Der Buthier (frz. ) ist ein Fluss im Aostatal in den italienischen Westalpen. Es ist der Nebenfluss der Dora Baltea mit dem größten Einzugsgebiet und gehört ebenfalls zum Flusssystem des Po.
Der Wildbach fließt durch das Tal Valpelline und erreicht den Talgrund der Dora Baltea im Stadtgebiet von Aosta. Der Abfluss in die Dora Baltea entspricht wegen des Baus von Wasserkraftwerken und von Bewässerungsanlagen nicht mehr dem natürlichen limnologischen Regime.
mini|hochkant|Personifizierung des Flusses Buthier an einem Wandbrunnen am Rathaus von Aosta, Place Émile-Chanoux, Skulptur mutmaßlich des piemontesischen Bildhauers Giuseppe Argenti (1810–1876)Le fontane Dora e Buthier ad Aosta. Progetto ed opere di restauro. Aosta 2000. Die etymologische Herkunft des Flussnamens Buthier ist nicht sicher geklärt. Es wurde vermutet, der Name gehe mit jenem der Dora Baltea und auch der Dora Riparia, eines andern Nebenflusses des Po, und weiterer Gewässer der Westalpen auf eine gemeinsame, vielleicht vorkeltische Wurzel zurück. In einem Seitental des Valpelline liegt eine Ortschaft mit dem Namen Buthier.
Einzugsgebiet Die vom Buthier und seinen Nebenflüssen entwässerte Landschaft liegt in den Hochalpen, genauer am südwestlichen Rand der Gebirgsgruppe Walliser Alpen (auch Penninische Alpen). Sie erstreckt sich links von der Dora Baltea vom Alpenhauptkamm bis zum Ausgang der Schlucht am Stadtrand von Aosta. Der höchste Berg der Gebirgskette im Quellgebiet des Buthier ist die Dent d’Hérens () am östlichsten Punkt des Flussgebietes. Gegen Norden wird das Einzugsgebiet des Buthier, welches das Valpelline und dessen Seitental Vallée du Grand-Saint-Bernard umfasst, über eine Strecke von rund 45 Kilometern durch den Alpenhauptkamm begrenzt. Dieser trennt das Aostatal als kontinentale Wasserscheide vom Kanton Wallis im Flussgebiet der Rhone und bildet in diesem Abschnitt die Staatsgrenze zwischen Italien und der Schweiz. Der Grosse Sankt Bernhardpass ist der einzige Alpenpass vom Aostatal in die Schweiz. Die wichtigeren Berge auf dieser Strecke, die viele Dreitausender und einige Gletscher aufweist, sind die Tête de Valpelline (), der Mont Brulé (), der Mont Gelé (), der Mont Vélan () und der Grand Golliat (). Die Nordabdachung der Bergreihe wird über die Walliser Flussgebiete der Mattervispa, der Borgne und der Drance zur Rhone entwässert. An der Tête Blanche () überdeckt der Rest einer Eiskappe die vom Gebirge gebildete Wasserscheide zwischen dem Buthiertal und den schweizerischen Nachbartälern. Mit dem voraussichtlichen Abschmelzen der Gletscher wird die Topographie des Untergrunds in der Zukunft sichtbar.
Westlich schließt an die Buthierlandschaft das Einzugsgebiet der Doire de Ferret im Val Ferret an, das von der Vallée du Grand-Saint-Bernard aus an deren westlichstem Punkt über den Col de Malatra () zu erreichen ist. Im Osten folgt die Landschaft des Marmore, der das Tal Valtournenche südlich des Matterhorns entwässert. Beide Flüsse – Doire de Ferret und Marmore – sind wie der Buthier linke Nebenflüsse der Dora Baltea. Zwischen diesen Flusssystemen liegen einige kurze Seitentäler mit Wildbächen (Torrenti), die direkt in die Dora Baltea münden; die größeren davon sind der Torrent Grand Eau im Vallon de Planaval und der Torrent de St-Barthélemy oberhalb von Nus.
Im Südwesten ist das Talsystem des Buthier vom Haupttal der Dora Baltea durch eine Bergkette mit mehreren Dreitausendern getrennt. Markante Gipfel in diesem Bereich sind der Grand Créton (), die Pointe Valletta (), der Mont de Flassin (), der Mont Fallère () sowie hoch über der Stadt Aosta die Pointe de Chaligne ().
