Imke Woelk (* 11. Dezember 1964 in Hamburg) ist eine deutsche Architektin, Künstlerin und Professorin für Architekturentwurf am Institut für Kunst und Architektur (IKA) der Akademie der bildenden Künste WienNeue Professorin für Architekturentwurf ab 17.2.: Imke Woelk auf www.akbild.ac.at, abgerufen am 24. Februar 2026. Sie ist Gründerin des Büros IWUP Architektur in Berlin und Mitglied des Deutschen Werkbunds.
Leben und Werk Woelk studierte Architektur an der Leibniz Universität Hannover, der Technischen Universität Braunschweig und der Università Iuav di Venezia. Zusätzlich absolvierte sie ein Studium der Fotografie bei Michael Ruetz an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Von 1993 bis 1996 arbeitete sie in den Architekturbüros von Massimiliano Fuksas in Rom und Will Alsop in London.
Von 2000 bis 2003 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Labor für integrative Architektur (LIA) der TU Berlin. Im Jahr 2003 erhielt Woelk den Rompreis der Deutschen Akademie (Villa Massimo). Anschließend übernahm sie eine Gastprofessur am College of Art and Design der Duksung Women’s University in Seoul.
2005 gründete Imke Woelk gemeinsam mit Martin Cors das Büro IWUP Architektur in Berlin. 2010 promovierte sie an der TU Berlin bei Finn Geipel im Fachbereich Architektur. In ihrer Dissertation Der offene Raum analysiert sie das Verhältnis von Raumstruktur und Nutzung in der Halle der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe. 2011 wurden ihre künstlerischen Arbeiten zur Katsura-Villa in der Kunstgalerie Dittmar in Berlin gezeigt.
2016 wurde Woelk Mitglied des Beratungsausschusses Kunst im Bereich Architektur und Städtebau der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und übernahm eine Lehrtätigkeit an der Academy for Architectural Culture (aac).
In den Jahren 2017 bis 2019 konzipierte und moderierte sie gemeinsam mit Wilhelm Klauser mehrere Fachtagungen zur innovativen Stadtquartieren im Architekturforum AEDES. Unter der Leitung von K. Michael Hays schloss sie 2018 den zertifizierten Onlinekurs The Architectural Imagination an der Harvard Graduate School of Design ab. 2019 übernahm sie den Juryvorsitz für den Tschechischen Architekturpreis. 2020 wurde sie in den Deutschen Werkbund berufen.
Im Jahr 2022 nahm Woelk an der 3Sat-Sendung Scobel – Zukunft Gestalten zur Rolle der Architektur in ökologischen Transformationsprozessen teil. Im selben Jahr hielt sie bei dem Symposium 1,5°C in Los Angeles, veranstaltet vom American Institute of Architects den Vortrag Environments of shared concerns über das Verhältnis von Architektur, Umwelt und ökologischen Prozessen. Zudem war Woelk mit den künstlerischen Arbeiten Die Jacke des Denkers und Naturlandschaft an der Gruppenausstellung Positionen zum Verhältnis zwischen Mensch und Natur in der Architekturgalerie am Weissenhof beteiligt.
Zwischen 2023 und 2026 war Woelk weiterhin in Bauprojekten, Publikationen und Jurytätigkeiten aktiv. Sie realisierte mit ihrem Büro unter anderem das Jugendzentrum St. Benedikt im Kloster Nütschau sowie ein Wohnbauprojekt in Berlin und wirkte als Jurymitglied bei Wettbewerben für das Deutsche Technikmuseum Berlin und das Besucherzentrum am Friedhof der Märzgefallenen.
Im Jahr 2024 veröffentlichte Imke Woelk den Fachbeitrag The Architectural Fragment as Space between Environment and Society in dem von Heike Hanada herausgegebenen Sammelband fragmental - On the Dissolution of Public Space. Darüber hinaus war sie Mitglied des Vergabegremiums für die Sanierung und Erweiterung der Berlinischen Galerie und verfasste programmatische Texte zur Rolle von Imagination und Architektur in gesellschaftlichen Transformationsprozessen.
Theoretische Position Imke Woelk versteht Architektur als kulturelle Praxis und dynamisches Beziehungssystem zwischen Mensch, Umwelt und Gesellschaft. Ihre Arbeiten untersuchen, wie Räume durch Atmosphären, Wahrnehmung, Verhalten und soziale Beziehungen im Kontext individueller und kollektiver Bedürfnisse prägen.
Projekte (Auswahl) 2003 Museum, Nam June Paik Art Center, Entwurf eines unvollständigen Gebäudes. Yongin, Korea 2006 Topographie des Terrors, Studie eines Dokumentationszentrums zur Aufarbeitung des Nationalsozialismus, Berlin 2009 Freiheits- und Einheitsdenkmal, Konzeption eines Erinnerungsortes für die deutsche Wiedervereinigung, Berlin 2013 Gartenheim, Ertüchtigungsmodell von Gartenkolonien für dauerhafte Wohnzwecke, Berlin 2015 Berlin Modern – Erweiterungsbau für die Neue Nationalgalerie Berlin (Entwurf) 2016 Koexistenzbauten für eine Wohnsiedlung innerhalb landwirtschaftlich genutzter Flächen, Amposta, Spanien 2017 Stadt als Naturmetropole, Entwurf einer dezentralisierten Stadt mit 50 % vergrößerten Naturraum, Berlin 2018 Hypercity 2130, Urbanisierungsstudie entlang vorhandener Infrastruktur, Autobahn A24, Hamburg – Berlin 2019 Naturreservat mit Randbebauung, Skizze für eine zukünftige IBA und Bundesgartenschau, Tempelhofer Feld, Berlin 2022 Experimentalbau, Wohnhaus, Berlin-Frohnau 2025 Langhaus für die Jugend, Priorat St. Ansgar, Kloster Nütschau
Wettbewerbe Im internationalen Architekturwettbewerb 400.000 Habitatges für ländlicher Regionen im Großraum Barcelona, setzte sich Woelk 2004 mit ihrem Entwurf durch. Die Jury, u. a. Jacques Herzog, Ryūe Nizishawa, Alejandro Zaera-Polo, verlieh ihr den 1. Preis. Insgesamt beteiligte sie sich mit ihrem Büro im Gebäude- und Stadtentwicklungssektor an mehr als 30 Wettbewerben und 40 Machbarkeitsstudien öffentlicher Institutionen.
