Der Spion (Originaltitel The Courier) ist ein Thriller von Dominic Cooke, der am 24. Januar 2020 unter dem Titel Ironbark beim Sundance Film Festival erstmals gezeigt wurde und am 19. März 2021 in ausgewählte US-Kinos kam. Der mit internationalen Schauspielern besetzte Film erzählt die wahre Geschichte des britischen Geschäftsmannes Greville Wynne, der vom britischen MI-6 und der CIA eingesetzt wird, um den sowjetischen Offizier Oleg Penkowski als Quelle zu entwickeln und abzuschöpfen.

Handlung Der britische Geschäftsmann Greville Wynne wird vom britischen MI-6 und der CIA-Mitarbeiterin Emily Donovan rekrutiert. Er soll in einer verdeckten Operation eine Partnerschaft mit dem sowjetischen Offizier Oleg Penkowski eingehen, der das Staatskomitee für wissenschaftliche Forschung in der Sowjetunion leitet, um an wichtige Informationen zu gelangen, die einen nuklearen Konflikt zwischen den USA und der Sowjetunion verhindern und die Kubakrise entschärfen sollen. Wynne soll bei seinen Reisen einfach nur so tun, als wäre er ein ganz gewöhnlicher Geschäftsmann.

Als typischer Brite raucht und trinkt Wynne zu viel, doch auch der Alkohol kann seine Ängste nicht völlig vertreiben. Nicht nur des Kalten Krieges wegen ist Wynne besorgt, sondern auch wegen seiner Hypothek für sein kleines Häuschen. Seine Frau Sheila macht sich Sorgen, wenn er sich immer wieder nach Moskau begibt, und der hochrangige Militäroberst Penkowski, den Wynne regelmäßig dort trifft, ist wiederum tief besorgt über Nikita Chruschtschow und dessen temperamentvolle Persönlichkeit. Penkowski gibt die Informationen über das Atomprogramm der UdSSR an Wynne weiter, weil er als Patriot die Hoffnung hat, so einen Nuklearkrieg abzuwenden, der zig Millionen Menschen das Leben kosten könnte. Er fühlt sich dabei nicht wie ein Verräter, sondern sieht durch die Entwicklung der Kubakrise, die den Kalten Krieg anheizt, und die Geschwindigkeit des Wettrüstens keine andere Möglichkeit, als den Westen über das Atomprogramm seines Landes in Kenntnis zu setzen.

Nachdem Wynne für Penkowski anfänglich nur ein Mittel zum Zweck ist, lernen sich die beiden Männer im Laufe der Zeit besser kennen, rauchen und trinken gemeinsam und führen lange Gespräche. Letztlich verbindet sie nicht nur ihr gemeinsamer Wunsch, etwas zum Gemeinwohl beizutragen, sondern eine tiefe Freundschaft.Mel Valentin: Review: THE COURIER, Modest Spy Thriller. In: screenanarchy.com, 28. Oktober 2020.Anthony Lane: Cold War Connections in „The Courier“. In: The New Yorker, 15. März 2021.

Biografisches und Historisches Der als Elektroingenieur tätige Greville Wynne studierte an der University of Nottingham und gründete 1950 sein eigenes Unternehmen. Als Exporteur unternahm er viele Auslandsreisen, einschließlich in Ostblockländer.Greville Wynne, Spy for Britain In the Soviet Bloc, Is Dead at 71. In: The New York Times, 2. März 1990. Da diese Reisen die ideale Deckung für eine Spionagetätigkeit boten, wurde er im November 1960 vom MI-6 angeworben und gebeten, eine Verkaufsreise nach Moskau zu unternehmen. Er wurde mit dem sowjetischen Offizier Oleg Penkowski zusammengebracht.Oleg Vladimirovich Penkovsky – Soviet officer. In: britannica.com. Abgerufen am 5. Februar 2021. mini|links|hochkant=0.75|Greville Wynne Darsteller Benedict Cumberbatch Im November 1962 wurde Wynne auf einer Geschäftsreise nach Budapest festgenommen und in die Sowjetunion gebracht. Im Mai 1963 wurde er in Moskau wegen Spionage vor Gericht gestellt und zu acht Jahren Haft verurteilt. Nachdem er 18 Monate davon im Lubjanka-Gefängnis in Moskau verbüßt hatte, wurde er 1964 im Austausch gegen Conon Molody, einen sowjetischen Spion, der sich in Großbritannien Gordon Lonsdale nannte, entlassen. Oberst Penkowski, der mit ihm vor Gericht gestellt wurde, wurde wegen Hochverrats hingerichtet, seine Asche wurde in einem Massengrab beerdigt. Einer anderen Quelle zufolge soll er in einem sowjetischen Arbeitslager Selbstmord begangen haben, dies wird aber wegen der offiziellen Unterlagen angezweifelt.

