Die Münchener SA war die Münchener Gliederung der Sturmabteilung (SA), dem Straßenkampfverband der NSDAP. Nach der Aufstellung von ersten Saalschutzformationen der Partei als „Ordnungsdienst“ im Jahr 1920 bestand die Münchener SA formal von ihrer Aufstellung im Herbst 1921 bis zu ihrem Verbot durch die bayerische Regierung am 9. November 1923 und erneut von ihrer Neugründung im März 1925 bis zum Verbot der SA durch das Kontrollratsgesetz Nr. 2 des Alliierten Kontrollrates vom 10. Oktober 1945. Faktisch hatte die Münchener SA bereits im April 1945 aufgehört zu existieren.

Geschichte Aufbau 1920 Im Sommer 1920 entschied die NSDAP sich erstmals Ordner einzusetzen. Diese Ordner übernahmen die Aufgabe, bei öffentlichen Versammlungen bereitzustehen, um die Redner der Partei als Saalschutz vor Übergriffen von politisch Andersdenkenden, wie sie im München der Jahre nach dem Ersten Weltkrieg häufig vorkamen, zu schützen sowie Personen, die die Versammlungen durch Zwischenrufe oder auf andere Weise (Werfen mit Bierkrügen etc.) störten gewaltsam auszuschaffen.

Im November 1920 formalisierte die NSDAP ihren Ordnerdienst, indem sie sogenannte „Turn- und Sportabteilungen“ gründete, in denen sich kampferprobte Parteimitglieder sammelten, um fortan der Partei als Saalschutz zur Verfügung zu stehen. Im November wurden diese „Turn- und Sportabteilungen“ dann in „Sturmabteilungen“ umbenannt. Bald bürgerte es sich ein die diversen Formationen singularisch als „Sturmabteilung“ zu einer einzigen Organisation zusammenzufassen und ab 1922 ist das Kürzel „S.A.“ („S.A. der N.S.D.A.P.“) als Kurzbezeichnung des Verbandes nachweisbar.

Infolge der im Herbst 1921 von der Reichsregierung angeordneten Auflösung der Freikorps traten zahlreiche paramilitärische Aktivisten aus den Reihen der aufgelösten Freikorps ab 1922 in die Münchener SA ein. Die meisten unter ihnen sahen in der bedeutend angewachsenen Münchener SA ein Vehikel, ihre bisherige Betätigung im Rahmen der SA unter einem neuen „Firmenschild“ (aber in der Sache im Wesentlichen wie in den Freikorps) fortzusetzen. So wurde die Münchener SA in ihrem Charakter, Auftreten und in ihrer inneren Organisation im Jahre 1922 dramatisch militarisiert und entwickelte sich bis zum Herbst 1922 ihrerseits zu einem Wehrverband, neben ihrer ursprünglichen Aufgabe als Saalschutztruppe für Versammlungen, Kundgebungen usw. der NSDAP. Im Laufe des Jahres 1922 wurde mit der Aufstellung geschlossen auftretender „Hundertschaften“ innerhalb der Münchener SA begonnen, bis zum Jahresende 1922 bestanden insgesamt 20 solcher Hundertschaften.

Seitdem häuften sich auch gewaltsame Ausschreitungen der Münchener SA, d. h. anstatt lediglicher „Störer“ bei Veranstaltungen der NSDAP anzugehen, suchte die Münchener SA seit diesem Jahr auch in signifikantem Ausmaß politisch Gegner auf und griff diese tätlich an: So wurden 1922 und 1923 häufig Umzüge von Gewerkschaften, linken Parteien und linken Jugendverbänden von SA-Gruppen überfallen, wobei es vielfach zu tätlichen Misshandlungen und Verletzungen der Opfer kam. Auch antisemitische Ausschreitungen der Münchener SA sind im Jahr 1922 erstmals nachweisbar: So der Überfall auf das von einer jüdischen Familie betriebene Café im Pavillon des Deutschen Theaters am 16. Dezember 1922. Selbst Hitler selbst beteiligte sich zu dieser Zeit gelegentlich an gewaltsamen Angriffen auf politische Gegner und Konkurrenten: Für seine Mitwirkung an der Sprengung einer Versammlung des Bayernbundes unter Vorsitz des Bayernbundführers Otto Ballerstedt wurde Hitler in diesem Jahr zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt, von der er einen Monat verbüßte.