Auszeichnungen Imke Woelk wurde 2003 mit dem Jahresstipendium der Deutschen Akademie Rom Villa Massimo in der Sparte Architektur ausgezeichnet. 2015 erhielt sie die Working Residency der Danish Arts Foundation, Jørn Utzon. Ihre Videoarbeit After All. The Culture of Nature war 2019 Teil der offiziellen AFFIV-Auswahl des Art Film Festivals in Cannes.
Schriften Dissertation Der offene Raum: Der Gebrauchswert der Halle der Neuen Nationalgalerie in Berlin von Ludwig Mies van der Rohe, TU Berlin Univ.-Bibliothek, 2010
Artikel und Buchbeiträge The Architectural Fragment as Space between Environment and Society, in Fragmental – On the Dissolution of Public Space, Hrsg. Heike Hanada, König Verlag, 2024 Dokumentationszentrum ‚Topographie des Terrors‘, in Women in Architecture. Facetten weiblicher Baukultur, Hrsg. n-ails, Jovis Verlag, Berlin, 2022, ISBN 978-3-86859-763-9. Der Tiefgarten: Über die Restaurierung des Innenhofs der Neuen Nationalgalerie Berlin, in BAUWELT 09/2021, Berlin Museum des 20. Jahrhunderts, Kulturforum Berlin, in Berlin Atlas – Architektur als Kritik an dem, was da ist, Hrsg. Urs Füssler & Andrew Alberts, Bund Deutscher Architekten, Berlin, 2021 Berlin Common Archipelagos, in Learning from Berlin – Die Großstruktur als urbaner Generator, Hrsg. Roger Riewe, TU Graz Verlag, 2019, ISBN 978-3-85125-647-5. Eine andere Natur – Über das fragwürdige Verhältnis zwischen Mensch und Tier, in Bärenzwinger Berlin – Spuren Architekturen Projektionen, Hrsg. Bezirksamt Berlin-Mitte, Kerber Verlag, 2019, ISBN 978-3-7356-0652-5. Gartenheim – Potential innerstädtischer Nachverdichtung, in Rurbane Landschaften, Hrsg. Sigrun Langner, Transcript Verlag, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4428-9 Spezifischer Gebrauchswert eines universalen Raums. Lesarten der Neuen Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe (Feature), in ARCH+ Ausgabe 230: Projekt Bauhaus 2, Hrsg. Kuhnert/Ngo/Uhlig, Berlin 2017, ISBN 978-3-931435-45-5. November Talks 2016 : think tank architecture, Hrsg. Roger Riewe, TU Graz Verlag, 2016 ISBN 978-3-85125-566-9 Gartenheim, Nachverdichtung von Kleingärten, in ARCH+ Ausgabe 225: Legislating Architecture, 2016, ISBN 978-3-931435-36-3 Nachverdichtung in Berlin-Köpenick, in Urban Living – Strategien für das zukünftige Wohnen, Hrsg. Kristien Ring AA Projects, JOVIS Verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-86859-331-0. Katsuras Räume, Ausstellung Imke Woelk, Galerie Dittmar Berlin, 2011 Imke Woelk, Architekturprojekte 2003 bis 2004, Deutsche Akademie Rom Villa Massimo, Verlag Gli Ori, Prato, 2004 ISBN 88-7336-096-3 The capital of social space, Technische Universität Berlin. Hrsg. Imke Woelk, 2000
Monographien und Projektpublikationen Imke Woelk, Architekturprojekte 2003–2004 (Monographie), Villa Massimo Rom, Hrsg. Gli Ori, 2004 Programm – Dichte – Kontext – Zeit: Entwurfslehre 2000–2002, TU Berlin Verlag, 2003 WORK Capital of Social Space 1+2: Entwurfslehre 1998–1999, TU Berlin Verlag, 2000
Weblinks Literatur von und über Imke Woelk im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Website des Büros IMKEWOELK + Partner Lebenslauf von Imke Woelk auf www.villamassimo.de (Deutsche Akademie Rom Villa Massimo) Galerie Dittmar Wissenschafts-Talksendung Scobel, 3Sat: Zukunft Gestalten Interview. Imke Woelk, taz: Der Baubranche bleibt keine Zeit Interview. Imke Woelk, Berliner Zeitung: Das Tempelhofes Feld als Naturreservat - warum nicht? Interview. Imke Woelk, KAP Forum: Schaffen wir die Bauwende? Essay. Imke Woelk: Spezifischer Gebrauchswert eines universalen Raums, Features, in: ARCH+ 230 Projekt Bauhaus 2: Architekturen der Globalisierung Essay. Imke Woelk: Gartenheim - Nachverdichtung von Kleingärten. Gesetze gestalten, in: ARCH+ 225 Legislating Architecture
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Bildender Künstler (Berlin) Kategorie:Träger des Rompreises Villa Massimo Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1964 Kategorie:Frau