mini|Gefasste Nordostecke des ehemaligen Brückenkopfes, 2018 Die Rheinbrücken Augusta Raurica waren befestigte Rheinübergänge in Höhe von Augusta Raurica zwischen Basel und dem Bodensee, die in römischer Zeit erbaut worden waren. Sichtungen über Reste der Brücken im Rhein sind seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts überliefert. Die archäologische Forschung dazu begann Ende des 19. Jahrhunderts mit Grabungen, die von Theophil Burckhardt-Biedermann und Ernst Wagner durchgeführt wurden. Die östlichste Querung wird als Obere Brücke bezeichnet. Sie verlief vom Castrum Rauracense (Kaiseraugst) aus nach Norden. Heute sind davon außer dem Brückenkopf am Nordufer innerhalb des Gemeindegebiets von Grenzach-Wyhlen keine Bauteile mehr sichtbar. Der nördliche Brückenkopf war mit runden Türmen befestigt und wurde von römischen Truppen gesichert.Tim Nagengast: Einst eine Hauptverkehrsader. In: Weiler Zeitung, 20. Januar 2015. Die Gwerdbrücke verband Augusta Raurica mit dem gegenüber liegenden Rheinufer und nutzte dabei mehrere Wege über die Insel Gwerd. Vermutlich gab es eine ältere und einer jüngere Version dieser Brücke. Bauliche Reste sind heute auf Grund des erhöhten Wasserstandes für den Betrieb des Kraftwerks Augst-Wyhlen nicht mehr sichtbar. Die Untere Brücke ist die am wenigsten erforschte Brücke. Sie befand sich wohl im Bereich oberhalb der heutigen Staustufe Augst-Wyhlen. Bei den Brücken dürfte es sich um eine bedeutende Verkehrsachse der damaligen Zeit gehandelt haben.

Ausgangssituation Der Rhein und die Uferzonen sowie die Form der Insel Gwerd veränderten sich im Lauf der Jahrhunderte stark. Teile des Ufers wurden vom Strom mitgerissen, andere wurden für mehrere Jahrzehnte überschwemmt oder lagen wieder dauerhaft über dem Wasserspiegel des Rheins. Mir diesen natürlichen Phänomenen verschwanden auch römische Bauteile in Ufernähe sowie im Bett des Rheins. Verstärkt wurde das Verschwinden der ehemaligen Brücken durch menschliche Einflüsse. Steinfundamente und Befestigungen wurden abgebaut und das Baumaterial an anderer Stelle verwendet (Spolien). Am Uferbereich einstanden Steinbrüche in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Brücken. Auch die landwirtschaftliche Nutzung des Areals trug zum Verschwinden der Befunde bei. Weiter entstand durch die am Ufer des Rheins errichteten späteren Bauten (zum Beispiel Fundamente einer Salmenwaage) die Gefahr der Fehlinterpretation von vorhandenen Bauresten. Frühere archäologische Untersuchungen wurden mit der in der jeweiligen Zeit verfügbaren Technik vorgenommen und dokumentiert. Teilweise wurden bei den früheren Grabungen deshalb Befunde übersehen. Teile der Grabungsdokumentation fehlen heute. Schließlich liegen die Reste der römischen Bauzeugnisse jetzt unter dem angestauten Wasser des Rheins und sind nicht einfach zugänglich.

Quellen der Forschung

Historische Berichte Constantius II. hat im Jahr 354 n. Chr. erfolglos versucht, eine Schiffbrücke bei Kaiseraugst zu bauen. Nach Ammianus Marcellinus könnte es in der Folge eine Schiffbrücke gegeben haben.

1531 berichtete Beatus Rhenanus in seinen Rerum Germanicarum libri von Mauerresten am rechten Rheinufer bei Augst, aber noch nicht von Resten der Brücke im Rhein. Im Jahr 1540 herrschte extreme Trockenheit. Danach ist erstmals in Johannes Stumpfs Gemeiner loblicher Eydgenossschafft Stetten Landen und Völckeren Chronikwirdiger Thaten Beschreybung im Jahr 1548 die Rede von: „Gegen Augst über auf der rechten Seite des Rheins alte Mauern eines starken Schlosses. Nach Angabe der Landleute soll man bei kleinem Rhein die Reste einer Brücke sehen.“ 1589 berichtet Daniel Speckle in Architectura von Vestungen: „Im Rhein sieht man bei niederem Wasserstand die Vestigia einer gewaltigen steinen Brucken, daran wiederumb ein Castell gelegen, wider die Allemanier.“ In Andreas Ryffs Zirkel der Eydtgnosschaft 1597 ist von einer alten Rheinbrücke bei Kaiseraugst die Rede: „Beim jetzigen Dorf Augst gieng eine Brücke über den Rhein, da ehnethalben das alt Burgstall stehet. Wenn der Rhein klein ist, sieht man die Reste der Brückenjoche.“ Jacobus Russerus vermerkt in De vetustate urbis Basileae von 1620: „Im Rheine die Spuren einer Brücke, auf dem jenseitigen Ufer die Reste einer Burg.“