Die Tendenz zur Militarisierung der Münchener SA setzte sich im Laufe des Jahres 1923 fort: In diesem Jahr wurden jeweils mehrere Hundertschaften zu „SA-Bataillonen“ zusammengefasst und die Hundertschaften aufgelöst: Die SA-Bataillone umfassten stattdessen jeweils vier Kompanien, in denen die früheren Hundertschaften aufgegangen waren. Im Juli 1923 wurde schließlich ein eigenes Münchener SA-Regiment aufgestellt, dem das Kommando über die drei SA-Bataillone übertragen wurde. Zum Befehlshaber des Münchener SA-Regiments wurde der ehemalige Weltkriegsoffizier Wilhelm Brückner ernannt. Brückner – und damit die Münchener SA – waren direkt dem ebenfalls in München angesiedelten Oberkommando der SA unterstellt. Kommandeur der gesamten SA war zu diesem Zeitpunkt Hermann Göring. Im Sommer 1923 wurde zudem der Stoßtrupp Adolf Hitler als eine besonders schlagkräftige Sonderformation der Münchener SA aufgestellt, die mit dem persönlichen Schutz von Hitler als Parteichef der NSDAP und mit der Erledigung von Spezialaufträgen betraut war. Der Stoßtrupp bildete die Keimzelle der späteren Schutzstaffel (SS).

Hitler-Putsch Am 8. und 9. November 1923 war die Münchener SA, unterstützt von den Organisationen Bund Oberland und Reichskriegsflagge sowie einzelnen SA-Formationen aus bayerischen Provinzgebieten, der Hauptträger des gescheiterten Hitler-Putsches. Angehörige des Münchener SA-Regiments besetzten in der Nacht vom 8. zum 9. November 1923 den Münchener Bürgerbräukeller, die Münchener Infanterieschule und das Münchener Wehrkreiskommando sowie die Redaktion und Druckerei der sozialdemokratischen Zeitung Münchener Post, die systematisch verwüstet wurden. Zudem verhafteten sie den Münchener Oberbürgermeister und mehrere Stadträte und veranstalteten sie Überfälle auf gegnerische Politiker wie den Münchener SPD-Vorsitzenden Auer. Zum Teil wurden diese Personen misshandelt, einige wurden mehrere Stunden lang in Geiselhaft gehalten und mit Erschießung bedroht. In einer eigenmächtigen Aktion des Kommandeurs des 2. Münchener SA-Bataillons überfielen Angehörige dieser Formation auf dem Weg zu der dieser Einheit übertragenen Besetzung der Infanterieschule auch das Hotel Vier Jahreszeiten: Mehrere französische und belgische Offiziere, die der Entente-Kommission angehörten, die in München darüber wachte, dass das Deutsche Reich die ihm durch den Vertrag von Versailles auferlegten Abrüstungsbestimmungen einhielt, wurden auf Befehl von Heines in ihren Zimmern unter Hausarrest gestellt, wobei SA-Männer als Bewacher vor den Zimmern Posten bezogen. Die Führung der Putschisten widerrief diese Maßnahme Heines’, nachdem sie von ihr erfuhr, sofort, ließ die Posten abziehen und entschuldigte sich bei den Entente-Offizieren.

Am Vormittag des 9. November 1923 wurden auch die Münchener Isar-Brücken von Kommandos der Münchener SA besetzt, wobei diese den Befehl erhielten Passanten zu erlauben, die Brücken zu überqueren, Polizei und Militär hingegen unter Anwendung von Waffengewalt abzuwehren.

