Das Berghotel Maderanertal (seit 1992 Hotel Maderanertal) ist ein historisches Berghotel aus den «goldenen Jahren des Alpinismus». Es liegt im hinteren Maderanertal im Schweizer Kanton Uri. Ein erster Bau wurde 1864 unter dem Namen «Zum Schweizerischen Alpenclub» von Albin Indergand, Hotelier und Regierungsrat aus Amsteg, gebaut; das heutige Haupthaus datiert von 1881. Der damalige Hotelname wurde von Mitgründern des SAC, der im Vorjahr gegründet wurde, angeregt.

Das Hotel besitzt 65 Betten in nostalgischen Zimmern, ein Restaurant und eine Gartenterrasse für je 70 Personen sowie einen Saal für 75 Personen. Das Ensemble des Berghotels Maderanertal ist ein wichtiger Zeuge der Tourismusgeschichte und als Ortsbild von nationaler Bedeutung im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS).

Lage mini|links|Hotel am linken Berghang Das Hotel steht auf dem Felsplateau Balmenegg () der Glarner Alpen auf dem Gemeindegebiet von Silenen. SAC: Von Bristen durch das Maderanertal Von seiner Terrasse aus hat man einen weiten Blick auf das Maderanertal.

Der lokale Wanderweg 590 – Höhenweg Maderanertal – führt hier vorbei.

Geschichte Das erste Haus wurde 1864 im klassizistischen Stil erbaut, fiel aber 1880 einem Brand zum Opfer. Der Nachfolgebau von identischer Grösse, der bis heute steht, wurde 1881 errichtet. Wegen der wachsenden Zahl von Bergtouristen aus England und der Schweiz und deren höheren Ansprüchen wurde 1869 eine Dépendance (das sog. «Engländerhaus») erstellt. Weitere Bauten sind die sog. Villa (unter anderem mit der Wohnung des Hoteldirektors, aber auch Personalzimmern), ein Teehaus (1978 abgerissen), ein Kiosk (abgerissen), eine Kegelbahn, eine Trafostation, ein kleines Postbüro und ein Eiskeller (heute Ruine). 1888 wurde eine kleine Kirche errichtet, wo neben katholischen Gottesdiensten für die englischen Gäste auch anglikanische abgehalten wurden. Der Gebäudekomplex glich mit seiner Infrastruktur damit einem kleinen Dorf.

Die beiden Hotelgebäude waren mit kunstvoll tapezierten Zimmern ausgestattet, und der Hotelkomplex verfügte über einen Speise- und Tanzsaal mit grossen Spiegeln, eine Bibliothek, einen Coiffeursalon und eine Arztpraxis, und auch ein eigener Kaplan war angestellt. Es gab eine gepflegte Gartenanlage, und der unweit vom Hotel gelegene Butzlisee liess sich mit einem Ruderboot befahren. Um die hohen Postkosten zu finanzieren, gab das Berghotel zeitweilig eine eigene Briefmarke heraus.

mini|links|Hotel "Zum Schweizerischen Alpenclub" mit Gross Düssi

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das elektrische Licht eingerichtet und eine Leitung für kaltes und warmes Wasser gelegt. Das Hotel wurde nun als Kurhotel geführt, das den Gästen auch in den Bergen Luxus und Annehmlichkeiten bot.

Das Haus beschäftigte bis in die 1950er-Jahre über zwei Dutzend Angestellte aus der näheren Umgebung. Im 19. Jahrhundert verweilten die Gäste oft noch mehrere Wochen im Hotel. Unter ihnen finden sich bekannte Namen wie der deutsche Philosoph Friedrich Nietzsche (1870), der Schweizer Alpenforscher Albert Heim und der englische Mineraliensammler Frederick Noel Ashcroft.

Mit dem Aufschwung des Hochgebirgstourismus wurde auch das Hotel SAC und das Maderanertal international bekannt. Die Bergführer von Bristen und Umgebung unternahmen mit den Gästen unter anderem zahlreiche Erstbesteigungen. Im Umkreis eines Tagesmarsches vom Hotel entstanden mehrere Clubhütten (Hüfihütte 1899, Windgällenhütte 1905, Etzlihütte 1911, Cavardirashütte 1928, Treschhütte 1947, Hinterbalmhütte, Blackihütte, Bristenseehütte).

Die noblen Gäste wurden in der Anfangszeit von Trägern in Sänften ab Amsteg oder von Bristen zum Hotel getragen. Die Strasse zum Bergdorf Bristen entstand zwischen 1918 und 1922 im Zusammenhang mit dem Bau des SBB-Kraftwerkes Amsteg.

Nach 100 Jahren im Besitz der Familie Indergand kaufte der Bergführer und Gastwirt Hans Z’graggen von Bristen das Hotel und liess 1968/69 einen Anbau mit einer grossen Gaststube und vorgelagerter Gartenwirtschaft erstellen. Nach einem Besitzerwechsel und infolge des zunehmend schlechten Zustands der Bauten war der Betrieb zeitweise stillgelegt. Der Verein «Pro Hotel Maderanertal» nahm sich zusammen mit der neuen Besitzerfamilie Fedier der sanften Sanierung des Kulturdenkmals an. Seit 1996 ist das Hotel Maderanertal wieder geöffnet.Hotel Maderanertal: GeschichteDenkmalpflege Schweiz: Das Hotel Maderanertal erinnert noch immer an die glanzvolle gute alte Zeit. 22. Oktober 2014

Anreise Vom Bahnhof Erstfeld oder ab Amsteg gibt es Busverbindungen nach Bristen (Talstation Golzern). Von dort erreicht man das Hotel in rund 2 Stunden Fussmarsch oder mit dem Taxi.

Literatur Fintan Amstad: Kurhaus Hotel SAC Maderanertal 1864-1964. Eine Plauderei mit historischen Erinnerungen. [1964?], ohne Ort. Karin Arto u. a.: Die schönsten Hotels der Schweiz. Der Schweizer Heimatschutz stellt aussergewöhnliche Gasthäuser vor. 2. Aufl. Zürich 2008. Felix Aschwanden: «Düä Bääbä». Das Maderanertal. Gisler, Altdorf 2006. Lukas Emmenegger: Hotel Maderanertal. Baugeschichte, Angestellte, Besitzer, Gäste. ohne Jahr [um 2020], ohne Ort. Jochen Ihle: Wanderungen zu historischen Berhotels. 22 Touren auf den Spuren alpiner Pioniere. Zürich 2010. Hugo Nünlist: Das Maderanertal einst und jetzt. 2. Aufl. Luzern 1980. Thomas Kurt Zimmermann: Hotel zum Schweizerischen Alpenclub. Maderanertal im Kanton Uri. Altdorf 2013, ISBN 978-3-906130-83-5.Bergliteratur.ch: Hotel SAC

Weblinks

Patrimonio.ch: Hotel Maderanertal, Bristen: Renovation Gartenanlage und 1. Hotelgeschoss Helen Busslinger-Simmen: In Uri nicht wegzudenken: Hotel Maderanertal in neuem Glanz. In: Neue Urner Zeitung, August 2009.

Einzelnachweise

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