Wynne verbrachte seinen Lebensabend auf der spanischen Mittelmeerinsel Mallorca und schrieb mehrere Bücher, die sich mit dem Thema Spionage beschäftigen, darunter auch die Autobiografien The Man From Moscow und The Man From Odessa. Wie er darin schrieb, war das Verhältnis zum sowjetischen Informanten Penkowski ein außergewöhnliches, und trotz anfänglicher Vorurteile und Ressentiments sei ihr Verhältnis zunehmend von gegenseitigem Respekt und Achtung voreinander geprägt gewesen.Der Spion. In: programmkino.de. Abgerufen am 28. April 2021. In seinen Autobiografien beschrieb er Oberst Penkowski als möglicherweise wertvollsten Agenten des Westens, denn dieser habe ihm Namen und Fotos von etwa 300 Geheimdienstagenten des Ostblocks zukommen lassen und auch Einzelheiten zu sowjetischen Raketenstandorten und über die Waffenproduktion zur Verfügung gestellt. Er habe ihm auch mitgeteilt, dass Nikita Chruschtschow Raketenstarts von Kuba aus plane.

Wynne war zweimal verheiratet. Seine erste Frau Sheila ließ sich jedoch nach seiner Freilassung von ihm scheiden. Sie hatten einen Sohn. Seine zweite Frau Herma van Buren, die er 1970 heiratete, war seine Sekretärin und Dolmetscherin und beherrschte acht Sprachen. Wynne starb 1990 im Alter von 71 Jahren im Cromwell Hospital in London an den Folgen von Kehlkopfkrebs. Eine Texttafel am Ende des Filmes informiert „Er starb friedlich im Jahr 1990.“

Produktion Stab und Besetzung Regie führte Dominic Cooke. Nach Am Strand aus dem Jahr 2017 handelt es sich um dessen zweiten Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Tim O’Connor. Die Filmmusik komponierte der Pole Abel Korzeniowski.

Neben den britischen Schauspielern Benedict Cumberbatch, der den neu rekrutierten Geheimdienstmitarbeiter Greville Wynne spielt, und Anton Lesser in der Rolle von Bertrand, den russischen Schauspielern Vladimir Chuprikov und Merab Ninidze in den Rollen des sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow und des Offiziers Oleg Penkowski und dem US-amerikanischen Schauspieler Angus Wright als Dickie Franks, wurden auch einige Nebenrollen mit tschechischen und slowakischen Darstellern besetzt wie Petr Klimes und Marián Chalany, überwiegend jedoch Statistenrollen. Rachel Brosnahan spielt die CIA-Mitarbeiterin Emily Donovan. Die Irin Jessie Buckley ist in der Rolle von Wynnes Ehefrau Sheila zu sehen.

Dreharbeiten mini|hochkant=1.4|Die Rozdělover Türme in Kladno dienten Gebäuden in der Sowjetunion in den 1960er Jahren als Kulisse Die Dreharbeiten wurden Mitte Oktober 2018 in London begonnen. Im November 2018 drehte man mehrere Szenen in und um den Bury Place im Stadtteil Holborn in Camden, unter anderem vor dem London Review Bookshop. Die Straßen hier wurden für den Film im Stil der 1960er Jahre umgestaltet. Das Hornsey Town Hall Arts Center im Herzen von Crouch End war im Film gleichzeitig die U-Bahnstation South Kensington. Auch das legendäre Nell Gwynn House an der Sloane Avenue in den Londoner Stadtteilen Kensington und Chelsea diente als Drehort für einige Szenen des Films. Es wurde so umgebaut, dass es wie das London Royale Hotel aussieht. Die Szenen im Flugzeug und am Flughafen wurden auf dem Flugplatz Duxford gedreht, der dem Imperial War Museum gehört. Hierbei nutzte man für die Innenaufnahmen im Flugzeug eine Viscount von British European Airways G-ALWF.Prizmi Tripathi: Where Was The Courier Filmed? In: thecinemaholic.com, 27. August 2020.

