Gabriela Löffel (* 29. Dezember 1972 in Oberburg) ist eine Schweizer Künstlerin. In ihren installativen medialen Arbeiten beschäftigt sie sich mit den Prägungen der Seh- und Erfahrungswelten durch globale Unternehmen und Institutionen, unter anderem der Filmindustrie, der Rüstungsindustrie oder der juristischen Strukturierung zur Vertretung globaler Handelsinteressen.
Ausbildung Gabriela Löffel hat ein Studium an der École supérieure des beaux-arts Genève (ESBA) (heute: HEAD) absolviert (2000–2006), zudem ein Gaststudium an der Akademie der bildenden Künste Wien. Seit 2004 ist sie international tätig im Rahmen von Screenings, Festivals und Ausstellungen. Sie hat diverse Auszeichnungen und Stipendien erhalten. Löffel lebt zurzeit in Bern und Genf.
Werk Kernpunkt von Löffels Arbeiten sind Narrative, um die sie das Visuelle in komplexen medialen Reflexionsräumen installiert. Gabriela Löffels Interesse gilt dem Gebrauch von Sprache und Bildern in spezifischen Habitaten der Macht und den dort geprägten Auftrittsweisen repräsentativer Personen. Einer Journalistin ähnlich recherchiert sie in häufig öffentlich nicht zugänglichen Räumen, u. a. einem Truppenübungsplatz, einer Waffenmesse, einem Zollfreilager, um darin wirkenden Strukturen und Logiken auf die Spur zu kommen. Das erworbene visuelle und akustische Material wird dokumentarisch verwendet, in der Regel jedoch in vielfältigen Übersetzungen in die aufwändigen filmischen Produktionen eingebracht. Mithilfe kulissenartiger Versatzstücke, mit Dolmetschern, Stuntperformern, Synchronsprechern und Sounddesignern re-inszeniert die Künstlerin dieses Ausgangsmaterial, um so die Geschehnisse auf eine Metaebene zu rücken, um ihr "Gemachtsein" zu zeigen und eine Bühne für die Analyse zu öffnen. Löffel Im Gespräch mit Britta Polzer für den Fokusartikel im Schweizer Kunstmagazin Kunstbulletin 6/2016, zu Facetten ihrer Filmproduktion, geht es um „verschiedenen Schichten und Rahmenbedingungen“, die hinter einem Geschehen wirken und deren Verhältnis zur Sichtbarkeit sie interessiert. Sie analysiert Facetten der Kriegsindustrie, vor allem die Bühnen und Apparaturen, welche den Krieg mit unserem Alltag verlinken: In „The easy way out“, 2010, und „Setting“, 2011, beschäftigt sie sich mit einem amerikanischen Truppenübungsplatz in Bayern (DE), wo Soldaten in Attrappen-Dörfern für ihren Einsatz (im Irak oder in Afghanistan) ausgebildet wurden. Die Fotoserie „Ohne Titel“, 2012, und die Videoarbeit „Embedded Language“, 2013, beleuchten eine Internationale Messe der Verteidigungsindustrie in Polen. In „Offscreen“, 2012/13, recherchiert Löffel das Phänomen des Pauschaltourismus in Krisengebiete, einer Branche ähnlich dem Dark Tourism, die Kriegsrealitäten als Konsumgut anbietet. „The Case“, 2015, thematisiert einen Wettbewerb unter jungen Juristen am WTO in Genf. Verhandelt wird der Rechtsfall zweier fiktiver afrikanischer Staaten, die sich bezüglich der Privatisierung der Wasserversorgung an das WTO Schiedsgericht wenden. Performance, 2017/2018, zeigt das rhetorische und gestische Framing zur Optimierung von öffentlichem Sprechen durch einen Sprach Coach. Als Ausgangsmaterial diente die Rede des CTO einer amerikanischen Homeland Security Firma, die Löffel an einer Fachmesse der Sicherheitsindustrie aufzeichnete.
