mini|hochkant=1.5| Jürgen Heckmanns in seinem Atelier (2005) Jürgen Heckmanns (* 18. Oktober 1939 in Mülheim an der Ruhr; † 20. Januar 2019 in Herford) war ein deutscher Künstler und Hochschullehrer.

Leben Heckmanns studierte Philosophie, Germanistik, Kunst und Geographie von 1959 bis 1969 in Freiburg, Kassel und Aachen. Von 1969 bis 1973 war er Kunsterzieher an dem Krefelder Fichte-Gymnasium. Zunächst wurde er Dozent an der Gesamthochschule Duisburg (1973–1979), dann Dozent der Film- und Videowerkstatt an der Universität BielefeldFilmhaus Bielefeld: Filmhaus trauert um Jürgen Heckmanns abgerufen am 6. September 2020. (1980–2003). Er wurde 2003 zum Professor h. c. ernannt. Heckmanns arbeitete über die Jahrzehnte als Künstler und Kunsterzieher mit den unterschiedlichsten Medien und Kunstformen, von Video über Grafiken bis hin zu Plastiken und Installationen.

Heckmanns war verheiratet und hat zwei Kinder. Der Schriftsteller und Dramatiker Martin Heckmanns ist sein Sohn.„Es konnte nur besser werden“. In: Westfalen-Blatt vom 5. Februar 2020.

Hintergrund Zusammen mit seinen Studierenden realisierte Heckmanns Kunstprojekte wie „multimediale Projekte mit Projektionen, Schauspiel, Musik. [...] Lange waren Film- und Video Schwerpunkt seiner Praxis und Lehre“, im Rahmen einer Medienpädagogik, der es um den selbstbestimmten Umgang mit Medien geht, die „entzaubert“ werden sollten. Neue Westfälische: Impulsgeber in Stadt, Kreis und Region. Jürgen Heckmanns. 1. Februar 2019. Als Regisseur realisierte Heckmanns eine Reihe von dokumentarischen und fiktionalen Filmen,filmportal.de: Jürgen Heckmanns abgerufen am 17. September 2020. häufig zusammen mit dem Kameramann Hans Albrecht Lusznat.Hans Albrecht Lusznat: Bürger verändern ihren Stadtteil abgerufen am 17. September 2020.

Als Künstler wurde Heckmanns durch seine Arbeiten mit Papier am bekanntesten. Anlässlich eines Atelierbesuchs 2016 bei dem zu diesem Zeitpunkt seit dreizehn Jahren pensionierten Heckmanns, schreibt die Neue Westfälische Zeitung: „Filigrane Welten aus Papier oder Naturmaterialien, Zeichnungen, Übermalungen und Gefundenes finden sich im Atelier des Künstlers Jürgen Heckmanns [...] Leitern, Licht, Leichtigkeit beschreiben einen Teil seines Schaffens, übermalte oder zerknitterte Zeitungsfotos werden zu bissigen Kommentaren der Gegenwart, tanzende Figürchen hängen von der Decke, zusammengekehrter Staub wird zum Objekt für sich.“Neue Westfälische: „Hereinspaziert!“ ins Atelier von Jürgen Heckmann. 8. Juli 2016.

Das Westfalen-Blatt stellte 2019 fest, Heckmanns habe sich seit Jahrzehnten einen Namen als „Papierkünstler“ gemacht, „der sein Material ins Dreidimensionale formt und faltet“.Westfalen-Blatt: Trauer um Jürgen Heckmanns. 27. Januar 2019. Für den Schriftsteller Jürgen Buchmann verbirgt sich hinter der Entscheidung Heckmanns, Kunst aus Papier zu machen, eine programmatische Entscheidung: „In wundersamer Verwandlung übernehmen vergilbte Zeitungen, Makulatur, Verpackungen, Umschläge und Zettel die Rolle von Bronze, Stein und Marmor. [...] Wenn sich Heckmanns Papierkunst in Abkehr vom glamour der Warenwelt dem Unscheinbaren und Übersehenen, dem Gefährdeten und Verschwindenden zuwendet, wenn sie das Repräsentative scheut und ihm das Fragment und den Zufallsfund vorzieht, macht sie damit ihr Mißtrauen gegenüber einer Gesellschaft geltend, die geprägt ist von einer Vision der Macht, vom Glauben an die unbeschränkten Möglichkeiten einer technischen, instrumentellen Vernunft.“Jürgen Buchmann zur Papierkunst von Jürgen Heckmanns abgerufen am 17. September 2020.