Als Drehorte in Prag dienten neben verschiedenen Straßen das Nationalmuseum, das Rudolfinum, das Hotel International und das Kongresszentrum. Zudem drehte man in den tschechischen Städten Kladno, Mladá Boleslav und Roudnice nad Labem. Diese dienten verschiedenen Orten in der UdSSR als Kulisse, so dem Bolschoi-Theater, dem Kreml und dem Flughafen Moskau-Scheremetjewo.The Courier (Ironbark). In: filmcommission.cz. Abgerufen am 28. April 2021. In Kladno drehte man vor der Kulisse der sogenannten Rozdělover Türme, eine Reihe von sechs Mehrfamilienhäusern.Kladenské věžáky opět přitáhly filmaře. Natáčejí zde snímek ze šedesátých let. In: kladenskelisty.cz, 29. November 2018. (Tschechisch) Die Dreharbeiten endeten am 7. Dezember 2018. Nachdrehs erfolgten im März 2019, da Cumberbatch für die Rolle eine physische Transformation durchlaufen musste und drei Monate Zeit benötigte, um an Gewicht zu verlieren. Als Kameramann fungierte der US-Amerikaner Sean Bobbitt.

Veröffentlichung Die Premiere des Films erfolgte am 24. Januar 2020 beim Sundance Film Festival, dort unter dem Titel Ironbark. In: sundance.org. Abgerufen am 29. August 2020. (PDF; 1,1 MB) Ende September feierte er beim Zurich Film Festival seine Europapremiere.ZFF bestätigt zwölf weitere Gala-Premieren. In: zff.com, 4. September 2020. Im Oktober 2020 wurde er beim Festa del Cinema di Roma gezeigt.Program: Festa del Cinema di Roma 15th Edition. In: romacinemafest.it. Abgerufen am 26. Oktober 2020. (PDF; 2,3 MB) Am 19. März 2021 kam der Film unter dem Titel The Courier in ausgewählte US-Kinos.The Courier. In: boxofficemojo.com. Abgerufen am 27. Februar 2021. In der Schweiz erschien der Film ebenfalls unter dem Titel The Courier.The Courier. In: cineman.ch. Abgerufen am 23. Januar 2021.The Courier / Ironbark. In: cineimage.ch. Abgerufen am 23. Januar 2021. Ein Kinostart in Deutschland erfolgte am 1. Juli 2021 unter dem deutschsprachigen Titel Der Spion.Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 1. Juli 2021.

Rezeption Altersfreigabe und Einspielergebnis In den USA wurde der Film von der MPAA als PG-13 eingestuft.The Courier. In: movieinsider.com. Abgerufen am 13. Januar 2021. In Deutschland wurde der Film von der FSK ab 12 Jahren freigegeben.

Die weltweiten Einnahmen des Films aus Kinovorführungen belaufen sich auf 26 Millionen US-Dollar.The Courier. In: Box Office Mojo. Abgerufen am 30. Dezember 2021.

Kritiken Insgesamt stieß der Film bei den Kritikern auf ein recht positives Echo und wurde von 85 Prozent dieser bei Rotten Tomatoes bislang positiv bewertet. mini|Oleg Penkowski mini|202px|Penkowski Darsteller Merab NinidzeBjörn Schneider, Filmkorrespondent der Gilde deutscher Filmkunsttheater, schreibt, mittels einfühlsamer, nuancierter Charakterisierungen von Oleg Penkowski und Greville Wynne finde der Film einen Zugang zu den Beweggründen, Motivationen sowie inneren Befindlichkeiten der beiden Figuren. Schnell werde klar, dass die möglichen Auswirkungen ihrer Entscheidungen und Taten dramatisch seien und nicht nur das eigene Leben gefährden könnten. Penkowski sei dabei nicht weniger interessant und ambivalent als der unbedarfte Wynne. Dramaturgisch und inszenatorisch gehe Dominic Cooke weitestgehend auf Nummer sicher und baue auf etablierte Spionage- und Agentenfilm-Mechanismen, so Schneider. Betont schlicht, unaufgeregt und unaufdringlich erzähle er vom Wagemut einiger um den Weltfrieden besorgter Agenten und Geheimdienstler, denen klar ist, dass Mut meist mit ernsthaften Risiken und der Gefahr des Scheiterns verbunden ist. Zuschauer, die ein Faible für geschichtskundliche, historische Dramen über couragierte Unterhändler hätten, kämen bei dem Film in jedem Fall auf ihre Kosten.