Ein großer Teil der Teilnehmer des Demonstrationszuges vom Bürgerbräukeller zur Feldherrenhalle, den die Putschisten am Mittag des 9. November 1923 veranstalteten und durch den die Putschisten hofften die Münchener Bevölkerung und die bayerischen Exekutivkräfte auf ihre Seite zu ziehen, waren ebenfalls Angehörige der Münchener SA. Der Zug wurde am Odeonsplatz gewaltsam durch die Landespolizei aufgelöst, wobei vierzehn Putschisten, darunter mehrere Angehörige der Münchener SA im Schusswechsel der Putschisten mit der Polizei zu Tode kamen.

Durch Anordnung des bayerischen Generalstaatskommissars Gustav von Kahr vom 9. November 1923 wurde die gesamte SA, und damit auch die Münchener SA, als Nebenorganisation der NSDAP zusammen mit der NSDAP mit sofortiger Wirkung für aufgelöst erklärt.

Neugründung 1925 Anlässlich der Neugründung der NSDAP im Frühjahr 1925 wurde auch die Münchener SA neu aufgestellt. Während die SA der Jahre 1921 bis 1923 noch graue Windjacken getragen hatte, wurde anlässlich der Neuaufstellung der SA das Braunhemd als neue Uniformkleidung eingeführt: Der ehemalige Freikorpsführer Gerhard Roßbach hatte 1921 einen größeren Bestand von khaki-farbenen Uniformen der aufgelösten ehemaligen Schutztruppen für die deutschen Kolonien in Südostafrika vom Militär – das für diese Uniformen nach dem Verlust der deutschen Kolonien am Ende des Ersten Weltkriegs keine Verwendung mehr hatte, weshalb es diese, um die für seine Zwecke nutzlosen Kleidungsbestände schnell loszuwerden, preisgünstig verkaufte – erworben und allmählich in den von ihm geführten Organisationen als Verbandskleidung eingeführt. Insbesondere trug die im Frühjahr 1924 von Roßbach in Salzburg aufgestellte Schilljugend die ehemaligen Kolonialuniformen, die nach dem früheren Befehlshaber der deutschen Schutztruppen in Südostafrika auch als Lettow-Hemden bekannt waren. Anlässlich einer Konferenz von Roßbach, Ernst Röhm und Hermann Göring in Salzburg im Mai 1924 hatten die drei sich geeinigt, die von Roßbach für seine Organisation verwendeten ehemaligen Tropenuniformen im Falle einer Neuaufstellung der SA als neue Standarduniform für die SA zu verwenden. Mit der Verbreitung der neuen Uniformen wurde Roßbachs Freund Edmund Heines beauftragt, der in seiner Wohnung in der Schellingstraße unter dem Namen „Sportversand Schill“ seit dem Frühjahr 1925 einen Laden betrieb, der zunächst ein exklusives Verkaufsrecht auf die neuen Braunhemden hielt: Heines kleidete durch seinen Sportversand zunächst die Münchener SA mit dem neuen Braunhemd ein und nachdem die neue Kleidung sich in München als Standard-SA-Kleidung im Laufe des Jahres 1925 durchgesetzt hatte, gingen zügig auch die SA-Formationen im restlichen Bayern und dann im ganzen Reichsgebiet dazu über das braune Hemd der Münchener SA als ihre Uniformkleidung zu tragen. Die braunen Kolonialhemden wurden dabei üblicherweise in Kombination mit Breeches und Segeltuchmützen getragen. Nachdem Heines’ Sportversand im September 1926 bankrott machte, übernahm eine von Adolf Rottenburger und Erhard Heiden betriebene Reichszeugmeisterei die Einkleidung der SA-Leute.

Münchener SA-Revolte 1927