Der Kunsthistoriker Karlheinz Nowald attestierte dem Papierkünstler Heckmanns, aus seinem Material Figuren und Figurengruppen zu schaffen, „die ihre Zerbrechlichkeit, Verletzlichkeit und Vorläufigkeit als generelle Zerbrechlichkeit, Verletzlichkeit und Vorläufigkeit des Menschenseins überhaupt“ offenbaren würden, „Eigenschaften, die von Jürgen Heckmanns [...] auf eine ganz neue Art, auf nie dagewesene Weise versinnlicht wurden.“Prof. Dr. Karlheinz Nowald: Jürgen Heckmanns, Herford, 26.09.2006, im Atelier.

Seine Kunst hat Heckmanns immer wieder für gesellschaftlich bedeutende Themen eingesetzt, wie bei der Ausstellungen Juden in Herford (Ende der 1980er Jahre). Zur Verkehrsproblematik schuf er z. B. für den öffentlichen Raum die Plastik Stehender Verkehr, einen in Form einer Stele gepressten grünen Volvo an einem Verkehrsknotenpunkt von Herford.Westfalen-Blatt: Drei Städte setzen auf Kunst. 19. Dezember 2019Herford: Jürgen Heckmanns. Stehender Verkehr abgerufen am 6. September 2020.

Ausstellungen Einzelausstellungen (Auswahl) Zeitung. Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld 1977 Prärationale Intelligenz. Installation und Ausstellung zu einem Forschungsprojekt der Universität Bielefeld, ZIF (Zentrum für interdisziplinäre Forschung), Bielefeld 1994 Zwischen den Wänden. Installation und Ausstellung, Münster, Mönchengladbach, Herford 1998–2000 Stadtgestalten. Projektionen, Altstädterkirche innen/außen, Bielefeld 2002 Installationen und Objekte. Universitätsbibliothek Bielefeld, 2003 Lichtzeichen. Installation, Johanniskirche, Herford 2005 Hülle und Höhlen. Einzelausstellung, Gerbereimuseum Enger, Enger 2007 Ausstellung in einer privaten Sammlung. Zeichnungen, Installationen, Objekte, Köln 2010 Kunst in privaten Räumen. Krefeld, 2010 Installation im Stadttheater Herford, Spielzeiten 2009–2011 Balance. Neue Arbeiten aus Papier. Universitätsbibliothek Bielefeld, 2011 Netze, Leitern, Trichter, Röhren. Ausstellung im Einstellungsraum Hamburg, 2012 Plastische Papierarbeiten. Schloss Detmold, 2013 Jürgen Heckmanns – Retrospektive. Treppenhaus-Galerie des Herforder Elsbachhauses. 2022

Gruppenausstellungen (Auswahl) Übersicht. Kunst in N.R.W., Bonn 1995 Installationen und Objekte. Kloster Dalheim (mit Peter Handel) 1997 Paperart. Speicherstadt, Hamburg 1998 Unterwegs. Ringlokschuppen, Bielefeld 2006 Ad Absurdum. Museum Marta Herford 2008 abgeschlossen. Kunst im Zellentrakt, Herford, 2011

Filme (Auswahl) Kittelfilme. Kurzspielfilm. Informationstage Oberhausen. 15 Min., 1976 Bürger verändern ihren Stadtteil. Dokumentarfilm, Landeszentrale für politische Bildung NRW. 30 Min., 1977 Ein Haus bekommt neues Leben. Dokumentarfilm, Landeszentrale für politische Bildung NRW. 30 Min., 1978 Filme aus Kirchlengern. Sieben Dokumentarfilme in der Länge von 35 bis 60 Minuten, die Personen und Gruppen aus dem Ort Kirchlengern vorstellen. Universität Bielefeld, Audiovisuelles Zentrum, 1981–1982Günter Kaase, Kirchlengern. In Youtube EVA. Dokumentarfilm. Landeszentrale für politische Bildung NRW. 40 Min., 1985 Ich hab mich noch nie so toll gefühlt wie hier -– Beobachtungen während der Bewährungszeit. Dokumentarfilm. Landeszentrale für politische Bildung NRW, 60 Min., 1985

Veröffentlichungen Zeitung (Zur gleichnamigen Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld), Krefeld, 1977 mit Thomas Klinger, Hans Albrecht Lusznat: Durchblick. Videofilme selber machen. München, 1983 mit Christine Brade, Lutz Brade, Jutta Heckmanns (Hrsg.): 700 Jahre jüdische Geschichte und Kultur in Herford. Bielefeld, 1990 mit Jürgen Buchmann u. a.: Plastische Arbeiten von Jürgen Heckmanns. ProWerk, 2007

Weblinks Website von Jürgen Heckmanns Zwei Künstlervideos zu Jürgen Heckmanns auf der Homepage des Kameramannes Hans Albrecht Lusznat Logbuch Suhrkamp: DONA NOBIS PACEM. Trauerrede des Sohns Martin Heckmanns auf den Vater Jürgen Heckmanns abgerufen am 21. Oktober 2020

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