Im Jahr 1858 wurde in einem Protokoll des Kaiseraugster Gemeinderates die Anbringung einer eisernen Gedenktafel auf dem Burgwaagkopf dokumentiert. Die Formation im Rhein war auf Grund des niedrigen Wasserstandes erreichbar. An dieser Stelle soll es früher eine Salmenwaage gegeben haben.

Historische Karten

Gwerd-Brücke mini|Gwerd-Insel mit römischen Mauern neben dem Bauernhof, Darstellung von Emanuel Büchel 1750 1602 fehlt auf dem Grenzplan von Melchior Hainrich Graber noch ein Hinweis auf römische Brückenmauern auf der Gwerd-Insel. Die Insel ist einteilig dargestellt und vom Altrhein vollkommen umgeben. Georg Friedrich Meyer stellt 1680 eine große und vier kleine Inseln dar. Auch hier fehlt der Hinweis auf Reste einer Brücke am Ufer. 1750 bei Emanuel Büchel finden sich erstmals symmetrisch dargestellte Mauern neben dem ufernahen Bauernhof. 1751 auf der Plandarstellung von Johann Daniel Schöpflin sind ebenfalls Mauerreste neben dem Bauernhof dargestellt. Sie öffnen sich in Richtung Rhein. Im Plan von Daniel Bruckner aus dem Jahr 1763 sind diese Mauern mit U-förmigem Grundriss in Richtung Rhein eingezeichnet. Aubert Parent zeichnete 1804 selbige Mauerreste als Teil einer Stadtbefestigung Augsts, die sich bis auf die Gwerd-Insel erstreckte. In späteren Karten sind weitere Details wie Wegeverbindungen auf der Insel, landwirtschaftliche Nutzungen, das Bauernhaus sowie eine Salmenwaage am Ufer verzeichnet. Zu den detailliertesten Plänen gehört eine Zeichnung von 1878.

Bildliche Darstellungen

Obere Brücke Am 6. September 2011 fand am Brückenkopf eine Fotokampagne statt, die von Jürg Rychener ausgewertet wurde. Wie schon bei den vorangegangenen Ausgrabungen (siehe unten) ergaben sich dabei keine Hinweise auf Zwischenmauern zwischen den Turmstümpfen des dortigen Brückenkopfes.

Gwerd-Brücke Die älteste, 1763 veröffentlichte Zeichnung der Mauerreste auf der Gwerd-Insel stammt von Emanuel Büchel. Sie zeigt von Vegetation umgebene symmetrische Mauerstümpfe. 1840 fertigte Johann Jakob Neustück Zeichnungen der sichtbaren Mauerreste auf dem Südufer der Gwerd-Insel an, die im Vergleich zu der ersten Abbildung auf größere Verluste an Mauerwerk hinweisen.

Grabungen und Streufunde

Obere Brücke mini|Lageplan Brückenturm der Oberen Brücke Kaiseraugst 1903 Der Basler Altertumsforscher Theophil Burckhardt-Biedermann sondierte erstmalig im April und Oktober 1886 im Bereich des Brückenkopfes der Oberen Brücke und hinterließ einen ausführlichen Bericht mit Handskizzen. Beteiligt war auch Michael Völklin aus Herten. Dokumentiert wurden die Reste von drei Turmstümpfen, die nah an einer hohen Abbruchkante über dem Rhein lagen. Südlich unterhalb der Mauerreste wurden 30 bis 40 Jahre vorher wohl Steine für Uferbauten in Märkt (heute ein Stadtteil von Weil am Rhein) abgebaut. Im Hang waren noch Steine zu sehen, die über die Kante abgerutscht waren. Westlich und östlich der Fundamentreste beschrieb Burckhardt-Biedermann zwei tiefe Geländeeinschnitte, die er teils als natürlich und teils als menschengemacht ansah. Nördlich der Turmreste interpretierte er weitere Befunde als Reste eines wieder verfüllten Grabens. Hinweise auf die Lage einer ehemaligen Strasse zur Brücke fand er nicht, obwohl er in den drei Turmstümpfen einen antiken Brückenkopf vermutete.