Auszeichnungen (Auswahl) 2007: Aeschlimann-Corti Stipendium Hauptpreis 2011: „Prix Fondation Gertrude Hirzel“ Société des arts Genève 2011/2016: Swiss Art Award Abrufbar unter 2012: Bourse de la Société des arts Genève 2013: Anerkennungspreis „Fotopreise Amt für Kultur Kanton Bern“ 2015: Collection Cahiers d’Artistes, Pro Helvetia 2015: Prix Irène Reymond Fondation 2017: Bourse pour artiste de plus de 35 ans, Ville de Genève, FMAC 2018: Atelierstipendium Shanghai, Pro Helvetia 2019: Atelierstipendium Landis+Gyr, 2021 London
Ausstellungen (Auswahl) 2010: The easy way out. Galerie Ex-Machina, Genève 2010: The easy way out. Standard/deluxe, Lausanne 2010: Fokus. Schweizer Videokunst, Landshuter Kunstnacht, Neue Galerie 2011: Crosnier Extra Muros. Société des arts Genève, BAC Genève 2011: Staging Voices. Progr / Stadtgalerie Bern 2011/2013/2014/2016: The easy way out. La Bande Vidéo, Québec 2012: Setting. Espace d’Art Contemporain (les halles) Porrentruy 2013: Offscreen. Halle Nord, Genève 2013: Move Movie. Centre d’Art Contemporain, Yverdon-les-Bains Swiss Art Awards, Messe Basel 2014: Bieler Fototage 2015: Embedded Language. Dazibao Montréal 2015: TWISTING C(R)ASH. Le Commun, Genève 2015: Geschichte in Geschichten. Helmhaus Zürich 2016: TWISTING C(R)ASH. Athen 2016: Komplexe Systeme. E-Werk Galerie für Gegenwartskunst Freiburg iB 2017: Espace libre, Biel 2017: Extended Cahiers. Ground, Moscow 2017: Work in motion. Mast Bologna 2018: Stumble and choose. Médiathèque FMAC Genève 2018: Gut gespielt. Der Mensch und sein Avatar. Alte Fabrik Rapperswil-Jona 2018: Multiple Contexts. Around Space Gallery Shanghai 2018: Choreography of the Frame. Kunsthalle Exnergasse Wien 2019: Film as idea, film as film, film as art. Galeria Studio Warsaw 2019: Body+Soul, Genève 2020/2021: Performance. Optica, Montreal 2020/2021: Inside. Standard/deluxe, Lausanne 2020: INSIDE. Centre d'art contemporain Yverdon les Bains
Bibliographie (Auswahl) Christoph Lichtin: Aeschlimann Corti Stipendium der Bernischen Kunstgesellschaft 2007. Jurybericht 2007 Françoise Ninghetto: La fiction comme expérience des réalités. Kunstbulletin 5/2011 Merel van Tilburg: Setting. Citysharing 2013 Brita Polzer: Bühnen für den Krieg. Kunstbulletin 12/2013 Samuel Schellenberg: Millefeuille. Le Courrier 7. Dezember 2013 Robert Ireland: Prix de la Fondation Irène Reymond 2015. Pressemitteilung Brita Polzer: Gabriela Löffel - Die beunruhigende Abstraktion der Macht. Kunstbulletin 6/2016 Annette Hoffmann: Gabriela Löffel. Die Schweizerin erkundet in ihren Videos die Codes der Macht. Artline 8. Juni 2016 Daniel Morgenthaler: Evolution without Heavy Metal. Cahiers d’Artistes, Pro Helvetia, Basel 2015 Andrea Cinel: Avec le cinéma on parle de tout, on arrive à tout. Collection Cahiers d’Artistes, Pro Helvetia 2015 Sigrid Adorf: Offscreen – Wenn Bilder jenseits ihrer Ränder zurückblicken. Images as Agents. Fink Verlag 2019 Sønke Gau: Inside› the Market. Kunstbulletin 04.2020 Florence Millioud-Henriques: Gabriela Löffel désarme les lieux de pouvoir. 24heures / Tribune de Genève 05/2020 Karine Tissot, Sigrid Adorf: Écouter un film. Art&Fiction 2020
Ankäufe/Sammlungen (Auswahl) Kunstsammlungen des Bundes, Bundesamt für Kultur Schweiz Schweizerische Nationalbibliothek Collection des Beaux-Arts Jura Kantonale Kunstsammlung Bern, Amt für Kultur Kanton Bern FMAC / Fonds d‘art contemporain de la Ville de Genève MAST, Collection of Photography, Bologna
Weblinks Text zu den Swiss Art Awards 2020 Website der Künstlerin Gabriela Löffel auf Vimeo
Einzelnachweise
Kategorie:Installationskünstler (Schweiz) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1972 Kategorie:Frau