Der Uttewalder Grund ist eine teilweise enge und tief eingeschnittene Schlucht im Elbsandsteingebirge, auf dem Gebiet der Gemeinde Lohmen, nördlich von Stadt Wehlen. Mit Grund werden in der Sächsischen Schweiz derartige enge Täler bezeichnet, unabhängig davon, ob aktuell Fließgewässer darin bestehen oder nicht. Zwar gibt es im Grund eine Art Abflussrinne (Uttewalder Grundbach), jedoch führt dieser, wie auch im benachbarten Wehlener Grund, in der Regel kein oder kaum Wasser.

Lage Der Uttewalder Grund ist ein Nebental des Wehlener Grunds, der sich wiederum zum Durchbruchstal der Elbe öffnet. Die nördliche Fortsetzung des Grundes in Richtung Lohmen bildet der Schleifgrund.

Die Abgrenzung zum südlich angrenzenden Wehlener Grund und zum nördlich angrenzenden Schleifgrund ist nicht eindeutig. In älteren Karten wird der Grund zwischen dem Kohlgrund und dem Teufelsgrund auf einer Länge von 1,6 Kilometern als Uttewalder Grund bezeichnet.Friedrich Axt, Moritz Seifert: Umgegend von Wehlen und Bastei. Maaſsstab 1:15000, Dresden 1878

In aktuellen Kartendarstellungen wechselt die Bezeichnung hingegen in Höhe des Gasthauses "Waldidylle": unterhalb trägt der Grund auf einer Länge von ca. 900 Metern den Namen Uttewalder Grund, oberhalb den Namen Schleifgrund. Das bekannte Uttewalder Felsentor liegt heute demnach schon im Schleifgrund.open street map, Wechsel der Namensbezeichnungen in Höhe des Gasthauses "Waldidylle"

Name Der Grund ist nach dem unmittelbar nördlich angrenzenden Dorf Uttewalde benannt.

Entstehung Siehe Elbsandsteingebirge (Abschnitt: Geologie)

Gemessen am Alter der kreidezeitlichen Sandsteinablagerungen ist die Form des Uttewalder Grundes vergleichsweise jung. Er entstand als Ergebnis der Erosion während der Weichsel-Kaltzeit. Damals vertieften die Schmelzwasserabflüsse in Richtung Elbtal bereits vorhandene Klüfte im Sandstein zu einer tiefen Schlucht.

Flora und Fauna Der Uttewalder Grund ist eines der typischen schluchtartigen Täler des Elbsandsteingebirges. Der Naturraum wird vom Wechselspiel von Fluss, Talgrund und Felswänden beeinflusst. Das tiefe und teils canyonartige Tal ist strahlungs- und windgeschützt. Da die Talsohle kaum oder nur kurz Sonneneinstrahlung erhält, herrscht hier ein feucht-schattig-kühles Klima (Sommer) bis mildes Klima (Winter) vor. Die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter sowie zwischen Tag und Nacht sind vergleichsweise gering. Eine Besonderheit im Uttewalder Grund ist, dass es meist kein fließendes Gewässer im Grund gibt. Auch stärkere Niederschläge, die anderswo an der Oberfläche abfließen, versickern überwiegend im Grund selbst und fließen nur bei Starkregen ab.

Im Gegensatz zum feucht-kühlen Talgrund mit Kellerklima stehen die oberen Felsränder des Tales, die v. a. in südexponierter Lage deutlich mehr Sonneneinstrahlung erhalten und als warm-trockene Lagen anzusprechen sind.

In der Vegetation dominieren Pflanzengesellschaften, die feucht-schattige Gründe bevorzugen. Im Baumbestand der Talsohle finden sich v. a. Laubbäume wie Eschen, Berg-Ahorn, Spitzahorn, Winterlinde, Stieleiche und Bergulme. Die Steilhänge und Felspartien werden hingegen von Kiefern und Birken (besonnte Lagen) bzw. Fichten (schattige Lagen) dominiert. Die Krautschicht wird vom Großen Springkraut und diversen Farnen (u. a. Wurmfarne, Wald-Frauenfarn, Braunstieliger Streifenfarn, vereinzelt auch Straußenfarn) bestimmt. Hinzu kommt an Mauern, Baumrinden und feuchten Felspartien eine artenreiche Moosvegetation sowie gelbe Schwefelflechten und andere Flechtenarten, die auch Anzeiger für gute Luftqualität sind.

