Giuliani auf historischem Instrument (Petitjean ca. 1810), Oehms Classics, 2011
WDR-Produktionen Histoire du Tango. Mit Camilla Hoitenga (Flöte) Werke von Bizet, Albéniz, Barrios, Rodriguez, Ravel und Piazzolla, 1989 Guitare Romántique. Mertz, Coste, Regondi auf historischem Instrument (Vicente Arias 1874), 2013 Debussy Satie Ravel. Lieske Spindler Guitars (guitars by Santos Hernández 1924 und 1931), 2015 Lieder der Romantik. Olivia Vermeulen singt Sor, Mozart, Giuliani, Schubert, Brahms, Sibelius (guitar by Vicente Arias 1874, Antonio de Torres „La Leona“ 1856), 2015
Veröffentlichungen Notenausgaben (Auswahl) Bruno Maderna: Y después Ricordi, Milano (Version für sechssaitige Gitarre) A. Pärt: Fratres (Version Gitarre/Klavier), UE Wien Erwin Koch-Raphael: Grenzraum II, Bote&Bock, Berlin J.S. Bach: Sonata II a-moll BWV 1003, Tonger-Verlag, Köln F. Schubert: Vier Moments Musicaux und Menuetto, Tonger-Verlag, Köln F. Sor: Fünf melodische Konzertetüden, Tonger-Verlag, Köln B. Hänschke: En miniature I-IV, Tonger-Verlag, Köln E. Gismonti: Agua e vino, Gendai Guitar, Tokio R. Chapi: Serenata morisca, Gendai Guitar, Tokio L. Bonfa: Manha da Carneval, Gendai Guitar, Tokio
J. S. Bach: Suite BWV 1007 (arrangiert von W. Lieske), Edition Margaux, Berlin/Brühl Isaac Albéniz: Guitarra Espanola (arrangiert von W. Lieske), Edition Margaux, Berlin/Brühl
Wulfin Lieske: Suite breve for Violin and Guitar, Edition Margaux, Berlin/Brühl Wulfin Lieske: Nymphéas, Edition Margaux, Berlin/Brühl
Preise 1. Preis beim IX Concurso Internacional de Guitarra, Alicante 1981 1. Preis beim Tonger-Wettbewerb, Köln 1982 2. Preis beim 7. Concorso Internazionale di Interpretazione (1. Preis nicht vergeben), Gargnano 1982 2. Preis beim 1. Certamen Andrés Segovia (1. Preis nicht vergeben), Almunecar 1985
Literatur Wulfin Lieske, Profile, nova giulianiad 2/84, S. 123.
Weblinks
Website von Wulfin Lieske
Website Lieske Spindler Guitars
Einzelnachweise
Kategorie:Klassischer Gitarrist Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1956 Kategorie:Mann