Die Kreuzerhöhungskirche in Kanigowo () ist ein Bauwerk aus dem beginnenden 19. Jahrhundert. Bis 1945 war sie das Gotteshaus für das evangelische Kirchspiel Kandien, das über viele Jahrzehnte mit der Pfarrkirche in Neidenburg (polnisch Nidzica) verbunden war und zur Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute ist sie römisch-katholische Pfarrkirche innerhalb des Erzbistums Ermland in Polen.
Geographische Lage Kanigowo liegt im Südwesten der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Bis zur Kreisstadt Nidzica () sind es fünf Kilometer in nördlicher Richtung. Der Ort ist über die Schnellstraße S 7 in der Abfahrt Nidzica-Południe und über mehrere Nebenstraßen zu erreichen. Die nächste Bahnstation ist Nidzica an der Bahnstrecke Działdowo–Olsztyn.
Der Standort der Kirche befindet sich in der südlichen Ortsmitte.
Kirchengebäude Bereits im 15. Jahrhundert gab es in Kandien eine Kirche. Mit der Einführung der lutherischen Reformation in Ostpreußen wurde sie evangelisch. Über ein Kirchengebäude bis zu Beginn der 1900er Jahre liegen keine Berichte vor. Im beginnenden 19. Jahrhundert soll dann der Wiederaufbau eines Gotteshauses erfolgt sein, als dazu die Mauern um die Hälfte der vorhandenen Höhe angehoben sowie ein Glockenturm über dem Westgiebel angebracht wurde. Es handelte sich um ein schlichtes, chorloses Bauwerk mit hölzernem Dachturm.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 126, Abb. 584–586 Das Mauerwerk ist aus Ziegeln, zum Teil mit Fachwerk, und ist verputzt.
Das Kircheninnere ist mit einer Balkendecke überzogen, an den Seiten befinden sich Emporen. Altar und Kanzel sind einfaches Schnitzwerk aus dem beginnenden 19. Jahrhundert. Der Altar hat einen Aufsatz mit der Abbildung der Kreuzigung Christi in einer Nische sowie Apostelstatuen.Die Kirche in Candien bei der Kreisgemeinschaft Neidenburg Die Kanzel steht in der Mitte der Südwand und hat einen zierlichen Schalldeckel. In der Kirche befindet sich ein hängender Taufengel.
Anstelle einer Orgel verfügte die Kirche lediglich über ein altes Orgelpositiv. Das Geläut der Kirche bestand ursprünglich aus zwei Glocken.
Kirchengemeinde Die Kirche in Kandien stammte aus vorreformatorischer Zeit. Mit der Reformation wurde sie lutherisch.
Evangelisch Kirchengeschichte Die evangelische Kirchengemeinde Kandien war von 1809 bis 1909 eine mit der Pfarrkirche in Neidenburg (polnisch Nidzica) pfarramtlich verbundene Gemeinde. In dieser Zeit soll der Pfarrer nur 14-täglich erschienen und ab 1865 in einer umgebauten Schlafstube im Schulhaus übernachtet haben. Dabei wurden die Gottesdienste häufig von Lehrern gehalten. Auch predigte man bis ins 19. Jahrhundert hinein sowohl in deutscher als auch in polnischer Sprache.
Im Jahre 19109 wurde die dritte Neidenburger Pfarrstelle nur für Kandien bestimmt, woraufhin das Dorf ein eigenes Pfarrhaus bekam. Erst im Jahre 1942 wurde die pfarramtliche Verbindung zu Neidenburg vollständig gelöst.
Kandien gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Neidenburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 495 Das Kirchenpatronat oblag ursprünglich dem König, zuletzt den staatlichen Stellen. 1310 Gemeindeglieder zählte das aus mehreren Orten bestehende Kirchspiel im Jahre 1925.
Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung infolge des Krieges setzten der evangelischen Kirchengemeinde in Kandien ein Ende. Heute in Kanigowo lebende evangelische Kirchenglieder orientieren sich zur Heilig-Kreuz-Kirche Nidzica in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.
Kirchspielorte Zum evangelischen Kirchspiel Kandien gehörten neben dem Pfarrort bis 1945:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Geänderter Name1938 bis 1945 Polnischer Name Deutscher Name Geänderter Name1938 bis 1945 Polnischer Name Alt Borowen Seinsheim Stare Borowe Sablotschen Winrichsrode Sabłocie Gniadtken Grenzhof Gniadki *Saffronken Safronka Grabowo Hasenheide Grabowo Leśne *Sagsau Zagrzewo Heidemühle Borowy Młyn Sbylutten Billau Zbyluty Königlich Kamiontken (ab 1931:)Steinau Kamionka Schimiontken (ab 1928:)Sagsau Siemiątki *Napierken Wetzhausen (Ostpr.) Napierki Willuhnen Wiłunie
Pfarrer Bis 1945 amtierten an der Kirche Kandien als evangelische Geistliche die Pfarrer.Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 61–62 NN., 1649 Jacob Szczuplinski a Lelywa, 1660–1711 Georg Hampe, 1707–1737 Heinrich Horn, 1737–1739 Johann Friedrich Cnisius, 1740–1748 Michael Horn, 1748–1755 Samuel Uklanski, 1755–1756 Georg Riemer, 1756–1775 Samuel Ernst Riemer, 1775–1802 Christoph Dopatka, 1803–1809 [1809–1909 Pfarrer aus Neidenburg] Eugen Gayk, 1909–1925 Albert Hesse, 1924–1928 Herbert Bolz, 1936 Otto Pätzoldt, 1941–1942 Isidor Dost, 1937–1939 Erich Rogowski, 1939–1945
Kirchenbücher Von den Kirchenbuchunterlagen Kandiens haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrt:Christa Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchivin Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union, Berlin 1992³, S. 57, mit Berichtigungen und Ergänzungen, Berlin 2001 Taufen = 1768 bis 1799 und 1927 bis 1944 Trauungen = 1883 bis 1910, 1912 bis 1944 Begräbnisse = 1941 bis 1944
Römisch-katholisch Vor 1945 waren die zahlenmäßig wenigen Katholiken in Kandien und Umgebung in die römisch-katholische Kirche in Neidenburg im damaligen Bistum Ermland eingepfarrt. Nach 1945 siedelten sich in Kanigowo zahlreiche polnische Neubürger an, die die bisher evangelische Dorfkirche für sich reklamierten. Das Gotteshaus wurde ihnen übereignet. Seit dem 1. Juli 1994 ist Kanigowo eine eigene Pfarrei, die dem Dekanat Nidzica im jetzigen Erzbistum Ermland zugeordnet ist.Parafia Kanigowo im Erzbistum Ermland Die Pfarrei unterhält in Zagrzewo (Sagsau) eine Filialgemeinde.
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Einzelnachweise
Kategorie:Erbaut im 19. Jahrhundert Kategorie:Umgewidmetes Kirchengebäude Kategorie:Kreuzerhöhungskirche Kategorie:Kirchengebäude des Erzbistums Ermland Kategorie:Kirchengebäude in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Kulturdenkmal in der Woiwodschaft Ermland-Masuren Kategorie:Gmina Nidzica Kategorie:Fachwerkkirche in Polen Kategorie:Backsteinkirche