Ein Vorkommen des seltenen Englischen Hautfarns wurde 1847 im Uttewalder Grund entdeckt, der sehr selten an feuchtschattigen und von Wasser überrieselten Standorten vorkommt und damals den östlichsten Standort darstellte (neben wenigen rechtselbischen Standorten)Nationalpark Sächsisch-Böhmische Schweiz: Topographische Karte. Begleitheft. Hrsg.: Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen. Dresden 2009. S. 15. Der Englische Hautfarn gedeiht in Europa an feuchten beschatteten Sandsteinfelsen zwischen Moosen und Lebermoosen in luftfeuchter LageErich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 71–72.. Diese Pflanze bevorzugt atlantisch geprägte Standorte. Sie hat heute Vorkommen in regenreichen Gebieten in England, Frankreich, den westlichen Pyrenäen und in Richtung Osten maximal bis Luxemburg. Die Art scheint in der Sächsischen Schweiz ausgestorben zu sein.

Das Erik Welk schreibt in seiner Dissertation:

Als Vertreter der Tierwelt sind v. a. verschiedene Vogelarten vertreten wie u. a. Zaunkönig, Grasmücken und Laubsänger, vereinzelt auch Buntspechte und Eichelhäher. Für Schluchten mit Fließgewässern typische Arten, wie die Wasseramsel oder der Eisvogel, fehlen hingegen in dieser überwiegend trockenen Schlucht.

Naturschutz Der Uttewalder Grund ist Bestandteil des 1990 gegründeten Nationalparks Sächsische Schweiz.

Tourismus Der Uttewalder Grund war um 1800 nur durch einen kleinen Pfad erschlossen. Der Chronist Wilhelm Leberecht Götzinger beschrieb diesen Weg 1804 als "...wenig betretenen Fußsteig...".Wilhelm Leberecht Götzinger: Schandau und seine Umgebungen oder Beschreibung der sogenannten Sächsischen Schweiz. Bautzen 1804, S. 64 Die eigentliche touristische Erschließung mit Verbreiterung des Weges und Anlagen von Brücken über den Uttewalder Grundbach erfolgte erst 1835 (Jahreszahl im Sandstein unweit des Uttewalder Felsentores). In diesem Zusammenhang erfolgte 1837 auch die Eröffnung der Gaststätte "Waldidylle" als Sommerwirtschaft im Uttewalder Grund.Über Berg und Tal (Zeitschrift des Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz), Heft Februar 1937, S. 22

Heute ist der durch den Uttewalder Grund verlaufende Wanderweg Teil des Malerwegs. Benachbart ist der Teufelsgrund, der Zscherregrund und der weniger eindrucksvolle Wehlener Grund. Es bestehen Wanderwege zur Bastei und auf die benachbarten Ebenheiten. Im Uttewalder Grund steht das Gasthaus Waldidylle in einem Gebäude, das seit 1790 besteht.

Künstler im Uttewalder Grund Im Zuge der seit Ende des 18. Jahrhunderts beginnenden touristischen Erschließung der Sächsischen Schweiz stellte der Uttewalder Grund die nach dem Liebethaler Grund nächste Begegnung der Wanderer mit der wild-romantischen Felsenwelt des Elbsandsteingebirges dar. Bis zur Fertigstellung der Elbtalbahn (1851) galt die Route von Pillnitz über Graupa und den Liebethaler Grund weiter nach Lohmen und durch den Uttewalder Grund zur Bastei als Hauptzugangsweg in die Sächsische Schweiz. Der Malerweg, ein Fernwanderweg zu Orten, die in Gemälden verschiedener Künstler dargestellt werden, führt durch einen großen Teil des Grundes hindurch.

Das im Schleifgrund befindliche Uttewalder Felsentor, welches durch herabgestürzte und dann steckengebliebene Felsen gebildet wird, war ein bekanntes Motiv in den frühen künstlerischen Darstellungen der Sächsischen Schweiz. Zeichnungen des Tores existieren u. a. von Caspar David Friedrich (um 1801), Johan Christian Clausen Dahl (1819) und Johann August Heinrich. In historischen Reisebeschreibungen berichten u. a. August Gottlob Eberhard, Carl Heinrich Nicolai, Wilhelm Leberecht Götzinger, Karl Immermann und Carl von Voß vom Uttewalder Grund.Frank Richter: Der historische Malerweg. Die Entdeckung der Sächsischen Schweiz im 18./19. Jahrhundert. Verlag der Kunst, Husum 2006, S. 29ff.

Kletterfelsen Der Uttewalder Grund gehört zum Wehlener Gebiet im Klettergebiet der Sächsischen Schweiz. Hier befinden sich die beiden Klettergipfel Bergfalkenturm (auch als Grundwächter bezeichnet, Erstbesteigung 1954) und Einsamer Turm (auch als Uttewalder Grundkegel bezeichnet, Erstbesteigung 1948).

Galerie

Literatur

Siegfried Störzner: Denkwürdige Stätten in den Wehlen-Uttewalder Gründen. in: Über Berg und Tal (Zeitschrift des Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz) Heft März 1928, S. 31–34

Weblinks

Der Wanderweg im Uttewalder Grund auf der Website der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz

Einzelnachweise

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