Das Gebirgsmassiv östlich des Valpelline beginnt an der Dent d’Hérens und hat im nördlichen Abschnitt einen hochalpinen Charakter mit zahlreichen Bergen von über 3000 Metern Gipfelhöhe und großen Gletschern, die zum Buthier hin entwässern, so wie etwa der Glacier du Château des Dames. Die Punta Margerita () über dem Grandes-Muraillesgletscher ist der zweithöchste Berg am Buthiertal. Im südwestlichen Teil ist der Gebirgszug durch mehrere ausgeprägte Seitentäler gegliedert, aus denen starke Nebenbäche in den Buthier münden; von diesen ist der Torrent de Vessonaz, der am Mont Faroma () entspringt, mit einer Länge von 7,5 Kilometer der bedeutendste. Im Seitental Combe des Montagnayes in Bionaz, durch welches der drei Kilometer lange Torrent des Montagnayes fließt, liegt das Naturschutzgebiet Riserva naturale Montagnayes. Die Becca de Roisan () östlich des Buthier und bereits in der Nähe von Aosta bildet den Abschluss der etwa 35 Kilometer langen Bergreihe.
Im Einzugsgebiet des Buthier befinden sich die Gemeinden Bionaz, Oyace, Valpelline, Ollomont, Doues, Saint-Rhémy-en-Bosses, Saint-Oyen, Étroubles, Allein, Gignod, Roisan und ein Teil von Aosta. Außerdem folgen die Gemeindegrenzen in zwei Abschnitten östlich des Buthier nicht genau der Wasserscheide, so dass auch eine kleine, vergletscherte Fläche der Gemeinde Torgnon und das Parleaztal von Saint-Christophe im Buthiergebiet liegen.
Im Valpelline liegen mehrere Seen. Der Lac de Place Moulin im Haupttal und die Diga de By bei Ollomont sind Stauseen. Hoch an den Bergflanken befinden sich in den Seitentälern etwa zwanzig Bergseen, darunter der See auf der Passhöhe des Grossen Sankt Bernhard, der auf der Landesgrenze liegt, aber nach Italien entwässert, und der Lac Mort oberhalb von Place Moulin und cer Lac d’Arpisson. Im Talgrund liegt bei Dzovennoz der Lac de Lexert.
Hydrologie Mit seinem Flussgebiet, das sich vom vergletscherten Hochgebirge auf über 4000 Meter bis zur Mündung in die Dora Baltea auf 560 Meter erstreckt, hat der Buthier ein komplexes Abflussregime. Seine Quellen liegen in der nivalen Höhenstufe, und so ist der Fluss dort auf einem kleinen Abschnitt vom glaziären Regime abhängig, während sein Abfluss im übrigen Talgebiet dem Schnee-Regen-Regime entspricht.
Mit dem Stauwerk Place Moulin kann der Abfluss im oberen Talbereich des Valpelline ausgeglichen werden. Im Flussgebiet befinden sich mehrere Pegelstationen.
Nicht alles Wasser aus den Bergtälern des Valpelline verlässt das Flussbecken des Buthier über dessen Mündung in die Dora Baltea. Ein beträchtlicher Anteil des minimalen Abflusses wird vorher, nördlich von Aosta, mit einem Kraftwerkkanal und mehreren historischen Bewässerungskanälen in Nachbarabschnitte des Aostatals geleitet.
Der Schwemmkegel des Buthier im Dora-Balteatal bildet heute vor der Signayesschlucht eine schwach gegen Süden geneigte Ebene. Die Dora Baltea ist in diesem Abschnitt deshalb ganz an die rechte Seite des Tals gedrängt worden. Im Untergrund weist das Flussgeschiebe eine Mächtigkeit von etwa 200 Metern auf. So tief hat der südliche Mont Blancgletscher, der in der letzten Kaltzeit beim Höchststand bis in die Po-Ebene vorstiess, das Tal ausgeräumt. Eine noch heute am Berghang östlich von Aosta erkennbare Seitenmoräne des ehemaligen Buthier- oder Valpellinegletschers zeigt die Höhe des Gletschers bei einem letzten hohen Stadium an. Als die Gletscher vor rund 20'000 Jahren zurückwichen, gaben sie beim heutigen Aosta ein Tal frei, dessen Sohle viel tiefer lag als die heutige Oberfläche. Noch in der Endphase der Würm-Kaltzeit begann sich die Senke mit Moränenschutt, Bergsturzmaterial und dem Geschiebe der Gletscherbäche zu füllen. Das vom Buthier in das Tal verfrachtete Material vermischte sich periodisch mit dem Flussgeschiebe der Dora Baltea aus den oberen Bergtälern. Die Schichten aus Gestein, Kies und Sand bilden heute im Tal bei Aosta einen großen Grundwasserspeicher, der auch vom Buthier gespiesen wird.Domenico De Luca (u. a.): Idrogeologia della Piana di Aosta (Valle d’Aoste). In: Geologia dell’Ambiente, 2017. S. 22–26.