mini|Schnitt durch einen Brückenturm der Oberen Brücke Kaiseraugst 1903 1887 und 1889 führte Ernst Wagner Nachgrabungen durch, die durch Rudolf Laur-Belart 1933 ergänzt wurden. Wagner hatte das Ziel, die Befunde und die umgebenden Geländeformen zu vermessen und detaillierter zu untersuchen. So stellte er fest, dass die historischen Fundamente auf einer 70 Meter langen und 14 Meter breiten Hochfläche lagen. Die ursprüngliche Breite war nicht mehr feststellbar, da die Hochfläche von der Abbruchkante zum Rhein begrenzt wurde. Wagner nummerierte die Türme mit I, II und III, wobei er die Zählung im Westen begann. Der Turm I war besonders gut erhalten und seine Bauweise gut erkennbar. Eine äußere Mauerschale aus Steinquadern lag vor Gussmauerwerk über einem durchgehenden, kreisförmigen Fundament und einer darunter befindlichen Steinschüttung. Den Abstand der Türme untereinander bezifferte er mit 10 Metern. Befunde für Verbindungsmauern zwischen den Türmen fand er nicht, ebenso wenig Spuren einer Straßenkonstruktion. Im Grabungsaushub fand Wagner kaum Kleinfunde. Es wurde Ziegelbruch entdeckt, davon 14 Stücke mit der Stempelung „LEG I MR“. Später wurde diese Prägung als Legio I Martia entschlüsselt. Durch Veröffentlichungen ab den 1980er Jahren wurde bekannt, dass auch Fragmente eines Schwertscheidenbeschlags, eines Militärgürtels, ein Messer, der Griff eines nicht bestimmten Gerätes und ein Eisennagel gefunden wurden.

Rudolf Laur-Belart und Friedrich Kuhn führten von April bis Juli 1933 Grabungen am rechten Rheinufer durch, da am linken Rheinufer die antike Nord-Süd-Straße durch das Castrum Rauracense entdeckt worden war. Diese Strasse führte vom südlichen Stadttor herunter an das Rheinufer und verlief über die angenommene Obere Brücke auf die am gegenüberliegenden Ufer gefundenen Turmreste zu. Durch diese Neuentdeckung stellte sich nun wieder die Frage nach dem Verlauf der Strassentrasse auf dem rechten Rheinufer. Weiter sollte geklärt werden, ob die beobachteten Einschnitte im Gelände neben dem Turmplateau natürlicher oder künstlicher Herkunft waren. Die Forschungen ergaben, dass die Türme unterschiedliche Durchmesser hatten. Der westliche war mit 8,12 Meter der Turm mit der größten Ausdehnung, der östliche mit 7,2 Meter der Turm mit dem kleinsten Durchmesser. Der mittlere Turm liegt um 56 Zentimeter aus der Flucht der anderen Türme nach Norden verschoben. Die Breite der Berme, also dem Abstand zwischen den Türmen und dem nördlich davon liegenden, mittlerweile verfüllten Graben, betrug 18 Meter. Der rechts vom Plateau liegende Graben war in nordöstlicher Richtung 6 Meter breit und hatte eine 5 Meter breite Sohle. Auf der gegenüber liegenden Seite des Plateaus war der Einschnitt 7,1 Meter tief. Im verfüllten Graben im Norden fand man Spuren von ehemaligen Spitzgräben. Nachweise für eine Straße wurden bei den Sondagen nicht gefunden.

Im alamannischen Gräberfeld von Herten in unmittelbarer Nachbarschaft zum Brückenkopf wurde unabhängig von den zuvor beschriebenen Grabungen claudisch-neronisch Terra Sigillata gefunden, ein Befund, der zur Datierung des Brückenkopfes von verschiedenen Forschern herangezogen wurde.

1987 wurde beim Turm III eine Münze aus der Prägezeit 351 bis 353 n. Chr. gefunden. Anfang der 1990er Jahre wurden im Bereich des älteren Grabungsschutts mehrere Münzfunde gemacht. Roland Kistners Sondagen ergaben Münzen aus der Zeit der Kaiser Antoninus Pius, Mark Aurel und Julian.

Gwerd-Brücke