Verlauf Der Buthier entsteht als Gletscherbach unterhalb des Tsa de Tsangletschers, der den obersten und nördlichsten Abschnitt des Einzugsbereichs westlich der Tête de Valpelline bedeckt. Das Ende der in geteilte Abschnitte zerfallenden, seit Jahrzehnten stark abschmelzenden Gletscherzunge, aus welcher mehrere Schmelzbäche herausfließen, liegt an einer Steilstufe des Gebirges auf etwa (Stand um 2020). In einer kleinen Vertiefung am Berghang hat sich inzwischen ein neuer Gletscherrandsee gebildet.
Über den Schuttkegel, der vor dem Gletscher aus Moränenmaterial entstanden ist, fließen die einzelnen Gletscherbäche in die nahe oberste Talstufe herunter, wo sie sich auf etwa in einem weiteren Gletscherrandsee sammeln, den das Geschiebe allmählich auffüllt.
Der Buthier, oder hier auch Buthier de Valpelline, fließt durch das schmale Tal zwischen den hohen Wällen der ehemaligen Seitenmoränen des Gletschers gegen Süden und nimmt auf einer Strecke von anderthalb Kilometern von links die drei Gletscherbäche unter dem breiten Grandes Murailles-Gletscher auf, der westlich von der Dent d’Hérens () ins Tal herunterfließt. Die stärkste Zunge dieses Gletschers erstreckt sich noch bis etwa 500 Meter über dem Talboden des Buthier. Noch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vereinigten sich die beiden Gletscher Tsa de Tsan und Grandes Murailles im Talgrund nahe der Tsa de Tsan-Alp, und der Buthier floss aus nur einem Gletschertor; seither sind beide Gletscher stark geschwunden und der Bergfluss ist inzwischen mehrere Kilometer länger geworden. Diese Tendenz dürfte in den nächsten Jahrzehnten gleich bleiben, falls der Tsa de Tsangletscher weiterhin stark zurückweicht. Für einen neu entstandenen seitlichen Quellbach des Buthier hat sich in der Geografie inzwischen der provisorische Name Buthier des Grandes Murailles ergeben. Zwischen den beiden Gletschern steht die Schutzhütte Rifugio Aosta.
mini|Staumauer des Place-Moulinsees mini|Der Lexertsee Das Tal des Buthier verläuft etwa sechs Kilometer in südlicher und dann in südwestlicher Richtung bis zum Stausee Lac de Place Moulin, der eine Länge von vier Kilometern hat und dessen Oberfläche auf der Höhenkote von liegt. Die von 1955 bis 1965 im Auftrag des Consorzio Elettrico Buthier begonnene und von der Ente Nazionale per l’Energia Elettrica (ENEL) fertiggestellte Staumauer gehört mit der Höhe von 155 m und der Breite von 678 m zu den größten Talsperren der Erde. In Italien ist sie nach der Alpe-Gera-Talsperre in der Lombardei die zweithöchste ihrer Art.Place Moulin ProgettoDighe 2016 Der Damm und der Stausee erhielten ihren Namen nach der Alpsiedlung Place Moulin, bei welcher die Staumauer steht. Die linke Talflanke ist im Bereich des Stausees sehr steil, während die rechte, der Sonne ausgesetzte Seite eine flachere Terrasse bildet, wo die Alpsiedlungen Pessaou und Grésime liegen. Die Landschaft am See ist ein bekanntes Reiseziel im Aostatal und der See ist für das Fischen geeignet.Pesca sportiva in ValpellineBacino di Place-Moulin pescanetwork.it Im See kommen vor allem die Bachforelle und die Rotforelle vor.
Bis unterhalb des Stausees erreichen mehrere seitliche Bergbäche den Buthier, deren Quellen bei den zahlreichen kleinen Restgletschern an den steilen, hohen Bergen auf beiden Seiten des oberen Valpelline liegen. Viele dieser Berggipfel sind mehr als 3000 Meter hoch. Die größeren Seitenbäche des Buthier in diesem Abschnitt sind der Torrent de Valcornière und der Torrent d’Oren.
Unterhalb des Place-Moulinsees fließt der Buthier etwa 20 Kilometer weit durch das enge, streckenweise schluchtartige Tal. Aus Seitentälern nimmt er widder einige Nebenbäche auf, so den Torrent de Vessonaz, den Torrent de Verdonnaz, den Torrent de Verdignolaz, den Torrent de Brison und den Torrent d’Arpisson. An Alpsiedlungen und den kleinen Weilern Bionaz, Dzovennoz, Chentre, Oyace, Vernosse, Thoules und Semon vorbei erreicht er den Talkessel des Hauptorts Valpelline, wo auf der rechte Seitenbachs Buthier d'Ollomont einmündet.